Das System - Alles verstehen heißt alles verzeihen

   Kinostart: 12.01.2012
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Macht und ihr Preis: Marc Bauders gut recherchierter Thriller vermengt ein Familiengeheimnis mit den finsteren Umtrieben alter Stasi-Seilschaften zum packenden Politkrimi.

Mit seinem Kumpel lebt Mike im Rostocker Plattenbau in den Tag. Der vaterlos aufwachsende Herumtreiber zeigt kleinkriminelle Ambitionen, wird beim Einbruch in einen Luxus-Bungalow allerdings von dessen Eigentümer Konrad gestellt. Der ist ein reicher Baulöwe, kannte Mikes verstorbenen Vater Rolf und nimmt sich des Jungen an, indem er ihn in sein Klüngel-Business einspannt. Nach einem Schnellkurs in Bestechung und Erpressung will der gelehrige Schüler mehr über Rolf erfahren - und gerät in noch aktive Agentenzirkel der ehemaligen DDR.

Ein vaterloser Rostocker Junge wird von einem reichen Baulöwen eingespannt und gerät unversehens in alte Stasi-Seilschaften. Marc Bauders Thrillerdrama vermengt Familiengeheimnisse mit den Umtrieben alter Stasibeamter.

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Kritikerrezensionen

  • Das System - Alles verstehen heißt alles verzeihen: Die Macht und ihr Preis: Marc Bauders gut recherchierter Thriller vermengt ein Familiengeheimnis mit den finsteren Umtrieben alter Stasi-Seilschaften zum packenden Politkrimi.

    Die Macht und ihr Preis: Marc Bauders gut recherchierter Thriller vermengt ein Familiengeheimnis mit den finsteren Umtrieben alter Stasi-Seilschaften zum packenden Politkrimi.

    Eine brisante Perspektive auf die Wende und die Schatten der Vergangenheit präsentiert der Dokumentarist Marc Bauder („jeder schweigt von etwas anderem“), der sich nach langjährigen Recherchen über die Hintergründe des Baus der russischen Gas-Pipeline nach Westeuropa entschloss, diese Tatsachen als Fiktion zu inszenieren. Sein präzises Spielfilmdebüt ist ein nachdenklicher wie spannender Politthriller, der Schicht um Schicht enthüllt, wie die institutionalisierte Unmenschlichkeit des Stasi-Apparats bis in die nächste Generation fortwirkt.

    Sein Protagonist, der im Wendejahr geborene, vaterlos in Rostock aufgewachsene Mike, wird mit seinem Kumpel beim Einbruch in einen Luxus-Bungalow von dessen Eigentümer überrascht. Der stellt sich als Baulöwe Konrad heraus, stinkt nach Geld und kannte Mikes Vater Rolf. Er überzeugt den Jungen von einem besseren Geschäftsmodell und spannt den Herumtreiber mit kleinkriminellen Ambitionen ins Business ein, gegen den erbitterten Widerstand von Mikes Mutter Elke: Beim Schnellkurs Bestechung und Erpressung erweist er sich als gelehriger Schüler, wenn es darum geht, mit der Ausschreibung für ein gewaltiges Pipeline-Projekt den Jackpot zu knacken. Mike lernt ein paar knallharte Regeln des Killerkapitalismus kennen, zum Beispiel, dass es immer einen noch größeren Haifisch gibt.

    Obwohl Konrad sich als ehemaliger Stasi-Agent mit guten Connections zu alten Seilschaften entpuppt, den Junior manipuliert und notfalls auch mit ihm Schlitten fährt, verkennt Mike, was für ein Wolf sein Mentor ist. Auch deshalb, weil er mehr über seinen Vater erfahren will, doch was sich zunächst wie eine Studie über die Allianz von Wirtschaft und Politik ausnimmt, gerinnt zu einem Familiendrama, an dessen Ende bitterste Erkenntnisse stehen - über Mikes Eltern und ein perfider Mordauftrag. Wie Bauder Familiengeheimnisse und Politkrimi vereint, ständig neue Facetten bloßlegt und dabei die Milieus genau trifft, verblüfft einfach.

    Alte sozialistische Kader mischen immer noch mit in einem skrupellosen Poker um Macht, auch wenn die Staatsform gewechselt hat: Es braucht kein hohes Budget, um im schroffen Schwarz einer dunklen Bilderwelt, die sich wohltuend von properer TV-Ästhetik abhebt, die DDR-Vergangenheit als auf unheimliche Weise lebendig zu beschreiben und wie dieses System Freundschaften und Menschlichkeit zerstörte. Diesen Knoten aus Schuld, Selbsthass und emotionalen Altlasten zu durchschlagen, bedarf Mut, der einen Neuanfang ermöglicht - zwanzig Jahre nach der Wende.

    tk.

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