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Fakten und Hintergründe zum Film "Das M?dchen aus Monaco"

Fakten und Hintergründe zum Film "Das M?dchen aus Monaco"
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Interview mit Regisseurin Anne Fontaine

Wie ist das Projekt von „DAS MÄDCHEN AUS MONACO“ entstanden?

Ausgangspunkt war die Gestaltung einer Persönlichkeit, die die Illusion hat, ihr Leben völlig im Griff zu haben. In diesem Fall ein Rechtsanwalt, der als Verteidigungs- und Angriffsmittel nur die Sprache hat. Was mich daran interessierte, war es, eine Persönlichkeit auszuarbeiten, bei der Erotik durch die Sprache ausgedrückt wird. Diese Figur ist durch mein Treffen mit Fabrice Luchini entstanden. Wir kennen uns seit langem, weil er unter meiner Regie in „Reise ans Ende der Nacht“ 1985/86 gearbeitet hat. Mich haben schon immer seine Einzigartigkeit, seine Fantasie und seine große Verletzlichkeit fasziniert. Das Treffen mit ihm hat die Ausgestaltung der Rolle deutlich beeinflusst.

Wie haben Sie diese Figur weiterentwickelt?

Ich stellte mir die Frage nach seiner Spontaneität und Sexualität. Bertrand ist ein ewiger Junggeselle, dessen frühere Liebesaffären wir nicht kennen. Jedoch entdeckt man sehr schnell, dass es sich um eine Art Verführer handelt, der, bevor es zur Sache kommt, von seinem Objekt der Begierde zurückschreckt. Diese Flucht verdeutlicht seine Angst, die Orientierung zu verlieren. Wenn er sich selber erlauben würde, sich zu verlieben und sich dem anderen hinzugeben, würde er sicherlich einen Teil von sich selbst wieder finden, vor dem er sich vage fürchtet. Ich wollte untersuchen, was für ein Mensch sich hinter dieser intellektuellen Fassade verbirgt, der sich gegen jede Hingabe wehrt. Und dennoch, wenn man sein Alter betrachtet, hat er nichts zu verlieren: Warum gibt er sich nicht dem Vergnügen hin? Diese Fragestellung interessierte mich.

Genau hier kommt die Persönlichkeit von Roschdy Zem ins Spiel.

Ja. Weil ich einen Gegenentwurf zum Rechtsanwalt suchte. Ich wollte Bertrand eine Person gegenüberstellen, deren Bezug zur Libido viel einfacher ist und der Fragen als unnütz und ermüdend empfindet. Äußerlich scheint er aalglatt, aber man merkt, dass er sich selbst nur mit Hilfe von Martial Arts beherrschen kann. Ich sah ihn als eine Art Freund und Coach für Bertrand. Aber ich wollte das alles unter dem Blickwinkel einer Komödie darstellen: Der Intellektuelle, dargestellt von Luchini, und der Bodyguard, von Roschdy Zem interpretiert, sollten von Anfang an als Gegenpole auftreten, um nach und nach in einer besonderen Beziehung zu verschmelzen.

Man ahnt, dass sie sich anfreunden werden …

Das sind wahrscheinlich die zwei gegensätzlichsten Charaktere aus all meinen Filmen. Zunächst weist nichts darauf hin, dass sie sich annähern werden, sie sind auch äußerlich völlig verschieden. Das kantige Äußere von Christophe wirkt auf Bertrand sowohl Furcht einflößend als auch beruhigend. So nimmt sich Christophe auch sehr schnell der Unfähigkeit von Rechtsanwalt Bertrand an, zur Tat zu schreiten, wie man es auch in der Szene mit Jeanne Balibar sieht. Bevor ich zu der Beziehung mit Audrey gekommen bin, ging ich zunächst von einer sehr engen Beziehung zwischen Bertrand und Christophe aus. Es gibt in diesem überraschenden Tandem zwischen den beiden Männern zweideutige und komische Aspekte.

Zwischen den beiden gibt es fast ein Spiel um die sadomasochistische Herrschaft …

In der Tat nimmt Christophe seine Mission als Bodyguard so ernst, dass er sich voll und ganz für das Leben von Bertrand einsetzt. Während Bertrand sich in seiner Beziehung mit Audrey zu verlieren scheint, nimmt Christophe immer mehr die Zügel in die Hand. Was mich interessierte, war, wie sehr sich dieser Bodyguard in das Gefühlsleben und Schicksal des Anwalts einmischt, weil er sich dafür verantwortlich fühlt. Auf der einen Seite bewundert Christophe Bertrand, aber auf der anderen Seite gesteht Bertrand seinem Bodyguard eine völlig ungewöhnliche Rolle zu, die später alles zum Umsturz bringt. Nur auf Grund der besonderen Solidarität von Christophe nimmt Bertrand emotionale und psychische Risiken auf sich. Während der Rechtsanwalt versucht, sein Leben zu vereinfachen, fängt der Bodyguard plötzlich an, Dinge des Lebens zu hinterfragen. Mir gefiel die Konfrontation zwischen einem gebildeten Bürger und einem etwas frustrierten Menschen, der es mir erlaubte vom Klassenbewusstsein zu sprechen, ohne aber belehrend zu wirken.

Roschdy Zem hat übrigens eine sehr starke Präsenz auf der Leinwand …

Ich hatte ihn bei meinem ersten Film „Les histoires d’amour finissent mal…en general“ getroffen. Als ich ihn wieder sah, wurde mir seine sehr maskuline Art bewusst, die perfekt auf die Rolle des Bodyguards passte. Roschdy ist einer der wenigen Schauspieler im französischen Kino, von dem eine Art „Animalität“ ausgeht.

Die Tatsache, dass Christophe und Audrey ein Liebespaar waren, macht die Geschichte noch komplizierter …

Ich wollte vor allem nicht, dass diese alte Romanze wie eine psychologisierende Erklärung für die Haltung von Christophe ist. Stattdessen gefiel mir, dass das zwischen Audrey und Christophe auf den ersten Blick nur wie ein Abenteuer aussah, ohne besondere Bedeutung. Ich sage „auf den ersten Blick“, weil man feststellen kann, dass die Anziehungskraft von Bertrand für dieses Mädchen bei Christophe etwas Unbestimmtes auslöst, sowie seine Eifersucht in Bezug auf Audrey, weil sie mehr und mehr Platz im Leben des Anwalts einnimmt. Der Bodyguard versteht nicht, wie dieser geistreiche Mann, den er so bewundert, sich für so ein gewöhnliches Mädchen interessieren kann!

Während Bertrand etwas Weibliches an sich hat und Christophe die absolute Männlichkeit verkörpert, bekommen wir das Gefühl, dass sich die sexuellen Pole umdrehen: Bertrand wird maskuliner und Christophe wird verletzlicher.

Es stimmt, dass Bertrand zunächst weder äußerlich, noch moralisch dem Bild eines maskulinen Mannes entspricht: Obwohl er sehr beherrscht ist, ist er in Bezug auf Frauen instabil und zeigt wirkliche Schwäche. Christoph hingegen entwickelt bestimmte weibliche Charakterzüge. Mich interessieren Figuren, die nicht statisch bleiben: Es gibt nichts Frustrierenderes in einem Film, als wenn die Geschichte die Menschen nicht verändert und Dinge aufdeckt, die bis dahin verborgen waren. Deshalb mochte ich die Idee, dass dieser Bodyguard verletzlich wird und ihm es nicht mehr gelingt, die berühmten sechs Meter Sicherheitsabstand zu wahren, von denen er die ganze Zeit spricht. Er will eigentlich überhaupt nicht die symbolische Grenze überschreiten und auf die Wünsche von Bertrand eingehen … Plötzlich regt sich etwas in dem Anwalt, was ihn menschlich macht, als hätte er seine Verirrung bemerkt, die er selbst hervorgerufen hat. Denn im Grunde hat er den Bodyguard unfreiwillig in eine gefährliche Lage gebracht. Bertrand wird zum ersten Mal in seinem Leben mit Schuld konfrontiert, ein für den Anwalt völlig fremdes Gefühl, da er sich normalerweise nicht in Angelegenheiten einmischt, die ihn nichts angehen. Seine Reaktion in diesem Moment ist von großer Bedeutung und ungeahnter Tiefe, ja sogar einer gewissen Männlichkeit: Er wird also zum Beschützer seines Leibwächters. Wie bei einem traditionellen Paar, wenn Christophe und Bertrand sich in einer gefährlichen Situation wieder finden, verhalten sie sich solidarisch zueinander und teilen eine gewisse Mitverantwortung.

Es ist das erste Mal, dass Sie eine weibliche Figur wie die der Audrey inszeniert haben.

Ich hatte noch nie über eine Frauenfigur wie sie geschrieben. Sie ist rein sinnlich und will unbedingt sozial aufsteigen, ohne andere machiavellistisch zu beeinflussen. Ich fand es amüsant, einen Typen wie Bertrand, der sich an kultivierte und gebildete Frauen wendet, mit einer Frau, von nicht außerordentlichem Intellekt, zu konfrontieren. Plötzlich wird dieser Mann, der sonst so gut seine Sprache beherrscht, sprachlos, und deshalb auch den anderen gegenüber machtlos. Audrey, trotz ihrer Unzulänglichkeiten, berührt genau die Seite von Bertrand, die ihr Widerstand leistet. Dank ihr gibt er sich zum ersten Mal in seinem Leben hin.

Wie haben Sie sich dafür entschieden, wer die Rolle der Audrey übernimmt?

Ich wollte, dass sie auf der einen Seite eine „Femme Fatal“ und auf der anderen Seite sehr natürlich ist, kombiniert mit einer bestimmten Makellosigkeit. Ihre Rolle hing sehr von der Wahl der Schauspielerin ab, und ich habe auf die ideale Person gewartet. Als ich Louise Bourgoin zum ersten Mal sah, hatte ich das gleiche Gefühl, wie mit Stanislas Merhar zurzeit von „Nettoyage à sec“: Sie war nicht gekünstelt und versuchte nicht eine Rolle zu erfinden. Ich wusste instinktiv, dass sie auf Luchini jene Wirkung auslösen würde, die ich suchte.

Wie haben Sie Fabrice Luchini Regieanweisungen gegeben?

Ich habe das Gefühl, dass man oft ein Dokument über „die Schauspieler, mit denen man arbeitet“ entwickelt. Selbst wenn natürlich Fabrice Luchini sich nicht selbst mit seiner Rolle verwechselt, finde ich es immer aufregend, wenn sich die persönliche Entwicklung eines Schauspielers mit seiner Rolle vermischt. Ich denke, dass Luchini, der in der Regel kontrolliert ist, Sachen im Film liefert, die man selten vorher gesehen hat: Verletzbarkeit, Schmerz und vor allem geistige Verwirrung. Ich finde, dass er etwas Unentschlossenes und Kindliches hat, als sei er noch nicht im Erwachsenenalter angekommen. Ich wollte, dass er seine Rolle nicht beeinflusst. Er hatte manchmal das Gefühl nichts zu tun und genau dieses „Nichts“ interessierte mich. Schauspieler wie er, die ein echtes komisches Talent haben, verstecken sich oft hinter einer Maske und haben Schwierigkeiten damit, zu verstehen, dass sie manchmal gerade dieses „Nichts tun“ interessant macht. Fabrice, wie auch Michel Bouquet, weiß, dass sich gerade in diesem „Nichts“ das Menschliche einer Rolle zeigen kann. Je größer die Persönlichkeit des Schauspielers, desto interessanter ist es, diese einzubremsen. Es scheint mir, dass sich gerade in dieser Dualität die größte Wahrheit offenbart.

In ihren Filmen spielen die Schauplätze oft eine besondere Rolle. Das 13. Arrondissement in „Augustin roi du kung-fu“, Belfort in „Nettoyage à sec“ und hier Monaco.

Ich kann keinen Ort auswählen, der nicht einen psychologischen Einfluss auf die Personen ausübt. Mit dem wohlgeordneten Fürstenstaat Monaco assoziiert man beispielsweise Sicherheit, und man kann sich nicht vorstellen, dass es dort Gefängnisse gibt. Mir gefällt es, den Kontrast zwischen einer intellektuell brillanten Person und einem Ort, der mir als märchenhaft erscheint, herauszuarbeiten. Ich stellte diese Geschichte in ein Operettendekor, um dem Film eine Nuance der Lächerlichkeit und eine gewisse Absurdität zu geben.

Die Einrichtung des Zimmers von Audrey, zu Ehren von Lady Di, ist unwiderstehlich.

Es war ein Vorteil in Monaco zu drehen, weil die Kriterien für Eleganz nicht die gleichen sind wie die in Paris. Ich fand, dass das Zimmer von Audrey Teil der psychischen Verlorenheit ausmachte, die dieses Mädchen in Bertrand verursacht. Wenn der Anwalt in ihrem Zimmer ist, verliert er jeden Sinn für Kritik. Guter Geschmack wird unwichtig.

Haben Sie sich über den Beruf des Anwalts informiert?

Ich recherchiere immer eingehend das Milieu, das ich in meinen Filmen zeige. Ich habe das Gefühl, dass man ein Milieu nicht zeigen kann, wenn man es nicht selbst genau erlebt und erforscht hat. Ich habe ganz genau Gerichtsprozesse verfolgt und Anwälte im täglichen Leben beobachtet. Man ist sich nicht bewusst, bis zu welchem Punkt der Beruf das Verhalten eines Menschen beeinflusst. Eigentlich haben Anwälte viele Gemeinsamkeiten mit Schauspielern. Wie sie, können sie sich manchmal als wichtig aufspielen oder sich auch zurücknehmen.

Die Anwesenheit von Stéphane Audran evoziert zahlreiche Films Noirs.

Ich brauchte eine Schauspielerin, die innerhalb von zehn Sekunden verspüren lässt, dass sie etwas begonnen und keinerlei Gewissensbisse hat. Stéphane ist eine Schauspielerin, die ich immer bewundert habe. Sie ist wunderbar in den Filmen von Chabrol. Ich fand es amüsant, dass gegen Ende des Films der Anwalt und seine Mandantin sich in völlig umgekehrten Situationen wieder treffen. Darin liegt die Ironie des Schicksals, die, wie es mir scheint, immer gewinnt.

Interview mit Fabrice Luchini (Bertrand Beauvois)

Sie kennen Anne Fontaine seit Anfang der 80er Jahre?

Ja, und schon seit langem sage ich ihr, dass mich Filme, die sich auf Frauen und Paare beziehen, interessieren. Als sie mir dieses Projekt vorschlug, war ich zunächst ziemlich verwirrt, sogar eher ablehnend eingestellt. Aber ihre Entschlossenheit und ihre starke Persönlichkeit haben es geschafft, mich zu überzeugen.

Welche Person in dieser Geschichte hat Sie besonders angesprochen?

Bertrand, meine Rolle, ist ein Mann der nicht viel mit Frauen zu tun haben möchte. Ich brauche wenig psychologische Hintergrundinformationen über die Charaktere, die ich spiele, und diese Anfangsbedingung hat ausgereicht, um mich für diese Rolle zu interessieren.

Und als Schauspieler – haben Sie gewisse Affinitäten zum Anwaltsberuf verspürt, wie es auch Ihre Rolle vorgibt?

Es war nicht der Wunsch von Anne Fontaine, dass ich einen theatralischen Anwalt verkörpere. Meist ist er gezügelt und verhalten.

Wie sehen Sie Bertrand ?

Er ist ein Mann, der von der strahlenden Persönlichkeit der Louise Bourgoin völlig eingenommen und überwältigt ist, so dass er sein Selbstwertgefühl fast verliert. Was mich an dieser Rolle am meisten interessierte, war die Selbstaufgabe eines Mannes, der zwar als Rechtsanwalt gewandt argumentieren kann, aber einer Frau, die nicht den gleichen Gesetzescode wie er verwendet, völlig ausgeliefert ist.

Wie kommt es, dass sich ein gebildeter Mann wie Bertrand in eine junge Frau wie Audrey so verliebt?

Vielleicht könnte man diese Anziehungskraft mit jener von Odette de Crecys vergleichen, von der sich Swann in Prousts bekanntestem Werk „Eine Liebe Swanns“ angezogen fühlt. Ich bin davon überzeugt, dass eine Person, die einen aus dem persönlichen Gleichgewicht bringt ohne Halt zu geben, keine sexuelle Ausstrahlung ohne intellektuelle Resonanz auslösen kann.

Zwischen Bertrand und Christophe, seinem Bodyguard, gibt es beinahe eine sadomasochistische Faszination, die die beiden miteinander verbindet …

Ich frage mich, was die anderen darstellen. Da ich nicht immer ihre Rollen verstehe, kann ich mit Hilfe des Films, das Rätsel, das meine Spielpartner verkörpern, lösen. Plötzlich fällt es mir leicht, von einer Person wie Roschdy fasziniert zu sein, weil ich die Person nicht vom Individuum trennen kann.

Und Louise Bourgoin ?

Sie ist eine außergewöhnliche Person! Ein junges Mädchen, von den Göttern gesegnet, das die Liebe zelebriert. Sie jeden Tag zu sehen, war allein schon Vorfreude und Versprechen genug. Obwohl sie noch Vieles lernen muss, fühlt man, dass sie schon Vieles weiß. Wenn man mit ihr spielt, wird man von ihrer eigenen Welt, die sie umgibt, erfasst.

Man merkt, dass Sie viel Spaß beim Filmdreh hatten.

Was ich besonders am Kino schätze, ist die Beziehung zwischen den Schauspielern. Das ist die einzige Freiheit, auf die der Regisseur keinen Zugriff hat. Gleichzeitig entwickeln sich auf und außerhalb des Drehortes Beziehungen und Freundschaften zwischen den Schauspielern. Eine intelligente Regisseurin wie Anne Fontaine benutzt diese freundschaftlichen Beziehungen für ihre Filmprojekte.

Wie gibt Anne Fontaine ihren Darstellern Anweisungen?

Sie gibt genaue und strenge Anweisungen beim Dreh. Es ist schon beeindruckend, wie wir Schauspieler uns ihrer meisterlichen Hand völlig ergeben können und wollen. Die Schauspieler schlagen ihr ihre eigenen Ideen für die Charaktere vor und die Regisseurin wählt sie dann je nach dem aus oder auch nicht. Genau das passiert mit Anne Fontaine. Die Rollenfreiheit ist somit eingeschränkt.

Interview mit Roschdy Zem (Christophe Abadi)

Was begeistert Sie an diesem Film?

Mir gefällt vor allem die zweideutige Beziehung zwischen Bertrand, gespielt von Fabrice Luchini, und Christophe, meiner Rolle, die sowohl einer Liebesbeziehung, als auch einer mütterlichen Bindung ähnelt.

Haben Sie darüber hinaus auch die Haltung von Bodyguards studiert?

Wir haben mit Anne Fontaine einen Leibwächter kontaktiert, der mit uns das Drehbuch durchgespielt hat. Er hat mir mehrere Anregungen für meine Rolle gegeben. Zum Beispiel hat er uns gesagt, dass man von einem so genannten „Sicherheitsabstand“ spricht. Des Weiteren hat er mir erklärt, dass man sich immer seinem Gesprächspartner zuwendet, weil das eine weniger aggressive Haltung sei, wie von der Seite. Und dass man sich immer durch eine kugelsichere Weste schützt. Er hat uns das alles mit einer bestimmten Naivität erzählt, die mich berührt hat und die ich für diese Rolle versucht habe wiederzugeben. Darüber hinaus habe ich vor „DAS MÄDCHEN VON MONACO“ mehrere Wochen mit Männern von RAID verbracht. Dort habe ich in der Persönlichkeit von Christophe den Geist dieser Jungs wieder gefunden: Dieses Abfärben des Berufs aufs Privatleben, was ihre Ausdrucksweise in ihren Unterhaltungen angeht.

Wie haben Sie die Figur entwickelt?

Ich fand interessant, dass es sich nicht um einen Elite-Leibwächter mit einer P-38 in der Tasche handelt, sondern um einen gewöhnlichen Typen mit einem Handy statt einer P-38! Es gibt keinen Platz für Unerwartetes in seinem Beruf. Übrigens ist das typisch für die Bodyguards, die man in Cannes oder anderswo antrifft: Sie sind derartig übereifrig, dass sie sogar fast Menschen, die sie nicht wieder erkennen, die sog. Stars, die sie angeblich schützen sollten, weg stoßen!

All das habe ich bei der Entwicklung meiner Rolle berücksichtigt.

Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Bertrand und Christophe?

Christophe ist total fasziniert von der Intelligenz von Bertrand. Dieser Mann stellt in seinen Augen eine unerreichbare Welt dar. Als deshalb der Anwalt ihn an seiner Welt teilnehmen lässt, scheint Bertrand sich ganz anders als seine anderen Klienten zu verhalten. Umgekehrt fasziniert Bertrand bei seinem Leibwächter die Einfachheit, mit der er die meisten Situationen erfasst. Für ihn gibt es für jedes Problem eine Lösung.

Anne Fontaine spricht sogar von einem „Paar“, wenn sie über das Tandem, das Sie mit Fabrice Luchini bilden, spricht.

Es ist tatsächlich ein Paar, das am Anfang des Films geschaffen wird, mit einem, der liebt und einem anderen, der geliebt wird. Wie in allen Liebesgeschichten wird die Beziehung ausgeglichen sein und dann aber auch Eifersuchtskrisen erfahren. Deshalb, weil es für Christophe unwahrscheinlich ist, dass Bertrand diese Frau lieben kann: Er hatte einst eine Affäre mit ihr und er ist der Auffassung, dass sie es nicht wert sei. Er würde Bertrand lieber mit einer Frau sehen, die mehr seinem sozialen Status entspricht. In dieser Hinsicht übernimmt Christophe fast eine Art Mutterrolle für den Anwalt: Er will also das Beste für ihn. Das bedeutet aber nicht, dass Audrey kein Teil davon ist.

Man spürt, dass die Geschichte, die zwischen Christophe und Audrey lief, ungelöst ist …

Sie ist eine höchst sinnliche Frau, die sehr wohl weiß, dass je nach ihrem Willen jeder Mann ihrem Charme erliegt oder - im Falle von Christophe - wieder erliegt. Deshalb kämpft Christophe tapfer dagegen an, sie nur anzuschauen und sich erneut von ihr verführen zu lassen. Für mich war es wichtig, dass er ihr keinen wilden Hass entgegenbringt. Er hat ohne Zweifel mit ihr erlebt – natürlich auf eine andere Weise – was jetzt Bertrand mit ihr erlebt. Er leidet immer noch unter der Wunde, die noch nicht verheilt ist: Als er Audrey wieder sieht, hat er Angst davor, dass diese Wunde wieder aufbricht. Dadurch empfindet er ihr gegenüber Angst, was ihn aggressiv macht.

Wie haben Sie Christophe gespielt?

Indem ich den gemeinsamen Nenner zwischen dieser Figur und mir gefunden habe. Wir haben alle eine Vergangenheit – wie Christophe – in der wir beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht worden sind. Mit den Worten von Anne Fontaine zeige ich auch meine private Geschichte. In meinen Augen ist das die beste Art, die Personen real und glaubwürdig zu interpretieren. Selbst wenn man eine Person spielt, die einem nicht ähnlich ist.

Wie war das Drehen mit Fabrice Luchini und Louise Bourgoin?

Fabrice ist ein Schauspieler mit außerordentlichem Rhythmus und Vortragsweise, was sich als hervorragende Hilfe erwies. Es ist wie in einem Orchester, wo das leitende Instrument den Ton angibt. Ebenso hat mir die frische Natürlichkeit von Louise Bourgoin geholfen.

Interview mit Louise Bourgoin (Audrey Varella)

Wie haben Sie Anne Fontaine getroffen?

Nachdem Fabrice Luchini mich auf Canal + gesehen hatte, wo ich den Wetterbericht präsentierte, schlug er mich Anne Fontaine vor. Anfangs hat sie etwas gezögert, mir die Rolle anzuvertrauen, da ich weder Ausbildung noch Schauspielerfahrung hatte. Ich erwiderte ihr, dass ich sehr gut lügen könne! Daraufhin hat sie etwas Angst bekommen, dass die Figur für mich zu übertrieben sein könnte. Ich habe ihr aber einfach Ausschnitte von einer Sendung gezeigt, die ich vor einigen Jahren auf dem Sender chaîne du câble Filles TV für 11 bis 17 Jährige gemacht hatte: Dort war ich als rosa Bonbon verkleidet auf einem Zebra- und Leoparden-Hintergrund zu sehen. Ich verbrachte meine Zeit damit, den Zuschauerinnen aufreißerisch zuzurufen. Daraufhin hat sie mir die Rolle der Audrey zugetraut …

Was hat Sie am Drehbuch begeistert?

Am Anfang habe ich tatsächlich mehrmals versucht meine Figur zu spielen, ohne dass ich das Drehbuch gelesen hatte: Das war der Wunsch von Anne Fontaine. Als ich wusste, dass ich die Rolle hatte, las ich das Drehbuch, und es schien mir, als ob meine Figur nicht ergreifend genug sei. Ich habe darüber mit Anne gesprochen und wir haben einige Passagen etwas umgeschrieben, um Audrey lustiger und wärmer zu machen.

Wie auch in ihrem echten Leben spielen Sie eine Wettermoderatorin …

Das war reiner Zufall! Anne Fontaine wollte, dass die Figur, in die sich Fabrice Luchini verliebt, ein Mädchen ist, die sowohl einen angesehenen als auch leidenschaftlichen Job macht. Ich hatte Angst beim Darstellen der Wetterfee, dass mich das Publikum als die Moderatorin aus dem Fernsehen wahrnehmen würde, und nicht als die Figur Audrey.

Paradoxerweise sind Sie oft zurückhaltend …

Da es sich um eine exzentrische Person dreht mit einem extravaganten Auftreten, fand ich es besser, sie nüchtern darzustellen, um nicht ins Lächerliche abzudriften. Des Weiteren sollte sie nicht zu aggressiv in ihrem Ton sein, damit man versteht, warum eine Person wie Luchini ihrem Charme erliegt.

Wie sind die Beziehungen zwischen Audrey und

Christophe, der von Roschdy Zem gespielt wird?

Anne hat mir nicht viel über die Beziehung zwischen den beiden erzählt. Ich wollte ihr in der Autoszene nicht nur das Gefühl von Verlangen, sondern auch das Gefühl von Liebe geben.

Wird Audrey nicht bestraft für ihr Verhalten als Frau, die sich keinen moralischen Regeln unterwirft?

Ja, sie benimmt sich wie ein Mann. Sie stellt sich nicht die Frage, wann und mit wem sie schläft. Ich wirke mit hohen Absätzen physisch und sinnlich dem Anwalt überlegen, obwohl ich ihm sozial unterlegen bin. Persönlich fühle ich mich in sportlicher Kleidung ohne Dekolleté aber wohler.

Wie erklären Sie sich, dass ein Mann wie Bertrand von ihrer Person fasziniert ist?

Ich glaube, er findet sie lustig, und sie verführt ihn mit ihrer völligen Hemmungslosigkeit. Sie ist in ihrem Verhalten in keiner Weise berechnend und Bertrand ist nicht an diese Art Frau gewöhnt.

Haben Sie bei der Auswahl ihrer Kleidung mit entschieden?

Ein kleines bisschen.

Welche Erfahrungen haben Sie bei dem Dreh ihres ersten Films gemacht?

Bei meiner Arbeit für Canal + ist alles in meiner Hand. Ich schreibe meine Texte, ich diskutiere mit dem Chefredakteur über alles. Ich wähle die Musik aus und helfe beim Schnitt mit. Deshalb war es etwas schwierig, mich vollständig in die Hand einer Regisseurin zu geben. Übrigens empfand ich es manchmal als schwierig natürlich zu sein, wenn man auf technische Dinge beim Filmdreh achten muss. Überall ist eine Kamera, überall sind Techniker etc. In Wirklichkeit habe ich erfahren, dass nichts bei einem Dreh natürlich ist. Zum Beispiel konnte ich kein Mikrophon benutzen, da man es wegen meiner besonders leichten Kleidung gesehen hätte. Ich musste gegen den ständigen Lärm der Autos mit meiner Stimme ankämpfen und versuchen, trotzdem natürlich zu wirken.