Das ganze Leben liegt vor dir

  1. Ø 0
   2008

Das ganze Leben liegt vor dir: Film über eine junge Absolventin, die einen Job als Callcenter-Agentin annimmt und dabei mit Profitgier und Manipulation konfrontiert wird.

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Filmhandlung und Hintergrund

Das ganze Leben liegt vor dir: Film über eine junge Absolventin, die einen Job als Callcenter-Agentin annimmt und dabei mit Profitgier und Manipulation konfrontiert wird.

Die junge Sizilianerin Marta hat ihr Philosophiestudium mit einer exzellenten Note abgeschlossen und muss schon bald feststellen, dass sich die Suche nach einem Job als schwierig erweist. Zufällig lernt sie Sonia kennen, die in einem Callcenter arbeitet. Marta freundet sich mit ihr an. Als eines Tages ein Job im Callcenter frei wird, zögert sie nicht lange. Dort wird sie konfrontiert mit einer Arbeitsphilosophie, in der nur Vermarktungsstrategien und Erfolg zählen – eine Welt, die Marta absolut fremd ist.

Junge Sizilianerin wird mit der harten Arbeitsphilosophie in einem Callcenter konfrontiert. Paolo Virzìs Film zeigt eine ungeschönte Seite des knallharten Italiens unter Berlusconi, beweist aber auch augenzwinkernden Humor.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Marta ist klug und gebildet und die betagten Professoren im Prüfungsgremium umarmen sie, um der jungen Doktorin der Philosophie zu gratulieren. Mit dieser herzlichen Geste werden wohl nur die allerbesten Absolventen geehrt, und die strahlende Marta glaubt für ein paar Wochen tatsächlich, dass ihr das intellektuelle Rom nun zu Füßen liegt. Doch dann stellt sie fest, dass sie nur an zwei Orten gebraucht wird: in der Wohnung der einsamen kleinen Lara, und im Callcenter von Multiple Italia. „Das ganze Leben liegt vor Dir“ ist eine augenzwinkernde Satire über ausbeuterische Firmen und verzweifelte Arbeitssuchende.

    Der taxifahrende Akademiker, die brotlose Kunst der Philosophie: Marta hatte vermutlich davon gehört, doch sie studierte aus Leidenschaft und sie besteht mit Summa cum laude. Isabella Ragonese spielt die hübsche Frau mit einer kindlichen Neugier auf das Leben und intellektueller Reserviertheit. Wenn es ganz schlimm kommt, fliegt sie mal schnell nach Palermo, zu ihrer kranken Mutter. Es gibt keine halbwegs angemessenen Stellen für Marta, im Grunde fährt sie ziellos durch die Straßen, bis ihr die kleine Lara ein Jobangebot macht: Sie soll ihre Babysitterin werden.

    So kommt die Akademikerin in eine verwahrloste Wohnung, in der sie ein Zimmer bezieht. Wenn Laras Mutter jobbt oder Männer trifft, erzählt Marta dem wissbegierigen Mädchen Platons Höhlengleichnis. Am Vormittag aber sitzt Marta fortan in einem Callcenter unter lauter jungen Frauen, die von Chefin Daniela lückenlos überwacht werden. Jeder Tag beginnt mit Gesang und Tanz rund um das Glaubensbekenntnis, ein besonderer Mensch für eine besondere Aufgabe zu sein. Sie müssen Hausfrauen anrufen und ihnen ein neuartiges, unentbehrliches Gerät anpreisen, samt Terminvereinbarung für eine Vorführung daheim. Marta beherrscht die geforderte Überredungskunst mühelos und wird von Daniela gelobt.

    Regisseur Paolo Virzi, der einen Tatsachenbericht aus der Welt der Callcenter als Vorlage benutzte, schildert mit leichter Hand und wohl nur gelinder Übertreibung, wie sich die Mitarbeiter der fiktiven Firma Multiple Italia zum Affen machen müssen. Wenn die männlichen Kollegen ihr Motivationstraining haben, springen sie brüllend und Fäuste reckend durchs Büro. Marta lernt Lucio 2 kennen, einen dieser jungen Übermotivierten, der das System zu spät durchschaut.

    Chefin Daniela und der Oberboss Claudio bleiben auch als Karikaturen glaubhaft, zumal sich hinter ihrer Verlogenheit ebenfalls geschundene Seelen verbergen. Die humorvoll lockere Atmosphäre des Films, der mit Marta philosophische Forschung in den Niederungen des Lebens betreibt, rechtfertigt allerdings nicht seine Länge von 117 Minuten. Diese ziehen sich etwas unmotiviert dahin, weil sich die Geschichte nicht so recht entscheiden kann, ob es ihr um Martas Person, um den Wahnsinn des Callcenters oder um die Frage nach dem Wert einer akademischen Bildung geht.

    Fazit: Augenzwinkernde italienische Gesellschaftssatire, in der eine Philosophin in einem Callcenter jobben muss.
  • Gegen Berlusconis Italien mit multinationalen Konzernen und nationalen Medienimperien regt sich in einem kleinen Callcenter Widerstand.

    Bella Italia, das war einmal. Heute zeigt sich das Land in dem die Zitronen blühen, als Ableger der USA mit allen negativen Seiten. In der Mediokratie Belusconis gibt es kein dolce far niente, sondern graue Arbeitslosigkeit. Auch die frisch promovierte Philosophieabsolventin Marta, die für eine ganze um ihre Chancen betrogene Generation steht, hatte sich das Leben nach dem Studium anders vorgestellt. Statt bei einem Verlag, einer Zeitung oder im Schuldienst landet sie als Nanny bei einer allein erziehenden Mutter und muss noch nebenbei in einem Callcenter wildfremden Leuten den Besuch eines Vertreters für „Multiple Italia“ schmackhaft machen, einen Wasseraufbereiter, den niemand braucht. Klug googelt sie die Wohngegend der „Opfer“ und führt „nachbarschaftliche“ Gespräche. Mit bestem Erfolg. Bald wird sie von der Vorgesetzten, die die Mädchen gegeneinander ausspielt, nach Hause eingeladen und alles könnte wunderbar sein, wenn sich nicht plötzlich Martas Gewissen regen und sie mit einem Kollegen an die Presse gehen würde, die ganze Betrügerei auffliegen lässt.

    Paolo Virzis Satire auf das gegenwärtige Italien, ein Ort des Ausverkaufs von Geist und Gefühl, ist eine fröhlich-böse Philippika über die Korrumpierbarkeit des Menschen, vor der selbst der engagierte Gewerkschafter, in den sich Marta verliebt, nicht gefeit ist. Sex, Lügen und Motivationsgesänge am Morgen, das ist der Stoff für die schöne neue Welt – und dazu ein bisschen Woody-Allen-Feeling. Jeder lässt irgendwann die Masken fallen, der ungetreue Konzernchef, den seine Geliebte im wahrsten Sinne des Wortes bluten lässt, die Vertreter-Truppe, die Kunden über den Tisch zieht, die Telefonmädels, die ihre Konkurrentinnen skeptisch beäugen. Was manchmal lustig wirkt, ist am Ende nur noch makabere Realität, „corporate behaviour“. Die überspitzte Zeichnung der Figuren in dieser Tragikomödie mit Tanz- und Songeinlagen à la Bollywood sowie der schrille und unbekümmerte Stilmix sorgen für Leichtigkeit trotz des ernsten Themas. mk.

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