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Fakten und Hintergründe zum Film "Das Ende ist mein Anfang"

Fakten und Hintergründe zum Film "Das Ende ist mein Anfang"
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Über die Produktion

Der einzige Moment, der wirklich zählt, ist der jetzige Moment

„Wenn Du von einem alten Menschen etwas erfährst, das aufnimmst, was er weiß, dann weißt Du es schon als junger Mensch. Es ist wie ein Anfang, um weiter zu gehen.“ Folco Terzani

Es waren vor allem drei Punkte, die Produzent Ulrich Limmer an dem Buch von Tiziano Terzani interessierten: Zum einen die starke Vater-Sohn-Geschichte, dann die Auseinandersetzung mit dem Tod, eines der großen Tabu-Themen unserer Zeit, und schließlich die Botschaft, die er vermitteln will. Sie lautet: Ein Mensch kann sich verändern. Und wenn er das tut, dann kann er auch die Welt verändern.

Beeindruckt hat ihn auch, dass Tiziano Terzanis Auseinandersetzung mit dem Tod nicht zur Erstarrung führt, sondern dazu, sein Leben zu führen. „Du kannst etwas tun, du kannst etwas verändern. So schließt sich der Kreis, für Tiziano Terzani, aber auch für den Zuschauer,“ so Limmer. „Er verlässt das Kino mit einer Erkenntnis.“

Spannend war für Limmer aber auch die Figur als solche. Limmer: „Tiziano war ein faszinierender Zeitgenosse, sein Antrieb war, etwas bewegen zu wollen. Und er war ein großartiger Selbstdarsteller, einer, der sich hervorragend inszenieren konnte. Ein Mann der Stilisierung“. Seine Erscheinung - weiße Kleidung, schwarzer Schnauzbart und am Ende seines Lebens lange weiße Haare und Bart – blieben imposant bis zum Ende.

Von Anfang an hatten die Filmemacher, Produzent Ulrich Limmer und Regisseur Jo Baier, nur einen Darsteller im Sinn: Bruno Ganz.

Unterstützung fanden sie in der Anfang des Jahres verstorbenen, legendären Filmagentin Erna Baumbauer, die auch Ganz vertrat. Als sie das Buch gelesen hatte, sagte sie: „Der Bruno muss das spielen!“

Regisseur und Produzent trafen sich mit Bruno Ganz, einem Bewunderer der Filme von Jo Baier, der mit ihm offensichtlich schon lange einmal arbeiten wollte. Als er hörte, dass der Film ohne Rückblenden und Ausflüge nach Asien auskommen sollte und nur um Vater und Sohn kreist an einem Ort, dem Haus der Tizianis, „wurden seine Augen ganz groß,“ erzählt Limmer. Er sagte nur „wirklich?“ – und war gewonnen.

Tatsächlich sind solche an Text und Monologen reichen Rollen im Film selten, eine große Herausforderung, auch für einen so Theater erfahrenen, versierten Schauspieler wie Bruno Ganz.

Jo Baier: „Er leistet Enormes, der Film ruht zum großen Teil auf seinen Schultern. Man muss ein exzellenter Schauspieler sein, damit die Texte nicht monoton werden“.

Das Drehbuch schrieb Ulrich Limmer zusammen mit Folco Terzani. Limmer: „Es war mir von Anfang an klar, dass wir ein entdramatisiertes Drehbuch schreiben werden. Ein großes Wagnis. Aber es gab ja auch im wirklichen Leben keine großen Konflikte zwischen den handelnden Personen, kein Drama. Auch dass Tiziano stirbt, begreift dieser nicht als Drama. Das einzige Drama, wenn man denn von Drama sprechen will, ist die Existenz des Todes selbst.“ Das Wagnis geht auf, weil die Emotionen zwischen den Figuren sehr stark und absolut glaubwürdig sind: ein Mensch, der bald sterben wird, erzählt von seinem Leben und von seinen Erfahrungen. Limmer: „Eigentlich eine verrückte Idee, so einen Film zu machen. Aber genau das war der Reiz: Die ausgetrampelten Pfade der herkömmlichen Dramaturgie verlassen, und anstelle von Konflikten das Wort, die Erzählung ins Zentrum stellen.“

Folco Terzani war davon sofort angetan. „Einen Dialog verfilmen, wo es nur auf das Können der Schauspieler ankommt, wo Worte Bilder im Kopf entstehen lassen, Bilder, die nicht gezeigt werden. Es ist ja eine ‚große’ Geschichte, die eigentlich nach einer ‚großen’ Produktion verlangt. Unsere Alternative war, einen ganz einfachen Film zu drehen. In dieser Einfachheit kannst du dann die Größe der Geschichte wieder finden.“

Keine leichte Aufgabe, zumal die umfangreichen Lebenserinnerungen Terzanis für die filmische Umsetzung gekürzt und auf wesentliche, entscheidende Punkte konzentriert werden mussten.

Den Sohn Folco Terzani spielt Elio Germano. Produzent Ulrich Limmer war von ihm begeistert, seit er ihn in dem Film MEIN BRUDER IST EIN EINZELKIND gesehen hatte. Er hatte eine schwierige Rolle zu meistern, einen Part, der „aktives Zuhören“ erfordert. Da er kein Deutsch spricht, lernte er die Schlüsselworte in den Monologen von Bruno Ganz auswendig, um entsprechend reagieren zu können. Er hat eine starke körperliche Präsenz, seine Emotionen spielen sich in seinem Gesicht ab.

Tizianos Frau Angela wird dargestellt von der Österreicherin Erika Pluhar. In seinem Buch charakterisiert Terzani die Beziehung zu seiner Frau mit einem einfachen Satz: „Sie war alles für mich“. Im Lauf der Jahre kam die zweifache Mutter, die ihrem Mann immer wieder in die verschiedensten Winkel der Welt folgte, dazu, selbst zu schreiben. Sie machte sich als Autorin mit Aufzeichnungen über ihre Zeit in China und Japan einen Namen. Ihren Mann charakterisiert sie als jemanden, der eine große Neugier auf Menschen und ihre Lebensumstände, Politik und Kunst hatte. „Je mehr er sah, desto faszinierter war er am Leben. Er war ein Entdecker, immer auf der Jagd, bis er verstanden hatte, um was es ging. Das war seine große Leidenschaft. Im Grunde war er sehr einfach. Er hatte ein starkes ethisches und ästhetisches Gefühl.“ Extrem am Herzen lag ihm, so Angela Terzani, die Botschaft: „Kümmere dich selbst um dein Leben, nimm es in die Hand und delegiere es nicht. Das macht souverän, man ist dann kein armes Opfer mehr. So hat er gelebt, aufrecht und gut aussehend, bis zum letzten Tag.“

Vielleicht ist es das, was die Menschen schon zu seinen Lebzeiten stark zu ihm hinzog – er, der sein Leben nie nach irgendwelchen Trends ausrichtete, sondern so altmodisch wirkende Werte wie Familie, Freiheit und eigenständiges Denken kultivierte. Mit dieser Popularität kann Angela Terzani gut umgehen: „Er ist jetzt nicht mehr für sich selber da, sondern für die anderen. Er hat eine Botschaft, von der er wollte, dass sie in die Öffentlichkeit käme. Das hat nichts mehr mit mir und den Kindern zu tun.“

Aus diesem Grund entschied die Familie auch, dass die Dreharbeiten in ihrem Haus stattfinden durften. Angela Terzani: „So wie er gelebt hat, gehört das hier hin, ist hier wahrer als woanders, und das ist die Hauptsache: dass es wahr ist.“

Bruno Ganz stimmt zu: „Am Anfang war es befremdlich. Alles gehört zu dieser Person, die man nicht ist, seine Frau ist da, sein Sohn, später seine Tochter. Der Schwierigkeitsgrad war hoch am Anfang. Aber dann fand das Gegenteil statt im Lauf der Zeit. Man dachte das ist toll, genau an dem Ort zu drehen, wo sich das Ende seines Lebens abgespielt hat.“

Angela Terzani bewunderte, wie Bruno Ganz die Worte ihres Mannes wieder zum Leben brachte. Eine der wahrsten und entscheidendsten Szenen ist für sie die Schilderung seines Himalaya-Erlebnisses. Eine Schlüssel-Szene für Bruno Ganz, sozusagen der Gipfel, den er erklimmen musste, um diese Figur zu spielen. Die Szene ist mit fast 10 Minuten sehr lang, und Ganz spielte sie komplett durch.

Kamerafrau Judith Kaufmann, in diesem Jahr für den Film „Die Fremde“ mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet, fand für den Film stimmungsvolle, abwechslungsreiche Bilder. Es ging ihr darum, dass man zuhört, in die Geschichte mit hineingeht. Kaufmann: „Man hört nicht automatisch zu, wenn man das entsprechende Gesicht sieht. Wir haben nach Bildern gesucht, die den Text nicht illustrieren, sondern ihm etwas hinzufügen. Bilder aus der Natur. Dämmerung und Lichtstimmung waren natürlich sehr wichtig beim Thema Vergänglichkeit.“ Für Judith Kaufmann ist das zentrale Thema des Films: bei sich bleiben, seinen Weg suchen, sich keine Angst machen lassen.

Die Dreharbeiten fanden in der nördlichen Toskana am Originalschauplatz im Haus der Terzanis statt. Lange hatte das Produktionsteam nach einem anderen Haus gesucht – drei Crew-Mitglieder fuhren sechs Wochen lang durch Italien, fanden aber nichts Vergleichbares. Entweder waren es noch bewirtschaftete Bauernhäuser, in denen die Drehbedingungen schwierig gewesen wären, oder Ferienhäuser mit Pool im Garten, was unpassend gewesen wäre, denn in Terzanis Haus gibt es keinen – und er gehört dort auch nicht hin.

Eigentlich hatte man nicht so sehr in die Intimsphäre der Familie eindringen wollen – immerhin zog ein großer Apparat mit über 40 Personen den Berg hinauf. Doch da sich kein anderer Ort fand, kehrte man in die Toskana zurück. Eine Entscheidung, die sich als Segen erwies, denn der Ort war eine unglaubliche Quelle der Inspiration. Limmer: „Ich habe dort intuitiv sehr viel verstanden von dieser Familie und der Konstellation zwischen Vater und Sohn.“

Die besondere Atmosphäre übertrug sich auch auf das Team. Die Arbeit war sehr konzentriert, und obwohl am Abend natürlich zusammen gegessen, getrunken und lebhaft diskutiert wurde, suchte jeder auch die Stille.

Ehe das kleine Dorf durch die Terzanis eine gewisse Bekanntheit erlangte, war es ein von der Welt vergessener Ort. Das Tal liegt an der Grenze zur Provinz Emilia Romana. Tizianos Vater, ein einfacher Arbeiter, hatte dort angefangen Ski zu laufen, mit selbst gebauten Skiern aus Gartenzäunen. Bereits als kleiner Junge kam Tiziano hierher, und das Bergdorf mit seinen Schäfern und Kastanienbäumen blieb Zeit seines Lebens sein Zufluchtsort.

Je weiter es ihn in die Welt zog, desto wichtiger wurde dieses Versteck in den Bergen. Vor allem gefiel dem älteren Tiziano, dass Technik und Industrialisierung nie in „seinem“ Tal angekommen waren, die Ruhe blieb.

Die Besonderheit dieses Ortes wirkt sich auch auf die Authentizität des Films aus – schließlich ist DAS ENDE IST MEIN ANFANG kein Fantasie-Produkt, sondern die Verfilmung einer realen Familien- und Lebensgeschichte.