Filmhandlung und Hintergrund

Ausgezeichnetes Drama über den Sorgerechtsstreit zwischen einem türkischstämmigen Ehepaar und den deutschen Großeltern eines verwaisten Mädchens. Die Geschichte beginnt mit einem Schock, der dank einer raffinierten Besetzungsidee doppelt wirkt: Auf die innigen Mutter/Tochter-Szenen folgt die Nachricht, dass Natalie, die Mutter, einen Unfall hatte. Petra Schmidt-Schaller hat auf diese Weise gerade mal zweieinhalb...

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ausgezeichnetes Drama über den Sorgerechtsstreit zwischen einem türkischstämmigen Ehepaar und den deutschen Großeltern eines verwaisten Mädchens.

    Die Geschichte beginnt mit einem Schock, der dank einer raffinierten Besetzungsidee doppelt wirkt: Auf die innigen Mutter/Tochter-Szenen folgt die Nachricht, dass Natalie, die Mutter, einen Unfall hatte. Petra Schmidt-Schaller hat auf diese Weise gerade mal zweieinhalb Auftritte, aber ihre Mitwirkung verleiht der Rolle natürlich einen ganz besonderen Stellenwert. Zum herzerwärmenden Auftakt gehören auch die kurzen Momente zwischen Natalie und ihrer Nachbarin Sehra (Nehse Demir); die beiden sind ganz offensichtlich beste Freundinnen. Weil Sehra und ihr Mann Cem (Murathan Muslu) ein ähnlich herzliches Verhältnis zur sechsjährigen Pia haben, passt es ins Bild, was Natalie in ihrem Testament verfügt hat: Das Ehepaar Balta soll die Vormundschaft für das Mädchen übernehmen. Allerdings gibt es da noch zwei empörte Großeltern. Vor allem Großmutter Christine (Katrin Sass) sieht überhaupt nicht ein, dass ihre Enkelin in die Obhut wildfremder Menschen gegeben wird; und dann auch noch Moslems! Sie will um jeden Preis verhindern, dass aus Pia ein Kopftuchmädchen wird.

    Das alles wäre schon Drama genug, aber Autor Paul Salisbury („Vorstadtrocker„) ergänzt die Geschichte um eine Nebenhandlung, die den Film über das rein zwischenmenschliche Drama hinaushebt. Die zentrale Figur ist nicht etwa Sehra, sondern Cem, designierter Imam seiner muslimischen Gemeinde. Er ist maßgeblich am Projekt eines neuen Moscheebaus beteiligt und steht für einen weltoffenen Islam; nicht allen Glaubensbrüdern gefällt, dass er seine Predigten auf Deutsch hält. Es steht außer Frage, dass er die kleine Pia in sein Herz geschlossen hat, aber ähnlich wie sein Schwiegervater (Vedat Erincin) ist er zunächst der Meinung, das Mädchen gehöre zu seinen Großeltern. Als Christine dafür sorgt, dass Moscheebau und Vormundschaftsstreit in der Boulevardpresse miteinander vermischt werden, entscheidet er sich für die Sache seiner Gemeinde.

    Ganz entscheidenden Anteil an der besonderen Qualität des Films hat die junge Malina Harbort. Regisseur Umut Dag hat schon in einem ungewöhnlich guten Bodensee-„Tatort“ („Rebecca“) eine junge Hauptdarstellerin zu einer famosen Leistung geführt. Diesmal ist die Titelrolle nicht minder wichtig, denn wenn Pia kein liebenswertes und überzeugend natürlich gespieltes Mädchen wäre, würde der ganze Film nicht funktionieren. Das Ensemble ist ohnehin vorzüglich zusammengestellt worden. Die türkischstämmige Familie strahlt eine große Wärme aus. Umso größer ist der Kontrast zu Pias Großmutter. Die Rollen von Katrin Sass sind selbst als Sympathieträgerinnen selten Frauen von großer Herzlichkeit, aber als Gegenspielerin ist sie von geradezu klirrender Kälte. Und dass Petra Schmidt-Schaller bereit war, sich für einen oder zwei Drehtage zur Verfügung zu stellen, verdient Respekt. tpg.

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