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Anna und ihr Untermieter

Filmhandlung und Hintergrund

Auf den ersten Blick wirkt "Anna und ihr Untermieter" wie eine jener Geschichten, in denen sich ein ungleiches Duo zusammenraufen muss, weil eine existenzielle Herausforderung nur gemeinsam bestanden werden kann; ein beliebtes Komödienmuster.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Anna und ihr Untermieter: Auf den ersten Blick wirkt "Anna und ihr Untermieter" wie eine jener Geschichten, in denen sich ein ungleiches Duo zusammenraufen muss, weil eine existenzielle Herausforderung nur gemeinsam bestanden werden kann; ein beliebtes Komödienmuster.

    Tatsächlich setzt sich Martin Rauhaus, stets ein Garant für Unterhaltung mit Anspruch, mit einer Frage auseinander, die über kurz oder lang jeden betrifft: Wie lässt sich der Lebensabend möglichst sinnvoll und erfüllt gestalten? Das klingt zwar nach Rentnerfilm, zumal die beiden Titelfiguren ihren Zenit in der Tat überschritten haben, aber die Umsetzung durch Grimme-Preisträger Ralf Huettner („Dr. Psycho“) macht „Anna und ihr Untermieter“ auch für ein jüngeres Publikum interessant. Sehenswert ist der mögliche Auftakt zu einer neuen ARD-Freitagsfilmreihe zudem schon allein wegen Ernst Stötzner und Katerina Jacob, die seit dem Ende der Sat.1-Serie „Der Bulle von Tölz“ (1995 bis 2005) kaum noch Hauptrollen bekommen hat; die Dialoge sind wie stets bei Rauhaus ohnehin ein Genuss.

    Die Handlung beginnt mit einer Erfahrung, die viele Menschen Anfang sechzig machen: Anna, Leiterin einer Parfümerieabteilung, hat dank eines unfreiwilligen vorgezogenen Ruhestands plötzlich mehr Zeit, als ihr lieb ist. Sie ist vor Jahren vom Gatten wegen einer jungen Thailänderin sitzen gelassen worden, aber seither immerhin alleinige Besitzerin einer Eigentumswohnung samt Garten. Um finanziell über die Runden zu kommen, sucht sie einen Untermieter in ihrem Alter. Es meldet sich Werner Kurtz (Stötzner), ein Mann von Ende sechzig, der sich auf der Temperamentskala am komplett anderen Ende bewegt: unleidlich, besserwisserisch, penibel. Anna gibt ihm das Zimmer trotzdem; immerhin kann sie sich bei dem ehemaligen Leiter des Ordnungsamts Köln Süd darauf verlassen, dass die Miete pünktlich kommt.

    Allein diese Konstellation birgt bereits eine Menge Potenzial, das Rauhaus und Huettner aber nie für plumpe Scherze ausnutzen. Zunächst lebt der Film vor allem von den Auseinandersetzungen der beiden Hauptfiguren, die sich wie ein altes Ehepaar ständig in die Wolle kriegen; gerade Stötzners Dialogsätze triefen mitunter vor Sarkasmus. Der Humor resultiert nicht zuletzt aus dem Aufeinanderprallen zweier grundverschiedener Lebenshaltungen: Annas Devise lautet „Die Zukunft ist voller Möglichkeiten“; sie glaubt auch im Alter noch an Hoffnungen, Pläne und Träume. Werner hält diese Einstellung für naiv; seiner Ansicht nach lebt seine Vermieterin auf einer „blumigen Wolke aus Positivität“. Für ihn sind die Jahre, die noch bleiben, bloß die „Restlaufzeit“.

    Zum Glück belässt es Rauhaus weder beim kurzweiligen Disput noch beim auf Dauer vermutlich unbefriedigenden Konstrukt à la „Ein seltsames Paar“. Anna arbeitet ehrenamtlich für die Kölner Telefonseelsorge, wo Menschen anonym ihr Herz ausschütten können. Besonders am Herzen liegen ihr die Gespräche mit einer Anruferin, die ihr regelmäßig ihr Herz ausschüttet. Als die offenkundig lebensmüde junge Frau eines Nachts Abschied nimmt, bittet Anna ihren Untermieter um Hilfe. Der findet dank seiner alten Kontakte heraus, wem das Mobiltelefon gehört, mit dem die Frau angerufen hat. Die hübsche Studentin Saskia (eine Entdeckung: Berit Vander) hat zwar in der Tat einige Probleme, macht aber alles andere als einen lebensmüden Eindruck. Souverän sorgen die beiden Schutzengel dennoch dafür, dass sich Saskia fortan unbeschwert auf ihr Studium konzentrieren kann; bis sie erkennen, dass sie einen fatalen Fehler begangen haben. Schon die Geschichte ist originell, aber noch besser ist die Kombination von Vorder- und Hintergrund: Rauhaus verknüpft den Motor der Handlung, das Engagement von Anna, plausibel mit der Konfrontation der beiden unterschiedlichen Charaktere. Ob eine Reihe draus wird, macht die Degeto wie stets vom Zuspruch der Zuschauer abhängig. tpg.
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