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Berlin reicht Afrika die Hand

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Das Arche Noah-Prinzip Poster
© Kurt Krieger

Die diesjährige Berlinale richtet ihren Fokus auf Afrika, den viel beschworenen „vergessenen Kontinent“.

Die süßeste Jury seit es die Berlinale gibt: Franka Potente und Bai Ling Bild: Kurt Krieger

Eingeläutet wurde dies bereits am Donnerstag Abend: Die 55. Filmfestspiele in Berlin wurden diesmal nicht wie zuletzt häufig mit einer stargespickten US-Produktion eröffnet, sondern mit der Weltpremiere des Historienfilms „Man to Man“ mit Joseph Fiennes („Luther„) und Kristin Scott Thomas.

Zum feierlichen Auftakt kamen etwa 2500 Gäste, in erster Linie Prominenz aus der hiesigen Film- und Politprominenz - von Heike Makatsch, Nina Hoss und Juliane Köhler, Wim Wenders, Wolfgang Becker und Starkameramann Michael Ballhaus bis zu den Bundesministern Renate Künast und Wolfgang Clement.

Die Hollywoodstars sind in diesem Jahr schwächer vertreten als sonst. Das hängt nicht zuletzt mit der zeitlichen Nähe der Oscarverleihung zusammen: Die meisten nominierten Filme laufen schon im Kino und sind damit vom Wettbewerb ausgeschlossen. Zudem rühren Leo DiCaprio und Clint Eastwood lieber in den USA die Werbetrommel für die Oscars.

Die Stars des Eröffnungsfilms: Joseph Fiennes und Kristin Scott Thomas Bild: Kurt Krieger

Keine Blitzlichter für Hollywood

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Angereist waren Joseph Fiennes und Kristin Scott Thomas, die Stars aus „Man to Man“. Sie wurden auch gebührend empfangen. Ein Oscar-Kandidat gab sich dennoch die Ehre: Der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel, nominiert für „Der Untergang„, erschien gemeinsam mit seinem „Experiment„-Darsteller Moritz Bleibtreu.

Dass der deutsche Film derzeit nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland ein hohes Ansehen genießt, zeigte sich eindrucksvoll am Roten Teppich: Nicht Joseph Fiennes, sondern Moritz Bleibtreu sorgte für die größte Euphorie unter den Schaulustigen - kein schlechter Auftakt für eine Berlinale, die erneut mit starken deutschen Beiträgen aufwartet.

Gut gelaunter Ex-Debütant und Jury-Chef: Roland Emmerich Bild: Kurt Krieger

Kauderwelsch mit Anke und Dieter

Im überschaubaren Pool der internationalen Gäste war Jerry Lewis ganz klar der Massenliebling und trieb seine Scherze mit Kamerateams und Fotografen. Der Starkomiker war am Vorabend in Berlin mit einer Goldenen Kamera ausgezeichnet worden und hatte seinen Berlin-Aufenthalt verlängert.

Die Gala wurde gewohnt charmant von Festivalchef Dieter Kosslick und Anke Engelke moderiert, die sich die Bälle zuwarfen und ab und zu durcheinander kamen, wer nun deutsch und wer englisch plaudern sollte. Man ist eben international.

Obwohl die Eröffnung überschattet wurde von der Nachricht, dass nur wenige Stunden zuvor der große französische Produzent Humbert Balsan verstorben war, verzichteten die Gala-Moderatoren nicht komplett auf Scherze. Balsan hätte sicherlich gewollt, dass man weitermache, erklärte Dieter Kosslick.

Joseph Fiennes agiert in "Man to Man" anfangs als Kulturräuber Bild: Skyline Films / Vertigo

Doch Nebenverdienste für Politiker

Amüsant war wie immer der Auftritt des regierenden Bürgermeisters von Berlin. Klaus Wowereit nützte die Gelegenheit um spaßhaft Gage für seinen Kurzauftritt in Dani LevysAlles auf Zucker!“ zu fordern - jetzt da der Film so erfolgreich laufe. Er sei natürlich auch bereit, die Gage zu spenden.

Für Glamour sorgte die internationale Wettbewerbsjury. Insbesondere die attraktive chinesische Schauspielerin Bai Ling hielt die Fotografen in Atem - mit einem gewagt geschnittenen Kleid und extravagant langen falschen Wimpern. Der sympathische Jurypräsident Roland Emmerich erzählte, wie er vor 21 Jahren seinen Hochschulabschlussfilm „Das Arche Noah-Prinzip“ in Berlin vorgestellt hatte, und sich seit damals sein Publikum in zwei Lager spalte.

Zivilcourage pur: Don Cheadle wurde für den Berlinale-Beitrag "Hotel Ruanda" zurecht für einen Oscar nominiert Bild: Tobis

Menschen sind keine Tiere

Nach den Begrüßungsreden stieß der Eröffnungsfilm „Man to Man“ auf gemischte Reaktionen. Das Thema ist äußerst interessant und kontrovers: die Evolutionstheorie und die absurde „Rassenforschung“ der europäischen Wissenschaftler im späten neunzehnten Jahrhundert.

Ein schottisches Forscherteam verschleppt zwei Menschen aus Zentralafrika, Angehörige eines seltenen Pygmäen-Stamms, die fortan zur Erforschung wie wilde Tiere in Käfigen gehalten werden. Denn das ehrgeizige Team sieht in ihnen den so genannten „Missing Link„, der beweisen soll, dass der Mensch vom Affen abstammt. Endlich erkennt Jamie (Joseph Fiennes), dass auch die beiden „Wilden“ sich in Sachen Intelligenz und Emotionen nicht von Europäern unterscheiden - eine Erkenntnis, die damals revolutionär war und die seine Forscherkollegen um keinen Preis an die Öffentlichkeit kommen lassen wollen.

Der Wettbewerbsfilm "Sometimes in April" erzählt von zwei Brüdern, zwischen denen der Völkermord an den Tutsi in Ruanda steht Bild: Kurt Krieger

Zwei Dutzend Juwelen

Ein gesellschaftspolitisches Plädoyer mit den Themen der Annäherung an eine fremde Kultur, der Intoleranz und der eurozentrischen Haltung ist auch heute hochaktuell. Die filmische Umsetzung überzeugte jedoch nicht restlos, die Handlung nahm zum Teil unglaubwürdige und überflüssige Wendungen und die Geschichte drohte zeitweilige ins Kitschige abzugleiten.

Doch der Wettbewerb hat ja noch 24 weitere, viel versprechende Titel parat - darunter drei weitere Afrika-Themen: Mit „Hotel Ruanda“ und „Sometimes in April“ handeln gleich zwei Filme vom Bürgerkrieg in Ruanda. „U-Carmen e Khayelitsha“ verlegt Bizets Carmen-Oper in die Townships von Kapstadt.

Afrika ist im Kommen in Berlin.

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