Azzuri oder Les Bleus? Uns schnurzegal - die wahren Weltmeister sind ohnehin die großartigen Fans! Zur Einstimmung auf das Finale präsentieren wir Ihnen die besten Fanfilme.

Bei der EURO 2008 geht's weiter! Bild: SPORT 1

Die WM ist fast vorüber, Italien oder Frankreich freuen sich am Sonntag über den Pokal, der eigentlich Deutschland gehören müsste, doch sei’s drum. Denn die wahren Sieger dieses Turniers sind ohnehin die Fans.

Mit Herzblut und unbändigem Enthusiasmus peitschten Heerscharen von Anhängern weltweit ihre Teams nach vorn, und die Begeisterung für sich selbst und den Fußball war mindestens so spannend wie die Spiele selbst - eigentlich eher spannender! Dem harten Dasein als Fan widmeten sich auch bereits zahlreiche Filme. Und anders als bei den Fußballfilmen finden sich hier echte Perlen.

Seltenheitswert: Colin Firth in "Fever Pitch" als fanatischer Arsenal-Fan einmal ganz privat Bild: Senator

Verschossen in das langweiligste Team

„Das Leben ist hart, wenn du eine Frau liebst und elf Männer vergötterst“ - mit diesem Slogan ging dereinst die Hornby-Verfilmung „Fever Pitch“ ins Rennen, und tatsächlich könnte man die generelle ursprüngliche Stimmungslage der meisten wahren Fußballfanatiker nicht besser umschreiben.

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Zur Ohnmacht verdammt, auf Gedeih und Verderb dem Wollen und Können der elf Idole auf dem Platz ausgeliefert, leidet Colin Firth als eingefleischter Arsenal-Fan mit seinem Club. Das ist in den 80ern, in denen die Londoner zu Recht als „Boring, boring Arsenal“ verhöhnt wurden, ein Vollzeitjob. Dass dabei kaum mehr Zeit fürs Privatleben bleibt, versteht sich von selbst.

Zurück im Leben

Hat ein Herz für Fußball und die, die darunter leiden: Michael Winterbottom Bild: Kurt Krieger

Etwas differenzierter als die sich in der Pathologie des Helden gefallende Komödie kommt „Go Now“ daher. Unglücklicherweise im selben Jahr wie „Fever Pitch“ veröffentlicht und deshalb wohl beim Publikum untergegangen, verkörpert Robert Carlyle in Michael Winterbottoms Drama ebenfalls einen fanatischen Lad. Dann allerdings wird bei ihm Multiple Sklerose diagnostiziert, und Fußball wird plötzlich zur Nebensache - und noch nicht einmal zur wichtigsten.

Sehr distanziert zeigt sich auch Jean-Jacques Annaud mit „Damit ist die Sache für mich erledigt„. In der Satire karikiert er die Auswüchse des Profifußballs und lässt auch an dessen Anhängern kaum ein gutes Haar. Bei diesen bissigen Seitenhieben bleibt dem geneigten Stadiongänger und der Couch-Potato manchmal das Lachen im Halse stecken.

"Wie eine gelbschwarze Wand": Die Fans von Borussia Dortmund in "Nordkurve" Bild: WEB

Millieustudie in Gelb-Schwarz

Äußerst amüsant und mit einem Augenzwinkern widmet sich „Verzeihung, sehen Sie Fußball?“ dem noch nicht so rasant grassierenden WM-Fieber anno dazumal. In Episoden werden die Irrungen, Wirrungen und schlicht haarsträubenden Zufälle in einem Berliner Hochhaus während des Weltmeisterschaftsfinales 1982 geschildert. Dagegen war das echte Spiel ein lahmer Kick.

Eine echte Millieustudie über die Fußballstadt Dortmund ist „Nordkurve„. Adolf Winkelmann berichtet von Siegen und Niederlagen, Träumen und Illusionen und natürlich von all den verhinderten Rastellis und den eigentlich viel besseren Trainern auf der Tribüne, die immer alles schon vorher wussten. Eine eindringliche Untersuchung des Phänomens Fußball und zweifelsohne einer der besten Sportfilme überhaupt. Drei Deutsche Filmpreise gab’s obendrauf!

Extremsituationen und Leidenschaft

Ballfieber trotz Armut: "Bando und der goldene Fußball" Bild: Atlas

Mit Fußballspielen unter widrigsten Umständen befassen sich „Bando und der goldene Fußball„, sowie „Cup Final“. Ersterer nimmt die Träume von Ruhm und Reichtum junger Kicker und Fußballfans in den Townships Afrikas unter die Lupe - beeindruckend vor allem für mitteleuropäische Wohlstandszöglinge.

„Cup Final“ umreißt die umfassende Macht der Leidenschaft für das runde Leder. In dem ruhigen, aber stets authentischen Drama werfen ein PLO-Kämpfer und ein israelischer Offizier alle Ressentiments über Bord und begeistern sich gemeinsam für das gleiche Team bei der WM 1982. Dass dies ausgerechnet die Catenaccio-Kicker aus Italien sein mussten, ist Nebensache.

Gezeichnet von der "Nachspielzeit": Elijah Wood in "Green Street Hooligans" Bild: mc one

Dritte Halbzeit

Ein ganz eigenes Subgenre der Fanfilme darf natürlich auch nicht vergessen werden: der Hooligan-Film. Mit seinem faszinierenden „Ultra“ dringt Ricky Tognazzi tief in eine Subkultur ein, die der gemeine Fanmeilenbesucher und Event-Patriot nur als dumpfe Schlägermeute im Hinterkopf hat. Ohne Schönfärberei, aber auch nicht mit dem medial verordneten moralischen Zeigefinger zeigt das Drama die Jagd der Hools nach dem Kampf, dem ultimativen Kick - und trifft damit den Nagel tausendmal eher auf den Kopf als hunderte zahnloser Dokumentationen zum selben Thema.

Dass natürlich auch unsere Freunde von der Insel zum Thema Hooligans einiges sagen können, stellen sie eindrucksvoll mit dem schockierenden „Football Factory“ und dem cleveren „Undercover“ unter Beweis. In „Green Street Hooligans“ mutiert sogar Hobbit Elijah Wood zum „erlebnisorientierten Fan“.

Viel friedlicher als in diesen Gewaltorgien feierten die Millionen Fans die WM 2006 in Deutschland. Ihre Begeisterung wäre eigentlich auch schon wieder einen eigenen Film wert. Mal sehen, welchen Stellenwert „Das Wunder von Bern„-Regisseur Sönke Wortmann dem „zwölften Mann“ in seinem heiß erwarteten WM-Film einräumen wird. Den realen Fanwahnsinn gibt es dann wieder bei der Europameisterschaft 2008 - hoffentlich.

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