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Fakten und Hintergründe zum Film "Cowboys & Aliens"

Kino.de Redaktion |

Cowboys & Aliens Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Der Titel COWBOYS & ALIENS allein war so vielversprechend, dass die Filmrechte an dem Comicroman von Platinum-Studios-Chef Scott Mitchell Rosenberg bereits verkauft wurden, bevor das Buch überhaupt fertiggestellt war. Die Idee war einfach zu faszinierend, wie sich der ausführende Produzent Steven Spielberg erinnert: „Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum niemals jemand zuvor diesen Einfall gehabt hat.“

Das Motiv auf dem Umschlag des Comics machte den Oscar®-prämierten Produzenten Ron Howard sofort zu einem überzeugten Fan. Er erinnert sich: „Es hatte alles, was ich mir erhofft hatte, und mehr: Die coolste Version des Wilden Westens trifft auf ein paar wirklich abgefahrene Aliens. Wir erleben den Westen mit all seinen Spannungen und Konflikten. Aber anstatt aufeinander zu schießen, wie sie es noch ein paar Tage zuvor mit einiger Sicherheit getan hätten, sind diese Typen auf einmal gezwungen, an einem Strang zu ziehen, wenn sie die Situation überleben wollen.“

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Rosenbergs Comicroman erzählt von einer erschütternden Invasion mitten in diesem mysteriösen Land, das wir als den amerikanischen Westen des späten 19. Jahrhunderts kennen. Eine Welt, wie man sie sich vorstellt: mit Revolverhelden, Gesetzlosen und Prügeleien im Saloon. Dieses herbe Szenario erweist sich als einzigartige Kulisse für den Angriff von Lebewesen eines anderen Planeten. Der Bürgerkrieg ist gerade erst ein Jahrzehnt vorbei.

Technologische und industrielle Innovationen, von der Glühbirne über den Telegrafen hin zur Eisenbahn, die das gesamte Land durchmisst, gehören ebenso zu diesem jungen Land wie die gewalttätige Expansion in Richtung Westen. Es war an der Tagesordnung, dass Viehtreiber in dieser Zeit im Territorium von New Mexico auf Chiricahua-Apachen stießen – und diese Begegnungen verliefen selten friedlich. Nun müssen diese klassischen Gegner feststellen, dass sie es mit einem gemeinsamen Gegner zu tun haben. Entsprechend wandeln sich ihre Interaktionen: War grimmige Feindseligkeit einst an der Tagesordnung, so müssen sie fortan auf Kooperation und gemeinsames Verständnis füreinander setzen.

Vierzehn Jahre sind vergangen, seitdem Rosenberg erstmals einen Blick darauf gestattete, was man mittlerweile als den Comicroman COWBOYS & ALIENS kennt. In dieser Zeit haben sich viele mit dem Rätsel befasst, wie man die beiden Genres in einem Film unter einen Hut bringen könnte. Die IRON-MAN-Drehbuchautoren („Iron Man“, 2008) Mark Fergus und Hawk Ostby sowie der Autor Steve Oedekerk, den man unter anderem durch seine Arbeit an der Erfolgskomödie BRUCE ALMIGHTY („Bruce Allmächtig“, 2003) kennt, arbeiteten eine Geschichte aus, die schließlich die Basis für das Drehbuch von COWBOYS & ALIENS legte. Zudem werden Fergus und Ostby als Drehbuchautoren genannt.

Ostby erinnert sich: „Man holte uns an Bord, als IRON MAN gerade abgedreht wurde. Wir erhielten die Gelegenheit, das komplette Universum einer Geschichte von Grund auf zu erschaffen. Es gab einen Comicroman als Vorlage, den wir sehr bewundern, aber wir entschieden uns dafür, uns vor allem von der unvergesslichen Zeichnung auf dem Titel des Romans inspirieren zu lassen: ein Cowboy auf dem Rücken eines Pferdes, der vor einem nahenden Raumschiff über ihm davongaloppiert.“

Fergus gefiel der Gedanke, dass es nicht zu der Weltanschauung der Menschen im alten Westen gehörte, „sich das Unvorstellbare auszumalen“. Er sagt: „Dieses Bild, gar nicht zu reden von dem Titel, sagte uns alles. Bring einen klassischen Western zusammen mit einem Film über eine Invasion von Außerirdischen – das Ergebnis könnte auf der großen Leinwand absolut unglaublich sein.“ In der Tat reagierte das Autorenteam auf das zugrunde liegende Material exakt genauso, wie Steven Spielberg es getan hatte. Fergus meint: „Natürlich haben wir uns während der ersten Drehbuchfassung überlegt, warum niemals jemand zuvor auf diese Idee gekommen war. Diese beiden Genres sind wie geschaffen füreinander. Wir stellten uns eine Mischung aus dem epischen Atem von John Fords THE SEARCHERS („Der schwarze Falke“, 1956) und der unwiderstehlichen Magie von Spielbergs CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND („Unheimliche Begegnung der dritten Art“, 1978) vor. Jede Figur in unserer Geschichte steht für einen Archetypen des Genres, gleichzeitig soll jeder Einzelne von ihnen aber auch so viel Eigenständigkeit und Persönlichkeit besitzen, dass allesamt interessant für das Publikum sind.“

Das Projekt musste bis 2008 warten, bis es endlich volle Fahrt aufnehmen konnte. Spielberg, der sich für die Umsetzung des Stoffes kurz davor mit Ron Howard und Brian Grazer von Imagine Entertainment zusammengeschlossen hatte, holte die Autoren und Produzenten Alex Kurtzman und Roberto Orci noch mit dazu, um das Projekt für die Vorproduktion klar Schiff zu machen. Gemeinsam mit Damon Lindelof überarbeiteten sie das Drehbuch, bis es der Vision von Imagine, Spielberg und Rosenberg schließlich voll und ganz entsprach.

Kurtzman und Orci hatten mit den Erfolgen der ersten beiden TRANSFORMERS-Filme TRANSFORMERS („Transformers“, 2007) und TRANSFORMERS: REVENGE OF THE FALLEN („Transformers – Die Rache“, 2009) sowie von MISSION: IMPOSSIBLE III („Mission: Impossible III“, 2006) und STAR TREK („Star Trek“, 2009) mehrfach bewiesen, dass es sich bei ihnen um zwei herausragende Geschichtenerzähler handelt, die ihre Storys auf der denkbar größten Leinwand ausbreiten können. Dasselbe gilt auch für Lindelof, der sich als Showrunner des Fernsehphänomens „Lost“ und als Produzent des von Kurtzman und Orci geschriebenen STAR TREK empfohlen hatte. Allesamt waren versessen darauf, mit der Gruppe von einflussreichen Filmemachern zu arbeiten, deren Filme im Lauf der Jahre einen bleibenden Eindruck bei ihnen hinterlassen hatten.

Der Oscar®-prämierte Produzent Grazer hatte den Eindruck, die Sterne für das Projekt stünden endlich so gut, dass man den Startschuss für den Actionthriller geben konnte. „Ron und ich unterhielten uns darüber, dass die Kultur der Mayas voller Hinweise auf einen möglichen Besuch Außerirdischer steckt“, überlegt er. „Wir fanden das einen ausgezeichneten Ausgangspunkt und dachten darüber nach, warum das nicht auch im Wilden Westen passieren sollte. Nachdem wir die Geschichte von Scott gelesen hatten, wussten wir, dass wir den Film nicht mit einem Augenzwinkern erzählen wollten. Vielmehr schwebte uns ein unterhaltsamer Blick darauf vor, was passiert, wenn zwei völlig gegensätzliche Welten miteinander kollidieren. Die Autorenteams waren imstande, diese Vision perfekt umzusetzen.“

Steven Spielberg fügt hinzu: „Ich habe den größten Respekt vor Alex’ und Bobs erklärter Absicht, das Konzept so authentisch wie möglich zu belassen. Aus der Perspektive der Figuren ist alles vollkommen real. Selbst wenn die Aliens nicht irgendwann in diesem Film landen würden, hätten wir immer noch eine starke Geschichte mit Figuren, die nachvollziehbare und sehr konträre Motivationen haben, und einem überzeugenden Konflikt. Diese Geschichte wird im ersten Akt von COWBOYS & ALIENS etabliert. Wenn es einfach bei diesen Cowboys bliebe, wäre es immer noch eine verdammt gute Cowboy-Geschichte. Wenn es nur um Aliens ginge, wäre es eine verdammt gute Alien-Geschichte. Wenn man nun diese beiden zusammenführt, dann ist das Ergebnis einfach wundervoll.“

„Als wir den Titel hörten, mussten wir sofort an ein paar sehr bekannte Filme denken, die uns seit unserer Kindheit im Gedächtnis geblieben sind“, erklärt Orci. „Wir dachten an Filme, die die verschiedenen Ebenen eines Science-Fiction-Films besitzen, die einerseits ausgesprochen emotional sind und zu Herzen gehen, wie E.T. THE EXTRATERRESTRIAL („E.T. – Der Außerirdische“, 1982), oder randvoll mit Action gepackt sind, wie ALIENS („Aliens – Die Rückkehr“, 1986). Auf der Cowboy-Seite sahen wir eine Gelegenheit, uns auf andere Filme zu berufen, die uns ungemein inspiriert haben, wie UNFORGIVEN („Erbarmungslos“, 1992), in dem es um Männer geht, die sich mit ihrer Vergangenheit arrangieren müssen, nachdem sie von ihr eingeholt wurden, oder sich einstigen Verbrechen stellen müssen, denen sie entkommen wollen.“

Orcis Schreib- und Produktionspartner war ebenso fasziniert von dem Projekt. Kurtzman erinnert sich: „In einer Welt, in der die Studios unentwegt nach großen Titeln Ausschau halten, gibt es nicht viele, die aus der Masse herausragen. Dies war einer davon. Er ist nicht nur eingängig – ihn ihm steckte auch die Möglichkeit, Genres in einer Weise zusammenzuführen, wie man es noch nie zuvor gesehen hat. Das fanden wir ungemein aufregend. Wir wussten, dass wir uns die Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen durften, einen Western und zugleich einen Science-Fiction-Film zu machen.“

Der Trick bestand darin, das richtige Gleichgewicht zu finden, um die Welt des gesetzlosen Wilden Westens und die Welt der außerirdischen Eindringlinge auszubalancieren. Orci erzählt, dass die beiden Autoren schnell begriffen hätten, warum bereits so lange an dem Projekt gearbeitet worden war, ohne dass man ein greifbares Resultat vorweisen konnte: „Wir hörten den Titel und sagten sofort: Legen wir los! Aber als wir uns hinsetzten, um unsere Ideen zu Papier zu bringen, stellten wir fest, dass es nicht so einfach sein würde. Wir wussten, dass sich der Film organisch anfühlen musste und die unterschiedlichen Versatzstücke untrennbar miteinander verwoben werden mussten.“

Der Zusammenprall der Genres gab den Autoren eine reichhaltige Palette archetypischer Figuren und Situationen an die Hand, mit denen sich spielen ließ. Sie nahmen die Elemente, die Fans des Western bestens kennen, und interpretierten sie neu, indem sie sie durch die Linse eines Science-Fiction-Films betrachteten. Kurtzman berichtet: „Es ging uns darum, gewissen Standards der beiden Genres gerecht zu werden und dann einen Weg zu finden, sie miteinander zu verbinden. In einem Western erkennt jeder den Mann ohne Namen. Er kommt in die Stadt, und jeder fragt sich, wer das ist und was er vorhat. Der Science-Fiction-Aspekt sieht so aus, dass er ein Mann ohne Namen ist, weil er von Aliens entführt wurde und sich nicht daran erinnern kann, wer er ist. Er muss seine eigene Identität wiederentdecken und sich seiner Vergangenheit stellen – und dabei gleichzeitig zum Helden derer werden, die miterleben mussten, dass geliebte Menschen von den Außerirdischen entführt wurden.“

Im Juli 2009 unternahmen Kurtzman und Orci ihre alljährliche Pilgerreise nach San Diego, um – wie viele andere erfolgreiche Filmemacher ihrer Generation – die Comic-Con zu besuchen. Nach dem überwältigenden Erfolg von IRON MAN („Iron Man“, 2008) war Regisseur Jon Favreau einer der gefeierten Stars der Messe. Seine Arbeit als Regisseur, Produzent, Autor und Schauspieler umfasst Projekte, die von unabhängigen Kultfilmen wie SWINGERS („Swingers“, 1996) hin zu Blockbuster-Komödien wie ELF („Buddy – Der Weihnachtself“, 2003) reichen. Favreau war nach San Diego gereist, um die Fortsetzung zu seinem sensationellen Superheldenerfolg zu diskutieren; Kurtzman und Orci repräsentierten ihre aktuellen Kinohits STAR TREK („Star Trek“, 2009) und TRANSFORMERS: REVENGE OF THE FALLEN („Transformers – Die Rache“, 2009) sowie die zu diesem Zeitpunkt ebenso brandneue wie brandheiße Mystery-Fernsehserie „Fringe“. Bei einer Party lernten sich die drei kennen.

„Ich hatte von dem Projekt gehört, während ich an IRON MAN arbeitete“, erinnert sich Favreau. „Ich fand, dass es nach einer coolen Sache klang. Als mich Alex und Bob also auf das Projekt ansprachen, las ich das Drehbuch und war sofort an Bord. Das Drehbuch war eine Wucht, es las sich sozusagen von selbst.“ Mit der Zusage Favreaus war klar, dass man einen Filmemacher gefunden hatte, der den richtigen Ton absolut perfekt treffen würde. Sein Ziel war es, beide Genres ernst zu nehmen und die Geschichte so authentisch zu erzählen, dass sie sich für die Einwohner von Absolution ebenso real anfühlen würde wie für das Kinopublikum, das sich auf einen unterhaltsamen Abend freut.

Als er zurück in Los Angeles war, fasste Favreau seine Gedanken zu COWBOYS & ALIENS bei einem Treffen mit den Produzenten Spielberg, Howard und Grazer zusammen. Sie waren begeistert. „Mein Ansatz war es, beiden Genres gerecht werden zu wollen“, erklärt Favreau. „Durch die Gegenüberstellung der klassischen Form beider Genres, des Alieninvasions-Films und des Western, wollte ich etwas Neues und Aufregendes erschaffen. Ich bin überzeugt, dass die Menschen großes Verlangen nach solchen Ideen haben.“

Die Produzenten fanden, dass Favreaus leidenschaftlicher und einzigartiger Ansatz, die Genres homogen zu fusionieren, genau das war, was das Projekt brauchte. Spielberg fasst die Gedanken des Teams über seinen Regisseur zusammen: „Jon hat bewiesen, dass er den eklektischen Ansatz pflegt, Stil und Inhalt immer dem von ihm gewählten Thema anzupassen. Was ihm Bodenhaftung verleiht, ist seine Angewohnheit, seine Entscheidungen immer vom Verhalten seiner Figuren abhängig zu machen. Was würden die Figuren machen? Wie kann ich die Geschichte noch authentischer erzählen? Je mehr Einschränkungen ein Genre einem Filmemacher auferlegt, desto mehr rückt Jon diese Einschränkungen in den Fokus und wandelt sie in einen eindeutigen Vorteil für sich. Er kann sich dabei stets auf sein umfassendes Wissen über Schauspielerei, das Inszenieren von Schauspielern und das Verfassen großartiger Rollen verlassen.“

Um das Team zu inspirieren, arrangierte Spielberg die Vorführung einer brandneuen Kopie von John Fords THE SEARCHERS („Der schwarze Falke“, 1956). Favreau war entschlossen, all die Elemente, die klassische Western erfolgreich machten, auch für seinen Film zu nutzen. Mit Spielberg, Grazer und Howard hatte er Mitstreiter an seiner Seite, wie man sie sich als Filmemacher nur wünschen kann. „Mit Stevens unverkennbarer visueller Handschrift bin ich groß geworden, ihr Einfluss ist in jeder Einstellung meiner Filme zu erkennen“, sagt Favreau. „Tatsächlich mit ihm reden zu können und sich von ihm eine Lehrstunde in Sachen Western geben zu lassen, war absolut unglaublich.“

Seine Produzenten hatten einen Überfluss an filmischem Wissen zur Hand und waren jederzeit bereit, es mit dem Regisseur von COWBOYS & ALIENS zu teilen. „Viel zu oft kommt es in Hollywood vor, dass man als Filmemacher im Dunkeln tappt und allein Lösungen finden muss“, sagt er. „Es ist wunderbar, das Wissen von Menschen anzapfen zu können, die man enorm schätzt. Leute wie Steven Spielberg, Ron Howard und Brian Grazer an diesem Punkt meiner Karriere als Mentoren an meiner Seite zu wissen, war ein wahrer Luxus.“

Kurtzman und Orci stimmen dem Regisseur bei seiner Einschätzung zu. Sie meinen: „Diesen Film von seinen Anfängen bis zu seiner Auswertung begleitet haben zu dürfen, nicht nur als Autoren, sondern auch als Produzenten an der Seite von Steven, Ron, Brian und Jon, war eines der großen Vergnügen unserer bisherigen Karriere. Unsere Partnerschaft gestaltete sich auf eine Art, wie wir sie uns in unseren wildesten Träumen nicht hätten vorstellen können: Wir teilten eine gemeinsame Vision mit leidenschaftlichen Filmemachern, die obendrein auch noch unsere erklärten Helden sind.“

Für Schöpfer und Produzent Scott Mitchell Rosenberg war es ein unvergessliches Erlebnis mitzuerleben, wie sein einstiges Traumprojekt schließlich doch noch den Weg auf die große Leinwand fand. Er merkt an: „Ich habe mir diesen Comic 1997 ausgedacht, als Platinum wenig mehr war als ein Blatt Papier, das ich an die Tür geheftet hatte. Von dem Punkt an, an dem Jon als Regisseur an Bord kam, hatte er immer das richtige Gespür für COWBOYS & ALIENS. Das lässt sich unschwer an allem erkennen, was er davor gemacht hat. Und wenn man mit ihm in einem Zimmer sitzt, versteht man sofort, dass er es einfach begreift.“

Produktion: Die Besetzung

Actionstar Daniel Craig ist vermutlich nicht der erste Schauspieler, der einem einfällt, wenn von amerikanischen Cowboys gesprochen wird. Aber Jon Favreau hat ein Gespür dafür, wenn es um die perfekte Besetzung geht: Er war es, der auf Robert Downey Jr. vertraute und darauf setzte, dass dieser in IRON MAN einen perfekten Superhelden abgeben würde. Und auch in Craig sah er etwas Familiäres und Ikonisches, das den Briten zum idealen Jake Lonergan machte, einem einsamen Fremden mit Gedächtnislücken, der gerade rechtzeitig in der einstigen Boomstadt Absolution auftaucht, um sie vor der totalen Zerstörung retten zu können.

„Er war der erste Schauspieler, den wir an Bord holten“, erklärt der Regisseur. „Mir wurde bei den Treffen mit ihm bewusst, dass er jene raue, attraktive Qualität hat, die einst auch einen Steve McQueen ausgezeichnet hat.“ Über sein ansprechendes Aussehen hinaus hat Craig aber auch das Talent, viel zu sagen, ohne eine Menge Worte gebrauchen zu müssen. „Die Sprache des Western ist Action, nicht Dialog“, meint Favreau. „Normalerweise kann gar nicht genug geredet werden in meinen Filmen, aber das wäre in diesem Fall grundverkehrt gewesen: Die Action ist hier das, was in anderen Filmen der Dialog ist – Schießereien, Prügeleien. Das ist Teil von Jakes Persönlichkeit, und Daniel bringt das verdammt gut rüber. Er sagt viel mit dem, was er tut. Man sieht, wie es in seinem Kopf arbeitet – und für ihn geht es um alles.“

Craig ist als eingefleischter Fan von BUTCH CASSIDY AND THE SUNDANCE KID („Zwei Banditen“, 1969) ebenso wie von ALIEN („Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, 1978) und BLADE RUNNER („Blade Runner“, 1982) davon überzeugt, dass es ein Leichtes ist, die beiden vermeintlich grundverschiedenen Genres miteinander zu verbinden. Er gibt zu, dass er seine „Figur fast komplett auf dem Schweigen von Clint Eastwood“ basierte, und bereitete sich auf den Part vor, indem er sich so viele Western wie nur eben möglich ansah. Der Schauspieler sagt: „Ich habe viele Western mit John Wayne gesehen, aber meine favorisierten Western stammen aus den 70er-Jahren – Filme wie LITTLE BIG MAN („Little Big Man“, 1970) und andere dieser sogenannten schmutzigen Western, die ein bisschen mehr auf Realität setzten.“

Als es darum ging, sich in die Figur zu versetzen, fiel Craig das leichter als bei den meisten anderen Rollen, die er spielt. Er meint: „Der Cowboy kommt von allein zum Vorschein. Wir sind in einer Wüste, ich trage Chaps. Ich trage einen Revolvergürtel, Cowboystiefel und einen breitkrempigen Hut, und ich reite ein Pferd. Ich ritt jeden einzelnen Tag des Drehs auf einem Pferd und wurde auch noch dafür bezahlt. Ich hätte kaum glücklicher sein können.“

Ist die Prämisse der Geschichte vorstellbar? Craig ist fest davon überzeugt, dass die Siedler des 19. Jahrhunderts und Indianer das Zeug dazu gehabt hätten, Kreaturen aus einer anderen Welt die Stirn zu bieten. Er sagt: „Ich glaube, das ist unser angeborener Überlebenssinn. Diese Jungs sind zäh. Sie sind Menschen, die am Rand der Zivilisation aufwachsen. Und wir haben amerikanische Indianerstämme, die ebenfalls Härten aller Art gewohnt sind. Sie haben die Welt da draußen und alles, was Mutter Natur ihnen entgegenschleudert, überlebt.“

Eine der letzten Rollen, die besetzt wurden, war Harrison Fords Figur, Woodrow Dolarhyde, der unerbittliche Viehbaron von Absolution und heimliche Drahtzieher der Stadt – und der Einzige, der die vor sich hinsiechende Stadt vor dem kompletten finanziellen Ruin bewahrt. Er ist ein Oberst des Bürgerkriegs, dessen Verbitterung nach der blutigen Schlacht von Antietam zur inneren Versteinerung geführt hat. Dolarhyde ist zu einem brutalen und kaltblütigen Tyrannen geworden – und er hat es auf den einen Mann abgesehen, von dem er glaubt, er habe sein Gold gestohlen: Jake Lonergan. Orci erklärt: „Wenn da nicht die Aliens wären, wäre er der Bösewicht unserer Geschichte.“

Obwohl Steven Spielberg und Harrison Ford eine mehr als 30 Jahre währende Kreativpartnerschaft verbindet, war es keine Selbstverständlichkeit, dass der Mann, den man untrennbar mit Indiana Jones und Han Solo verbindet, bei COWBOYS & ALIENS mitmachen würde. Favreau erläutert, wie es ihm gelang, eine ganz unverkennbare Identität für die Schauspielerikone zu finden: „Für meine Generation ist er wie John Wayne. Wenn die Menschen im Kino sitzen, bringen sie alle ihre bisherigen Erfahrungen mit, um einen Film zu sehen. Man kann einen Schauspieler nicht von seinem Gesamtwerk trennen. Ich kann mich erinnern, Harrison Ford erstmals als Bob Falfa in AMERICAN GRAFFITI („American Graffiti“, 1973) gesehen zu haben, und dann natürlich in STAR WARS („Krieg der Sterne“, 1977) und RAIDERS OF THE LOST ARK („Jäger des verlorenen Schatzes“, 1981). Er ist ein Haudegen. Er ist immer charmant und doch unberechenbar, man weiß nie, was er als Nächstes machen wird. Von ihm geht eine Gefahr aus, die wirklich einfach perfekt zu dieser Rolle passte, wie wir fanden.“

Ford war von Anfang an fasziniert von dem Projekt, aber auch zutiefst skeptisch. Favreau erinnert sich: „Er zeigte Interesse, nachdem ich ihm die Konzeptentwürfe gezeigt und erklärt hatte, dass wir mit einem ernsten Ton an die Sache herangehen wollten. Wir wollten das Ganze nicht als Jux betrachten. Unser Ziel war es, die beiden klassischen Formen gegenüberzustellen und damit etwas Neues und Aufregendes zu erschaffen.“

Für Ford war es zugegebenermaßen erst einmal die Cowboy-Seite, die sein Interesse weckte. Er sagt: „Ich finde es interessant, dass diese Menschen damals im Jahr 1875 im Wilden Westen nicht über unsere Erfahrung verfügten, was Reisen in den Weltraum und das Verständnis für Planeten anbetrifft. Als sie von der Invasion überrascht werden, haben sie keinen Kontext, in den sie dieses Ereignis setzen können. Der einzige mögliche Kontext für sie ist die Erklärung, die der Priester der Stadt bereithält, dass es sich bei den Aliens nur um Dämonen handeln könne – und als solche werden sie für den Rest der Geschichte betrachtet.“

Ford ist ein interessierter Geschichtskenner und erklärt, wie seine Figur erarbeitet wurde: „Für den Western ist entscheidend, dass jeder sich selbst am nächsten steht. Die Menschen lebten am unmittelbaren Rand der Frontier und hingen von ihren eigenen Ressourcen ab. Der starke Mann wird durchkommen – und der starke Mann kam durch. Dolarhyde ist ein alter Rancher, der reichste Mann der Stadt, der die Indianer verachtet. Er ist ein harter Mann mit einem Sohn, der sich als Memme erweist – weil er aufgrund seines Vaters nie etwas anderes sein musste, um durchzukommen. Das Resultat von Dolarhydes dominanter Persönlichkeit drückt sich durch seinen Sohn aus, der andere drangsaliert und sehr schwach ist.“

Es gibt neben Jake Lonergan noch einen weiteren Fremden in der Stadt, der vielleicht noch geheimnisvoller ist und eine entscheidende Rolle für das Schicksal von Absolution spielt. Ella folgt Jake wie ein Schatten, während er sich durch die Stadt bewegt, doch als sich der Himmel öffnet und der Terror der Aliens beginnt, ist sie die Einzige, die die Absichten des Feindes erahnt. Für diese Rolle suchten die Filmemacher eine Schauspielerin, die sowohl das Geheimnisvolle wie auch eine gewisse Härte und Stärke verkörpern konnte – Charakterzüge, die die einzige Frau in dieser zusammengewürfelten Gruppe von Cowboys und Indianern auszeichnen.

Olivia Wilde, die seit 2007 zum festen Ensemble der Serie „Dr. House“ gehört und in der freien Zeit, in der sie nicht für die Serie vor der Kamera steht, eine beachtliche Karriere beim Film gemacht hat, wurde besetzt, bevor irgendjemand auch nur einen Ausschnitt von TRON: LEGACY („TRON: Legacy“, 2010) gesehen hatte. Als es schließlich so weit war, wurde den Filmemachern klar, dass sie die absolut richtige Entscheidung getroffen hatten. „Man sieht sie nur für den Bruchteil einer Sekunde“, sagt Favreau. „Aber ihre Einstellung und ihr Aussehen – wie anziehend und interessant sie war – ließ mich innehalten. Und das gilt nicht nur für mich. Auch die Fans und viele andere Menschen sahen dieses Bild im Trailer und waren fasziniert. Sie ist außerdem sehr bodenständig, beseelt und einzigartig und eine sehr nette, warmherzige Person. Diese Dichotomie war interessant, und sie umfasste, was wir uns für Ella vorgestellt hatten.“

Der Schauspielerin gefiel der Ansatz der Autoren bezüglich der Gestaltung ihrer Rolle. „Ella hat mich sofort fasziniert“, erzählt Wilde. „Ich las das Drehbuch und war begeistert. Ich dachte sofort: Die musst du spielen. In Western beschränken sich die weiblichen Rollen häufig auf Präriefrauen oder das Cowgirl, das dann oft stark und stoisch ist, aber nicht wirklich ‚dazugehört‘ – und vor allem keine so wichtige Rolle für den Fortlauf der Geschichte spielt. Aber Ella ist anders. Sie hat eine Verbindung mit Jake und besitzt auch eine gewisse Macht über ihn, die sonst keiner hat.“

Favreau brachte nicht nur die wichtigsten Mitglieder seiner Crew von IRON MAN 2 („Iron Man 2“, 2010) wieder mit, sondern auch einen der wichtigsten Stars dieses Films. In IRON MAN 2 war Sam Rockwell als Tony Starks unberechenbarer Wettstreiter Justin Hammer zu sehen gewesen. In COWBOYS & ALIENS spielt er den Saloonbesitzer Doc, der mit seiner schönen Frau Maria aus der großen Stadt in das verlassene Wüstenkaff Absolution gekommen ist, um sein Glück zu suchen. Als die Außerirdischen Maria entführen, schließt er sich dem Rettungstrupp an, um sie vor den Dämonen zu retten – und das, obwohl er weit davon entfernt ist, das Abenteuer mit der Muttermilch aufgesogen zu haben.

Für Rockwell war COWBOYS & ALIENS, als würde er seine Kindheit besuchen. „Der Film bringt mich zurück zu den Geschichten, die man mir als kleiner Junge erzählt hatte“, berichtet der Schauspieler. „Wir spielten die Geschichten dann mit unseren kleinen Cowboys nach. Danach holten wir unsere Dinosaurier, Soldaten und Indianer und mischten sie alle zusammen, um uns unsere eigenen Filme auszudenken.“

Adam Beach wurde geholt, um die Figur des Nat Colorado zu spielen, ein gebürtiger Indianer, der sich als Vorarbeiter auf der Ranch von Dolarhyde beweist – den strengen Viehbaron sieht er von Kindesbeinen als eine Art Stiefvater an. Als dessen rechte Hand hat er sich auch ständig um den unberechenbaren Erben des mächtigsten Mannes von Absolution zu kümmern. Beach, selbst ein kanadischer Saulteaux-Indianer, gefiel die Idee, dass man ihn einmal etwas ganz anderes als üblich spielen ließ. „Ich habe noch nie einen Cowboy gespielt“, gesteht der Schauspieler, der im Dog Creek First Nations Reserve in Lake Manitoba aufgewachsen ist. „Ich bin immer der Indianer, der Speere werfen und Pfeile abschießen muss. Ich habe es geliebt, einmal zur anderen Seite zu gehören.“

Für die Rolle des wieselhaften Schurken Percy Dolarhyde, des einzigen Sohns des reichsten Mannes weit und breit, wurde Paul Dano gewählt, der als durchtriebener Priester an der Seite von Daniel Day-Lewis in THERE WILL BE BLOOD („There Will Be Blood“, 2007) nachhaltig aufgefallen war. Dano erklärt seine Figur: „Ich spiele den verzogenen, betrunkenen, zu nichts zu gebrauchenen Sohn des Viehbarons der Stadt. Die Stadt wäre nichts, wenn es das Geld seines Vater nicht gäbe. Meine Figur glaubt, ein Anrecht auf alles zu haben, und benimmt sich entsprechend. Ich habe mir viele der alten Western angesehen. Sie sind prall gefüllt mit großartigen Figuren und großartigen Charakterdarstellern. Bei diesem Film hatte ich den Eindruck, dass jeder Einzelne ausreichend Raum zu glänzen hatte und einen wichtigen Beitrag zum Gelingen beitragen konnte.“

Noah Ringer, der die Titelfigur in M. Night Shyamalans THE LAST AIRBENDER („Die Legende von Aang“, 2010) gespielt hatte, verpflichtete man als Emmett Taggart, Enkel des Stadtsheriffs. Als sein Großvater entführt wird, schließt sich Emmett der Gruppe von Cowboys an, die sich auf die Suche nach ihren Geliebten und Verwandten macht. Der Jungdarsteller meint: „Emmett ist der einzige Junge in diesem Film. Ihm fällt die Aufgabe zu, ansonsten unausgesprochene Emotionen auszudrücken und das Publikum gefühlsmäßig mit auf die Reise zu nehmen. Er hat einen wirklich zähen, starken Kern, auch wenn er der Kleinste in der Geschichte ist. Er ist es, der im Verlauf der Geschichte am meisten lernt und wächst.“

Die Filmemacher hatten kein Problem, jede noch so kleine Rolle hochkarätig zu besetzen. In den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts trugen die Männer lange Bärte als Zeichen ihrer Virilität, während sich die Frauen ihre Haare lang wachsen ließen und das Färben von Haaren ein Fremdwort war. „In der Tradition vieler klassischer Western war keine Rolle zu klein, denn jede Figur ist ein wichtiger Mosaikstein, das Genre in all seiner Pracht neu erstrahlen zu lassen“, sagt Orci. „Wir hatten zahlreiche Schauspieler, die sich aus eigenem Antrieb bei uns meldeten, um mit dabei sein zu können. Am Ende hatten wir eine Besetzung, die jedem Vergleich standhält.“

Die Besetzung wurde komplettiert mit Raoul Trujillo aus der Serie „True Blood“ als Apachenhäuptling Schwarzes Messer, Abigail Spencer aus „Mad Men“ als Jakes große Liebe Alice, David O’Hara aus „The Tudors“ als Lonergans ehemaliges Bandenmitglied Pat Dolan sowie Walton Goggins aus „Justified“ und „The Shield“ und Julio Cesar Cedillo aus THE THREE BURIALS OF MELQUIADES ESTRADA („Three Burials“, 2007) als die Banditen Hunt und Bronc. Und könnte ein Western sich wirklich Western nennen, wenn man sich nicht vor dem Duke selbst verneigen würde? John Waynes Enkel Brendan Wayne ist als Hilfssheriff Lyle zu sehen.

Produktion: Die Dreharbeiten

Szenenbildner Scott Chambliss fiel die Aufgabe zu, ein Gleichgewicht zu halten zwischen den beiden visuell sehr eigenen Welten in COWBOYS & ALIENS. Er meisterte seine Aufgabe mit eindrucksvollen Entwürfen. „Wenn man den Titel hört, dann denkt man sofort an Kerle auf Pferden mit Stetsons, die wie der Wind reiten, während sie von fliegenden Untertassen verfolgt werden“, sagt Orci. „Aber Scotts Ansatz war es, diese beiden grundverschiedenen Welten miteinander zu verschmelzen. Geradezu unterbewusst wollte er den alten Westen auch in seinen Designs der Aliens und ihrer Welt aufscheinen lassen.“

Um die Integration der beiden Genres aufrechtzuerhalten, musste das komplette Equipment der Aliens, ihre Waffen und Vehikel – sowie der Alienturm und seine Funktionalität – auf die Sensibilität und Vorstellungskraft des späten 19. Jahrhunderts zugeschnitten werden. Favreau verlangte nach einer Kulisse im Sog der industriellen Revolution – er wollte Züge, Schaufelraddampfer, Telegrafen und Werkzeuge mit verschiedenen beweglichen Teilen. Dies ist die Zukunft aus der Perspektive des späten viktorianischen Zeitalters.

Inspirieren ließ sich Chambliss von den Skulpturen des amerikanischen Künstlers Lee Bontecou und den kantigen und geometrischen Formen der brutalistischen Architektur. Die Ausrüstung der Aliens ist weit entfernt von den Hightech-Gadgets und antiseptisch wirkenden Ausrüstungen, wie man sie vom modernen Science-Fiction-Film kennt. Die albtraumhafte Technologie der Invasoren hat eine verstörende biologische Basis und erstreckt sich von den insektenartigen Flugmaschinen mit ihren zehn Flügeln, deren Tentakeln sich ausfahren lassen, damit sie ihre Opfer an Haken aufgreifen können, hin zu den riesigen Vivisektionstischen mit ihren gewaltigen Klammern und ihrer harten, hautartigen Oberfläche, die vom Blut ihrer Opfer verkrustet ist.

Tief unter der Oberfläche der Erde werden die Menschen aus Absolution wie Vieh gefangen gehalten. Sie sind der wahre Grund für den Angriff aus dem All. Labyrinthartige Tunnels, wo die Außerirdischen ihre wertvolle Essenz extrahieren und ihre menschlichen Versuchsobjekte als Geiseln halten, wurden im sogenannten „Gewölbeset“ errichtet. Sie stehen für eine Reihe von unterirdischen Orten, die jener Gegend in der einsamen Wüste von New Mexico entsprechen, wo das Mutterschiff der Aliens gelandet ist und die entscheidende Schlacht zwischen Cowboys und ihren Angreifern stattfindet.

Nach Monaten der Vorbereitung der Drehorte in New Mexico ließ Chambliss das Produktionsteam dort drehen, während er selbst zu den Bühnenhallen 6 und 27 auf dem Gelände der Universal Studios zurückkehrte. Dort verbrachte er mit seiner Crew Monate, um zwei beeindruckende Locations aus dem Boden zu stampfen. Chambliss erklärt das gewaltige Set: „Wir wollten, dass sich die Höhle anfühlt, als befände sie sich Kilometer unter der Erde, als erstrecke sie sich endlos. Diese winzigen Tunnels münden in riesige, beängstigende Räume und enden schließlich in dem gruseligen Abschnitt, wo die Aliens unaussprechliche Dinge mit ihren Gefangenen anstellen.“

Neben der Serie von Tunnels, durch die Jake und Ella rennen, um die menschlichen Geiseln zu befreien und die Aliens zur Strecke zu bringen, gehört zu dem Gewölbe eine Höhle, in der die Gefangenen wie Tiere im Schlachthof an Haken hängen, von dem Operationsraum ganz zu schweigen, wo die Außerirdischen ihre unmenschlichen Experimente absolvieren.

Der Szenenbildner fand einen innovativen Weg, für die Reise von Jake und Ella die Illusion eines weitläufigen Höhlensystems unter der Erde entstehen zu lassen. Chambliss und seine Crew errichteten ein modulares Set – ein vertracktes Puzzle von gewaltigen dunklen Steinwänden und -böden, dessen Einzelteile sich mühelos auseinandernehmen und auf völlig neue Weise wieder zusammensetzen ließen, um den nötigen Raum für die Schauspieler und die Crew zu schaffen. Gewaltige „Felseisberge“, bis zu fünf Meter hoch, wurden von einem Flaschenzugsystem gehoben und neu arrangiert, wann immer Favreau das Bedürfnis hatte, das Set zu variieren oder anders aussehen zu lassen.

In Studiohalle 27 errichtete Chambliss eine weitere, nicht weniger beeindruckende und furchterregende Kulisse für eine frühere Szene des Films, wo die Menschen erstmals einem Alien aus Fleisch und Blut gegenüberstehen. So kommt es zu dieser Szene: Jake, Dolarhyde, Ella, Doc, Meacham und der Junge Emmett nehmen die Verfolgung ihrer Angreifer auf. Während sie durch die Wüste reiten, sehen sie in der Entfernung etwas höchst Ungewöhnliches: einen Schaufelraddampfer, der umgestürzt mitten in der Einöde gestrandet ist. Das ist verstörend, weil der nächste Fluss einige Hundert Meilen entfernt ist. Irgendetwas hat diesen Dampfer gepackt und wie ein ungeliebtes Spielzeug mitten in die Wüste geschleudert.

Unsere Helden suchen gerade Zuflucht vor einem aufziehenden Sandsturm, als sie den Schaufelraddampfer entdecken. Während Emmett durch das Dampfschiff wandert, um es genauer zu untersuchen, wirkt der Dampfer von Raum zu Raum beunruhigender. An diesem auf den Kopf gestellten Ort gelangt Emmett durch einen Durchgang in das Hauptkasino. Die Spieltische und das Klavier liegen umgestürzt am Boden, während Stühle von den Sparren hängen und Holzstämme in das Boot ragen. In einer Ecke lauert ein Schatten.

Nachdem sie Recherchen über Schaufelraddampfer der entsprechenden Zeit angestellt hatten, erstellten Konzeptkünstler Zeichnungen, die den Dampfer in intaktem Zustand zeigen. Auf dieser Grundlage wurden Schaumstoffmodelle des unbeschädigten Schiffs angefertigt. Nun nahmen die Künstler die Designs wieder komplett auseinander, um herauszufinden, wie das Set aussehen würde, nachdem ein solches Boot herumgeschleudert wurde. „Man muss etwas erschaffen, das einerseits auf einem absolut echten Objekt basiert, andererseits aber doch so etwas ist wie eine abstrakte Skulptur“, sagt Chambliss. „Gleichzeitig durften wir nie vergessen, dass wir die Räume für die Schauspieler so dynamisch und ungewöhnlich wie möglich aussehen lassen mussten.“

Chambliss’ Team verließ sich auf die Modelle der Künstler und baute den Rahmen des auf den Kopf gestellten Sets. Zerbrochene Fenster, unebene Oberflächen und gebogene Wände geben dem Dampfer sein unverkennbares Äußeres. Überdies wurde er mit als Trophäen an die Wände gehängten ausgestopften Köpfen, zersplitterten Spiegeln und Kerosinlampen verziert. Als es schließlich darum ging, das Set zu bekleiden, fing der Spaß erst richtig an. Chambliss lacht: „Wir hatten wunderschönes Mobiliar, Kasinotische, ziselierte Leuchter, Stühle, gerahmte Gemälde – und dann durften wir alles kaputt machen. Wir hatten unglaublich viel Spaß, während wir die Dinge in der Gegend herumschleuderten, auf ihnen herumstampften und sie zerbrachen. Am Ende sahen wir uns die Bescherung an und entschieden, ob wir zufrieden mit dem Ergebnis waren.“

Russell Bobbitt, der Requisiteur von IRON MAN („Iron Man“, 2008) und STAR TREK („Star Trek“, 2009), stieß zum Team mit der Herausforderung, eine Welt des 19. Jahrhunderts mit Requisiten von Waffen bis hin zu Whiskey-Flaschen auszustatten. Mit seiner Crew verließ er sich auf eine Mischung aus penibler Recherche und freien Erfindungen, um eine Fülle von Requisiten für drei verschiedene, sich überschneidende Welten zu beschaffen. Sich bei dieser Aufgabe streng an die historischen Tatsachen zu halten, erwies sich bei einer dieser Welten als ausgesprochen schwierige Herausforderung.

Ella beschwört Dolarhyde und Schwarzes Messer, den Häuptling der Chiricahua-Apachen, dass sich die Indianer und der weiße Mann ungeachtet ihrer bisherigen Probleme zusammentun müssen, wenn sie den gemeinsamen Feind besiegen wollen. Die Chiricahua sind eine nicht zu unterschätzende Kraft, die im Kampf gegen die Aliens zu der ohnehin schon ungewöhnlichen Allianz von Cowboys, Outlaws und einem Viehbaron stößt. Historisch betrachtet, gehörte dieser Stamm zu den letzten amerikanischen Indianern, die sich gegen die Landnahme der Siedler stemmten. Ihr fortgesetzter Widerstand gegen die Besiedlung des weißen Mannes führte beinahe zu ihrer Auslöschung, weshalb nur wenig Details über ihre tatsächliche Lebensweise überliefert sind.

Die wenigen geschriebenen oder fotografischen Dokumente der Chiricahua entstanden Jahre nach der Zeit, in der die Geschichte spielt, und waren oft wenig zuverlässig. Die Indianer auf den Fotos, die wenigstens ungefähr in der gefragten Periode aufgenommen wurden, waren von europäischen Fotografen meist nach deren Gusto inszeniert und in Pose gebracht worden. Häufig wurden ihre Kleidung und die Gegenstände, die sie tragen, modifiziert, damit sie der Vorstellung der Weißen, wer die Indianer waren und was sie ihrer Ansicht nach repräsentierten, entsprachen.

Es gilt als gesichert, dass die Apachen bestens bewaffnete, höchst fähige Krieger waren. Sie benutzten ihre Pfeile und Bogen, Lanzen und Schilder mit unglaublicher Präzision, und sie gelangten an Pistolen und Gewehre durch den Handel mit europäischen Siedlern oder Überfälle auf sie. Bobbitt und sein Team arbeiteten bei der Ausstattung mit traditionellen Waffen eng mit den technischen Beratern der Apachen zusammen – die Waffenpalette reichte von tödlichen Tomahawks und Steinen, die an schwere Knüppel gebunden wurden, bis hin zu Schildern, die aus mehreren Lagen feuchter Tierhäute gefertigt wurden. Diese wurden dann um einen Rahmen genäht und anschließend getrocknet, bis sie völlig trocken waren.

Bobbitt erklärt: „Wir lernten, welche Federn sie benutzten (Truthahn), wie lang die Bogen waren (nie länger als 105 Zentimeter und nie kürzer als 70 Zentimeter), und wir fertigten alles, von Lanzen bis hin zu Köchern, korrekt nach Anleitung unserer Berater an.“

Oliver Enjady, der als technischer Berater der Apachen dabei war, und weitere Berater der Mescalero-Apachen malten sogar Schilder für Favreaus Team, die bei der Kriegstanzzeremonie zum Einsatz kamen. Enjady erinnert sich: „Ich sagte ihnen, dass ihre Entwürfe nicht der Kultur der Apachen entsprächen. Also gingen sie los und kamen mit Farbe zurück. Ich schnappte mir vier Männer, und wir bemalten die Schilder, die man im Film sehen kann.“

Weil New Mexico über eine Fülle an Wildwest-Historie verfügt, war es deutlich einfacher, die Cowboys und Siedler auszustatten. Die kleine Bibel, aus der Meacham vorliest, nachdem die Aliens die Stadt angreifen, ist tatsächlich eine Antiquität aus dem Jahr 1860. Bobbitt und sein Team stöberten einen lokalen Schmied auf, der Werkzeuge benutzte, wie sie damals zum Einsatz gekommen waren – geschmiedet in einem Hochofen, den der Schmied selbst gebaut hatte. Bei ihm wurden die Sterne für Sheriff Taggart und seine Hilfssheriffs angefertigt. Außerdem entdeckte das Team einen der letzten Hersteller von Ferrotyp-Fotos. Das geheimnisvolle Foto von Alice, das Jake in seinem Hut entdeckt, wurde bei ihm gemacht.

Sieht man einmal von seinem Gaul und seinem Hut ab, war die Pistole das Wertvollste, was ein Cowboy besaß. Colonel Woodrow Dolarhyde ist einer der wenigen Männer in unserer Geschichte, die über substanzielle finanzielle Mittel verfügen. Seine Waffe, ein Uberti 1873 Army Colt, dessen verzierte, eigens hergestellte Halterung und Dolarhydes Pistolengürtel spiegeln seine Herkunft und seinen sozialen Status wider.

Thell Reed, einer der führenden Pistolenspezialisten Hollywoods, arbeitete in den Wochen vor Drehbeginn eng mit den Schauspielern zusammen. Reed zeigte ihnen nicht nur, wie man mit den Waffen der Ära umgeht, sondern brachte ihnen auch ein paar typische Kniffe bei, wie im Wilden Westen geschossen wurde. „Thell zeigte ihnen, wie man die Revolvertrommel richtig dreht und wie man den Abzug korrekt spannt“, sagt Bobbitt. „Und er zeigte ihnen ein paar abgefahrene Tricks, wie man die Waffe blitzschnell um den Zeigefinger kreisen lässt, bevor man sie wieder in den Gurt steckt.“

Nun war der mit Perlmuttgriffen bestückte Colt genau das Richtige für einen ehemaligen Oberst der Armee und wohlhabenden Viehbaron. Jake hingegen erwacht zu Beginn des Films und stellt erst einmal fest, dass er keine Waffe hat. Das kann nicht angehen. Also schnappt er sich eine Waffe von einem der drei Halsabschneider, die ihn in der Wüste angreifen, und schließlich verwendet er einen 1851 Navy Colt, den er einem toten Kutschenfahrer abnimmt. Seine beeindruckendste Waffe ist jedoch keine Pistole, sondern vielmehr die merkwürdige Metallmanschette um seinen linken Unterarm.

„Blaster“ wurde diese dicke Metallmanschette, die unser Held an seinem Handgelenk entdeckt, als er zu Beginn des Films erwacht, von der Produktion getauft. Während des tödlichen Angriffs der Aliens auf Absolution verwandelt sich die Manschette, und Jake erkennt ebenso wie die anderen, dass er die effektivste Waffe gegen den Ansturm der Außerirdischen permanent bei sich trägt. Der Entwurf dieses futuristischen Gegenstands an Jakes Arm stellte die Filmemacher vor eine riesige Herausforderung.

„Wir wollten ein Requisit, das nicht gleich der kompletten Stadt auffällt, wenn man es sieht“, erklärt Bobbitt. „Also entschieden wir uns für ein Design, das einen vertrauten Look hat. Man könnte das Ding an Jakes Arm auch für eine Handschelle halten, einen Gegenstand, den man verwendet haben könnte, um ihn irgendwo anzuketten.“

Wie viele andere Alienelemente des Films ist der Blaster eine Mischung aus Recherche und Erfindung. Seine abgegriffene, braune Stahloberfläche und sein uhrenartiger Mechanismus sollen ihn aussehen lassen wie etwas, was man sich im Westen des Jahres 1875 durchaus vorstellen könnte. Obwohl manche der mechanischen Bewegungen der Waffe mit Computereffekten unterstützt wurden, ist das meiste, inklusive der Lichter und der beweglichen Teile, echt. Doubletten, speziell für die alten Revolver und Gewehre, mussten für den Film angefertigt werden. Tatsächlich wurden aber sogar 30 Blaster gebastelt, die passend zu den jeweiligen Szenen, der jeweiligen Action und dem entsprechenden Wetter zum Einsatz kamen.

Produktion: Der Drehort

Die amerikanischen Indianer, die in COWBOYS & ALIENS gezeigt werden, sind Chiricahua-Apachen. Im Jahr 1886 zählte der gesamte Stamm nur noch drei Dutzend Männer, Frauen und Kinder. Unter der Führung von Geronimo leistete diese kleine Gruppe einen legendären Widerstand gegen den fortgesetzten Landraub von Mexiko und den Vereinigten Staaten. Die Apachen, die nicht getötet wurden, wurden gewaltsam von ihrem Land vertrieben und auf der anderen Seite des Landes neu angesiedelt oder ins Gefängnis gesteckt. Viele von ihnen starben dort.

Für ihren Film war es den Machern von COWBOYS & ALIENS ein erklärtes Anliegen, die amerikanischen Indianer historisch und kulturell so korrekt wie nur möglich darzustellen. Um sich die nötigen Informationen über die Chiricahua zu beschaffen, wandte sich das Team an den Gelehrten Scott Rushforth von der New Mexico State University sowie an Oliver Enjady, einen Apachen aus dem Reservat der Mescalero-Apachen.

Die Filmemacher wussten, dass ihre Interpretation respektvoll und authentisch sein sollte. Rushforth, der die Produzenten Howard und Glazer bereits bei THE MISSING („The Missing“, 2003) unterstützt hatte, und Enjady erwiesen sich für die Produktion als unschätzbare Informationsquellen. Die Berater gaben bereitwillig Auskunft zu jedem erdenklichen Sujet, von traditionellen Zeremonien der amerikanischen Indianer bis hin zu ihrer Garderobe und den Wiki-Ups, jenen strohgedeckten Hütten, die die Frauen der Chiricahua aus Zweigen, Blättern und Büschen errichteten. Die beiden Experten waren für alle Abteilungen jederzeit ansprechbar und gaben Ratschläge für das Drehbuch, die Drehorte, die Requisiten und die Kostümabteilung – bis hin zu den Pferden, die von den Apachen geritten wurden. Sie informierten über die Feinheiten des Kriegstanzes und die Gesänge im Wiki-Up, die erklingen, als Jake eine Medizin verabreicht wird, die helfen soll, seine Erinnerung daran wach zu kitzeln, wer er war und was mit ihm vorgefallen ist. Das Lied stammt von den Mescaleros und wurde auch von ihnen eingesungen.

Enjady war das entscheidende Bindeglied zwischen der Produktion und den Mescaleros. Er empfand es als persönliche Verantwortung, für seinen Stamm sicherzustellen, dass die Darstellung seines Volkes so authentisch und wahrheitsgetreu wie möglich war. Er brachte von den Mescaleros nicht nur Tänzer und Statisten für den Film mit, sondern tatsächlich auch vier Medizinmänner, Anführer seines Stammes.

Die Kriegstanzzeremonie, bei der die Schauspieler und Dutzende von Mescalero-Apachen rund ums Feuer tanzten und sangen, wurde über mehrere Nächte hinweg in der Wüste von New Mexico gedreht. Die Mescaleros entwarfen die Zeremonien, die Tänze und die Gesänge. Obwohl es sich um eine ernste und getragene Zeremonie handelt, sind Musik und Tänze sehr lebhaft.

Rushforth und Enjady verantworten Ndé Bizaa, ein in der Sprache der Mescalero-Apachen gehaltenes Programm, das die Sprache und Kultur des Stammes ehrt und am Leben erhält. Raoul Trujillo, der Schauspieler, der als Häuptling Schwarzes Messer besetzt wurde, ist tatsächlich ein Apache, aber beherrschte die Sprache seines Stammes zu Beginn der Produktion nicht. Trujillo arbeitete ohne Pause mit digitalen Soundfiles, die Enjady und Rushforth erstellt hatten, um seine Diktion und seinen Akzent zu perfektionieren. Enjady kommentiert: „Es war ihm wirklich wichtig, alles richtig hinzubekommen.“

Enjadys Hilfe erstreckte sich auf alle Aspekte der Figur Häuptling Schwarzes Messer. „Er war eine große Hilfe bei der Gestaltung und bei der Frage, was der Häuptling verkörpern sollte“, erklärt Trujillo. „Bei jeder neuen Szene hatte ich eine andere Liste im Kopf, welchen Aspekten die Figur gerecht werden musste. Sie ließen mich Schwarzes Messer in Harmonie, Gleichgewicht, Vertrauen und Gutmütigkeit verwurzeln. Diese Elemente ließ ich durch meinen Körper und in meine Darstellung fließen.“

„Ich fühle mich geehrt, dass das, was wir mitbrachten, dem Projekt half“, sagt Enjady. Er und Rushforth waren zufrieden, dass Änderungen am Drehbuch, die sie zu einem sehr frühen Zeitpunkt vorgeschlagen hatten, tatsächlich vor der Kamera umgesetzt wurden. Während der Vorproduktion hatten sich Enjady und Rushforth mit den Filmemachern darüber unterhalten, wie Ella mit den Apachen interagieren würde, nachdem sie, Jake, Dolarhyde und die anderen von den Indianern gefangen genommen werden. Sie schlugen vor, dass es ihrer Figur entspräche, wenn sie offenbaren würde, dass sie die Sprache der Apachen beherrscht. Sie schlugen ihr sogar ein paar Zeilen vor, die sie sagen könnte. „Ich dachte, das hätte man vergessen“, sagt Enjady über das Gespräch, das Monate zuvor geführt worden war. „Dann auf einmal sagte sie genau die Sätze, die wir damals aufgeschrieben hatten.“

Nicht nur Mescaleros aus dem Süden von New Mexico wurden für den Film besetzt; aus den gesamten Vereinigten Staaten wurden amerikanische Indianer zum Mitspielen eingeladen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es gar nicht so einfach war, Indianer zu finden, die tatsächlich in vollem Tempo durch die Prärie reiten konnten. Nach langer Suche waren schließlich zahlreiche Indianerstämme involviert.

Der Landeplatz für eine Armee feindseliger außerirdischer Invasoren in COWBOYS & ALIENS ist New Mexico im Jahr 1875. Der Bürgerkrieg ist gerade beendet, und im amerikanischen Westen werden blutige Schlachten mit den Apachen, den Navajos und anderen indianischen Stämmen geschlagen, die sich gegen die Siedler zur Wehr setzen, die in ihr Territorium drängen. Als Resultat nahmen die Spannungen unter den Siedlern zu; Unsicherheit, Angst und Misstrauen regierten das Land.

Der amerikanische Westen ist mehr als nur ein Ort: Er ist eine ikonografische Landschaft, ein weitläufiges Terrain, das ein Teil der Filmgeschichte wie auch der amerikanischen Historie ist. Orte wie Monument Valley, das Alamo und Dodge City sind tief in die Erinnerung der Filmfans eingraviert. Die Filmemacher behielten die Geschichte des Western stets im Hinterkopf und suchten nach einem geeigneten Drehort, der ihren vielfältigen Ansprüchen gerecht werden sollte. Dort musste man alles drehen können, vom ersten Showdown mit den Aliens bis hin zu den kilometerlangen Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagden zu Pferde. All das und mehr fand man in New Mexico, das sich als ideale Location für Kameramann Matthew Libatique erwies, um Jon Favreaus Vision umzusetzen.

Die einst pulsierende Stadt Absolution pfeift nur noch auf dem letzten Loch, als die Handlung einsetzt. Die Versprechungen, die die Menschen in den Westen geführt haben, sind längst versiegt, so wie die Goldquellen, die sie angelockt haben. Das Leben existiert nur noch zwischen dem Saloon, wo die wenigen Verbliebenen ihre Sorgen ertränken, und dem Gefängnis, dem letzten Bollwerk gegen totale Anarchie. Alle Szenen, die in der staubigen Westernstadt spielen, wurden südwestlich von Santa Fe auf der Bonanza Creek Ranch gedreht, einer Viehranch, die mehrere Tausend Hektar umfasst und immer noch bewirtschaftet wird.

„Das Gerüst einer Stadt existierte bereits, und wir bauten Absolution darauf auf“, berichtet Orci. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der Schauspieler, der als Sheriff Taggart zu sehen ist, kann bestätigen, dass Western bereits seit einer ganzen Weile in diesem Teil von New Mexico angesiedelt werden. Keith Carradine drehte einen seiner ersten Filme – ein Western mit dem Titel A GUNFIGHT („Gunfight – Rivalen des Todes“, 1970) mit Johnny Cash und Kirk Douglas in den Hauptrollen – vor 41 Jahren nur eine Meile von Bonanza Creek entfernt.

Auf der Bonanza Creek Ranch wurden die ersten Szenen von COWBOYS & ALIENS gedreht sowie der nächtliche Angriff auf die Stadt. Favreaus Crew arbeitete nachts, sechs Tage die Woche, um die Aufnahmen hinzubekommen, die die Fans im Juli 2010 auf der Comic-Con zu Beifallsstürmen hinrissen.

Die Produktion schlug ihr Hauptquartier in der Hauptstadt Santa Fe auf, während die Filmemacher über drei Monate hinweg auf Zehntausenden Hektar Land im nördlichen New Mexico drehten. Die Crew holte alles aus der dramatischen und vielfältigen Landschaft heraus, von engen Arroyos in Canyons mit 100 Meter hohen Basaltklippen auf beiden Seiten bis hin zu breiten Streifen offener Prärie, die mit Wüstenbeifuß und Saltbush bedeckt ist.

Die San Cristobal Ranch, die 50 Kilometer südlich von Santa Fe gelegen ist, war das Zuhause einiger Schlüsselszenen des Films. Hier drehte die Crew die Szenen im Lager der Gang, wo Jake ein nicht wirklich erfreuliches Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kumpanen feiert, und die Sequenz im Camp der Apachen, in das Jake, Dolarhyde, Ella, Doc, Nat und Emmett als Gefangene der Indianer gebracht werden. Ihre weiten offenen Flächen dienten zudem als Kulisse für die Hochgeschwindigkeitsjagd zwischen unseren Helden zu Pferd und den Aliens, die in ihren Jagdschiffen über deren Köpfe hinwegrasen.

Zu den atemberaubenden Landschaften von San Cristobal, Santa Clara Pueblo, den Ufern des Rio Grande, Abiquiu Lake und den roten Sandsteinklippen entlang des Kitchen Mesa Trails in der Ghost Ranch kommen noch weitere Orte in New Mexico, die wie geschaffen waren für einen Western, in dem Außerirdische Angriffe fliegen. Mit seinen bizarr schönen Felsformationen war Plaza Blanca einer der Orte, die eine ideale Kulisse für die letzte Konfrontation des Films boten.

Plaza Blanca befindet sich in einem kleinen Tal auf privatem Land in den Hügeln des Rio Chama Valley im nördlichen Teil des Bundesstaates. In Tausenden von Jahren schliffen die Elemente die weißen Sandsteinklippen zu unwirklich erscheinenden Türmen, die bis zu hundert Meter aus dem unter ihnen liegenden Arroyo herausragen. Hier stoßen unsere Helden auf eine merkwürdige metallene Struktur, die 25 Meter in die Höhe ragt: das vorübergehende Hauptlager der außerirdischen Kreaturen, zu deren Zerstörung sie sich verschworen haben.

Der Dreh in dem engen Tal war nur mit strenger Koordination möglich: Die Crew, die mehr als 200 Mitglieder umfasste, durfte nicht im Weg stehen – von den mehr als 50 Wohnwagen, Lastwagen und Lieferwagen gar nicht zu reden. Nicht nur musste jedes Vehikel und jedes Stück der Anlage vor den raumgreifenden Kameraschwenks von Matthew Libatique verborgen werden, die Produktion musste auch einen detaillierten Fluchtplan für den Fall einer Springflut erarbeiten, der sich obendrein in Minutenschnelle umsetzen lassen musste.

Diese Vorbereitung war nicht einfach nur eine ärgerliche Sicherheitsmaßnahme. Denn nur wenige Wochen vor den Dreharbeiten in Plaza Blanca hatte die Pflanzenabteilung den Drehort vorbereitet, indem sie vorübergehend Bäume und Büsche herangekarrte, mit denen das schmucklose sandige Tal aufgemotzt werden sollte. Binnen Minuten war ein Unwetter aufgezogen. Die Arbeiter des Teams wurden angewiesen, schnellstmöglich in höher gelegenes Terrain zu flüchten. Das war ihr Glück: Nur zehn Minuten später hatte sich das Tal in einen reißenden Fluss verwandelt, der den mühsam eingerichteten Drehort komplett wegspülte.

Nachdem die Produktion ihre Arbeit in New Mexico abgeschlossen hatte, zog sie nach Los Angeles weiter. Dort wurde der Dreh auf dem Gelände der Universal Studios fortgesetzt, wo man auf mehreren Studiobühnen die unterirdische Welt der Aliens und den Schaufelraddampfer errichtet hatte. Zudem wurde auf mehreren Hektar Land das Territorium des amerikanischen Südwestens nachgestellt.

Produktion: Visuellen Effekte

Obwohl den Filmemachern die fortschrittlichsten Computereffekte zur Verfügung standen, mussten sie doch in erster Linie an die bahnbrechenden Alieninvasions-Filme denken, mit denen sie groß geworden waren. Die Filmtechnologie hat sich rasend weiterentwickelt, seitdem Steven Spielberg vor 34 Jahren erstmals Außerirdische in CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND („Unheimliche Begegnung der dritten Art“, 1977) auf die Leinwand gebracht hatte. Die technischen Möglichkeiten für die Filmemacher von heute sind ungleich größer als damals.

Favreau fragt sich, ob manche der unterbewussten Dimensionen des Genres in dieser Entwicklung nicht auch verloren gegangen sind. „Von CLOSE ENCOUNTERS geht eine gewisse Zeitlosigkeit aus“, meint er. „Die Aliens haben eine irgendwie ungekannte, nicht genau zu benennende Qualität. Wir haben uns ziemlich bei den klassischen Darstellungen von Außerirdischen bedient, und wir zeigen sie durch die Augen unserer Hauptfiguren. Aber es sind immer nur kleine Ausschnitte, kurze Blicke. So wie in PREDATOR („Predator“, 1987) oder ALIEN („Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, 1978): So stellen wir uns Aliens vor. Sie sind gefährlich, das steht fest, sie haben eine weiterentwickelte Technologie und doch zeichnet sie eine sehr ursprüngliche Brutalität aus.“

Das Bestreben des Teams, Spannung und Horror zu erzeugen, bezog sich ebenso auf die Erschaffung wie auf das Zeigen der Bösewichte des Films. „Man muss immer noch die selben Spiele spielen wie damals, als es CGI-Effekte noch nicht gab“, sagt der Regisseur. „Man muss mit Angst, Dunkelheit und der Vorstellungskraft spielen, und wenn man das Alien schließlich offenbart, muss man das auf eine Weise machen, von der eine gewisse Eleganz ausgeht.“

Wieder wandte er sich zur Inspiration den Filmen seiner Jugend zu. „Wir zielten auf den Look & Feel und den Ton der Filme der Vor-CGI-Ära, auf Filme wie CLOSE ENCOUNTERS, PREDATOR, ALIEN. Diese Filme spielten mit dem Verstand, in diesen Filmen gab es einen Austausch zwischen Publikum und Filmemacher, und das ist ein entscheidender Teil einer guten Monstergeschichte, wie man sie am Lagerfeuer erzählt.“

Favreau berichtet über die Quelle seiner Inspiration: „Es war unglaublich, sich mit Steven Spielberg auszutauschen und seine Meinung einzuholen, ihn zu fragen, wie man die Technologie von heute einsetzen kann, um den gleichen emotionalen Effekt zu erzielen, der mich damals so sehr an CLOSE ENCOUNTERS beeindruckt hat. Es ist, als wäre eine unbeschreibliche übernatürliche Kraft am Werk. Und so großartig die Effekte in JURASSIC PARK auch sein mögen – wenn ich an den Film denke, denke ich an das Glas Wasser auf dem Armaturenbrett. Es kommt darauf an, wie man den großen Moment ankündigt, wie man die Spannung aufbaut, bis man schließlich den Tyrannosaurus sieht, nachdem man von den Erschütterungen auf der Wasseroberfläche heißgemacht wurde. Das erste Mal, dass man die Aliens bei uns sieht, ist mitten in der Nacht, in dieser alten Stadt im Südwesten, wo eine Auseinandersetzung kurz bevorsteht. Alle unsere Hauptfiguren sind versammelt, dann tauchen plötzlich am Horizont diese Lichter auf. Bevor die Männer dieses Phänomen verarbeiten können, werden sie von den Außerirdischen angegriffen, die die halbe Stadt in die Luft jagen und wahllos Menschen aus der Menge greifen und mitnehmen.“

Für den Entwurf und den Bau der Aliens wandte sich die Produktion an den wiederholt ausgezeichneten Shane Mahan, der sich seine Meriten in vielen Jahren beim Stan Winston Studio verdient hat. Mit seinem Team von Legacy Effects entwickelte er für die Produktion in nur zwei Wochen mehr als 60 Entwürfe der Aliens.

Einerseits sah es Mahan als seine Aufgabe, seinen bisherigen filmischen Außerirdischen, von der Alienkönigin in ALIENS („Aliens – Die Rückkehr“, 1986) bis zum Predator, einen würdigen Erben folgen zu lassen, andererseits wollte das Team auch eine Kreatur erschaffen, die in Bezug auf Design und Mechanik einzigartig und unverkennbar ist. „Diese Aliens hat man nicht nur noch nie gesehen“, erklärt Mahan, „wir hatten es uns auch zur Aufgabe gemacht, etwas zu bauen, das mechanisch innovativ ist und das man nicht gleich auf den ersten Blick durchschaut.“

Mahans Alien – Teil Insekt, Teil Amphibie, Teil Meereswesen – war entschieden anders als seine Vorgänger. Anstatt einfach nur einen Anzug zu entwickeln, der von einem Menschen getragen werden konnte, erdachte Mahan eine ganze Reihe von komplexen, multifunktionalen Vorrichtungen mit frei austauschbaren Einzelteilen. Das Ergebnis war ein beklemmendes, 2,50 Meter großes Monster mit einem Kopf, der mittels Fernbedienung gesteuert wurde, einem detailliert ausgearbeiteten Gesicht und fürchterlich verformten Armen, die es in ein paar der verstörenderen Begegnungen mit den Menschen aus seinem sich öffnenden Torso förmlich herausklappt. „Es ist eine der technisch fortschrittlichsten organischen Arbeiten, die wir seit langer Zeit abgeliefert haben“, sagt Mahan.

Als unsere Helden in einer stürmischen Regennacht Zuflucht in dem auf den Kopf gekehrten Schaufelraddampfer suchen, der auf mysteriöse Weise in der Wüste gelandet ist, wird Emmett von seiner Neugier angetrieben und beginnt, das Wrack zu erkunden. Er kommt in einen bedrohlichen Raum, hört etwas und erstarrt – und plötzlich ist das Alien neben ihm und starrt ihm ins Gesicht. Das Wesen senkt seinen Kopf, bis sich die beiden auf gleicher Höhe in die Augen sehen können.

Mahan erinnert sich: „Steven sagte, dass das Gesicht des Aliens eine Persönlichkeit haben muss. Die Augen, der Mund, die Stirnpartie sollten einen Wiedererkennungswert haben. Das Publikum soll etwas sehen, das Sinn macht und sich ihm einprägt.“ In den ferngesteuerten Kopf wurden ein paar Überraschungen eingebaut. „Wenn man eine Kreatur entwirft, muss man die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen. Man muss sich also ein paar Überraschungen ausdenken.“ Zunächst ist das Alien neugierig und blickt Emmetts Gesicht forschend an. Es untersucht ihn, wie wir ein Insekt betrachten würden. Aber dann gibt es eine abrupte Veränderung. Seine Augen ragen hervor, und es öffnet seinen Mund, in dem wir mehrere Reihen stacheliger Zähne und tropfendes, klebriges Zeug entdecken.

Mahan erklärt, dass es verschiedene Vorteile gibt, wenn man tatsächliche physische Kreaturen verwendet, anstatt sich ausschließlich auf CGI-Effekte zu verlassen. „Es gibt einen psychologischen Mehrwert, wenn man etwas sieht, das tatsächlich gefilmt worden ist“, meint er. „Es tropft, es macht komische Sachen. Menschen reagieren darauf, und man spürt eine gewisse Intimität. Das hilft, um die spätere Digitalarbeit glaubwürdiger zu machen.“

Um die zusätzliche Arbeit zu erledigen, kam für die Special Visual Effects Lucasfilms Industrial Light & Magic (ILM) zum Einsatz. Unter der Leitung des mehrfach ausgezeichneten Spezialisten Roger Guyett wurde der Löwenanteil der visuellen Effekte und Animationen abgewickelt. Weitere hochklassige Firmen wie The Embassy Visual Effects, Ghost FX, Fuel VFX, The Garage VFX und Shade FX schufen zusätzliche VFX für COWBOYS & ALIENS. New Deal Studios und Kerner Optical steuerten Modelle und Miniaturen sowie Spezialeffekte bei.

Produktion: Die Stunts

Ob nun Explosionen das Städtchen Absolution erschüttern oder Menschen von oben von der Straße gegriffen werden: Regisseur Jon Favreau war überzeugt, dass Authentizität der Schlüssel war. Je echter eine Bedrohung für einen Schauspieler wirkt, desto spannender sieht das Ergebnis auf der Leinwand aus. Szenenbildner Chambliss erklärt: „Jon wollte, dass die Welt, die wir gebaut hatten, alle Schauspieler dabei unterstützt, ihre Figur zum Leben zu erwecken.“

Weil der Produktion praktische Effekte sehr am Herzen lagen, sahen sich die Schauspieler bei den Dreharbeiten gezwungen, anders zu denken und zu handeln, als sie es gewohnt sind. „Man muss wirklich kreativ sein“, meint Roberto Orci. „Man erzählt seine Geschichte viel eleganter, wenn man nicht mehr die Freiheit hat zu machen, was man will. Es fördert die Fantasie, es hilft dem Publikum. Die CGI-Effekte sind dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i.“

Jake Lonergan soll zum Bundesmarshall gebracht werden und ist an Percy gekettet, den missratenen Sohn von Viehbaron Woodrow Dolarhyde, als Dolarhyde und seine Männer auftauchen, um Percy aus den Händen des Gesetzes zu befreien. Als die Spannung der Konfrontation zwischen Sheriff Taggart und Dolarhyde nicht mehr größer sein kann, wird die kleine Stadt mit einem ungeahnten Terror überzogen, den sich diese Menschen niemals hätten träumen lassen.

Um diesen ersten Angriff der Aliens zu filmen und eine möglichst lebensechte Attacke zu realisieren, brachte die Produktion Tiere, Stuntleute und jede Menge Equipment ans Set. Zur Besetzung stießen mehr als 30 Stuntmänner und -frauen, 23 Pferde, zwei Hunde, eine Ziege und zwei Dutzend Statisten im Hintergrund. Die kleine Westernstadt, die lediglich aus einer größeren Kreuzung besteht, wurde von einem ganzen Arsenal an Kränen, Kabeln und Scheinwerfern umgeben.

Der Drehort wurde zu einer filmemacherischen Oase inmitten der dunklen Wüste von New Mexico. Laufräder wurden zwischen den mehr als 300 Tonnen schweren Baustellenkränen gespannt und an ihnen wurden komplexe Laserstrahler befestigt, die synchron bewegt werden konnten, während unten am Boden Sprengsätze detonierten. Diese Explosionen waren penibel um die erfahrenen Reiter auf ihren Pferden choreografiert. Die Pferde waren speziell ausgebildet und hatten keine Angst vor pyrotechnischen Effekten und lauten Geräuschen. Das vermeintliche Chaos wurde zudem flankiert von vierzehn weiteren etwa zwanzig Meter langen Fluggeräten, die mit Scheinwerfern bestückt wurden.

Die Kameras erfassen Doc und Maria, als sie voneinander getrennt werden, und die Cowboys haben alle Mühe, ihre panischen Pferde zu kontrollieren, die sich auf ihre Hinterbeine stellen. Das Paar ruft sich zu, die Straßen sind erfüllt von den Lichtern der Aliens und von Explosionen, und Doc muss entsetzt und hilflos mit ansehen, wie seine geliebte Frau von einem der Fluggeräte wie ein Stück Vieh geschnappt und in den Himmel gerissen wird.

Auf dem Höhepunkt dieses Angriffs hatte Favreau eine höchst komplexe Arbeit zu bewältigen. Er musste dirigieren, dass die Laserstrahler an den Kabeln herabgesenkt wurden und Sprengsätze rechts und links hochgingen, während Stuntleute, die an riesigen Kränen hingen, zwanzig Meter hoch in die Luft geschleudert wurden, als handele es sich um Marionetten. Dieses Chaos verlangte nach kontrollierter Abwicklung, erzählt die Schauspielerin Ana de la Reguera, eine von einer Handvoll Akteuren, die sich bereit erklärt hatten, ihre Stunts selbst zu machen: „Alles muss genau vorbereitet und bereit zum Einsatz sein: die Pferde, die Laser, die Schreie, die Explosionen. Sam und ich sagten unsere Sätze auf, dann wurde ich mit einem Ruck nach oben gezogen.“

Die Produktion hatte eigentlich festgelegt, dass die Stunts von professionellen Stuntleuten durchgeführt werden sollten. Aber als einige Schauspieler Interesse anmeldeten, sich selbst in die Luft reißen zu lassen, war Stuntkoordinator Tommy Harper, ein langjähriger Mitstreiter von Jon Favreau, offen für die Idee. „Wir hatten ein neues Design für die Vorrichtung, was die Sache deutlich einfacher machte“, merkt Harper an. „Wir hatten sie ausprobiert, also wussten wir, dass sie sicher war. Ich überlegte, ob man nicht ein paar Schauspieler dazu bringen könnte, den Stunt selbst zu machen. Wir sagten ihnen: Wenn ihr keine Höhenangst habt, können wir den ganzen Vorgang einmal langsam durchspielen und dann das Tempo zunehmend beschleunigen, bis ihr euch auch beim Stunt in seiner endgültigen Form wohlfühlt.“

Keith Carradine und einige andere gesellten sich zu de la Reguera als neueste Mitglieder des spontan gegründeten Ad-hoc-Stuntteams des Films.

Harpers Crew packte die Schauspieler und Stuntdoubles in ein spezielles Geschirr, das sie während des Hochziehens auf den Kopf stellte und dann an den Füßen nach oben zog. Um Verletzungen zu vermeiden, mussten die Akteure sich gegen den natürlichen Instinkt sperren, beim Hochziehen nach dem Seil zu greifen. Zum Glück waren nach ein paar tiefen Atemzügen und beruhigenden Worten des Stuntkoordinators alle bald bereit.

Fast allen gefiel der Ritt durch die Lüfte. Aber niemand war so angetan und begeistert wie Olivia Wilde. Wildes Entführung geschieht später in der Geschichte, als Ella und die anderen auf ihren Pferden den Aliens in ihren Speeder-Fluggeräten zu entkommen versuchen. Die Schauspielerin wird nach oben gerissen, während sie in voller Geschwindigkeit reitet. Nun ist Wilde eine erfahrene Reiterin und der Stunt war völlig harmlos, aber dennoch war es das erste Mal, dass ein Schauspieler sich in vollem Ritt an dem Stunt versucht hatte. Als sie ihn ohne Zwischenfall absolviert hatte, war die Schauspielerin regelrecht ekstatisch. „Es war der aufregendste Moment des gesamten Drehs!“, rief sie aus.

Zu den Entführungen der Aliens kamen noch ein paar handfestere Angelegenheiten, ohne die kein Western auskommt. Die Schauspieler mussten ziemlich viel reiten. Bereits während der Probezeit übten sie auf den Pferden, mit denen sie die nächsten drei Monate verbringen würden. Pferdetrainer Clay Lilly arbeitete eng mit den Darstellern zusammen, damit jeder das passende Pferd für sich fand. Damit man die Gewissheit hatte, dass die Pferde nicht traten oder bockten, handelte es sich um perfekt trainierte Tiere, die an den Lärm von Pistolen und Kanonen gewöhnt sind und auch vor Feuer oder Wasser nicht zurückschrecken.

Für Noah Ringer, den jüngsten Cowboy am Set, war das Pferdetraining, das auf einer Farm in der Nähe von Los Angeles absolviert wurde, einfach nur ein Riesenspaß. „Es war großartig“, erinnert sich der Schauspieler. „Ich durfte mit Daniel reiten gehen und lernte dabei mein Pferd Jackson kennen. Am tollsten fand ich das Galoppieren. Manchmal überholte ich beim Dreh ein paar der anderen, obwohl ich das eigentlich nicht sollte. Dann mussten wir die Aufnahme noch einmal wiederholen.“

Ringers anderer enger Begleiter während des Films ist ein Hund ohne Namen. Der vergammelte Köter kommt gemeinsam mit Jake in Absolution an, aber im Verlauf der Geschichte wird er zu Emmetts treuem Freund und Beschützer. Die Rolle des Hundes wurde von den zwei australischen Schäferhunden Dart und Arrow gespielt, beide perfekt ausgebildet von Hundetrainer Eadie McMullen.

Der bunt zusammengewürfelte Tierbestand trug das Seinige zum Westernambiente bei. Mehr als 100 Pferde aus dem Südwesten waren vor Ort. Dazu kamen noch Nutzvieh, Schafe, Ziegen und Ratten sowie eine eurasische Adlereule, die man kurz im Inneren des Schaufelraddampfers sehen kann.

Produktion: Kostüme und Design

Kostümdesignerin Mary Zophres kam zu dieser Produktion unmittelbar nach ihrer Arbeit an einem anderen Western, dem Coen-Brüder-Remake von TRUE GRIT („True Grit“, 2010). „Die Geschichte spielt in einer Zeit, aus der es nicht allzu viele Fotos gibt“, erklärt sie. „Während der Arbeit an diesen beiden Filmen habe ich, glaube ich, jedes einzelne Foto gesehen, das jemals im Wilden Westen geschossen wurde.“

Nachdem sie sich das Feedback ihres IRON-MAN-2-Regisseurs geholt hatte, begann Zophres, den Look jeder einzelnen Figur zu entwerfen. Jake Lonergan machte den Anfang. „Wir mussten ihn wie einen ikonischen Helden aussehen lassen“, meint sie. „Ich wollte, dass man selbst aus der Entfernung erkennen konnte, dass es sich um ihn handelt.“ Um dieses Ziel zu erreichen, erdachte Zophres eine Silhouette für den lakonischen Fremden, komplett mit Lederweste, Chaps und unverkennbarem Hut. Dieser Umriss sollte ihn während des gesamten Films sofort identifizierbar machen.

In dieser Ära lag die Betonung auf schwerer Wolle, langen Säumen und hohen Krägen. Deshalb war es eine der Herausforderungen für die Designerin, Kostüme zu entwerfen, die die Schauspieler dennoch nicht altbacken aussehen ließen. Obwohl sie die historischen Details stets im Hinterkopf hatte, ging es ihr vor allem darum: „Ich wollte, dass die Kostüme den Schauspielern schmeicheln und sie attraktiv aussehen lassen. Immerhin war es ein Film mit ein paar wirklich sexy Filmstars.“

Im Genrekatalog für weibliche Figuren gibt es nicht viel Spielraum zwischen Saloonmädchen und Präriefrau. Ella will sich nicht so recht ins Western-Stereotyp fügen: Sie ist eine Frau, die allein durch den Westen reist. Craig lacht: „Sie hätte einen ziemlich schlechten Ruf gehabt – besser kann man es wohl nicht ausdrücken.“

Ella taucht in Absolution auf und folgt Jake auf Schritt und Tritt. Dabei trägt sie eine Pistole in einem Revolvergürtel, den sie lässig über ihrem zartgelben Kleid gebunden hat. Die Inspiration für Ella kam Zophres dank eines einzigen Stückes Stoff. „Ich hatte es ein halbes Jahr zuvor von einem Händler erstanden, der auf antike Kleidung und Stoffe spezialisiert ist“, erzählt sie. Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die zartesten Stoffe während des gesamten Drehs nicht ein einziges Mal rissen. „Komisch war“, lacht Zophres, „dass den Jungs die Hosen auf der Rückseite pausenlos aufplatzten, aber Ellas Kleid den kompletten Dreh völlig unbeschadet überstand.“

Die geplatzten Säume waren das Resultat des stundenlangen Reitens. Mit dem unablässigen Flicken waren Zophres und ihr Team den gesamten Dreh über beschäftigt. Bei einem anderen für Western bezeichnenden Problem erhielt Zophres Unterstützung von echten Cowboys, die an dem Film mitarbeiteten. Mitten in einer komplexen Szene mit allen Schauspielern, Dutzenden von Pferden, einigen Kameras und Kränen kam es schon mal vor, dass ein Hut vom Kopf gefegt und damit die komplette Einstellung ruiniert wurde. Also holte sich Zophres Rat von der Rodeocrew und Statisten. „Diese Jungs sitzen ihr halbes Leben auf Pferden“, sagt sie, „und sie haben alle so ihre eigenen Tricks, dass es ihnen ihre Hüte nicht bei jedem Windstoß fortweht.“

Mit Ausnahme einer Szene sind alle Kostüme sichtbar getragen und spiegeln damit die unnachgiebige Härte der Umgebung wider. In den 1870er-Jahren war saubere Kleidung – oder Kleidung zum Wechseln – ein echter Luxus. Zophres erklärt, dass das Altern von Kostümen und ihre kreative Verschmutzung einen großen Teil der Arbeit der Kostümabteilung bei einem Western ausmachen. „Damals gab es keine Waschmaschinen. Man säuberte seine nasse Kleidung an einem Felsen oder in einem kleinen Zuber und hängte sie dann zum Trocknen auf. Der Wind blies ohne Unterlass, und auf allem, was man besaß, befand sich immer eine Schicht Schmutz. Was man in einen Koffer packen konnte, nahm man mit, und man trug es und flickte es, so oft man konnte.“

Obwohl unsere Figuren nichts anderes haben als die Klamotten, die sie gerade tragen, war es für die Produktion unerlässlich, dass jedes Kostüm in bis zu vierzehnfacher Ausführung vorlag. Viele davon mussten im Verlauf der Produktion zunehmend zerschlissener aussehen. Für Ella allein wurden jeweils siebzehn Versionen ihrer beiden Outfits angefertigt. Dafür wurden bis zu 30 Leute beschäftigt, ein Drittel davon war allein für die Alterung der Kostüme zuständig. Nachdem die Kleidung getragen und gewaschen wurde, wurde sie wieder aufs Neue gealtert.

Zophres’ Entschlossenheit, der damaligen Zeit in ihren Entwürfen gerecht zu werden, lässt sich an jedem noch so kleinen Detail ablesen. „Fast alle Kostüme, mit Ausnahme der Hemden, wurden aus Wolle gemacht“, sagt sie. „Wenn es heiß war, war das unangenehm. Wir steckten Statistinnen im Hintergrund in Korsette, weil ihnen das die richtige Silhouette verlieh. Damals war es wichtig, dass die Hüfte schmal war. Außerdem hilft es ihnen, die richtige Haltung einzunehmen. Obwohl sie Pionierinnen waren, die sich praktisch kleideten, trugen sie immer noch Korsette. Alle Statistinnen trugen Korsette, Strümpfe und Strumpfgürtel unter ihren Kleidern. Das hat ihnen anfangs nicht sonderlich gefallen, aber schließlich fanden sie, dass sich ihre Rücken besser anfühlten.“

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