Filmhandlung und Hintergrund

Komödie über eine reichlich unkonventionelle Frau, für die sich deren Tochter schämt und sie deshalb nicht zu ihrer Hochzeit einladen will. Paraderolle für Isabelle Huppert.

Als ihre Tochter sie aus Angst vor einer Blamage nicht zur Hochzeit einlädt, will Babou ihr beweisen, dass sie auch anders kann. Sie verlässt die Kleinstadt in Nordfrankreich und nimmt einen Job im belgischen Ostende an, wo sie im Winter für eine dubiose Immobilienfirma solventen Kunden hässliche Ferienappartements in einem Betonklotz andrehen soll. Die Methode funktioniert, unter den vier Neuanfängern ist sie die Beste. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, wären da nicht die böse Konkurrentin und der Neid der anderen.

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Kritikerrezensionen

    1. Ein Leben in Brasilien stellt den unerreichten Traum der arbeits- und mittellosen Babou dar, die mit ihrem schrillen Outfit und lauten Habitus überall aneckt. Anfangs steht der Titel von Marc Fitoussis zweitem Spielfilm als unerreichter Gegenentwurf für eine triste Gegenwart, zumal das tragikomische Porträt einer leicht chaotischen Außenseiterin über weite Strecken im kalten Küstenort Ostende spielt, wo die Sonne nur wenige Wochen im Jahr scheint. Stets lebt die Protagonistin nach eigenen Regeln, wobei sie sich zunächst wenig um Kritik aus ihrer Umwelt schert, falls ihr Lebensstil irgendwo aneckt. Seinen Konfliktstoff zieht Fitoussi aus der Frage, wie diese liebenswerte, aber nicht sehr verantwortungsbewusste Person in der Ellenbogenwelt des Verkaufswesens überleben will.

      Marc Fitoussis tragikomische Studie bietet Paraderollen für Isabelle Huppert und ihre Tochter Lolita Chammah, deren Generationskonflikt aus den unterschiedlichen Auffassungen ihrer Figuren ersteht. Als genaues Gegenteil der unangepassten Mutter und reifere von beiden wirkt zunächst Esmé, die auf bourgeoise Werte und eine geregelte Zukunft baut. Deshalb erscheint ihr Babous Lebenswandel, die sich selbst im gesetzten Alter noch in Kneipen herum treibt und unter ständiger Geldnot leidet, peinlich und verachtenswert. Erst später bewährt sich die schrille Mutter durch ihr offenes, einnehmendes Wesen in prekären Situationen, was aber nicht ohne erneute Reibungsverluste bleibt.

      Nebenbei verbindet Fitoussi diese Forcierung mit einem sozialkritischen Blick auf die aggressive Methoden der Marketing-Welt. Während die freiheitsliebende Außenseiterin zunächst dank unkonventioneller Methoden positive Ergebnisse vorweisen kann und ihre Kontrahentinnen in Erstauen setzt, muss Babou bald feststellen, dass im Ausbeutung orientierten Immobiliengeschäft Empathie und Vertrauen unerwünscht sind. Daher benötigt Fitoussi am Ende doch eine märchenhafte Wendung, um dem exotischen Titel Rechnung zu tragen. Dieser Schlusspunkt dient bewusst als Kontrast zum tristen Schauplatz Ostende, wo ein Ausbruch ins Abenteuer unmöglich schien.

      Immerhin zeigt sich die Meisterschaft des geschickt austarierten Films, wie selbst Nebenfiguren in wenigen Szenen glaubwürdig zum Leben zu erweckt werden, ohne sie als Karikaturen zu delektieren. Fitoussi beweist, wie man humorvolle Geschichten erzählen kann, ohne sich im Sentiment zu verlieren oder die Gegenwart auszuklammern.

      Fazit: In geschickter Balance aus tragischen und komischen Situationen entwickelt „Copacabana“ das Porträt einer unkonventionellen Mutter mit realistisch entworfenen Nebenfiguren.
    2. Copacabana: Komödie über eine reichlich unkonventionelle Frau, für die sich deren Tochter schämt und sie deshalb nicht zu ihrer Hochzeit einladen will. Paraderolle für Isabelle Huppert.

      Isabelle Huppert zeigt sich in dieser charmanten Mischung aus Familiendrama und bewegender Komödie ungewohnt komisch.

      Die eigene Tochter will nicht, dass die Mutter zu ihrer Hochzeit kommt und sie bei Gästen und Schwiegereltern blamiert – „Du bist zu verrückt“. Das sitzt. Und das will Babou, die bisher am Rande der Gesellschaft ein chaotisches Leben führte und von der sonnigen Copacabana träumt, Verantwortung für altmodisch und feste Arbeit für langweilig hält und selten einen Cent auf dem Konto hat, nicht auf sich sitzen lassen und dem Spross beweisen, dass sie auch anders kann. Sie verlässt die Kleinstadt in Nordfrankreich und nimmt einen Job im belgischen Ostende an, wo sie im Winter für eine dubiose Immobilienfirma solventen Kunden hässliche Ferienappartements in einem Betonklotz andrehen soll. Ihre Methode funktioniert, unter den vier Neuanfängern ist sie die Beste. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, wäre da nicht die böse Konkurrentin.

      Die größte Überraschung ist Isabelle Huppert selbst, die bei brasilianischer Musik unbekümmert tanzt, schon mal unverhofft im Sari auftaucht und geschmacklich nicht unbedingt ins Schwarze trifft. Frankreichs große Schauspielerin, die sonst oft negative, eiskalte oder sehr egozentrische Figuren verkörpert, sorgt für jede Menge Lacher. Eine Beziehungsnomadin und Nervensäge, die Humor zeigt, Menschlichkeit und eine unverwüstliche Lebenslust und ein wenig an Gérard Depardieu in „Mammuth“ erinnert, der auf seine alten Tage Gas gibt. An ihrer Seite spielt Lolita Chammah, auch im richtigen Leben Hupperts Tochter, eine wahrscheinlich total unbürgerlich und freiheitlich erzogene junge Frau, die nun nichts sehnlicher wünscht als eine Familie und Sicherheit.

      Mit leichter Ironie, aber ohne große Problematisierung, persifliert Regisseur Marc Fitoussi in seinem zweiten Spielfilm nach „La vie d’artiste“ die Umkehrung im Verhältnis der Generationen, Ältere die sich „forever young“ fühlen und spießige Jüngere, die schon alt geboren sind. Auch die sozialen Verhältnisse bleiben nicht ungeschoren – Arbeitslosigkeit, Neid der Kollegen, harter Wettbewerb, Obdachlosigkeit. Gut gelungen ist der Kontrast zwischen der melancholischen Atmosphäre und grauen Tristesse der Kleinstädte im Norden und den exotischen Träumen des Paradiesvogels, für den sich die Lichter eines Kraftwerks bei Ostende in die Bucht von Rio de Janeiro verwandeln. Und wenn beim fantasievollen Ende die Copacabana winkt, ist gute Laune garantiert. mk.

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