Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Contagion
  4. News
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Contagion"

Fakten und Hintergründe zum Film "Contagion"

Kino.de Redaktion |

Contagion Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

- „Es ist immer spannend, Leute dabei zu beobachten, wie sie sich mit einem realen Problem auseinandersetzen müssen, vor allem, wenn die Uhr tickt, wenn es wirklich um alles oder nichts geht“, sagt Regisseur Steven Soderbergh, dessen neuer Film „Contagion“ die Frage stellt: Was würde – auf persönlicher, landesweiter und globaler Ebene – passieren, wenn sich eine unbekannte, höchst ansteckende, tödliche Seuche ungehindert ausbreiten könnte? Wie käme es dazu? Wie weitet sie sich aus? Und wie würden wir damit umgehen?

Die Idee zu „Contagion“ geht auf ein Gespräch zurück, das laut Soderbergh „jedermann nachvollziehen kann“. Während der Arbeit an ihrem vorigen Projekt „The Informant!“ (Der Informant!) waren Soderbergh und Autor Scott Z. Burns sehr viel auf Reisen. Burns erinnert sich: „Steven und ich saßen oft im Flugzeug und sprachen darüber, dass Reisende offenbar sehr häufig krank werden. Am Anfang ging es uns also darum zu untersuchen, wie anfällig die Menschen im öffentlichen Raum sind. Wahrscheinlich geht es uns allen so: Wenn wir krank werden, überlegen wir, wem wir in den vergangenen Tagen begegnet sind, mit wem wir gesprochen, wen wir angefasst haben. Das ist ganz natürlich.“

Bilderstrecke starten(19 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Contagion

Wenn man neben einem ansteckenden Mitreisenden sitzt oder Gegenstände anfasst, die voller Keime sind, und sie sich dann unbewusst in die Augen reibt, kann man sich eine lästige Erkältung einfangen. Doch die beiden Autoren spekulierten weiter: Was wäre, wenn diese üblichen, harmlosen Interaktionen etwas viel Schlimmeres verbreiten würden? Und wenn es sich in rasantem Tempo über die ganze Welt ausdehnen würde? Die Menschen würden sterben, ohne zu wissen, woran.

Noch heimtückischer ist der Umstand, dass man in den Stunden zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Symptome unmöglich sagen kann, wer schon infiziert ist … und wen es als Nächsten erwischt. Matt Damon übernimmt eine der wichtigsten Rollen des Films – er hat bereits etliche Filmemit Soderbergh gedreht. Über „Contagion“ sagt er: „Stevens Filme setzen nie Fett an – sie sind schlank und temporeich. Bei einem Thema wie diesem gibt die grassierende Seuche das Tempo vor und spiegelt den rapiden Kontrollverlust – um dieses Gefühl für die ständig zunehmende Bedrohung geht es uns. Steven weiß genau, wie man die vielen verschiedenen Erzählstränge spannend gestaltet, immer schneidet er genau im richtigen Moment zur nächsten Geschichte. Alles ist in Bewegung.“

„Man bekommt nicht oft die Gelegenheit, einen Film über Themen zu machen, die uns alle angehen, um sie dann zu einem unterhaltsamen Thriller zu verarbeiten“, sagt Soderbergh. „Als Scott und ich überlegten, einen ernsthaften Film über eine Pandemie zu machen, war ich angesichts der weltweiten Entwicklung und der Fortschritte in Medizin und Technik davon überzeugt, dass wir die Sache ultra-realistisch angehen müssen.“ Und er gesteht: „Seit ich mich intensiv damit beschäftige, haben sich meine Ansichten über menschliche Interaktionen grundlegend gewandelt. Man kann sich mit diesem Thema nicht auseinandersetzen, ohne durch das neue Bewusstsein nachhaltig verändert zu werden.“ Dieses Bewusstsein, eines der Themen dieses Films, wächst in dem Maße, wie das Virus um sich greift.

Was „Contagion“ intellektuell und intuitiv so beängstigend macht: Es handelt sich zwar um einen fiktiven Fall, der aber den tatsächlichen Stand der Wissenschaft und reale Möglichkeiten in Betracht zieht. Durchgespielt wird die dramatische Geschichte anhand von persönlichen Schicksalen und Beziehungen, die massiv auf die Probe gestellt werden oder sogar mit dem Tod enden. „Uns liegt sehr viel daran, dass diese Figuren als echte Menschen überzeugen – nicht nur als Medizinexperten und Profis in ihrem Spezialgebiet“, sagt Kate Winslet – sie spielt eine Ärztin, die den Kampf an einem der Seuchenherde aufnimmt.

„Die Welt der Epidemie wird uns also anhand menschlicher Schicksale nahegebracht.“ Angesichts aktueller Warnungen vor Superviren, gegen die alle Antibiotika machtlos sind, und der stetigen Angst vor der Waffenfähigkeit biologischer Wirkstoffe „mussten wir uns gar nichts ausdenken, was nicht der Wahrheit entspricht – in gewisser Weise wird die Story dadurch noch fürchterlicher“, sagt Gregory Jacobs, Soderberghs langjähriger Produktionspartner. „Ich kann mich zwar auch für Zombie-Filme begeistern, aber dabei ist immer klar: Das hat mit der Realität nichts zu tun. Bei unserem Film besteht die Wirkung darin, dass der Horror aus unseren eigenen Gärten kommt und sich zunächst wie eine normale Erkältung ankündigt. Die Betroffenen wirken normal, sie gehen ihren Tätigkeiten nach, bewegen sich durch ihr Umfeld und verbreiten die Krankheit ahnungslos. Keiner macht sich klar, wie ernst das ist – bis es kritisch wird. Aber dann istes bereits zu spät.“

Die Produzenten Michael Shamberg und Stacey Sher waren außerdem davon beeindruckt, wie die Story unsere Urängste und Überlebensinstinkte anspricht. „Wir zeigen nicht nur, wie ein Virus in der Bevölkerung ungeheure Opfer fordern könnte, sondern auch die Auswirkungen auf den Alltag, weil das Normale plötzlich unnormal wird – man bekommt sogar Angst davor, nach Hause zurückzukehren oder Freunden zu begegnen“, berichtet Shamberg. Experten kalkulieren die kritische Trendwende in einem solchen Szenario: An welchem Tag ist der Punkt erreicht, an dem eine Gesellschaft Verfallserscheinungen zeigt? Die Regale in den Läden sind leer, Banken, Schulen und Tankstellen schließen, Grenzen werden verbarrikadiert. Und obwohl eine Krise vielfach die Hilfsbereitschaft und das Mitgefühl der Menschen auslöst, muss man realistischerweise mit Panik, Paranoia und Missachtung der Gesetze rechnen, die selbst bedrohliche Ausmaße annehmen.

Wie wird das Kinopublikum reagieren? „Der Film wird die Zuschauer schockieren und verstören“, sagt Jude Law. „Aber er geht uns alle an, auch wenn wir nicht unbedingt jeden Tag daran denken. Man sollte vermeiden, Türklinken anzufassen, und beim Husten nicht die Hand, sondern den Ellbogen vor den Mund halten …plötzlich werden uns solche Kleinigkeiten mit aller Macht bewusst.“

Dazu Sher: „Steven fragt immer wieder: ‚Was ist daran real, was könnte tatsächlich passieren, und wie würden die Verantwortlichen in dem Fall reagieren?‘ Denn die Realität ist oft viel gruseliger und einschneidender als das, was man sich ausdenken kann.“ Unter diesem Motto informierten sich die Filmemacher bei den Centers for Disease Control and Prevention (CDC, den amerikanischen Seuchen- und Vorbeugezentren, die zur Gesundheitsbehörde gehören) und weiteren Seuchenexperten, die das Projekt als technische Berater unterstützten. Diese Erfahrungen brachten Sher zu dem Fazit: „Wir fragen in ‚Contagion‘ nicht, was passieren könnte, sondern eher, wann es soweit ist.“

Burns sieht das ähnlich und berichtet: „1918 forderte die spanische Grippe 50 Millionen Todesopfer, ein Fünftel der damaligen Weltbevölkerung und mehr Menschen als alle Opfer des Ersten Weltkriegs. Seuchen verbreiten sich exponentiell. Nur 30 Schritte liegen zwischen eins und einer Milliarde. Wenn man die Inkubationszeit mitberücksichtigt, könnten wir diese Zahl innerhalb von 120 Tagen erreichen.“

Burns erfuhr auch, dass fast jede Woche ein neues Virus entdeckt wird: „Das bedeutet: Jährlich werden 52 neue Kugeln in eine Waffe geladen und zielen auf die Menschheit.“ „Alles, was in diesem Film passiert, könnte wirklich so geschehen oder geschieht bereits – das ist das wirklich Beängstigende daran“, fügt Executive Producer Ricky Strauss hinzu. Er ist President der Firma Participant Media, die Jeff Skoll gegründet hat, um Filme zu unterstützen, die bedeutende soziale Themen in den Mittelpunkt stellen. Nachdem Participant mit Soderbergh und Burns bereits an „Der Informant!“ gearbeitet hatte, war sie nun auch an der Entwicklung von „Contagion“ beteiligt und ermöglichte den Filmemachern den Kontakt zu Wissenschaftlern, die im Rahmen des Skoll Global Threats Fund Pandemien erforschen.

Doch die Wissenschaftler und Statistiker können nur einen Teil der Story erzählen. Soderbergh will jedoch ein Panorama entwerfen, das „ehrgeizige, epische Dimensionen hat, aber nie das Einzelschicksal aus den Augen verliert“. Deshalb zeigt er die Ausbreitung der Pandemie aus sehr persönlicher Sicht mithilfe etlicher Erzählstränge, die nebeneinander herlaufen und einander bedingen, ohne sich unbedingt zu überschneiden. In „Contagion“ geht es also nicht nur um Heldentaten und Opfer ganz normaler Menschen und der Profis, die sich ihrem Schutz verschrieben haben, sondern auch um Fehler und emotionale Entscheidungen, die genauso Teil des menschlichen Charakters sind. Im Verlauf der Story muss sich laut Soderbergh „jede Figur mit einem Aspekt ihres Lebens auseinandersetzen, der nie zum Thema oder Problem geworden wäre, wenn die Seuche nicht ausgebrochen wäre.“

Im Zentrum der Geschichte steht der von Matt Damon gespielte Familienvater Mitch Emhoff, der sich auf die Rückkehr seiner Frau Beth (Gwyneth Paltrow) von ihrer Geschäftsreise freut. Doch die Freude schlägt um in einen Albtraum, denn Beth ist das erste bekannte Opfer einer geheimnisvollen Krankheit, die so plötzlich ausbricht, dass er sich nicht einmal mehr von seine Frau verabschieden kann.

Aufgrund von Beths Obduktion alarmiert der örtliche Pathologe die CDC. Dort beginnen die Forscher Beths Symptome mit anderen aktuellen Todesfällen zu vergleichen, sie analysieren Gewebeproben und versuchen das Ausmaß der Bedrohung einzuschätzen, während die Seuche um sich greift. Unterdessen wägt CDC Deputy Director Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne) die Konsequenzen ab, die eine komplette Aufklärung der Öffentlichkeit hätte – vielleicht kann man im Endeffekt mehr Leben retten, wenn man zunächst abwartet.

Auf Cheevers Anweisung hin übernimmt die enthusiastische Dr. Erin Mears (Kate Winslet) ihre erste wichtige Aufgabe als Beamtin des Epidemic Intelligence Service (EIS) unter dem Dach der CDC und begibt sich mit anderen Ersthelfern vor Ort. Doch der Umfang und die Risiken dieses Einsatzes übersteigen alles, was die beiden erwartet haben. Gleichzeitig registriert die Weltgesundheitsbehörde (WHO) in Genf Häufungen neuer Fälle auf der Weltkarte. Die Epidemiologin Leonora Orantes (Marion Cotillard) versucht fieberhaft Beths Reiseverlauf der letzten Tage nachzuvollziehen, um die scheinbar zufälligen Punkte zu verbinden und so den Weg zum Ausgangspunkt zurückzuverfolgen – und damit zum ersten Patienten. Während sich das Virus unsichtbar, unbarmherzig, willkürlich und äußerst rasant ausbreitet, entwickelt sich gleichzeitig eine andere Art ansteckender Seuche, für die der unangepasste Journalist Alan Krumwiede (Jude Law) verantwortlich ist: Er ist davon überzeugt, dass die Regierung nicht die Wahrheit sagt und vielleicht sogar mögliche Heilungschancen verhindert. Obwohl Krumwiede durchaus reale Probleme anspricht, facht er mit seinen Methoden den Flächenbrand der Angst nur noch weiter an. Dazu Jacobs: „Das trägt zur Atmosphäre des Films bei, die von ständig wechselnden Stimmungslagen und Ebenen geprägt wird: Das Dramatische bekommt Mystery-Elemente und entwickelt sich zum Thriller.“

„Ein Teilaspekt der Story ist der Informationsfluss: Er verbreitet sich ähnlich wie das Virus: Wer wird infiziert? Wie dehnt er sich aus? Wie verändert er sich von einem Wirt zum anderen, von einer Organisation zur nächsten? Diesen Aspekt verkörpert Krumwiede“, sagt Soderbergh. „Im gesamten Film konzentrieren wir uns auf die Informationen, die wie ein Staffelstab von einer Szene zur nächsten weitergegeben werden. Es gibt viele interessante Nebenstränge. In dieser Situation entwickelt sich das zum tödlichen Problem – falsche Informationen können töten.“

Produktion: Die Patienten

„Steven schickte mir das Skript und schrieb dazu: ‚Lies es und wasch dir dann die Hände‘“, lacht Matt Damon. „Wenn die Zuschauer diesen Film in einem Kino voller fremder Mitmenschen gesehen haben, werden sie sicherlich ähnlich empfinden.“ Der Schauspieler beschreibt den von ihm gespielten Mitch Emhoff als „Jedermann, als menschliches Gesicht der Epidemie. Schnell hintereinander verliert er aufgrund dieses Supervirus nicht nur seine Frau, sondern auch seinen Stiefsohn – ihm bleibt nur noch die letzte Überlebende seiner Familie, seine 15-jährige Tochter Jory. Jetzt setzt er alles daran, sie in Sicherheit zu bringen.“

Soderbergh erklärt: „Mitch ist kein Mediziner, kein Wissenschaftler. Er weiß nicht, was da vor sich geht – insofern vertritt er uns alle. Wir haben versucht, seine Situation möglichst dynamisch zu gestalten, damit er das nicht nur einfach passiv erlebt – und Matt hat entscheidend dazu beigetragen. Er begriff sofort, was wir im jeweiligen Moment erreichen wollten. Nie merkt man ihm an, dass er eine Rolle spielt. Er ist völlig uneitel, ist sich seines Spiels scheinbar gar nicht bewusst – er wirkt so, als ob die Kameras überhaupt nicht vorhanden wären.“ „Mitch ist der Stellvertreter der Zuschauer – er führt uns in die Geschichte hinein“, sagt Sher. „Wir erleben, wie er Dinge tut, die er wenige Tage zuvor für unmöglich gehalten hätte. Und wir fragen uns, was wir selbst tun würden, um das Überleben unserer Familie zu sichern: Wären wir in der Lage, ebenso anständig und tapfer zu handeln?“

Angst und Unwägbarkeit: Diese Themen des Films werden besonders deutlich in Emhoffs Beziehung zu seiner Tochter, gespielt von Anna Jacoby-Heron, die mit dieser Rolle ihr Filmdebüt gibt. Dazu Damon: „Die Vaterrolle fiel mir nicht schwer, denn ich habe ja selbst Kinder. Obwohl Vater und Tochter diese außergewöhnlichen Erfahrungen machen, stehen natürlich die typischen Probleme von Eltern und Teenagern im Vordergrund: Sie will sich mit ihrem Freund treffen, und Mitch versucht ihr klarzumachen, wie ernst die Situation ist und dass selbst der geringste Kontakt – sollte der Freund sich infiziert haben – ihrenTod bedeuten würde. Dadurch ergeben sich sehr emotionale Momente.“ Außerdem muss sich Mitch damit auseinandersetzen, was er über seine Frau erfährt.

Gwyneth Paltrow spielt erstmals seit „The Talented Mr. Ripley“ (Der talentierte Mr. Ripley) wieder mit Damon zusammen. Sie sagt: „Beth Emhoff ist eine berufstätige Mutter, die wir im Film kennen lernen, als sie von einer Geschäftsreise aus Hongkong nach Hause zurückkehrt. Sie ist bereits krank, aber es scheint nicht so ernst, dass sie sich Sorgen machen würde.“

Obwohl Beth der Seuche sehr bald zum Opfer fällt, bildet sie weiterhin den roten Faden durch den Film, denn die Teams daheim und im Ausland versuchen zu analysieren, welche Rolle sie in der Epidemie spielt. Dazu Soderbergh: „Erst nach und nach erfahren wir mehr über Beth. Sie steht im Zentrum des detektivischen Aspekts der Story, sie ist Teil des Geheimnisses, des Auslösers, und im Laufe der Handlung wird immer mehr über sie aufgedeckt.“

Eine wichtige Rolle spielen vor allem die Fotos, die Beth während ihres Aufenthalts in Asien aufgenommen hat, – so kann man ihre Reise zurückverfolgen und den Ursprung ihrer Infektion ermitteln. Soderbergh schlug vor, dass Paltrow diese Bilder an den Drehorten selbst fotografierte. Über ihren ersten Besuch in Hongkong sagt sie: „Ich war einfach eine Touristin, die Bilder knipste. Gleichzeitig fühlte ich natürlich den Druck: Wenn Steven Soderbergh mich beauftragt, Fotos zu machen, dann muss ich ihm auch anständige Bilder liefern.“

Paltrow meint, dass Beth in gewisser Weise Glück hat, weil sie zu den ersten Opfern der beginnenden Seuche zählt, denn die Überlebenden müssen mit den schrecklichen Konsequenzen fertig werden: „Man fragt sich, was man selbst in einer solchen Situation tun würde – wo soll man sich sauberes Wasser und Lebensmittel besorgen? Man kommt ins Grübeln, ob man auf eine Krise dieses Ausmaßes vorbereitet ist. Wir verlassen uns derart auf die funktionierende Infrastruktur unserer Gemeinschaft, dass wir wohl allesamt in die größten Schwierigkeiten geraten würden.“

Produktion: Die Ärzte

Als wesentliche Stütze dieser Infrastruktur gilt CDC Deputy Director Ellis Cheever, der während der schnell eskalierenden Krise für die Sicherheit und die Informationspolitik gegenüber der amerikanischen Öffentlichkeit zuständig ist. Diese Rolle übernimmt Laurence Fishburne: „Cheever ist intelligent und kompetent, die Stimme der Vernunft. Von ihm wollen die Leute hören, dass alles unter Kontrolle ist, dass die besten Experten mit dem Problem befasst sind und alles wieder in Ordnung kommt.“

„Laurence ist als Autoritätsfigur ungeheuer glaubwürdig – absolut souverän“, erklärt Soderbergh. Cheever arbeitet eng mit seinem Chef Lyle Haggerty zusammen, aber obwohl die beiden Ärzte persönlich befreundet sind und dasselbe Ziel verfolgen, begegnen sie einander nicht immer auf Augenhöhe. Aufgrund seiner militärischen Vergangenheit setzt Haggerty andere Prioritäten, die die Situation um eine Nuance erweitern. Die Rolle des Haggerty spielt Bryan Cranston, der sagt: „Es handelt sich dabei um ein sehr heikles Problem, das weltweite Auswirkungen haben kann. Man muss sehr vorsichtig sein, welche Informationen man veröffentlicht, weil man nicht genau weiß, wie die anderen Länder reagieren. Alles muss sehr exakt formuliert und dreifach geprüft werden.“

Unter dieser Leitung arbeiten die Forscher rund um die Uhr, um den tödlichen Erreger zu isolieren und zu analysieren und dann einen Impfstoff zu entwickeln, doch das Virus ist ihnen immer einige Schritte voraus. Unter den Experten bewährt sich – was Engagement und Können angeht – vor allem die unangepasste Dr. Ally Hextall (Jennifer Ehle). Ehle beschreibt das Hochsicherheitslabor des Instituts als „Anlaufpunkt für Fälle, bei denen man nicht weiß, wie das Virus übertragen wird, weder dessen Ursprung noch seine Verbreitungsart kennt – geschweige denn, wie man es aufhalten kann.“

Während sich Hextall und ihr Team fieberhaft bemühen, diese Fragen zu beantworten, informiert Cheever die Medien aus dem Auge des Hurrikans. Alle Seiten üben Druck auf ihn aus, konkrete Aussagen kann er noch nicht machen – er muss also ständig überlegen, was er sagen darf und was er aus strategischen Gründen verschweigt, denn es gilt immer, den möglichen Schaden gegen den Nutzen abzuwägen. Cheever hat sich jahrelang strikt an die Regeln gehalten und niemals vertrauliche Informationen außerhalb seines Büros preisgegeben. Doch dann erfährt er etwas, das über Leben oder Tod seiner großen Liebe Aubrey entscheiden könnte – was ihn zu einer sehr persönlichen und gefährlichen Entscheidung verdammt: Soll er ihr – und ihr allein – verraten, was er weiß, bevor dieÖffentlichkeit davon erfährt? Aubrey (Sanaa Lathan) bedeutet ihm mehr als die Welt. Eigentlich kann er sicher sein, dass sie das Geheimnis nicht ausplaudert. Doch Autor Burns bestätigt: „So wie man ein Virus nicht eindämmen kann, lässt sich auch ein Geheimnis nur schwer bewahren.“ „Dieses Dilemma ist der Prüfstein für seinen Charakter“, sagt Fishburne. „In seiner offiziellen Funktion übernimmt er die Verantwortung für die Sicherheit der Öffentlichkeit – und die nimmt er sehr ernst. Doch als Mensch ist er auch für seine Familie verantwortlich. Dadurch ergibt sich eine Zwickmühle, die ihn vor eine schwere Entscheidung stellt.“

„Wir haben Cheever diese Achillesferse verpasst, denn sie ist unser aller Achillesferse“, sagt Soderbergh. „Würde ich in dieser Situation meine Tochter informieren?“ Außerdem macht sich Cheever um Dr. Erin Mears Sorgen, die er unter den Beamten des Epidemic Intelligence Service persönlich ausgewählt hat, um zusammen mit den Ersthelfern vor Ort tätig zu werden. Indem er ihr den von ihr unbedingt erwünschten und verdienten Auftrag erteilt, hat er möglicherweise ihr Schicksal besiegelt.

Die Mears-Rolle spielt Kate Winslet – sie ist davon überzeugt, dass die frischgebackeneBeamtin selbst dann keinen Moment lang gezögert hätte, wenn sie von vornherein über das wahre Risiko informiert gewesen wäre. Bei der Vorbereitung auf ihre Rolle recherchierte Winslet im CDC und lernte aktive und ehemalige EIS-Beamte kennen, die ihr nicht nur unmittelbares Anschauungsmaterial von ihren Aufgaben zur Verfügung stellten, sondern ihr auch zeigten, wieman gestrickt sein muss, um solche Funktionen zu übernehmen. „Einige erzählten mir, dass sie sich erst bei ihren Einsätzen wirklich lebendig fühlen“, berichtet Winslet. „Man muss schon sehr engagiert sein, um diese Arbeit zu tun. Man opfert viel Schlaf, sein Privatleben und die eigene Sicherheit – aber es ist eine große Ehre, dafür ausgewählt zu werden. Sie alle werden dafür ausgebildet, sie alle sind dazu bereit. Solche Leute kann man auf Kriegsschauplätze schicken, wenn dort ein neues Virus aufgetreten ist. Angst spielt keine Rolle. Falls sie sie spüren, wissen sie, wie man sie überwindet.“

„Auch Mears führt die Zuschauer in die Geschichte hinein“, sagt Soderbergh. „Es gehört zu ihrer Aufgabe, die Situation einfach und präzise im Allgemeinen und auch im Detail zu erklären. Das heißt zum Beispiel, dass man soziale Kontakte vermeidet, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Aber sie hat es mit panischen Menschen zu tun, die nicht immer vernünftig handeln.“ Vor allem „erklärt sie uns Laien die möglichen Auswirkungen, ohne dass wir von den Fachausdrücken überfordert werden“, fügt Winslet hinzu.

Das Pendant zu Mears ist Marion Cotillard alias Dr. Leonora Orantes in Genf. Als Krankheitsfälle neben den USA gleichzeitig gehäuft auch in London, Hongkong, Tokio und in anderen Städten weltweit auftreten, verfolgt Orantes die Ansteckung auf den Ursprung zurück. „Während alle im Film hektisch vorwärts streben, arbeitet sich Orantes effektiv rückwärts vor – das ist der Schlüssel, um herauszubekommen, wo das Virus als nächstes zuschlagen wird“, sagt Shamberg.

Dazu Cotillard: „Sie fängt mit Beth Emhoff an. Beth war das erste bekannte Opfer, das durch den Virus gestorben ist. Deshalb verfolgt Dr. Orantes ihre Reiseroute zurück. Sie hat Glück: Heute gibt es überall Videokameras – zunächst überprüft sie die Aufnahmen der Kameras im Hotel, im Fahrstuhl und im Casino.“ Aber diese Erkenntnisse sind nur begrenzt. „Man kann den Kontakt zweier Menschen entdecken, und man weiß, dass beide krank wurden – aber noch weiß man nicht, in welche Richtung das verlaufen ist: Wer hat wen infiziert?“ „Gleichzeitig läuft ihnen die Zeit davon“, fügt Cotillard hinzu. „Egal wie schnell Orantes und die anderen arbeiten – das Virus ist schneller. Menschen sterben, die Panik nimmt zu. Wenn nicht mehr genug Wasser vorhanden ist, müssen die Menschen trotzdem trinken – dann kämpfen sie um das Wasser.“

Gleichzeitig muss Orantes ständig bedenken, wie sich die Ereignisse und Ermittlungen samt ihren potenziellen Konsequenzen auf dem internationalen diplomatischen Parkett auswirken können. „Sie gerät in Situationen, die nicht nur wissenschaftliche, sondern auch kulturelle Probleme aufwerfen, die sich aufgrund widersprüchlicher Interessen nicht einfach lösen lassen“, sagt Soderbergh. „Nicht zuletzt deshalb ist Orantes sehr zurückhaltend, sehr professionell, aber auch unnahbar und leidenschaftslos. Doch sie hat im Laufe der Handlung ein Erlebnis, das sie emotional tief trifft … das wäre ihr nicht passiert, wenn sie nicht nach dem Ursprung dieses Virussuchen würde.“

Zu den Hauptdarstellern in Orantes’ Zuständigkeitsbereich zählen auch der erfahrene deutsche Schauspieler Armin Rohde als Orantes’ Supervisor Damian Leopold und Chin Han („The Dark Knight“) als Sun Feng, ihr offiziellerAnsprechpartner in Hongkong und Macao.

Produktion: Die Reporter

Während die internationale Gemeinschaft der Mediziner nach einem Gegenmittel sucht, verfolgt der agitatorische freie Journalist Alan Krumwiede seinen eigenen Plan. Er paart den Knüllerinstikt eines echten Reporters mit dem krankhaften Misstrauen allen Behörden gegenüber. Außerdem hat er einen ausgeprägten Hang zum Dramatischen, wenn er in seinem beliebten Blog die Wahrheit über die wachsende Epidemie aufdeckt … zumindest so, wie er sie versteht. „Seine Forderung nach der Wahrheit könnte man als heldenhaft bezeichnen“, sagt Jude Law. Law spielt jenen Mann, der unter anderem behauptet, dass die Zahl der Todesopfer viel höher ist, als offiziell zugegeben wird, und dass eine alternative Heilmethode unter Verschluss gehalten wird.

„Er glaubt daran, dass die Menschen das Recht haben, die Wahrheit zu erfahren, dass alle Informationen zugänglich sein sollten, vor allem in einer Situation mit diesen Konsequenzen. Und er berichtet als Erster, dass in Tokio ein Mann in einem Bus gestorben ist – der war eines der ersten Opfer, die das Virus gefordert hat. Alan hat Mut, er steht für seine Überzeugung ein, aber sein Stolz und sein Ego gehen oft mit ihm durch. Er trägt in seinen Storys zu dick auf und interessiert sich nicht immer dafür, welche Auswirkungen seine Veröffentlichungen haben.“ „Krumwiede hat nicht immer Unrecht“, betont Soderbergh.

Aber er hat auch nicht immer Recht. Und was er sendet, entwickelt ein Eigenleben, wenn sich die Menschen in ihrer verzweifelten Suche nach Antworten an seinen Blog wenden. So wie die Seuche sich ausbreitet, wächst auch die Gemeinde jener, die seinen Blog lesen – nach den bescheidenen Anfängen sind es bald zwei Millionen, dann zwölf Millionen. „Im Zuge bedeutender Ereignisse kursieren immer auch Verschwörungstheorien“, sagt Burns. „Und so wie das Virus von einer ersten Person weitergegeben wird und sich dann ausbreitet, wird Krumwiede zum Ur- Patienten einer parallel verlaufenden Epidemie, die Angst und Panik verbreitet.“

Über die Entwicklung dieser komplexen und zweifellos charismatischen Figur sagt Soderbergh: „Jude und ich sprachen über Blogger, die sich gegen den Staat wenden und Verschwörungstheorien verbreiten: Welchen Tonfall schlagen sie an? Wie sehen sie aus? Wie verhalten sie sich? Wir wollten ihm auf jeden Fall einen messianischen Touch verleihen.“ „Interessanterweise weiß man nie so recht, woran man mit ihm ist“, sagt Jacobs. „Hat die Regierung tatsächlich etwas zu verbergen? Funktioniert das Heilmittel aus Kräutern wirklich, von dem er spricht? Wahrscheinlich vermuten wir alle mehr oder weniger, dass wir nicht immer umfassend informiert werden, und in diesem Sinne vertritt auch Krumwiede den Standpunkt der Zuschauer.“

„Doch letztlich geht er zu weit“, bestätigt Law. Krumwiede hat es vor allem auf Elliott Gould abgesehen, der nach den drei „Ocean’s“- Filmen erneut mit Soderbergh und Kollege Matt Damon zusammenarbeitet. Diesmal spielt er Dr. Ian Sussman, der in San Francisco medizinische Forschung betreibt und unabhängig nach einem möglichen Impfstoff sucht – und dabei die Anweisungen des CDC ignoriert. Außerdem spielt Monique Gabriela Curnen („The Dark Knight“) die Zeitungsredakteurin Lorraine Vasquez, die Krumwiedes Angebot für eine Exklusivstory ablehnt, kurz bevor die Seuche bekannt wird.

Produktion: Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten zu „Contagion“ begannen im September 2010 in Hongkong und wurden dann in Chicago, Atlanta und San Francisco fortgesetzt – mit Zwischenstopps in London und Genf. Produktionsdesigner Howard Cummings, der zum dritten Mal für Soderbergh arbeitet, kommunizierte per Skype mit seinen weltweit verstreuten Teams. „Außerdem richteten wir eine große Recherche-Website ein, auf die alle Mitarbeiter Zugriff hatten, falls sie wissen mussten, wie die Polizeiuniformen in Kowloon aussehen oder was eine N100-Maske ist.“

Soderbergh ist für seine stromlinienförmige Arbeitsweise bekannt und übernahm wieder gleichzeitig die Verantwortung für die Regie und die Kamera. Dabei setzte er die neueste Version der RED-Digitalkamera ein, die mit natürlichem Licht auskommt. „Außerdem schneidet er nachts die Szenen, sodass wir sofort anschauen können, was gerade gedreht worden ist“, fügt Sher hinzu. „Hongkong ist für nicht genehmigte Dreharbeiten bekannt, aber diesmal machte das Team sogar Witze darüber, dass Steven selbst die üblichen Film-Guerilleros noch übertrifft.“

Eine der Schlüsselszenen des Films findet in einem Casino in Macao statt. Weil Filmaufnahmen im Bereich der Spieltische verboten sind, richtete das Team den Casino-Saal in dem berühmten schwimmenden Jumbo-Restaurant im Aberdeen-Hafen von Hongkong ein. „Als Steven den Saal betrat, dachte ich gleich: ‚Oh nein!‘ Denn ich merkte, wie gut ihm das gefiel – ich stellte mir bereits vor, dass mein Team unzählige Sampan-Ladungen mit Material herbeischaffen müsste“, lacht Cummings. Und so kam es tatsächlich. Zum Glück stellte der Designer fest, dass die örtlichen Filmteams es gewohnt sind, die Sampans wie Lastwagen zu verwenden.

Zu den weiteren Originaldrehorten zählten der Hong Kong International Airport, das Intercontinental Hotel, das Princess Margaret Hospital und eine Szene an Bord der Star-Ferry, die den Fährbetrieb zwischen Kowloon und der Insel Hongkong aufrechterhält.

Dann drehte man in Chicago und Umgebung die Szenen, die in Minneapolis spielen, wo die Emhoffs zu Hause sind sowie in Atlanta. Dabei spielt der Schnee eine wichtige Rolle: Ob real oder durch Effekte erzeugt – in jedem Fall vermittelt er die Kälte, die Mitch Emhoffs Welt beherrscht und die laut Cummings für ein „unangenehm blendendes, gleißendes Licht“ sorgt.

Das Team drehte im Sherman Hospital im Vorort Elgin, auf den Flughäfen O’Hare und Midway, in der Central Elementary School in Wilmette, wo Matt Damon später den Reportern und Fotografen der Schulzeitung der 3. und 4. Klasse zur Verfügung stand, und auf der Henry Ford Bridge in Chicago – diese Sequenz entstand nachts während eines eiskalten Regenschauers, der die richtige Atmosphäre für den vom Skript geforderten gefährlichen Grenzzwischenfallvermittelte.

Die größten und ehrgeizigsten Sets waren das General Jones Armory, ein Waffendepot der National Guard in Chicago, das in ein Lazarettumfunktioniert wurde, und ein Abschnitt des Amstutz Expressways in Waukegan, wo die Autobahn einen Tag lang gesperrt wurde, um den Dan Ryan Expressway in Chicago zu doubeln: In dieser dramatischen Szene wird ein Konvoi von Militärlastwagen von zwei Black-Hawk-Helikoptern eskortiert – sie alle wurden von der Illinois National Guard ausgeliehen.

Die Guard stellte unter anderem Humvees, FMTV Troop Carriers, Jeeps und zwei UH 60 Black-Hawk-Helikopter zur Verfügung. Hinzu kamen über 100 Uniformierte aus Kalifornien, Illinois und Georgia. „Das Verteidigungsministerium genehmigte uns den Einsatz von Soldaten der National Guard sowie die Verwendung ihrer Ausrüstung“, sagt Jacobs. „Wir durften auch viele ihrer Fahrzeuge verwenden. Vince Ogilvie (Deputy Director, Entertainment Media, OASD-PA) stand uns am Set zur Verfügung, als hervorragender technischer Berater half er uns, die Aufnahmen realistisch zu gestalten – darauf legen wir größten Wert.“

In Krumwiedes Heimat San Francisco zeigt Cummings, wie die alltägliche Versorgung völlig zusammenbricht, als der Ausnahmezustand monatelang anhält. Zu diesem Zweck verteilte er in den Straßen der Viertel North Beach und Potrero Hill ganze Berge aus Müll und Kleidungsstücken – als ob die Menschen sie aus dem Fenster geworfen hätten, weil sie Angst vor Ansteckung hatten. Auf der Leinwand erscheinen auch der San Francisco Chronicle und der TV Sender KPIX, der Golden Gate Park, sowie die University of San Francisco in Mission Creek, wo es zur Konfrontation zwischen Krumwiede und Dr. Sussman kommt.

Das größte Problem stellte der Bau des BSL-4 (Biosafety Lab, Level 4) dar: In diesen Szenen experimentieren Jennifer Ehle und Demetri Martin als Ärzte Ally Hextall und David Eisenberg mit gefährlichen biologischen Stoffen. BLS-4-Räume stehen unter Druck, damit keine Luft entweichen kann, sie verfügen über Stahltüren, aufblasbare Dichtungen und Luftschleusen mit Desinfektionsmittel-Duschen. „Es hat Howard viel Mühe gekostet, diese Labors und ihre Ausstattung nachzubauen“, bestätigt Soderbergh. „Außerdem werden dort Druckluft Sauerstoff- Schutzanzüge verwendet, die an Zuleitungen angeschlossen werden mussten, damit sie so aussehen, als ob sie wirklich funktionieren. Deswegen musste er das gesamte Set mit einem umfangreichen Rohrleitungssystem ausstatten.“

Kostümdesignerin Louise Frogley, die ebenfalls regelmäßig mit Soderbergh arbeitet, ließ die Anzüge für Ehle und Martin nach Maß und nach den BLS-4-Vorgaben anfertigen, sodass der Träger von einer undurchdringlichen Luftblase umgeben ist. Dazu Ehle: „Wenn sich die Mitarbeiter im Lab von einem Bereich zum anderen bewegen wollen, müssen sie die Luftzuleitung abhaken und haben dann etwa zwei Minuten, um an der nächsten Zuleitung anzudocken, damit sie kontinuierlich mit Atemluft versorgt werden, denn der Anzug sondert ständig Luft ab, um eine Barriere zwischen der Person und möglichen Toxinen im Raum zu gewährleisten. Der kleinste Riss könntetödliche Folgen haben.“

Produktion: Die Vorbereitungen

Bevor Burns mit der Arbeit am Drehbuch zu „Contagion“ begann, beriet er sich mit Weltklasse-Experten zum Thema ansteckende Krankheiten und verbrachte Monate mit Recherchen, um die Authentizität seiner und Soderberghs Story zu gewährleisten. „Diese Leute begeistern sich für Dinge, die uns normalen Menschen eine Heidenangst einjagen.“

Ihre Zeit und ihr Know-how stellten zur Verfügung: W. Ian Lipkin, MD, Direktor des Infektions- und Immunitätszentrum an der Columbia University und Professor für Epidemiologie, Neurologie und Pathologie, Larry Brilliant, MD, MPH, geprüfter Fachmann für vorbeugende Medizin und President des Skoll Global Threats Fund, der in der CDC ausgebildete Epidemiologe Mark Smolinski, MD, MPH, ebenfalls vom Skoll Global Threats Fund, Nathan Wolfe, MA, DSc, Direktor der Global Viral Forecasting Initiative (Globale Initiative zur Viren-Vorhersage) und Mitglied des Teams, das das Hantavirus entdeckte, sowie Wissenschaftsautorin Laurie Garrett, Senior-Stipendiatin im Bereich Globale Gesundheit im Rahmen des Council on Foreign Relations und Autorin des Buchs „The Coming Plague“ (Die kommenden Plagen).

Sie stellten nicht nur ihr Wissen als technische Berater zur Verfügung, sondern öffneten den Filmemachern und Darstellern auch ihre Türen, um weitere Recherchen zu ermöglichen, die zur Arbeit vor und hinter der Kamera beitrugen. Lipkin war außerdem beim Dreh ständig vor Ort. Dazu Shamberg: „Wenn man den Zuschauern ein Hochsicherheitslabor wie in unserem Film vorstellt, dann muss die Ausstattung korrekt aussehen – die Abläufe und das Vokabular müssen stimmen, und die Schauspieler müssen sich in diesem Ambiente völlig zu Hause fühlen.“ Passend zum Drehbuch designte Lipkin einen Erreger, der in „Contagion“ außer Kontrolle gerät: ein fiktives Virus, das er als „biologisch möglich“ bezeichnet, mit einer wissenschaftlich realistischen Abstammungslinie, die sich an dem existierenden Coronavirus orientiert, aber aggressiver auftritt. Er konstruierte sogar ein 3D-Modell für den Film.

„Innerhalb der vergangenen zehn bis 20 Jahre haben die Berichte über auftretende Infektionskrankheiten drastisch zugenommen“, sagt er. „Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel, dass sich die Menschen in Gebieten aufhalten, wo sie mit Tieren in Berührung kommen, denen sie bisher nicht begegnet sind. Außerdem verändert sich das Klima, sodass sich stechende Insekten in neuen Gebieten ausbreiten – so gelangen Viren auch in gemäßigtere Zonen. Neben den Menschen bewegen sich auch die Produkte durch die gesamte Welt. Alle diese Dinge tragen dazu bei.“

Aufgrund des Wissens, dass er sich im Zuge der Arbeit an „Contagion“ angeeignet hat, sagt Soderbergh heute: „Meine Angst ist inzwischen gestiegen, aber ich fühle mich gleichzeitig auch sicherer. Ich habe mehr Angst, weil alle, mit denen wir sprachen, davon ausgehen, dass eines Tages das Fass überlaufen wird. Sicherer fühle ich mich, weil ich mitbekommen habe, wie intelligent und kundig die Leute vorgehen, die die vorderste Verteidigungslinie bilden, falls dieser Fall eintritt. Wir haben sie nie bewusst zu Helden stilisiert, aber genau das sind sie. Wenn eine Seuche ausbricht, steigen sie ins Flugzeug und stürzen sich mitten ins Geschehen. Als wir mit dem Projekt begannen, hatten wir nur eine oberflächliche Vorstellung von ihrer Arbeit. Uns war klar, dass es eine wissenschaftliche Grundlage gibt, aber wohl niemand von uns ahnte, welch komplexe politische, praktische und menschliche Probleme jedes Mal auf sie zukommen, wenn sie gegen eine ansteckende Krankheit kämpfen. Es war unfassbar, sie bei Krisensitzungen zu erleben und zu beobachten, wie sie jedes winzige, möglicherweise verdächtige Indiz in den entlegensten Dörfern der Welt analysieren. Wenn die Zuschauer das nächste Mal von der CDC oder der WHO hören, machen sie sich hoffentlich klar, dass buchstäblich Tausende von engagierten, leidenschaftlichen Leuten hinter diesen Kurzmeldungen stehen – unermüdlich bemühen sie sich darum, dass wir inSicherheit leben können.“

„Ich habe gelernt, dass sich unser Problem mit Viren nicht lösen lässt – es gehört zum Leben auf der Erde einfach dazu“, sagt Burns. „Die Wissenschaft, die Medizin, die Kommunikation werden effektiver, aber gleichzeitig erhöht sich das Risiko, weil wir immer schneller von Kontinent zu Kontinent reisen. Das wollen Steven und ich mit diesem Film ausdrücken: Alles ist verzahnt. Es gibt zwar eine Infrastruktur, die uns helfen soll. Aber letztendlich hängt vieles davon ab, dass wir einander gegenseitig schützen.“ „Außerdem wird wieder deutlich, auf wie schwachen Füßen unsere Zivilisation steht“, stellt Matt Damon fest. „Ich habe vor Kurzem einen Bericht über die katastrophale Grippeepidemie von vor hundert Jahren gehört – damals nahm man an, dass die Bevölkerung nur noch eine Woche vom damals sogenannten Ende der Welt entfernt war – nicht wegen der Todesfälle, sondern wegen des befürchteten Zusammenbruchs der sozialen Strukturen. Und unser Film bewegt sich auf einer ähnlichen Zeitschiene.“

Während der Dreharbeiten war praktisch keiner der Mitwirkenden immun gegen die Angst, die „Contagion“ in Bezug auf das tägliche Zusammenleben auslöst – man konnte eindeutig beobachten, wie sich ihr Verhalten auf subtile Weise veränderte. Das hatte auch komische Auswirkungen, weil man sich bald nur noch durch Berührung der geballten Fäuste und schließlich der Ellbogen begrüßte.

Spürbar war aber vor allem ein überraschend ausgeprägtes neues Bewusstsein. „Ich nehme viel intensiver wahr, was ich berühre und was die Leute in meiner Umgebung berühren. Ich verwandele mich zwar nicht in einen Bazillen-Freak, aber die Wahrnehmung verändert sich deutlich“, sagt Soderbergh.„Dieser Film könnte für Fahrstuhlknöpfe und Türklinken bedeuten, was ‚Der weiße Hai‘ in Bezug auf das Baden im Meer auslöste.“

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare