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"Cloud Atlas": Interview mit Tom Hanks, Halle Berry und den Regisseuren Lana und Andy Wachowski

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Cloud Atlas Poster

Pünktlich zum Kinostart von „Cloud Atlas“ traf CINEFACTS die Regisseure Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski, und die beiden Hauptdarsteller Tom Hanks und Halle Berry bei der großen Europapremiere am 5. November in Berlin.

„Es gab Tage, da wussten wir nicht, wer wer ist“

Pünktlich zum Kinostart von „Cloud Atlas“ traf CINEFACTS die Regisseure Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski, und die beiden Hauptdarsteller Tom Hanks und Halle Berry bei der großen Europapremiere am 5. November in Berlin. In einem exklusiven Interview erfahrt ihr, warum „Cloud Atlas“ im wahrsten Sinne ein Independent Film ist und was Tom Hanks an Deutschland fasziniert.

CINEFACTS: In „Cloud Atlas“ dreht sich vieles um die Theorie der Wiedergeburt. Glauben Sie selber daran?

Tom Hanks: Nein! Das muss ich ganz klar sagen, daran glaube ich nicht. Ich weiß es natürlich nicht, aber ich bin da eher pragmatisch. Jeder im Leben trifft Entscheidungen, die die Zukunft verändern. So auch im Film und im Buch. Da kann man getrost das Magische rausnehmen.

Halle Berry: Ich glaube schon, dass es so etwas gibt. Für mich ist das ein Glaube, der mir hilft, damit umzugehen, wenn schlimme Dinge passieren, die einfach keinen Sinn ergeben. Wenn zum Beispiel kleine, unschuldige Kinder getötet werden, dann muss ich eine Art Glauben haben, der das irgendwie rechtfertigt. Und wenn ich denke, dass solch schlimme Dinge passieren, weil wir immer wieder zurück auf die Erde kommen, dann hilft mir das.

CINEFACTS:Ihre Kostüme sind großartige, da hat die Maske wirklich ganze Arbeit geleistet. Haben Sie sich selbst und Ihre Kollegen immer erkannt?

Tom Hanks: Nein, es gab Tage, da wussten wir nicht, wer wer ist. Zu Anfang hatten wir einen Makeup-Test in Babelsberg, wir waren drei Wochen da. Und morgens starteten wir fast nackt und während des Tages kam immer mehr Maske dazu. Aber ich habe mich oft gefragt, mit wem ich da eigentlich rede. Eines Tages kam in den Maskenraum zu einer Kollegin, die gerade geschminkt wurde und sagte: „Hi!“, da war es Halle. Aber da war keine erkennbare Halle in dem Kostüm drin.

CINEFACTS: Und, Halle, wie fühlt man sich als kleiner Chinesischer Mann?

Halle Berry: Das war wirklich erstaunlich. Es war die Rolle, die am weitesten von mir persönlich entfernt ist. Es war zugegebenermaßen ein sehr kleiner Part, aber der beinhaltet stundenlange Sitzungen in der Maske und das Erlernen einer eigenen Sprache, Mimik und Gestik. Das war wirklich kompliziert. Ich wahr ehrlich gesagt froh, als ich mit der Rolle durch war.

CINEFACTS: Hatten Sie einen Lieblingscharakter?

Halle Berry: Nein, ich aber ich fand es toll, alle zu spielen. An einem Tag war ich eine jüdische, weiße Frau, am nächsten Tag Luisa Rae den 70er Jahren. Diese Vielfalt machte das Projekt so einzigartig.

Tom Hanks: Manche Charaktere haben wir nur einen Tag lang gespielt. Zum Beispiel spiele ich einen Hotelmanager – das waren vier Stunden Arbeit vor der Kamera. Aber all die kleinen Einstellungen, die Maske, das hat dann einen ganzen Tag gedauert. Es war aber toll, an einem Tag eine komplette Figur abzudrehen. Und am nächsten Tag war man jemand anderes. Bei unseren nächsten Job werden wir nur eine Person spielen, das ist ja total einfach, das kann ja jeder… (lacht) Es macht natürlich viel mehr Spaß, wenn man morgens zum Set kommt und sich fragt: Mal sehen, wer ich heute bin…?

„Meine Figuren sind ja alle gut“

CINEFACTS: Macht es mehr Spaß die Bösen oder die Guten zu spielen?

Halle Berry: Meine Figuren sind ja alle gut! Alles sehr heroische Frauen.

Tom Hanks: Das ist schwer zu pauschalisieren, ich glaube, sie alle haben einen Grund so zu handeln, wie sie es tun. Man kann da das Gute oder Böse nicht pauschalisieren.

CINEFACTS: Haben Sie je Lust gehabt, wie in Ihrer Rolle, einen Kritiker über die Balkonbrüstung zu schmeißen?

Tom Hanks: (Lacht) Nein, Filmjournalisten tun mir eher leid. Sie müssen unter Zeitdruck so viel sehen. Sie sollen schreiben, was immer sie wollen. Das ist okay für mich!

CINEFACTS: Ist es ein großer Unterschied in Babelsberg zu arbeiten als in den USA?

Halle Berry: Bis darauf, dass alle um mich herum Deutsch sprachen? Es war eine großartige Erfahrung. Ich habe viel mit Tom Tykwer gearbeitet, er hatte seine Crew dabei und jeder hatte diese nonverbale Konversation drauf. Sie waren schnell und effizient. Aber es ist kein großer Unterschied zu anderen großen Studios.

Tom Hanks: Babelsberg ist ein historischer Ort. Schon Fritz Lang hat in Babelsberg gedreht. Ich finde alle Filmstudios sind wie Kirchen, weil sie Geschichte in sich tragen. Babelsberg fand ich großartig, auch wenn ich denke, dass die diese alberne Tour mit dem kleinen Zug nicht brauchen. Und dann die Ansagen: Hier lagern die Kostüme… ich weiß echt nicht, warum sie das machen!?

CINEFACTS: Interessieren Sie sich sehr für Geschichte?

Halle Berry und Tom Hanks: Ja, auf jeden Fall, das war schon immer so. Berlin ist da besonders interessant. Was ich spannend finde: Als ich aufwuchs wusste ich: Diese Mauer würde für immer dort stehen. Wenn man mir gesagt hätte, dass die Mauer eines Tages fallen würde, hätte ich ihm gesagt: „Du träumst!“ Und dann passierte es tatsächlich in so kurzer Zeit. Drum ist es ein Zeugnis der Geschichte, dass die DDR – wie ihr sie nennt – vom Wind weggeblasen wurde. Das ist nicht unähnlich dem Sklavenhandel in den USA, der ausradiert wurde. Die DDR ist einfach verschwunden, einfach aus gesundem Menschenverstand.

„Wir mussten unser eigenes Geld investieren“

CINEFACTS: „Der Wolkenatlas“ ist ein komplexes und schwer zu verfilmendes Buch. Wie ist es Ihnen gelungen, das Geld dafür zu bekommen?

Lana Wachowski: Na ja, es ist uns nicht wirklich gelungen. Wir mussten unser eigenes Geld investieren und eine Hypothek auf unser Haus aufnehmen, weil es so schwierig war. Geld bekamen wir vor allem von Leuten, die eine ähnliche Liebe für’s Kino und den Mut zu einem solchen Projekt hatten. Vieles hing damit zusammen, dass wie die herkömmliche Rangehensweise an das Filmemachen überwinden mussten. Heute wird der Markt dominiert von Sequels und Prequels oder von Remakes. Das ist nicht nur von den Zuschauern so akzeptiert, sondern auch von den Menschen, die die Filme schreiben oder produzieren. Keiner hinterfragt, dass ein Film heute einfach nur ein pures Produkt darstellt. Es ist fast schon wie ein Widerstand gegen Originalität. Selbst nach dem wir die ganze Besetzung zusammen hatten und große Stars wie Tom Hanks und Halle Berry dabei waren, bekamen wir das Geld nicht zusammen. Der Film schien einfach so weit davon entfernt, was heute als marktfähiges Produkt angesehen wird.

CINEFACTS: Wie ist es denn gelungen, die Schauspieler zu verpflichten, obwohl die Finanzierung nicht stand?

Tom Tykwer: Das war eine schwierige Situation. Wir waren gerade im Auto auf dem Weg zu Tom Hanks, als wir einen Anruf von Warner bekamen und man uns sagte, dass sie den Film doch nicht machen würden. Wir haben gute Miene zum bösen Spiel bewahrt und Tom (Hanks) erst einmal nichts davon gesagt. Er war begeistert von dem Projekt und sagte direkt zu, was in Hollywood wirklich selten ist. Wir dachten uns, wenn wir Tom Hanks erst einmal an Bord haben, wird das schon klappen.

CINEFACTS: Hat Sie das Geld denn dann die ganze Zeit über beschäftigt, oder war es möglich, das gedanklich beiseite zu schieben?

Tom Tykwer: Es war uns vor allem dann sehr bewusst, wenn das Geld wieder einmal knapp wurde und es so aussah, als könnte das ganze Projekt scheitern. Selbst wenn ich einen Film für 100 Millionen Euro mache, wenn dann zwei Millionen fehlen, dann wird es nichts. Wir hätten große Teile weglassen müssen. Ursprünglich waren sogar 180 Millionen angesetzt, wir hatten es also schon runtergeschraubt. 100 Millionen waren das absolute Minimum um den Film immer noch so aussehen lassen zu können, wie wir es wollten. „Cloud Atlas“ ist im wahrsten Sinne ein independent Film, das Geld kam aus allen möglichen Ecken zusammen, von Menschen, die an das Projekt glaubten. Aber ich persönlich muss zugeben, dass ich keine Beziehung zu einer solchen Menge Geld habe. Ob es nun eine Millionen sind oder 100, das sind so abstrakte Summen, dass ich da keinen Bezug zu habe. Das ist vielleicht das absurde an der Kunstform Film. Ganz egal, wie klein der Film ist, er wird immer mehr Geld kosten als man selber je in den Händen halten wird. Und selbst dann ist es meist nicht genug. Bei ,,Drei” brauchten wir sieben Millionen und mussten es mit vier schaffen. Bei „Das Parfüm“ hätten wir 80 gebraucht, hatten aber nur 50.

CINEFACTS: Wie schwierig war es für Sie drei, zusammen zu arbeiten und die jeweiligen Vorstellungen miteinader zu kombinieren?

Lana Wachowski: Schreiben ist ein sehr intimer Vorgang, während das Drehen schon immer eine gemeinschaftliche Angelegenheit war. Schreiben ist sehr persönlich und man tut es meist alleine, einen Film kann aber niemand alleine drehen. Andy und ich haben eine sehr gute Beziehung, was das gemeinsame Schreiben angeht und wir wussten, wenn Tom da zu uns passt, dann würde das eigentliche Regie führen gar kein Problem mehr sein. Der Schreibvorgang war die größte Hürde, aber es hat dann wirklich Spaß gemacht und es kam uns so vor, als hätten wir drei schon immer miteinander gearbeitet.

CINEFACTS: Nach der „Matrix“-Trilogie haben Sie jeden Ihrer Filme in Babelsberg gedreht, gibt es da einen Grund für?

Lana Wachowski: Wir lieben Berlin. Babelsberg war immer dieses magische Mecca, wo alle Menschen, die wir bewunderten, herkamen. Ich glaube, wenn es Hitler nicht gegeben hätte, wäre es ganz sicher zum Hollywood Europas geworden. Aber dann gingen all die talentierten Menschen nach Amerika. Ich persönlich würde in jedem Fall lieber in Berlin wohnen, als in LA. Von den letzten zehn Jahren haben wir sicher fünf hier verbracht.

„Berliner Fans haben eine Liebe zum Kino“

CINEFACTS: Rechnen Sie mit Oscars für „Cloud Atlas“?

Lana Wachowski: Sartre sagte, dass jegliche materialistische Philosophie Menschen und Kunst zu nichts als Objekten reduziert. Daran muss ich immer denken, wenn ich höre, wie Menschen über Filme reden, die Kunstform, die ich so sehr liebe. Es geht immer darum, wieviel etwas gekostet hat und dann darum, wieviel es einspielt. So werden Erfolg oder Versagen definiert. Oder eben darüber, ob ein Film ausgezeichnet wird. Als Künstlerin empfinde ich das als sehr schwierig. Erfolg oder Misserfolg über Geld oder Preise zu definieren, erscheint mir abstoßend. Viele der größten Kunstwerke oder Romane haben nie einen Penny eingebracht. Manche Dinge haben auch Jahre nachdem sie als Flop bezeichnet wurden noch eine große Wirkung auf Menschen, und darum geht es uns. Wir möchten etwas originelles schaffen, dass unsere Sichtweise repräsentiert und wir hoffen, dass das dann auch andere Menschen bewegen wird.

CINEFACTS: Normalerweise wird der Soundtrack erst nach Fertigstellen des Films hinzugefügt – nicht so bei „Cloud Atlas“.

Andy Wachowski: Ja, diese Erfahrung hat uns auch total überrascht. Tom war derjenige, der darauf bestand, den Soundtrack vor dem Film zu machen. Normalerweise wird ein Film gedreht und geschnitten und dann verwendet man die Musik von irgendwem. Aber Tom schrieb den Soundtrack vorher und nach dieser Erfahrung werden wir das auch nie wieder anders handhaben.

Tom Tykwer: Ja, ich habe das bei all meinen Filmen so gemacht. Hier ging es natürlich im Besonderen um die Symphonie, die Frobisher komponiert und die dann durch den ganzen Film wandert, wie eine eigenständige Figur. Die Symphonie tauch immer wieder auf. In den Siebzigern hört Louisa Ray sie sich an und bei der Party im Jahr 2012, bei der Tom Hanks einen Kritiker vom Dach wirft, wird sie auch wieder gespielt. Und es ist natürlich so, dass es in dem Film viele Dinge gibt, die immer wieder auftreten. Nicht nur die Musik, sondern auch die Schauspieler, die in unterschiedlichen Rollen immer wieder in Erscheinung treten.

CINEFACTS: In den USA läuft der Film bereits seit Anfang November. Möchten Sie wissen, was die Menschen denken, nachdem sie ihn gesehen haben?

Lana Wachwoski: Es ist immer eine schöne Erfahrung zu sehen, wie unsere Filme das Leben eines anderen beeinflussen. Andy und ich haben uns in den letzten zehn Jahren sehr von der Öffentlichkeit ferngehalten, aber wenn wir uns öffentlich zeigen, bekommen wir viel mehr davon mit, was die Menschen über unsere Filme denken. In dieser Hinsicht zahlt es sich aus, ein öffentliches Leben zu führen. Die Menschen kommen regelrecht auf uns zugelaufen und packen uns am Arm, manchmal weinen sie sogar. Solche Reaktionen habe ich noch nie erlebt und wenn uns gesagt wird, wieviel ,,Cloud Atlas” jemandem bedeutet, dann berührt uns das sehr. Das ist ein wahres Geschenk und hat die Härte des öffentlichen Lebens sicher etwas abgefedert.

CINEFACTS: Finden Sie es denn sehr schlimm, in der Öffentlichkeit zu stehen?

Lana Wachowski: Ja, schon. Geht das nicht jedem so?

Tom Tykwer: Es ist seltsam. Manchmal kommt man an einen Punkt, an dem man denkt „Nun habe ich schon den ganzen Film gemacht und jetzt soll ich ihn auch noch erklären?! Kann das nicht jemand anderes tun?“ Wenn ich einfach nur ein Produkt schaffen würde, würde ich sicher keine Presseveranstaltungen machen. Ich kann es mir nicht vorstellen, über das nächste „Spider-Man“-Remake zu reden, das fände ich furchtbar.

Lana Wachowski: Die Menschen, die uns auf dieser Pressetour begegnet sind, waren alle sehr nett. Aber das Ganze kommt mit einem Preis, an den die meisten nicht denken. Dieser Preis ist unsere Anonymität und die Fähigkeit, am öffentlichen Leben teil haben zu können, ohne ständig beobachtet zu werden. Man kann dann in keinen Buchladen mehr gehen, in keinem Restaurant mehr sitzen. Für uns ist das schwierig, denn genau das tun wir gerne.

CINEFACTS: Ist es etwas Besonderes für Sie, hier bei der Berliner Premiere des Films zu sein, weil Sie ihn hier gedreht haben?

Andy Warchowski: Ja, unsere ganze Crew ist hier und wir können uns so bei allen bedanken. Wir sind sehr stolz auf sie.

Lana Wachowski: Berliner Fans haben eine Liebe zum Kino, die einzigartig ist. Hier mag man es, über Filme nachzudenken. Es gibt dieses tolle Zitat von Bertrand Russel, in dem er sagt „Die meisten Menschen würden lieber sterben als zu denken und genau das ist es, was die meisten Menschen tun“. Ich finde, dass das auf viele amerikanische Kinogänger und Kritiker zutrifft. Aber in Deutschland habe ich dieses Gefühl nicht.

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    Kino.de Redaktion