Dem polnischen Regisseur Roman Polanski verdanken die Cineasten unsterbliche Klassiker wie Tanz der Vampire, Rosemaries Baby, Chinatown oder Frantic. Seit dem Jahre 1978 liegt in den USA aber ein Haftbefehl gegen den weltberühmten Filmemacher vor; aufgrund eines Verfahrens, in dem sich Polanski des "außerehelichen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen" für schuldig bekannte. 2005 war der nationale Haftbefehl sogar in einen internationalen umgewandelt worden und Polanski wurde 2009, als er in die Schweiz einreiste, um beim "Zürich Film Festival" den Preis für sein Lebenswerk entgegenzunehmen, festgenommen; zu einer Inhaftierung kam es in der Folge nicht. Die Haft wurde durch einen elektronisch überwachten Hausarrest ersetzt. Zudem war Polanski gezwungen, seine Ausweispapiere abzugeben und eine Kaution in Höhe von 4,5 Millionen Schweizer Franken zu hinterlegen.

Im Jahr 2010 wiesen die Schweizer Behörden den Auslieferungsantrag der USA ab und hoben den Hausarrest auf. Polanski konnte in sein Heimatland zurückkehren. Anfang 2015 beantragten die Vereinigten Staaten jedoch seine Auslieferung aus Polen. Am 25. Februar 2015 fand daraufhin in Krakau unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine neunstündige Gerichtsverhandlung statt. Wie "Variety" nun berichtet, hatte ein Gericht das Auslieferungsgesuch der US-Behörden bereits Ende Oktober für unzulässig erklärt. Nun teilte die Staatsanwaltschaft mit, nicht mehr in Berufung gehen zu wollen. Für den inzwischen 82-jährigen Regisseur, der neben der polnischen auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, scheint dieser üble Fehltritt aus seiner Vergangenheit, der ihn seit nunmehr 37 Jahren immer wieder einholte, endlich ad acta gelegt werden zu können.

Der Fall Samantha Galiley

1977 wurde Polanski in Los Angeles wegen "Vergewaltigung unter Verwendung betäubender Mittel" der damals erst 13-jährigen Samantha Jane Gailey angeklagt. Dem Verfahren kam großes öffentliches Interesse zuteil. Um die Minderjährige zu schützen, schlug ihr Anwalt eine "Verständigung im Strafverfahren" vor. Der Staatsanwalt stimmte zu, Polanskis Verteidiger gleichfalls. Damit blieb dem Mädchen erspart, vor Gericht aussagen zu müssen. Und die Anklage wurde auf "außerehelichen Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen" reduziert. Polanski, der sich sich im Rahmen dieser Verständigung für schuldig befand, musste aber aufgrund des jugendlichen Alters des Opfers für eine gerichtspsychiatrische Beurteilung, die gesetzlich vorgeschrieben war, für 90 Tage ins Staatsgefängnis. Nach 42 Tagen erfolgte seine vorzeitige Entlassung mit der Empfehlung, ledglich eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Als sich daraufhin jedoch abzeichnete, dass der zuständige Richter nicht gewillt war, sich an die zuvor getroffene Absprache zu halten, floh Polanski zunächst nach London und hielt sich anschließend in Frankreich auf. Seither reiste er nicht mehr in die USA oder Länder, in denen ihm die Auslieferung drohte.

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Im Oktober 2010 äußerte sich das frühere Opfer (inzwischen Samantha Geimer) gegenüber dem Nachrichtensender CNN zu Polanskis Inhaftierung in der Schweiz. Sie zeigte sich erleichtert, dass er nicht ausgeliefert wurde, und gab an, dass er aus ihrer Sicht inzwischen ausreichend bestraft sei. Sie selbst fühlte sich durch den anhaltenden Medienrummel und der wiederholten Auseinandersetzung mit einem nach ihrer Auffassung korrupten Justizapparat mehr geschädigt als durch Polanskis Missbrauch vor 32 Jahren. Sie wünschte ausdrücklich, dass man die Klage gegen ihn fallen lassen würde. 2013 veröffentlichte Geimer ihre Sicht der Dinge in ihrer Autobiografie "The Girl: A Life in the Shadow of Roman Polanski" (deutscher Titel: "The Girl: Mein Leben im Schatten von Roman Polanski").

(Bild: Weltkino)

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