Fakten und Hintergründe zum Film "Che: Teil 1 - Revoluci?n"

Kino.de Redaktion |

Che - Revolucion Poster

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Statement des Regisseurs Steven Soderbergh

Das, was mich zu Che als Thema für einen Film (oder zwei) hinzog, war nicht nur, dass sich sein Leben wie eine Abenteuergeschichte liest. Sondern auch, weil ich fasziniert davon bin, welche or-ganisatorischen Herausforderungen damit einhergehen, jegliche politische Idee in einem großen Maßstab umzusetzen. Ich wollte die geistigen und physischen Herausforderungen detailliert betrachten, die die Grundlagen dieser beiden revolutionären Kampagnen waren. Ich wollte zeigen, wie ein Mann, der mit einem unbeirrbaren Willen geboren wurde, seine Fähigkeiten entdeckt, andere zu inspirieren und zu führen.

Historischer Hintergrund

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Im Jahre 1952 organisierte General Fulgencio Batista einen Staatsstreich in Kuba, übernahm die Kontrolle über die Präsidentschaft und schaffte freie Wahlen ab. Obwohl seine korrupte Diktatur von 40.000 Soldaten der Armee gestützt wurde, versuchte ein junger Anwalt namens Fidel Castro am 26. Juli 1953 mit einem Angriff auf die Moncada-Kaserne eine Volks-Rebellion in Gang zu setzen. Die Aktion schlug fehl und Castro verbrachte zwei Jahre im Gefängnis, bevor nach Mexiko ins Exil ging. Zur gleichen Zeit war ein junger argentinischer Idealist namens Ernesto Guevara in Guatemala politisch aktiv geworden.

Als die gewählte Regierung von Jacobo Árbenz 1954 durch einen von der CIA unterstützten Militärputsch gestürzt wurde, floh Guevara nach Mexiko. Auf Grund eines Kontaktes aus seiner Zeit in Guatemala schloss er sich einer Gruppe junger kubanischer Revolutionäre an, die sich hier im Exil befanden. Der 13. Juli 1955 markierte einen unauffälligen, aber folgenreichen Moment in der Geschichte der kubanischen Revolution: in einem bescheidenen Appartement in Mexiko City wurde Ernesto Guevara Fidel Castro von dessen jüngeren Bruder Raul Castro vorgestellt. Guevara verschrieb sich sofort der Mission, den kubanischen Diktator im Guerillakampf zu stürzen.

Die Kubaner gaben Ernesto den Spitznamen „Che“; eine populäre Form der Anrede in Argentinien. Am 26. November 1956 lief Fidel Castro an Bord der „Granma“ mit achtzig Rebellen nach Kuba aus, von denen nur zwölf überlebten. Einer davon war Che, der sich der Gruppe als Arzt angeschlossen hatte.

Schnell wurde aus ihm ein unverzichtbarer Kämpfer, der die Kunst des Guerillakrieges rasch erlernte. Sein bemerkenswerter Kampfeinsatz machte ihn populär bei seinen Kameraden und auch bei der kubanischen Bevölkerung. CHE - REVOLUCION zeigt Che während der kubanischen Revolution undfolgt seinem Aufstieg vom Arzt zum Kommandeur und schließlich zum Helden der Revolution.

Über die Produktion

„Es gibt viele Gründe, warum Che noch heute, vierzig Jahre nach seinem Tod, ein machtvolles Symbol ist“ sagt Produzentin Laura Bickford.

Die Produzentin erzählt weiter: “Er ist eindeutig ein Symbol der jugendlichen Rebellion und des Idealismus; und ich glaube, dass diese beiden Dinge ewig und zeitlos sind. Es geht uns nicht um die aktuelle kubanische Politik. Wir sind Filmemacher, die einen Film über eine ganz bestimmte historische Zeitspanne machen, gesehen aus Ches Blickwinkel. Wir haben mit allen Leuten auf allen Seiten gesprochen, und alle unsere Recherchen sind in das Drehbuch des Films eingeflossen. Wir können nicht jeden zufrieden stellen und es ist auch unmöglich, jedes Detail richtig wiederzugeben. Wir haben drei Jahre lang recherchiert allein für den zweiten Film.

Ursprünglich hatten wir die Idee, nur einen Teil von Ches Leben sehr detailliert zu beschreiben. Wir stellten aber fest, hätte man nur GUERRILLA gemacht, so wäre der Kontext verloren gegangen, in dem Che seine Entscheidung traf, überhaupt nach Bolivien zu gehen. Ein Film oder vielleicht auch zwei: vom Komprimieren der Historie Als wir uns entschieden, Kuba und New York hinzu zu nehmen, und begannen, die Struktur der Geschichte herauszuarbeiten, wurde das Unternehmen einfach immer größer und größer.

An diesem Punkt erkannten wir, dass wir zwei Filme machen mussten. Als Benicio und ich begannen, uns für diese Geschichte zu interessieren, nahmen wir Kontakt mit verschiedenen Drehbuchautoren auf. Man empfahl uns Peter Buchman, der Oliver Stones ALEXANDER geschrieben hatte. Peter verbrachte dann ein Jahr damit, sämtliche Bücher zum Thema zu lesen, um sich auf das Drehbuch vorzubereiten.

Als jedoch die Produktion von TRAFFIC realisiert werden konnte, wurden wir für ein paar Jahre von unserem Projekt abgelenkt. Als wir dahin zurückkehrten, hatte Steven Soderbergh zugestimmt, die Regie zu übernehmen. Es war seine Idee, Kuba und New York hinzuzufügen und Bolivien dadurch neu zu betrachten. Eine der größten Schwierigkeiten für Steven und Benicio in Bezug auf das Drehbuch war gerade die Tatsache, dass wir so viele Informationen gesammelt und so viele Menschen getroffen hatten, die uns ihre erstaunliche Geschichte erzählten. Das alles zu komprimieren und gleichzeitig eine mitreißende, realistische Story zu erzählen, war eine sehr große Herausforderung. Jeder Drehbuchautor in Hollywood war bereit, Steven beim Schreiben seiner Version der Story zu helfen; aber es hätte jeden mindestens ein Jahr gekostet, um allein beim Material auf dem gleichen Stand zu sein. Da rief Peter an und erinnerte mich daran, dass er die Recherchen ja bereits hinter sich hatte. Ich war sehr dankbar dafür; und seine Hilfe bei der Strukturierung der Story war absolut brillant.“

Autor Peter Buchman erinnert sich: „Als ich Laura fünf Jahre nach der ursprünglichen Recherche anrief, bot ich ihr an, zur Verfügung zu stehen, falls sie einfach nur einen Autor bräuchten, der mit Steven in einem Zimmer säße, um ihm beim ‚brainstorming‟ zu helfen. Das ist nun zweieinhalb Jahre her. Ich flog nach New York und traf ihn und Benicio. Mein größtes Problem damit, ausschließlich den bolivianischen Teil zu erzählen, bestand darin, dass es das tragische Ende einer Story präsentieren würde, über die ich mehr hätte wissen wollen. Ich war der Auffassung, dass dadurch das Gefühl des Verlustes nicht deutlich genug wäre, da man nicht wusste, was zuvor alles geschehen war.

Ich zog mich also zurück und schrieb ein einzelnes Drehbuch mit drei Storylines darin: Ches Leben und die kubanische Revolution in einer davon, sein tragisches Ende in einer anderen und dazwischen seine Reise nach New York, um eine Ansprache vor den Vereinten Nationen zu halten. Der große Nachteil bei einem einzigen Film mit so viel Inhalt ist: jedes Mal, wenn man die Handlungszeit komprimieren muss, werden dabei die historischen Ereignisse verzerrt. Wir wussten alle, dass bei diesem Material viel auf dem Spiel stand. Ich versuche stets, dem Geist der Historie treu zu bleiben. In diesen Fall aber gibt es sehr viele Menschen auf beiden politischen Seiten, für die die historischen Ereignisse immer noch mit großen Emotionen besetzt sind. Steven glaubte, wir würden den beiden Hauptgeschichten in nur einem einzigen Drehbuch nicht gerecht werden. So kam er auf die Idee, zwei Filme daraus zu machen.

Da das Gebäude der Vereinten Nationen gerade grundlegend renoviert werden sollte, begannen wir die Dreharbeiten mit jenen Szenen, in denen Che 1964 vor dem Generalversammlung spricht. Laura wandte sich zu mir und sagte ‚Ist das nicht ein Moment zum Feiern?„ und ich erwiderte, dass ich das auch so empfinden würde - wenn da nicht noch die Aufgabe vor mir läge, wieder zwei neue Drehbücher schreiben zu müssen! Ich musste die gesamte Struktur der kubanischen Story neu überdenken, denn ursprünglich hatte ich nur eine sehr geraffte Version davon geschrieben. So musste ich erneut in die Historie eintauchen - an diesem Prozess waren auch Steven, Benicio und Laura sehr intensiv beteiligt.“

Produktion: 7 Jahre Recherchen

„Der Prozess, Che zu spielen, war für mich sehr anders als bei anderen Filmen, die ich gemacht habe”, äußert Benicio Del Toro, Hauptdarsteller und Produzent des Films. „In solch einem Fall, bei einer realen Person, beginnt man mit dem Menschen selbst und mit dem, was er geschrieben hat. Das führte uns dann zu insgesamt sieben Jahren Recherche darüber, was andere Leute über ihn geschrieben haben. Dennoch bin ich immer zu dem zurückgekehrt, was er selber geäußert hat.“

„Während der letzten sieben Jahre”, sagt Bickford, „waren wir in Kuba und Bolivien, in Paris und Miami – so ziemlich überall gab es irgendjemanden auf einer der beiden Seiten der Geschichte, der uns etwas zu berichten hatte. Eines der erstaunlichen Dinge bei einer Story über die Kubanische Revolution ist, dass so viele, die als Kämpfer daran beteiligt waren, noch immer am Leben sind. Würde man eine Story über die Amerikanische, die Französische oder die Mexikanische Revolution machen, wäre niemand mehr da, mit dem man darüber sprechen könnte. Es gibt eine Unmenge an historischen Dokumenten und Fotos. Die Rebellen waren recht gut darin, ihre Erfahrungen fest zu halten.“

Produktion: Ches Kampfgefährten am Set

Die Dreharbeiten beschreibt Bickford weiter: „Es gibt drei Männer, die Che während der kubanischen Revolution kennen gelernt hatten, ihm nach Bolivien gefolgt waren und überlebten: Pombo, Urbano und Benigno. Alle drei sind sowohl in CHE - REVOLUCION als auch in CHE - GUERRILLA. Wir haben sie einzelnen interviewt – zum Teil auch Pombo und Urbano gemeinsam – um zu erfahren, was ihnen in Kuba und Bolivien widerfahren war. Urbano war außerdem unser Berater in Spanien. Das gab uns und auch den Schauspielern ein Gefühl für die Realität der Ereignisse, wie man sie nur von jemandem bekommen kann, der dabei gewesen ist. Eigentlich könnte man einen ganzen Film über jeden der drei machen, denn jeder hat seine eigene Geschichte. Die Informationen, die die Schauspieler von ihnen brauchten, waren sehr gezielt. Zum Beispiel: Wie würde man eine Waffe in einer bestimmten Situation halten? Wie wüsste man, wie man von hier nach da kommt? Würde man eher nacheinander einzeln vorstoßen, oder eher gemeinsam durch die Büsche kriechen? Das waren sehr spezielle, taktische Informationen, die den Schauspielerndeutlich mehr Energie für ihre Darstellung gaben.

Innerhalb der Schauspieler, die diesen Teil der kubanischen Revolution und von Ches Leben porträtieren, decken wir dabei das gesamte politische Spektrum ab. Jede einzelne politische Haltung zur Kubafrage ist durch jemanden in diesem Film repräsentiert. Ich glaube nicht, dass wir für die beiden Filme dieses Budget zur Verfügung gehabt hätten, wenn nicht Steven Soderbergh Regie geführt hätte. Auch die Geschwindigkeit, mit der wir vorankommen mussten, war jeden Tag eine große Herausforderung, sowohl für die Schauspieler als auch für die Crew.“

Produktion: Arbeit mit einer Kamera neuen Typs

Es war stets Soderberghs Ziel, so viel wie möglich ausschließlich mit natürlichem Licht zu filmen. Der größte Teil der Handlung in beiden Filmen findet draußen statt. Während der gesamten Dreharbeiten wurde nur sehr selten Kunstlicht benutzt. Einer der Wege zur Verkürzung der Produktionszeit bestand darin, dass Soderbergh eine innovative neue Kamera, die RED, nutzte.

„Die ursprüngliche Hoffnung, sie verwenden zu können, hatte sich zunächst zerschlagen, da sie nicht rechtzeitig verfügbar war“, erinnert sich Bickford. „Wir hatten dann aber Glück im Unglück, weil unsere spanischen Arbeitspapiere und Visa nicht pünktlich ausgestellt wurden. Steve, Benicio und ich steckten eine Woche lang in Los Angeles fest, und genau in dieser Zeit kam der Anruf, dass der Prototyp doch noch fertig geworden war.“

Die RED-Kamera ist eine hervorragende digitale Kinokamera mit der Qualität von 35mm-Film, aber der Bequemlichkeit digitaler Technik. Ihr Gehäuse wurde für Flexibilität und Funktionalität entworfen. Sie ist ein Arbeitsgerät wie aus einem Guss und wiegt weniger als 5 Kilo. „Mit der RED zu drehen ist wie die Beatles zum allerersten Mal zu hören”, sagt Soderbergh. „Die RED sieht so, wie ich selber sehe. Ich hoffe, irgendwann einmal genau herauszufinden, wie man etwas technologisch derart Fortgeschrittenes so organisch machen konnte und so wunderschön an das natürlichste aller Phänomene – das Licht – anpassen konnte. Aber im Moment bin ich einfach nur froh, dass ich sie zur Hand hatte, weil sie die Filme wirklich besser gemacht hat.“

Produktion: Actionfilm und Thriller

Produzentin Laura Bickford sieht CHE - GUERRILLA mehr als einen Thriller, und CHE - REVOLUCION eher als einen Actionfilm mit großen Kampfszenen. „Dies ist ein Projekt, an dem Benicio, Laura und Steven insgesamt 10 Jahre gearbeitet haben”, berichtet Drehbuchautor Peter Buchman. „Benicio war von Anfang an intensiv an der Entwicklung des Drehbuches beteiligt; und da sein Fokus ursprünglich beim bolivianischen Teil der Story lag, war er eine unschätzbare Quelle für mich.“

„Ich war nie selbst in Bolivien”, fährt Buchman fort, „und so musste ich so viele Hintergrundinformationen wie möglich aus Ches Tagebüchern entnehmen. Zum anderen halfen mir auch Benicio und Laura. Denn sie waren dort gewesen und hatten Interviews geführt, bevor ich in das Projekt involviert wurde. Ich las Quellen von jeder möglichen Seite des Konflikts, einschließlich einiger früher als geheim eingestufter Dokumente des US-Außenministeriums über Ches Reise nach New York, sowie Memos aus der Zeit, als er in Bolivien war. Wir mussten herausfinden, was die Vereinigten Staaten über Ches Aktivitäten in Bolivien wussten – und wann sie es wussten. „Wir sprachen mit jedem, auf jeder Seite des politischen Spektrums“, sagt Bickford. „Wir trafen den bolivianischen Hauptmann, der Che gefangen nahm, ebenso wie die drei Kubaner (Urbano, Benigno und Pombo), die mit ihm nach Bolivien gegangen waren und nach seiner Hinrichtung zurück nach Hause entkommen konnten. Urbano, der in Kuba lebt, kam auch als Berater mit nach Spanien.“ Buchmann ergänzt: „Es gab seinerzeit bereits verschiedene Rebellengruppen, die in einigen lateinamerikanischen Ländern operierten. Ches Idee war es, nach Bolivien, in die Mitte des Kontinents, zu gehen, um eine Art Dachorganisation und ein Trainingsgelände für diese Gruppen zu schaffen. Ches Gruppe wollte sechs bis zwölf Monate in Bolivien trainieren und dann entscheiden, wann sie ihre Angriffe starten würden. Sie hatten nicht erwartet, so schnell entdeckt zu werden, wie es dann geschah.“

„Che hat Bolivien nicht ausgesucht, das hat Fidel getan“, erklärt Jon Lee Anderson, Autor der StandardBiografie über Che und derjenige, der Ches Überreste in Bolivien aufspürte und sie nach Kuba zurückbrachte. „Es schien möglich, dass die ‚Foco„-Theorie – eine kleine Gruppe beginnt eine Guerillafront, sichert ein befreites Gebiet und bildet dort Freiheitskämpfer der umliegenden Länder aus – dort funktionieren könnte. Die Front sollte dann nach Peru, Argentinien, Chile, Brasilien und so weiter ausströmen. Die peruanische Guerillagruppe, die von den Kubanern unterstützt wurde, hatte gerade versagt. Die argentinische ‚Foco„, geführt von John Masetti, war anderthalb Jahre vorher gescheitert und ihre Mitglieder waren aufgespürt worden, und die Venezolaner wollten schließlich nicht, dass Che zu ihnen kam. Fidel ließ Che mitteilen, dass er mit Mario Monje, dem Kopf der kommunistischen Partei Boliviens, gesprochen habe, und dass dieser zugestimmt hätte, dass Che dorthin kommen solle. Auf der Grundlage dieser Übereinkunft kehrte Che heimlich nach Kuba zurück, um Männer zu suchen und zu organisieren, die er dann nach Bolivien mitnehmen würde“, so Anderson. „Che reiste als uruguayischer Geschäftsmann nach Bolivien ein, mit einem gefälschten Pass und einer komplett veränderten Frisur. Aber seine verdeckte Ankunft stellte sich als nicht ganz so geheim heraus“, fährt der Biograf fort. „Es wurde langsam zu einem offenen Geheimnis, dass er in Bolivien war. Als Regis Debray, ein bekannter international agierender Linker aus dem Kreis um Fidel Castro, in Bolivien verhaftet wurde, wurde klar, dass er mit Che zusammen gewesen war.“

Eines der ersten Probleme, mit dem Che in Bolivien konfrontiert wurde, war, dass Mario Monje die versprochene Unterstützung der Kommunistischen Partei Boliviens zurückzog. Laut Anderson war Monje „auf Moskauer Linie und in Opposition zu dem, was er als radikale, möglicherweise pro-chinesische Splittergruppen ansah, denen Kuba Vorschub leistete, um eine Revolution in sein Land zu tragen. Bei ihrem Treffen brach er mit Che und verlangte, dass die Bolivianer, die bei ihm waren, die Partei verlassen sollten. Historisch gesehen ist es die große Schande der bolivianischen kommunistischen Partei, dass sie Ches Trupp nicht mit ihrem städtischen Netzwerk unterstützten, das groß und landesweit ausgedehnt war. So standen Che und seine Gruppe plötzlich allein da. Ohne wirkliche Vorwarnung waren sie gezwungen, viel früher als geplant zu kämpfen; dazu noch ohne die Unterstützung der Bolivianer, von denen sie angenommen hatten, dass sie zu ihnen stoßen würden. Sie hatten das städtische Netzwerk verloren, das sie nach Bedarf mit Verpflegung und Rekruten hätte versorgen sollen. Ihre Probleme wurden noch dadurch verschärft, dass sie in einem Gebiet waren, dass weitaus härter und isolierter war, als sie es erwartet hatten. Im Sommer war es furchtbar heiß und im Winter grässlich kalt und nass.“ „Ich bin selbst dort gewesen: dieses feindselige Gelände besteht aus großen abschüssigen Ausblicken mit baumlosen Bereichen, auf denen man Menschen meilenweit sehen kann“, fährt Anderson fort. „Es ist sehr schwierig, sich dort zu verstecken. Die wenigen Einwohner hatten kaum ein politisches Bewusstsein. Die politischeren Leute waren die Bergarbeiter, die jedoch in einem anderen Teil des Landes lebten.“

„Es war auch nicht gerade hilfreich”, ergänzt Buchman, „dass Präsident Barrientos – als er herausfand, dass Ches Armee zum großen Teil aus Kubanern bestand – sie als eine ‚Invasion kubanischer Kommunisten‟ bezeichnete und als einen Teil der internationalen kommunistischen Bewegung. Das verängstigte die lokalen Einwohner, auf deren Unterstützung sie gezählt hatten. Die Menschen flohen aus ihren Dörfern; und Ches Männer rannten von einem Hinterhalt in den nächsten, verraten durch die Bewohner vor Ort.“

„Sie waren gezwungen zu fliehen, bevor ihr Training beendet war, und bevor sie eine Chance hatten, ein Unterstützernetzwerk aufzubauen“, berichtet Anderson. „Außerdem hatte Che schweres Asthma, das durch das Guerillaleben wesentlich stärker wurde. Manchmal war er sehr schwach und musste getragen werden. Sein Körper war verschlissen und am Ende völlig ausgezehrt. Nachdem ihre Nachhut ausgelöscht worden war, war der Gruppe nur noch eine Kolonne übrig geblieben. Es war nun ihre einzige Option, Verbindung zu den Bergarbeitern in den Anden herzustellen und aus Bolivien heraus zu kommen. Ihre Leben hingen nur noch an einem sehr dünnen Faden. Als sie in La Higuera und der Yuro-Schlucht ankamen, waren sie demoralisiert. Sie hatten Tag für Tag und Woche für Woche mit angesehen, wie ihre engen Freunde und Genossen vor ihren Augen getötet wurden. Es war nur Ches unglaubliche Willenskraft, die sie noch die meiste Zeit hatte durchhalten lassen“, so der Che-Biograf.

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