Chaos-Queens: Lügen, die von Herzen kommen

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   2018
Chaos-Queens: Lügen, die von Herzen kommen Poster

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Das „Herzkino“ im ZDF ist der letzte öffentlich-rechtliche Fernsehfilmsendeplatz, der sich hartnäckig allen Verjüngungstendenzen widersetzt. Selbst wenn sich die „Pilcher“- und „Lindström“-Geschichten um vergleichsweise jugendliche Hauptfiguren drehen, sind die Umsetzungen viel zu oft verstaubt und betulich. In letzter Zeit gibt es allerdings immer öfter positive Ausreißer, die zumindest hoffen lassen. „Lügen, die von Herzen kommen“ aus der losen Reihe „Chaos-Queens“ ist ein gutes Beispiel für diesen neuen Ansatz, im Guten wie im Schlechten. Die Handlung basiert auf Motiven des gleichnamigen Romans von Kerstin Gier (Adaption: Stefan Kuhlmann) und erzählt von Hanna Rübenstrunk (Anna König), einer Journalistin um die dreißig, die der Fels in der Brandung ihrer chaotischen Familie ist. Eines Tages bekommt ihre Zeitschrift, ein Trendmagazin für Frauen, einen neuen Chef, Adam Birnbaum (Tim Bergmann), der Hanna mit der Titelstory für die nächste Ausgabe beauftragt: Sie soll einen Erfahrungsbericht über Beziehungsanbahnungen im Internetzeitalter schreiben, Motto „Liebe auf den ersten Klick“. Die nicht gerade schlanke Journalistin – im Roman ist von einer „klassischen Eieruhrfigur“ die Rede – meldet sich bei einem Laufportal an und trifft alsbald auf eine verwandte Seele; im Unterschied zu Hanna ahnt die erfahrene „Herzkino“-Zuschauerin alsbald, dass sich hinter dem Namen „Boris78“ niemand anders als ihr Chefredakteur verbirgt.

    Regisseurin Imogen Kimmel hat die Geschichte kurzweilig und unterhaltsam umgesetzt, aber ihr Film leidet unter dem gleichen Manko wie der erste „Chaos-Queens“-Beitrag („Für jede Lösung ein Problem“, 2017): Hauptdarstellerin Anna König muss nicht nur praktisch jede Szene aus dem Off kommentieren, sie und Bergmann teilen ihre Chat-Nachrichten auch unentwegt laut mit. Da sich Hanna und Adam recht oft schreiben, wollte das ZDF seinem Publikum offenbar nicht zumuten, so viel Text zu lesen. Das ist einerseits verständlich, aber andererseits klingt es immer etwas beschränkt, wenn erwachsene Filmfiguren wie Grundschüler Wort für Wort deklamieren, was sie gerade schreiben. Davon abgesehen ist „Lügen, die von Herzen kommen“ dank vieler origineller Drehbuchdetails recht vergnüglich, selbst wenn sich die Gespräche von Hanna und ihren beiden Freundinnen (Katharina Schlothauer, Leonie Rainer) mitunter allzu sehr an „Sex and the City“ orientieren und die Nebenfiguren reichlich klischeehaft ausfallen. Hannas Mutter (Katharina Schubert) zum Beispiel ist eine jener typischen esoterischen Filmfrauen aus der Generation 50plus, die in wallenden Gewändern durch den Garten schweben und Probleme wahlweise mit positiven Schwingungen oder einem Joint lösen wollen.

    Mehr noch als der Roman orientiert sich Stefan Kuhlmanns Drehbuch also an bewährten Erzählmustern wie „Familie und andere Katastrophen“ oder „Lügen und andere Wahrheiten„. Dass der Film trotzdem nicht ärgerlich ist, hat er vor allem den Darstellern zu verdanken. Gerade Anna König („Die Hannas“) ist mit ihrer Natürlichkeit nicht nur figürlich ein sympathischer Gegenentwurf zu den üblichen „Herzkino“-Heldinnen. Abgesehen von Tim Bergmann sind die anderen Rollen ebenfalls mit wenig bekannten Gesichtern, aber ausnahmslos gut besetzt. Das gilt auch für die zweite Hauptdarstellerin: Kameramann Markus Hausen hat dafür gesorgt, dass sich Frankfurt von seinen besten Seiten darf. tpg.

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