Carola Stern - Doppelleben

  

Filmhandlung und Hintergrund

Verfilmung von Carola Sterns Autobiographie, in der sich nach ihren eigenen Worten "neun Leben" widerspiegeln.

Jungmädel bei den Nazis, SED-Eliteschülerin, US-Spionin, Mitbegründerin von Amnesty International Deutschland, erste Frau im „Internationalen Frühschoppen“. Das außergewöhnliche Leben von Carola Stern, geborene Erika Assmus, spiegelt viele Facetten der jüngeren deutschen Geschichte wider. Regisseur Thomas Schadt lässt die heute 79-jährige Stern selbst erzählen, wichtige Stationen werden in Spielszenen nachgestellt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Carola Stern - Doppelleben: Verfilmung von Carola Sterns Autobiographie, in der sich nach ihren eigenen Worten "neun Leben" widerspiegeln.

    Rund 60 bewegte Lebensjahre in einem 90-minütigen Film unterzubringen, ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Thomas Schadt („Berlin - Sinfonie einer Großstadt“, „Der Kandidat“) stellt sich der Aufgabe und wählt für seine Regiearbeit „Carola Stern - Doppelleben“ die populäre Form des Dokudramas. Der nicht-fiktionale Teil des Films (produziert von Teamworx) konzentriert sich dabei ausschließlich auf die Protagonistin Stern selbst, die Schadt aber nicht glorifiziert. Die Wandlung von der jungen, glühenden Nazi-Verehrerin hin zur streitbaren Verfechterin einer liberaleren Gesellschaft und Menschenrechts-Aktivistin wird mit all ihren Widersprüchlichkeiten dargestellt. Auch die Probleme im privaten Bereich, die sich aus Sterns Engagement im Beruf ergeben, spart der Film nicht aus. Eher im Gegenteil: In der Darstellung der Entwicklungen der 60er und 70er Jahre läuft Schadt Gefahr ein Zerrbild seiner Protagonistin zu vermitteln. Jeden dargestellten beruflichen Erfolg Sterns, wie etwa die erste Teilnahme einer Frau an Werner Höfers „Internationalem Frühschoppen“, konterkariert der Regisseur mit einer Spielszene, in der ein Streit mit Ehemann Heinz Zöger geschildert wird. Überhaupt kommt diese doch politisch äußerst bewegte Epoche im Film etwas arg kurz, beschränkt sich fast ausschließlich auf besagten Ausschnitt aus Höfers Journalistenrunde und einen Zwischentitel, der von Sterns Unterstützung der Brandtschen Ostpolitik berichtet. Etwas mehr dokumentarisches Archivmaterial wäre an dieser Stelle wünschenswert gewesen. Seine Stärken hat der Film eindeutig in der Darstellung der jungen Erika Assmus, die sich in den 50er Jahren das Pseudonym Carlo Stern wählt. Die Kindheit und Jugend während der Nazizeit und vor allem das gefährliche Doppelleben als SED-Dozentin und US-Spionin nehmen breiten Raum in Schadts Dokudrama ein. Das Zusammenspiel zwischen authentisch wirkenden Spielszenen und Carola Sterns ehrlichen, bisweilen selbstkritischen Nachbetrachtungen gelingt hier in vollem Maße. Erst mit dem Übergang in die 60er Jahre lässt die Stringenz des Erzählens nach, die zeitlichen Sprünge werden größer und sind für den Zuschauer nicht immer ganz nachvollziehbar. In der optischen Darstellung etwa ist zwischen den Spielszenen aus den 60er und 70er Jahren kaum ein Unterschied erkennbar. Das Ende des Films mit dem Tag der Mauereröffnung kommt ein wenig abrupt. Insgesamt ist Schadt allerdings ein kurzweiliger, thematisch packender 90-Minüter gelungen. Der Regisseur, der gemeinsam mit Gabriela Sperl das Drehbuch schrieb, profitiert auch vom überzeugenden Spiel der Erika/Carola-Darstellerinnen Amelie Litwin, Samira Bedewitz, Maria Simon und Renate Krößner. Hinzu kommt die Bereitschaft der Protagonistin selbst, umfassend über ihr Leben Auskunft zu geben. So eröffnet sich dem Zuschauer die seltene Gelegenheit, die jüngere deutsche Geschichte aus der Sicht einer Zeitzeugin zu erleben, die die Entwicklung der Gesellschaft intensiv verfolgt und mitgeprägt hat.

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