1. Kino.de
  2. Filme
  3. Cairo Time
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Cairo Time"

Fakten und Hintergründe zum Film "Cairo Time"

Kino.de Redaktion |

Cairo Time Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Ruba Nadda

Wie sind Sie auf die Idee zu CAIRO TIME gekommen?

Ruba Nadda: Ich wollte einen Film drehen, der sehr romantisch ist. Ich finde, dass westliche Filme oft nur noch einen kurzen erfüllenden Moment haben. Mit CAIRO TIME wollte ich hingegen an die Geschichten von Jane Austen anknüpfen. Kairo selbst ist für mich wie eine Reise in diese Zeit, es ist eine sehr romantische Stadt. Außerdem finde ich, dass die Zurückhaltung und Beherrschung im Film ein sehr guter Gegenpol zu diesen modernen Zeiten ist, wo jeder Wunsch unmittelbar erfüllt wird.

Bilderstrecke starten(9 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Cairo Time

CAIRO TIME beschreibt eine recht ungewöhnliche Liebesgeschichte, was das Alter der Protagonisten und ebenso was den Ausgang ihrer Liebesgeschichte betrifft. Können Sie uns mehr darüber erzählen was Ihre Motivation war, eben diese Geschichte zu schreiben?

RN: In erster Linie wollte ich eine Liebesgeschichte erzählen, die bedeutend ist. Ich wusste, dass das nicht funktionieren würde, wenn ich die Protagonistin jünger gemacht hätte, also um die zwanzig oder dreißig, was meinem eigenen Alter entspricht. Ich wollte Juliette, meiner Hauptfigur, ein gewisses Gewicht verleihen. Die Geschichte sollte vergänglich sein und von Verlust handeln, denn sie bleibt unerwidert. Ich wollte eine Stimmung für die Zuschauer erschaffen, damit sie am Ende des Films wirklich etwas fühlen. Daher musste Juliette um die fünfzig sein. Sie musste eine Vergangenheit und Kinder haben und seit über zwanzig Jahren verheiratet sein – denn das bedeutet, dass es für sie viel zu verlieren gibt.

Wie lief das Casting des Films ab? Hatten Sie bereits einige bestimmte Schauspieler im Kopf, als Sie die Charaktere entwickelt haben?

RN: Da diese Geschichte sehr subtil ist und das Ende ergreifend sein musste, brauchte ich einen Schauspiel-Star und Patricia Clarkson ist für mich immer mehr als nur eine Schauspielerin gewesen. Ich brauchte jemanden brillantes. Es ist schwierig männliche, arabische Schauspieler um die vierzig zu finden, daher hatte ich den wunderbaren Alexander Siddig die ganze Zeit schon ins Auge gefasst. Ich habe die Rolle speziell für ihn geschrieben, wie ich es auch für meinen nächsten Film getan habe. Ich wollte Alexander Siddig und Patricia Clarkson unbedingt und ich konnte mein Glück kaum glauben, als beide zusagten.

Erzählen Sie uns mehr über die Rolle des Tareq.

RN: Mein Vater ist ein traditioneller, arabischer Mann. Ich habe Tareq angewiesen, eine solche altmodische Art zu verkörpern, wie sie für einen arabischen Mann über vierzig im Nahen Osten üblich ist. Tareq ist ein Gentleman, er ist altmodisch, er glaubt an Fügung und Schicksal und verliebt sich in Juliette, eine Frau von der er nie gedacht hätte, dass er sich in sie verlieben könnte. Tareq umgibt etwas, dass sehr an die altarabische Welt erinnert, etwas dass man in der westlichen Welt nicht findet.

Kairo ist ein sehr ungewöhnlicher und exotischer Ort. Wie war es, dort zu drehen?

RN: In Kairo zu drehen war absolut verrückt. Ich kann nicht glauben, dass wir es geschafft haben. Das einzige, was uns gerettet hat, waren die Menschen. Die Bewohner waren unglaublich freundlich. Zum Glück spreche ich fließend arabisch, sodass ich mich gut verständigen konnte. Doch in Kairo gibt es keine Regeln, wir hatten über unsere Drehorte nie die volle Kontrolle. Es gab jemanden von der Zensurbehörde, der jeden unserer Schritte überwacht hat und unser Filmmaterial gegenzeichnen musste, bevor es verschickt werden konnte. Das schlimmste war, dass wir im Juni und Juli gedreht haben, den heißesten Monaten des Jahres: unsere Kameralinse ist fast geschmolzen, als wir in der Weißen Wüste gedreht haben. Und in der Nacht macht niemand die Scheinwerfer an seinem Wagen an, alle fahren im dunkenl, da sie finden, es sei respektlos, die Leute mit ihren Scheinwerfern zu blenden. Auch wenn CAIRO TIME wie ein gemäßigter und ruhiger Film aussieht, alles jenseits des Kamerabildes sah wie in einem Actionfilm aus.

Was für eine Rolle spielt Kairo in dem Film?

RN: Kairo ist eine solch chaotische Stadt, dass man gezwungen wird, seine westlichen Verhaltensweisen über Bord zu werfen. Denn nichts funktioniert, das Telefon funktioniert nicht, der Strom fällt häufig aus und das Internet geht auch nicht immer. Daher ist man dazu angehalten einen Gang runter zu schalten, eine Tasse Tee zu trinken und das Leben zu genießen.

Die politische Situation in Kairo hat sich von Grund auf geändert seitdem Sie CAIRO TIME gedreht haben. Haben Sie dort Freunde? Wie schätzen Sie die Situation vor Ort ein?

RN: Ich war etwas erschüttert über das, was passiert ist, aber ich habe Kontakt zu meinen guten Freunden dort und meiner Crew und allen geht es gut. Ich ahnte schon, als wir drehten, dass sich ein Wandel anbahnte. In letzter Zeit hatte ich bereits das Gefühl, dass die Jugend im mittleren Osten Genug hat. Sie wollten die Unterdrückung und die Ungerechtigkeit hinter sich lassen und eine Wende bewirken. Es ist schließlich so, dass in Kairo 50 Prozent der Population unter 25 sind und sie sind sehr gebildet. Fast jeder hat dort zwei Abschlüsse, aber ohne die richtigen Kontakte bekommt man dort keinen Job. Die Gesellschaft und der Staat sind sehr korrupt. Die Armut in Kairo ist schlimm, aber es müsste gar keine geben. Ägypten könnte ein reiches Land sein, gäbe es nicht diese schlimme Korruption.

Über den Film

„CAIRO TIME ist eine wunderbare Liebesgeschichte und zwar eine, die sehr un-westlich ist. Denn der Westen, das bedeutet für mich Erwirtschaften, Gewinne, fällige Deadlines und eilen, eilen, eilen. Unsere Protagonistin Juliette kommt auch aus dieser Welt und wird plötzlich dazu angehalten, einen Gang runter zu schalten und die ‚Cairo Time‘ anzunehmen“, so Ruba Nadda. Es ist eine Geschichte, in der der Westen auf den Osten trifft und zwar in Form einer unerwarteten und verwehrten Liebe zwischen einem arabischen Mann und einer nordamerikanischen Frau. In dieser Art von versagter, ja im Grunde verbotener Liebe, erinnert der Film an die romantischen Klassiker der Filmgeschichte oder auch an die keusche Zurückhaltung und die emotionale Spannung in den Filmen von Jane Austen. Einen ersten großen Bewunderer für ihr Drehbuch zu CAIRO TIME fand die Autorin und Regisseurin Ruba Nadda in ihrem Regiekollegen Atom Egoyan, der so begeistert von dem Drehbuch war, dass er es des Produzenten von Killer Films in New York präsentierte. Die Produzenten Christine Vachon und Charles Pugliese waren sogleich überzeugt von dem Potential des Drehbuchs: „CAIRO TIME ist einfach ein wunderschönes Drama, das eine Liebesgeschichte von einem Standpunkt aus erzählt, den man so noch nicht kennt“ so Vachon und Pugliese fügt hinzu: „Die Eleganz und die Klarheit ihres Scripts und wie Nadda es schafft, so emotional zu werden, ohne dabei ins Melodramatische abzuschweifen, hat mich einfach umgehauen.“

Produzent Daniel Iron beschreibt den Film als: „eine behutsame Liebesgeschichte über eine Frau, an einem wichtigen Punkt in ihrem Leben. Was sie erlebt, ist für sie eine kleine, private Offenbarung und es gibt manche Dinge, die mit ihr passieren, die niemand je erfahren wird. Auch wenn sie ihr Leben nach außen hin kaum zu verändern scheint – tobt in ihr ein Sturm, für sie hat sich nach der Begegnung etwas fundamental geändert. Sie findet in Ägypten ihren inneren Frieden, den sie vielleicht schon immer hatte, doch als arbeitende Mutter von zwei Kindern und einem Ehemann, der viel in der Welt unterwegs ist, hatte sie nicht immer die Möglichkeit, sich so zu zeigen, wie sie ist. Es ist eine Liebesgeschichte, die sich stark unterscheidet von einer ‚mein Mann und ich haben Probleme, daher suche ich mir einen Liebhaber‘-Geschichte.“

Für die Rolle der Juliette hatten die Produzenten gleich Patricia Clarkson ins Auge gefasst. Daher war die Freude groß, dass auch Clarkson Feuer und Flamme für das Projekt war: „Das Drehbuch ist großartig geschrieben, mit einer Einfachheit und Intaktheit, die für mich als Schauspielerin sehr verführerisch sind, denn vieles was beim Schauspiel passiert, passiert gerade dann, wenn nicht viel passiert. „Ich liebe den Charakter der Juliette“ erklärt Ruba Nadda „Sie ist so ruhig und in ihr ruht eine Traurigkeit, gleich unter der Oberfläche, die daher rührt, dass sie ihr Leben zumeist allein verbracht hat. Sie war ihrem Mann immer eine große Stütze, denn Marks Job hat oft Priorität gehabt.“ Und auch Patricia Clarkson ist von dem Charakter der Juliette begeistert: „Juliette ist die Frau, die ich immer sein wollte: sie ist eine elegante, eloquente und ausgeglichene Frau. Es ist nicht nur so, dass es eine der raren Hauptrollen ist, es ist eine Rolle, die unglaublich anspruchsvoll, unglaublich kompliziert, sinnlich, romantisch und intelligent ist. Sie ist eine freundliche und angenehme Person, die nie zynisch wird. Ohne gequält zu wirken, ist sie aber dennoch eine sehr komplizierte Figur. Sie ist jemand mit sehr viel Anmut.“

Patricia Clarksons einnehmendes Spiel wird von dem charismatischen Alexander Siddig perfekt ergänzt. Von ihrem Zusammenspiel war auch Regisseurin Ruba Nadda sogleich schwer begeistert: „Alexander Siddig und Patricia Clarkson sind zusammen einfach überwältigend. Man spürt richtig das Knistern, merkt, dass hier die Chemie stimmt.“

CAIRO TIME ist ein Liebesbrief an die sagenhafte Stadt Kairo, eingebettet in die Geschichte einer romantischen, unverhofften Begegnung von zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Als die syrisch-kanadische Autorin und Regisseurin Ruba Nadda vor vielen Jahren zum ersten Mal Kairo besuchte, war sie von der Schönheit und Lebhaftigkeit der Stadt ebenso begeistert wie von der Schönheit der Menschen, die hier leben. „Ich erinnerte mich vor allem an die Vitalität dieser Stadt. Sie ist so staubig und strotzt förmlich vor Historie. Sie erzählt unglaublich viel über die Geschichte der gesamten Menschheit. Ich musste diese Szenerie einfach einfangen und auf die große Leinwand bringen.“ Denn eine Reise durch Kairo ist wahrhaftig eine Reise durch die Zeit.

„Es gibt einfach so viel in und um Kairo, das einen starken Symbolcharakter hat. Neben dem Nil und den Pyramiden gibt es zahlreiche Schauplätze, die so nur wenige kennen: die Märkte, die Gärten und so viele exotische und realistische Orte. Wir haben durchweg versucht, die Stadt nicht aus der Perspektive eines Fremden zu filmen, sondern vielmehr durch die Augen von jemandem, der sich allmählich dem Rhythmus dieser vibrierenden, lebhaften und verrückten Stadt anpasst“ so der Produzent Daniel Iron. „Ich mag die Tatsache, dass in Ruba Naddas Filmen die Beziehungen zwischen Ost und West in so einer natürlichen Weise spielen. Als ich das Drehbuch zu CAIRO TIME las, hat es mich stark an das Szenario aus LOST IN TRANSLATION erinnert, mit dieser interkulturellen und letztendlich platonischen Liebesgeschichte.“

Doch das heutige Kairo ist einer der dicht besiedelsten Orte der Erde und die größte Stadt der arabischen Welt. Mit seinen geschätzt über 17 Millionen Einwohnern ist die Metropole keine beschauliche und vornehme Stadt. Das trockene Wüstenklima, zusammen mit der staubigen Atmosphäre, ist drückend und der Verkehr hält sich kaum an die Spuren oder an die üblichen Verkehrsregeln. In dieser lebhaften, arabisch geprägten Stadt ist es für eine Frau, vor allem wenn sie aus dem westlichen Ausland kommt, nicht so einfach, ohne Begleitung auszugehen.

Das bekommt auch die Protagonistin von CAIRO TIME, Juliette Grant, zu spüren, weshalb sie den charmanten Tareq als ihren Begleiter wählt. Denn die Figur der Juliette begeht zu Beginn so manchen kulturellen Fauxpas, wie Alexander Siddig weiß: „Juliette ist der Inbegriff für das Missverstehen der westlichen Welt gegenüber der ägyptischen/arabischen/fremden Kultur. Die Menschen wachsen im westlichen Kulturkreis derart behütet auf, dass sie leicht zu schockieren sind. Zum Teil zeigt sich das in einem Helferkomplex, sodass sie die Welt verändern möchten – zumindest für ein paar Stunden. Oder sie werden zu Anti-Touristen, die sich vor ihrem eigenen Schatten fürchten. Juliette ist ein kleines bisschen von beidem. Tareq hingegen sieht zwar die Probleme, er weiß aber auch genau, wie schwierig es ist, sie zu beheben.“ Tareqs Besonnenheit, seiner Höflichkeit und seinem arabischen Charme kann Juliette nicht widerstehen.

„Tareq ist ein arabischer Mann der alten Schule, es ist genau der Charakter, den ich liebend gerne spiele. Solche Männer gibt es noch immer in der arabischen Welt, sie sind meist über 40, wenn es auch ein paar um die 20 gibt. Bei einem arabischen Mann in diesem Alter werden ‚altmodische’ Tugenden wie Ehrenhaftigkeit und Ehrlichkeit immer sehr hoch gehalten. Auch meine Familie und die Menschen, die ich aus dieser Welt kenne, sind nicht ‚modern’ in dem Sinne, dass sie von der amerikanischen oder europäischen Kultur stark geprägt sind. Mein Vater zum Beispiel würde nie etwas Unehrenhaftes tun. Das ist der Hintergrund, vor dem ich die Figur des Tareq entwickelt habe. Und den auch Ruba Nadda bei ihrem Drehbuch im Sinn hatte, denn sie dachte hier auch an ihren eigenen Vater“ so Siddig.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Cairo Time"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  
  • Neu im Kino: "Die Drei Musketiere" und "Kill The Boss"

    Am heutigen Donnerstag gehen bundesweit gleich zehn neue Kinofilme an den Start. Zu den Highlights gehört die aufwendig gedrehte deutsche Koproduktion „Die drei Musketiere“ in 3D. Unter der Regie von Paul W.S. Anderson entstand eine Neuauflage der legendären Helden Athos, Porthos, Aramis und D'Artagnan mit Logan Lerman, Luke Evans, Ray Stevenson und Matthew MacFadyen in den Hauptrollen. Darüber hinaus sind Milla Jovovich...

    Ehemalige BEM-Accounts  
  • Sydney Film Festival 2010

    Vom 2.-14. Juni findet das Sydney Film Festival in Australien statt und es werden dafür allerhand prominente Gesichter erwartet. Insgesamt werden 157 Filme aus 47 Ländern gezeigt und während des Festivals feiern 92 Filme ihre australische Premiere und sieben ihre Weltpremiere. Außerdem werden die Gewinner von internationalen Film Festivals präsentiert. So kann man Lebanon aus Venedig, Cairo Time aus Toronto, Winter’...

    Kino.de Redaktion  

Kommentare