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Fakten und Hintergründe zum Film "Chaotic Ana"

Kino.de Redaktion |

Caótica Ana Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über den Film: Ana und Ana

Ana besitzt äußerst gegensätzliche Talente. Das macht sie zweifellos zu einem der extremsten menschlichen Geschöpfe, die ich kenne. Damit meine ich den Unterschied zwischen Erscheinung und Inhalt, zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen. Aus diesem fließenden Kontrast erwächst ihr Chaos.

Zu Beginn der Geschichte ist Ana 18 Jahre alt und ahnt nichts vom Abgrund in ihrem Inneren. Deshalb widmet sie sich mit strahlender Lebensfreude den äußeren Dingen, die sie umgeben, um sich unbewusst vom geheimen Dunkel in ihr abzulenken. Kein Wunder, denn die Karawane der Menschen, die in ihrem Inneren zirkuliert, ist angefüllt mit Leben. Sie ist voller junger Frauen, die – obwohl längst gestorben – immer noch unzählige Kinder hervorbringen wollen, die gute Menschen sein sollen. Diese Karawane machte sich vor 2000 Jahren zum Aufbruch bereit.

Doch zunächst sehen wir Ana als normales junges Mädchen. Sie erscheint eher „ultra-real“: ein Hippiemädchen der neuen Generation, das freudige, optimistische Bilder malt. Bunte, naive Gemälde aus Wachsfarben, die eine schützende Wand formen, eine Wand voller geschlossener Türen, die darauf warten, Stück für Stück geöffnet zu werden. Bruchstellen des Abgrunds. Jemand von weit her, von jenseits des Atlantiks, wird Ana dabei helfen, sie zu finden.

Ana ist ganz in der Gegenwart, aber sie unternimmt bereits den nächsten Schritt nach vorne – die Zeit könnte ja allzu schnell vergehen. Sie will das, was passieren wird, als Erste erfahren, sie lehnt ab, was bereits geschehen ist, und will auf keinen Fall das, was verblasst oder gar gestorben ist. Sie liebt die Farben, das Surreale, das Wünschenswerte. In der Liebe opfert sich die Romantikerin dem düsteren Märchenprinzen – wie eine entschlossene Bergsteigerin, die sich den höchsten Gipfel der Welt aussucht und nie mehr herabsteigt.

Ana hat das Gesicht eines Vogels und die Knochen einer Höhlenbewohnerin. Sie atmet leichte Luft, aber das Blut in ihren Adern ist dick, dunkel, alt. Aufgewachsen in einer Höhle auf Ibiza, genießt sie ihr neues Leben und ihr neues Selbstbewusstsein in Madrid: Sie ist eine Europäerin, die gerne in New York leben möchte.

Als Tochter eines erdverbundenen Vaters sticht Ana in See, um die Alte gegen die Neue Welt einzutauschen, die große Vergangenheit gegen eine große Gegenwart. Als Mutter und Liebhaberin wird sie jedoch beiden Welten verbunden bleiben.

In dieser Erzählung über die Schreckensherrschaft des weißen Mannes ist Ana die Prinzessin und das Monster. Die männliche Tyrannei gegen die Weiblichkeit ist die grundlegende Ursache für das Unglück der Menschheit. Ana ist leichte Beute, wahres Freiwild, aber auch die strafende Speerspitze gegen die Ungerechtigkeit des weißen Jägers. Dennoch ist sie keine Soldatin, eher ein blinder Passagier auf einem Segelboot oder höchstens eine „sexuelle Terroristin“, der nicht bewusst ist, dass sie die Schatzmeisterin des historischen Gewissens ist – falls es ein solches überhaupt gibt.

Ana ist eine Magierin des Naiven, da sie nicht wirklich mit der Macht der Zeit und der Elemente in Kontakt ist – auch wenn diese ihre Verbündeten sind. Sie ist sich dessen nicht bewusst und braucht Hilfestellung zum Fliegen, um auf ewig emporgehoben zu werden. Immer zutiefst geliebt.

Über den Film: Ana und der männliche Vog

Der Film beginnt mit dem ruhigen Flug einer Lerche, zeigt dann einen Falken auf dem Arm seines Trainers. Wir befinden uns in einem privaten Wildgehege in Andalusien. Die Geschichte wird das, was zwischen den beiden Vögeln passiert, umkehren, bis sie in einer hell erleuchteten Suite in einem New Yorker Wolkenkratzer, fast in der Luft, ihren Höhepunkt erreicht und beinahe einen mythologischen Bogen schließt.

Ana ist kein Mythos, sie könnte fast das Gegenteil sein, aber sie enthält den Mythos des Chaos, den weiblichen Schöpfungsmythos. Diese Geschichte ist eine mythologische Konstruktion rund um die Figur Ana, aber quasi hinter ihrem Rücken, ohne dass sie davon weiß, und – als sie davon erfährt – ohne dass sie es will. Sie hat es sich nicht ausgesucht, sie trägt es bereits in sich, ganz gegen ihren Charakter. Was wir von Ana sehen, ist der neue, freie Teil von ihr. Was sie versteckt, ist der alte, an die Vergangenheit gebundene Teil. In Ana findet ein intensiver Kampf statt, in dem das Individuum die Oberhand behält und die Gemeinschaft ignoriert.

In diesem Moment kann Ana ihre älteste Stimme hören, begleitet von einer spirituellen weiblichen Energie. Nun kann sie die Schwelle überqueren. Von da an steht sie in einer Tradition – eine weitere Frau in einer langen Reihe, die letzte und die einzig sichtbare. Und sie wählt die Waffen der Frauen.

Ja, Ana begreift nun, dass sie den weiblichen Schöpfungsmythos repräsentieren kann, und dass sie – ohne exakt zu wissen, wie – die kriegerischen Männer bestrafen muss. Eine poetische Strafe, in der der weibliche Lebensmythos („die Mutter guter Männer“) gegen den männlichen Mythos der Axt zu verlieren scheint. Dieser „poetische Akt“ (so nennt ihn Ana) setzt einen Prozess in Gang, in dem sie selbst geopfert wird.

Die Spannung zwischen Mythen und ihren Konsequenzen hat sich seit Beginn der Menschheit konstant gehalten. Daher wissen wir, dass Frauen sehr gut erschaffen können (denn dafür sind sie hervorragend ausgestattet) und Männer sehr gut töten können (ja, denn dafür sind sie hervorragend ausgestattet).

Über den Film: Ana und Justine

Justine ist eine französische Kunstmäzenin. Als sie Ana auf Ibiza trifft, ist sie von ihrer leuchtenden Ausstrahlung und dem Ausdruck ihrer farbenprächtigen, scheinbar oberflächlichen Wachsfarbenbilder fasziniert. Mit ihrem Angebot, Ana in ihre Künstlerresidenz nach Madrid zu holen, wird sie versuchen, Ana die Mutter zu ersetzen.

Justine wird zur Autorität, die Ana nur schwer akzeptieren kann, aus Prinzip, aus Verteidigungshaltung und weil sie bereits eine Mutter hatte, von der sie früh verlassen wurde, die sie schon vergessen hat und um die sie nicht trauert. Ana denkt, dass sie nur ihren Vater braucht, der gleichzeitig ihre Mutter ist und den sie immer in sich trägt. Er ist verantwortlich für das große Vertrauen, das sie Männern entgegenbringt.

Während Ana das Chaos repräsentiert oder es in ihrem inneren Abgrund birgt, steht Justine für den Kreis. Eine Mathematikerin, die Lebensläufe initiiert und bewacht. Das Chaos ist weiblich und der Ursprung von allem. Was die Babylonier vor 4000 Jahren proklamierten, fiel einer fanatischen Kontrollsucht und den Gesetzen eines einzelnen männlichen Gottes zum Opfer. Chaos kann Vorstellungskraft und Kreativität hervorbringen. Justine weiß das und kümmert sich darum, obwohl sie es selbst nicht in sich trägt. Daher stellt sie ihre alte Villa in Madrid jungen Künstlern zur Verfügung, wo diese ihre ungeordnete Schaffenskraft in kompletter Freiheit ausleben können.

Aber es ist Justine, die Ana dazu drängt, sich ihrer Berufung und ihrem Drang, sich einer gemeinsamen Sache hinzugeben, bewusst zu werden. Sie ist die weise Frau, durch die der Fluss des Chaos nicht hindurchfließt, obwohl sie um seine Bedeutung weiß. Also kämpft sie darum, dass Ana ihn für sich entdeckt und damit allen helfen kann. Justine ist die Zeremonienmeisterin, die Ana überzeugen muss, ihre poetische Strafe zu verhängen und sich als Opfer anzubieten – im Namen aller von der Axt des Vogelmannes ermordeten Frauen, in einer fernen Zeit, als die Göttinen verschwanden.

Über den Film: Ana und Said

Said ist ein junger Maler, ein Sahrawi, der seine Eltern im Krieg gegen Marokko verlor. Dieser Krieg bedeutete für das Volk der Sahrawi die Verschleppung in Flüchtlingslager in der algerischen Wüste Hamada. Da die Familie dort über 30 Jahre leben musste, hat Said wie so viele Sahrawi sein eigenes Land nie kennengelernt. Als Said Ana zum ersten Mal einlädt, wünscht er sich, dass sie ihm durch ihre Gegenwart bei seinen Schlafproblemen hilft. Anders als er schläft Ana jedoch wunderbar: „Ich träume nie. Es muss eine versperrte Tür geben.“ Said hätte gerne einen ähnlichen Schutz vor seinem Unterbewusstsein. Im Gegensatz zu Ana trägt Said nichts außer sich selbst in seinem Inneren, das aber ist unermesslich. Sein gewaltiges Inneres, das ihm Schwindelgefühle verursacht, spiegelt sich im Äußeren. Das ist seine Qual.

Said ist hochbegabt (neben der Malerei studiert er mit spezieller Genehmigung der spanischen Regierung fünf Studiengänge), aber er ist auch ein Mann der Wüste. Während einer nächtlichen Panikattacke gesteht er Ana, dass er Landschaften sieht und Angst vor der Leere hinter dem Horizont hat. Für Said ist Leben Zeitverschwendung. Zwischen ihm und Ana entwickelt sich eine rätselhafte Verbindung, die beiden dabei hilft, sich selbst zu verstehen.

Said tut alles, um seinem Volk eines Tages helfen zu können. Besonders interessiert er sich für Molekularbiologie. Sein Traum ist die Entdeckung einer Methode, „unsere Biologie ewig dauern zu lassen“. Er ist überzeugt davon, dass „alles endet, wenn unsere Biologie endet. Die Seele hat nur mit Biologie Bedeutung.“ Ana unterstützt ihn, aber Verlauf und Ereignisse der Geschichte lassen sie erkennen, dass alles Leben vom Beginn der Zeit an miteinander verbunden ist und auf eine herausfordernde Zukunft zusteuert. Für Ana bleibt nach dem Tod – dem Ende der Biologie – alles präsent: „Wir finden uns zusammen. Sterben füllt, es leert nicht.“ Für sie tragen die Menschen die Erinnerung an alles, was war und ist, in sich. Die Lebenden und die Toten existieren nebeneinander.

Über den Film: Ana und Linda

Ana und Linda sind vom ersten Moment an Freundinnen, obwohl ihr Leben sehr unterschiedlich verlaufen ist und sie sehr verschieden sind. Doch gerade diese Unterschiede verbinden sie. Als Ana in Madrid ankommt, vermisst sie ihren Vater sehr. Sie schreibt ihm, dass sie immer seine feste Hand spürt, die sie von ferne beschützt. Sie läuft durch die Straßen und vermeidet den Kontakt mit anderen Händen, in einem Tanz, der sie auf ihr selbstständiges Leben vorbereitet – in der Hoffnung, dass sich auch in der Stadt eine feste Hand für sie finden wird. Linda hingegen ist bei ihrer Ankunft in Madrid erleichtert, dass sie ihre ungeliebte Familie hinter sich lässt: ihren liebesunfähigen Vater und ihre aufopferungsvolle Mutter, die „jeden Tag kleiner“ wird. Während ihres ersten Treffens definiert sich Linda als erdverbundene Person, „super solide“, während die grünäugige Ana zugibt, dass sie festgehalten werden muss.

Spontan ergreift sie die Hand der neuen Freundin: die erste Hand auf ihrer langen Reise.

Für Linda sind Männer „Schwänze auf Beinen“: „Im Herzen alle Vergewaltiger“. Frauen beschreibt sie als egoistische Huren. Für sie gibt es jedoch einige Zwischenstufen zwischen Vergewaltigern und Huren, unter anderem ihre eigene mit ihrem sporadischen Partner Lucas, der nicht an Gott glaubt, aber an die Frau an sich, „meine einzige Göttin“. Die Videokünstlerin filmt die Sitzungen, in denen Anglo Ana hypnotisiert. Das macht sie zur Zeugin ersten Ranges für Anas inneres Chaos. Linda kennt beide – oder besser gesagt, alle. An Linda schätzt Ana ihre Gegensätzlichkeit, ihren Mut, ihre dunklen Augen und ihren Akzent, in dem sie Dinge sagt wie: „Wir müssen die Macho-Welt zum Teufel jagen, ansonsten verrotten wir innerlich.“ Bis zum Ende ihrer Reise wird Ana dies im Gepäck haben, und es wird zur Entdeckung ihres Lebenssinns beitragen.

Über den Film: Ana und Anglo

In einem der Briefe an ihren Vater erzählt Ana, dass sie und Linda mit einem jungen Mann zusammenleben, „den wir wegen seines Akzents Anglo nennen, er kommt aus Los Angeles.“ Anas Unschuld hilft, diese Person besser zu verstehen, die ihr als vertrauenswürdige Orientierungshilfe dient. Ana gibt sich dem Hypnose-Experten hin, damit er die Tore zu ihrem Chaos öffnet. Sie willigt ein, sich zu offenbaren, aber unter einer Bedingung: Sie will nichts davon sehen. Sie will keinerlei Erinnerung an die Tragödie, alles soll wie ein unsichtbarer, stummer Albtraum stattfinden. Nur Lindas Videokamera darf diese Reisen in die Vergangenheit festhalten.

Indem sie sich Anglo ausliefert, einem sanften „Vergewaltiger“ gestorbener Frauen und deren Erinnerungen, übernimmt Ana die Rolle einer „egoistischen Hure“ (wie Linda Frauen beschreibt). Sich ihrer Angst, mit sich selbst konfrontiert zu werden, bewusst, erlaubt Ana Anglo schließlich sogar etwas Intimeres: Sie bietet ihm ihren Körper an, jedoch ausschließlich während der Hypnose, damit es im Unbewussten bleibt.

Im Laufe der Zeit verliert Ana einen Teil ihrer Identität. Auf die Frage, warum sie keine eigenen Träume hat, antwortet Anglo, dass sie insgeheim Angst hat. Es wird nicht deutlich, dass sie all die Frauenleben gelebt hat, von denen sie unter Hypnose spricht, aber sie sind ein Teil von ihr: Niemand existiert allein. Wir sind, was wir sind, weil andere so waren, wie sie waren. Anglo bittet Ana, in ihr Innerstes zu blicken und zu hören, und schließlich stimmt Ana einer bewussten Hypnose zu. Sie möchte sich allerdings nur an bestimmte Glücksmomente aus der Vergangenheit erinnern, die sie in Bezug auf die Gegenwart interessieren.

In dieser Hinsicht lässt sich CAÓTICA ANA als eine Geschichte über Tragik verstehen, motiviert von der optimistischen Kraft ihrer Protagonistin und ihrem Bedürfnis nach Glück.

Produktion: New York und die Goldene Linie

CAÓTICA ANA endet vor der Kulisse von New York. Der Dreh dort dauerte zwei Wochen; seine komplizierte Choreographie lag in der sogenannten „Goldenen Linie“ begründet: eine Leitvorrichtung aus Metall, die entlang der New Yorker Hauptstraßen verläuft und öffentlichen von privatem Grund trennt. In Manhattan erlaubt die städtische Verordnung Unternehmen, Gebäude in unbegrenzter Höhe zu bauen. Im Gegenzug müssen die Firmen jedoch Teile ihres Grundstücks für Zwecke freigeben, die der Allgemeinheit dienen, zum Beispiel für Parks, Plätze und öffentlichen Nahverkehr. Also gehören etwa 1,5 Meter ab dem Rand des Bürgersteigs der Stadt, der Rest ist privater Grund. Die Drehgenehmigung des New York Film Office endete an der „Goldenen Linie“, die Kamera durfte sie nicht übertreten. Die Schauspieler konnten sich jedoch auf der gesamten Straße frei bewegen, wie anonyme Fußgänger. Als der Dreh geplant wurde, musste penibel darauf geachtet werden, dass diese Begrenzung eingehalten wird. Darüber wachten zahlreiche Sicherheitskräfte, die die Firmen, denen die Straße „gehört“, extra zu diesem Zweck engagiert hatten.

Produktion: Wüstentrekking

Für Anas Reise durch Vergangenheit und Gegenwart wählte die Produktion den Navajo National Monument Natural Park in Arizona, wo Relikte aus der Anasazi-Kultur zu finden sind. Im Park gibt es auf einer Höhe von 2000 Metern zwei sehr schöne Ausgrabungsstätten, Keet Seel und Betatakin. Die erste bereitete der Produktion ernsthafte logistische Probleme, da die Autos in viereinhalbstündiger Entfernung hätten abgestellt und das gesamte Equipment inklusive Wasser und Strom dorthin transportiert werden müssen. Also drehte das Team rund um Betatakin, eine gesondert stehende Anasazi-Anlage, die in den Fels gehauen ist und an Anas Höhle auf Ibiza erinnert.

Produktion: Die Sprache

Während ihrer spirituellen Reisen kommuniziert Ana in einer Kunstsprache, die Julio Medem speziell für den Film erfand – seine Hommage an die präkolumbianischen Kulturen, die den amerikanischen Kontinent bewohnten. Inspiriert vom verschwundenen Naturvolk der Anasazi (in der Sprache der Navajo heißt das „die Ältesten”), das bis zum 13. Jahrhundert die heutigen Staaten Arizona, Utah, New Mexico und Colorado bevölkerte, fusionierte der baskische Regisseur mit der Hilfe von Experten drei alte Sprachen (Quechua, Aztec and Navajo), die basierend auf ihren Phonemen einen Teil des hypnotischen Filmdialogs bilden.

Produktion: Die Mitwirkung der Sahrawi

Eine der Figuren, die Anas Abenteuer vorantreiben, ist Said, ihr Wüstenprinz. Said stammt von den Sahrawi ab. Die Mitarbeit einiger Mitglieder dieses Volks im Exil war für den Film unverzichtbar. Die detaillierten Recherchen zu diesem Thema beinhalteten unter anderem Besuche in den Camps und Gespräche mit Hebammen, um die Bedingungen für Geburten in den Lagern während der marokkanischen Invasion zu erfahren. Es gab Versuche, in den echten Camps zu drehen, aber große logistische Probleme (dort gibt es weder Elektrizität oder fließendes Wasser noch einen direkten Luftverkehr, die Versicherungssummen hätten sich in unvorhersehbare Höhen geschraubt) veranlasste eine Verlagerung der Dreharbeiten nach Fuerteventura. Viele Requisiten, die im Film auftauchen, stammen aus dem Camp und wurden aus Mauretanien auf die Kanarischen Inseln transportiert. Die auf Fuerteventura lebenden Sahrawi wurden als Statisten für zwei Wochen Teil des Filmteams.

Produktion: Eine Reise zur Demokratie

Vor sechs Jahren filmte Julio Medem „Lucía und der Sex“ mit einer der ersten High-Definition-Videokameras, die nah an Kinoqualität herankamen. Bei CAÓTICA ANA griff der Regisseur erneut zu dieser Technik, wählte aber diesmal ein optimiertes Modell, die HD 950, die auch für „Sin City“, „Miami Vice“ und „Star Wars: Episode III“ verwendet wurde.

Julio Medem: „Als Regisseur gibt mir High Definition mehr Zeit, besonders mit den Schauspielern. Ich probiere gerne verschiedene Dinge aus, erforsche Möglichkeiten, fordere die Darsteller heraus. Das ist machbar, weil das Material billig ist. Für junge Schauspieler ist es entspannter, weil wir uns nicht auf die Zeit zwischen „action“ und „cut“ beschränken müssen. Ich verwende immer weniger Geräte, weniger Kräne, weniger Dollies. Bald wird Zelluloid nur noch für Romantiker und Nostalgiker infrage kommen. HD fängt an, das Kino zu demokratisieren.“

Produktion: Engagement für die Neue Kunst

In Justines Haus lebt Ana gemeinsam mit einer Gruppe vielversprechender junger Künstler. Julio Medem und Montse Sanz entschlossen sich, die Idee des Films auf die Realität zu übertragen, und luden 50 Künstler in die Kommune ein. „Sie sollten alle jung sein. Später entschieden wir, Arbeiten etablierterer Namen hinzuzufügen, zum Beispiel von Santiago Idáñez, Ana Laura Aláez, Carles Congost oder Ignacio Burgos. Die Werke mussten allerdings aus ihrem frühen Schaffen stammen, um die Frische des gesamten Materials zu garantieren”, so Mariajo Gil, die als Art Organizer für den Film arbeitete.

„Wir durften nicht vergessen“, erinnert sich Montse Sanz, „dass die Arbeiten der Protagonisten im Mittelpunkt der Geschichte standen. Gemeinsam kreierten wir Lindas Videostücke oder Saids Malereien. Natürlich als wichtigstes Element Anas Gemälde, die in Wirklichkeit von Julio Medems gleichnamiger Schwester stammen und von seiner anderen Schwester Sofia vollendet wurden. Anas Arbeiten inspirierten uns, die anderen ausgewählten Künstler zusammenzubringen, mit denen wir eine sehr spontane kreative Atmosphäre herstellen konnten.“

Aus Dankbarkeit für den kreativen Beitrag der Künstlergemeinschaft zu diesem Film wurde die Website www.caoticaanaarte.com erstellt, eine liebevolle virtuelle Ausstellung der Arbeiten, die im Film zu sehen sind.

Julio Medem über die Hauptdarstellerin Manuel

Ich erinnere mich an einen Freitagnachmittag im September, als ich ein Casting-Tape mit Sara Bilbatúas Auswahl erhielt. Wir befanden uns in der zweiten Phase nach einem sehr langen Besetzungsprozess. Die erste Kandidatin auf diesem Tape war die 18-jährige Manuela Vellés. Ich beobachtete sie – nach vorne gebeugt auf der Couch – mit großer Unruhe. Nachdem ich sie eine Minute gesehen und gehört hatte, musste ich mich zurücklehnen und dachte, dass alles, was bis dahin passiert war, plötzlich eine Bedeutung hatte. Vor meinen Augen sah ich die Ana, die ich mir beim Schreiben des Drehbuchs erträumt hatte.

Ja, Manuela Vellés ließ mich erkennen, dass das, was ich suchte, existiert. Ich war erneut von dem Charakter überzeugt, den ich erfunden hatte – sie sah mich mit exakt dem gleichen Ausdruck an und lieferte die gleiche wunderbare Persönlichkeit, die ich für Ana vorgesehen hatte. Während des kurzen Interviews auf dem Tape bereitete ich mich vorsorglich auf eine Enttäuschung vor. Ich wollte Manuela fast nicht spielen sehen. Zudem ging meine Kamera kaputt, sodass ich das Interview nicht noch einmal anschauen konnte. Somit verbrachte ich das Wochenende damit zu denken, dass ich nun meine Protagonistin hatte, aber dass sie eine neue Herausforderung mit sich brachte. Ich würde sie unterstützen müssen, sie anleiten und ihr das Schauspielen beibringen. Manuela war völlig unerfahren, sie hatte lediglich den Wunsch, Schauspielerin zu werden, und hatte sich gerade bei der Schauspielschule angemeldet. Am Montag sah ich mir Manuelas Vorsprechen erneut an, außerdem noch hundert andere Kandidatinnen, die mich allerdings nicht mehr interessierten. Ich hatte meine Entscheidung getroffen, und sie fühlte sich richtig an.

Eine Woche später sprach Manuela persönlich vor. Trotz einiger Schwächen war mir klar, dass sie intelligent und aufmerksam war und unter Regie spielen konnte. Die Woche darauf kam Nicolas Cazalé, ein französischer Schauspieler mit Berber-Wurzeln, nach Madrid, um mit Manuela für die Rolle des Said vorzusprechen. An diesem Morgen tranken wir gemeinsam Kaffee auf der Plaza Mayor in Madrid, und ich filmte, wie sich dieses attraktive Paar vorsichtig näherkam. Sofort konnte man die unterschiedliche Herkunft und Ausstrahlung sehen: ihr Ausdruck klar und freundlich, seiner ernst und leicht verstört. Was das Chaos betrifft, gefiel mir die Vorstellung, dass die Zeit an ihnen vorbeiraste und dass sie durch eine Wüste getrennt waren. Ich filmte ihre Gesichter und wandte mich dann der Sonne zu: Es war der Tag der Sonnenfinsternis. Ich genoss das Gefühl, dass die Sterne richtig standen. Das Vorsprechen dauerte bis zum späten Nachmittag.

Als ich Manuela anrief und ihr sagte, dass sie meine Ana sei, wirkte sie gleichzeitig froh und unsicher. Das überraschte mich nicht. Ich bat sie, mir und – noch viel wichtiger – sich selbst zu vertrauen. Ich versprach, ihr mit allem zu helfen, was ich mir in meinem Leben und meinem Beruf angeeignet hatte. Ich bat sie, sich von meiner Intuition inspirieren zu lassen, als Startschuss für die lange, schwierige Reise, die wir vorhatten. Die Besetzung von Manuela Vellés als Ana war eine der besten Entscheidungen, die ich als Regisseur je getroffen habe.

Am Beginn der Proben mit Manuela stand, Anas Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend auf Ibiza aufzubauen: das kalte Vergessen ihrer Mutter, die sie im Alter von zwölf Jahren verließ, und die starke Verbindung mit ihrem Vater. Dieser deutsche Hippie, eine massive, erdige Persönlichkeit, ist verantwortlich für ihre Leichtigkeit und natürliche Lebensfreude. Er lebt nur für seine Tochter, lauscht ihrem Lachen und lässt sie unbehelligt ihre Kunst entwickeln. Klaus sorgt für Anas Freiheit, die sie in vollen Zügen lebt, ohne Druck, ohne jemanden zu verletzen.

Zusammen stellten Manuela und ich uns ein Album der Erinnerungen vor, zehn detaillierte Momente, die Anas Erinnerungen prägen. Diese trug mir Manuela mit geschlossenen Augen vor. Dann schickte ich sie nach Ibiza, um sich ein Gefühl für diesen Ort anzueignen. Nach ihrer Rückkehr war Ana in Manuela angekommen. Ich fühlte, dass sie Ana mit der Zeit besser kennen würde als ich, dass sie die Figur in ihre Persönlichkeit integrieren könnte.

Manuela war nun bereit, in ihrer Rolle auf die Reise zu gehen, um mit Ana die väterliche Höhle zu verlassen und ein Leben außerhalb zu beginnen – allein und im Angesicht ihres immensen Chaos. Bei Proben erschienen allmählich die anderen Schauspieler, Bebe, Asier Newman, Nicolas Cazalé und Raúl Peña. Um Manuelas Beziehung zu ihnen machte ich mir insgeheim die meisten Sorgen: Sie fühlte sich im Vergleich immer minderwertig, besonders mit Bebe, die sie als Sängerin verehrt. Sie schien regelrecht vor ihr zu schrumpfen. Bebe liebt die Improvisation, ist kreativ, spontan, wild, charmant, ehrlich – genau das Gegenteil von Manuela, die vor lauter Angst ihre Sprache verlor. Ich arbeitete mit einer unfertigen Schauspielerin, die sich im Vergleich mit erfahrenen Darstellern unsicher fühlte.

Manuela begleitete einen Teil der Crew auf Motivsuche nach New York. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie sie die Stadt aufnimmt, die ihre Figur für ihren neuen Lebensabschnitt wählt. Nach der Rückkehr konzentrierte ich mich darauf, ihr die Scheu vor den anderen Schauspielern zu nehmen und ihr Selbstvertrauen aufzubauen. Über die Weihnachtspause gab ich ihr einen Monolog, in dem sie sich selbst ihre Geschichte in diesem Film erzählt. Als wir den Dreh nach einer Woche fortsetzten, überraschte uns die neue Schauspielerin Manuela: Sie war sicher, natürlich, flexibel, stark und konzentriert. Auch der restliche Cast bemerkte dies mit Freude: Matthias Habich (Klaus) und Gerrit Graham (Mister Hawk), die neu dabei waren, zeigten sich von ihrem Talent fasziniert, und ich war erleichtert, was den ganzen Dreh positiv beeinflusste. Das vorherige Risiko Manuela war nun unser Schatz, um den alles andere herumgebaut werden konnte.

Mitte Februar 2006 begannen wir einen zwölfwöchigen Dreh, den längsten und komplexesten, den ich je durchführte. Aber auch der leichteste – dank der besten Ana, die ich mir je hätte vorstellen können. Zur Begeisterung und Faszination des gesamten Teams wuchs Manuela Vellés täglich mehr in ihre Rolle hinein, ihr Verhalten ähnelte dem einer Abenteurerin, alles an ihrem Spiel war neu im Vergleich zu vorher. Es schien sie erstaunlicherweise auch keinerlei Anstrengung mehr zu kosten, sie schien schier durch den Dreh zu schweben. Sie erschuf gleichzeitig ihre Rolle und sich selbst als Schauspielerin in einer Tiefe, die sie selbst nicht zu kennen schien, aus der sie aber unendlich schöpfen konnte. Mit der Freude an ihrer Arbeit steckte sie das ganze Team an. Ja, Manuela Vellés, unsere geliebte Protagonistin, sagte, dass sie in ihrem Leben nie glücklicher gewesen sei, und stellte uns diese wunderbare jugendliche Energie zur Verfügung. Ich selbst habe nie in meinem Leben eine erstaunlichere Verwandlung und Eroberung gesehen, nichts schien mehr schwierig für sie. Ich wünsche sehnlich, dass Manuela Vellés weiter diesem reinen Fluss verbunden bleibt, der aus ihrem tiefsten, rätselhaften Inneren entspringt und sie hoffentlich auch künftig inspiriert. Ich prophezeie ihr eine erfolgreiche und sehr lange Zukunft.

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Chaotic Ana"

    Kino.de Redaktion05.11.2012

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