Fakten und Hintergründe zum Film "C?est la vie - So sind wir, so ist das Leben "

Kino.de Redaktion |

C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Rémi Bezançon

C’EST LA VIE – SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN, Ihr zweiter Film, ist das Porträt einer Familie. Was hat Sie an dem Thema interessiert?

Meine eigene Familie ist mir sehr wichtig, und auch wenn an dem Film nichts autobiographisch ist, wollte ich auf meine Art meiner Familie eine Hommage widmen. Ich habe mich immer gefragt, wer ich wohl heute wäre, wenn ich von anderen Eltern großgezogen worden wäre. Sicher ein ganz anderer Mensch, aber wer? Die Familie prägt uns und zugleich kämpfen wir, um uns von ihr zu befreien. Dort wird einem alles auf den Weg gegeben, aber es ist auch ein Ort voller Sackgassen. Sind wir in der Lage zu entscheiden, was wir davon übernehmen? Welche Rolle spielt die Familie in unserem persönlichen Lebenslauf? Und welchen Teil können wir selbst bestimmen? Mit diesen Fragen habe ich mich bereits in meinem ersten Film Love is in the Air und in meinen Kurzfilmen auseinandergesetzt. Und jede meiner Figuren gibt darauf ihre eigene Antwort.

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Das Leben der Familie Duval wird über einen Zeitraum von zwölf Jahren erzählt, anhand von fünf exemplarischen Tagen. Wieso haben Sie sich für diese Struktur entschieden?

Die Idee, einen entscheidenden Tag im Leben jedes Familienmitglieds zu drehen, hatte ich während des Drehbuchschreibens. Selbst in den engsten Familien ist jeder Einzelne sehr verschieden. Ich dachte, dass eine sternförmige Konstruktion dieses Anderssein am besten wiedergeben würde. Jeder der fünf Tage korrespondiert mit einem der Familienmitglieder und folgt ihr oder ihm von morgens bis abends. Das Schwierige daran war sicherzustellen, dass wir beim Wechseln der Perspektive nicht die anderen Figuren aus den Augen verlieren. Im Gegensatz zu einem Ensemblefilm wollte ich einen Film mit fünf Hauptdarstellern machen, weil mich interessiert hat, wie jede einzelne Person die anderen Mitglieder seiner Familie beeinflusst. Das bedeutete auch, dass ich mit großen Zeitsprüngen spielen konnte. Mir gefällt die Idee, dass sich die Zuschauer vorstellen, was in der Zwischenzeit passiert ist.

Hatte diese Erzählstruktur Einfluss auf Ihre Arbeit als Regisseur, auf die Inszenierung?

Ja. Wir hatten jeden dieser fünf Tag so konzipiert, dass unser Hauptkameramann Antoine Monod jeweils eine eigene an die Figur angepasste Kamerasprache verwendet . Zum Beispiel wurde der Tag, an dem der älteste Sohn Albert das Elternhaus verlässt, mit einem Weitwinkelobjektiv gedreht. Dadurch werden Abstände betont, um die Distanz zwischen den Figuren hervorzuheben und so Alberts Schritt Richtung Unabhängigkeit zu unterstreichen. Den Tag an dem Fleur, die Jüngste, rebelliert, haben wir mit einer Handkamera gedreht. Und für Raphaël, dem mittleren Kind, haben wir eine Steadycam benutzt, die mit ihren leicht fließenden Bewegungen genauso vor sich hintreibt wie er. Marie-Jeanne, die Mutter, wurde dank eines Teleobjektivs vor verschwommenen Hintergrund aufgenommen und so in eine intime Atmosphäre gehüllt. Und für den letzten Tag, mit Robert, dem Vater, wollte ich Ruhe hineinbringen, mit einem kontrastreichen Licht, wie in den Gemälden von Edward Hopper.

Trotz seines Humors und der Energie hat Ihr Film eine gewisse Nostalgie. Die Kindheit erscheint wie ein verlorenes Paradies. Könnte man sagen, dass die verstreichende Zeit ein eigenständiger Charakter im Film ist?

Im Familienkreis wird einem am deutlichsten, wie die Zeit vergeht, vor allem wenn man alte Super-8- Filme aus der eigenen Kindheit sieht! Kinder wachsen, Eltern werden älter und je nachdem wo man in dieser Familie steht, ändert sich die Perspektive. Jedes Mitglied entwickelt sein ganz eigenes Verhältnis zur Zeit. Albert lebt sein Leben im Schnelldurchlauf, prescht nach vorne ohne zurückzublicken, dem zu entfliehen, was er bereut und um sich nicht mit sich selbst auseinanderzusetzen. Raphaël lebt sein Leben in Slowmotion, für ihn ist morgen wie eine Ewigkeit. Fleur kann es kaum erwarten, erwachsen zu werden. Sie würde sogar in den Keller ziehen, wenn sie dadurch - wie eine Flasche Wein - schneller reifen könnte, Marie-Jeanne dagegen würde die Zeit am liebsten anhalten, oder noch besser: zurückdrehen. Und Robert, wie jeder gute Hedonist, nimmt jeden Tag wie er kommt. Ich fand es lustig, diese verschiedenen Charaktere mit ihren unterschiedlichen Lebensrhythmen zu porträtieren: Die Kinder, die Eltern und sogar die Großeltern, die oft denken, ihre eigenen Kinder werden nie erwachsen, selbst wenn sie schon seit Jahren graue Haare haben!

Der Originaltitel lautet „Le Premier Jour du Reste de ta Vie“, der erste Tag vom Rest deines Lebens. Hatten Sie den gleichnamigen Chanson des französischen Sängers Etienne Daho im Sinn, als Sie das Drehbuch schrieben?

Der Titel basiert eigentlich auf einer Dialogzeile aus Sam Mendes’ Meisterwerk American Beauty. Ich muss zugeben, dass ich Etienne Dahos Lied nicht kannte. Meine Produzentin Isabelle Grellat spielte es mir einmal vor, als ich das Drehbuch beendet hatte. Ich fand es wunderbar und war begeistert, wie genau die Worte den Film spiegelten. Ab dem Moment hatte ich nur noch einen Gedanken: Den Song zu benutzen, um dem Film ein wunderschönes Ende zu schenken.

Sind Sie sicher, dass an dem Film nichts autobiographisch ist?

Natürlich lasse ich mich von eigenen Erfahrungen inspirieren. Ich habe drei ältere Brüder und eine kleine Schwester, die wir alle immer sehr beschützt haben, wie im Film. Aber das Leben meiner Geschwister hat nichts mit den Figuren im Film zu tun, auch wenn ich in einer ersten Fassung des Drehbuchs vier Duval-Kinder hatte, wie bei uns. Ich habe eines der Kinder gestrichen, um die Handlung zu konzentrieren und habe dasjenige geopfert, das mir am nächsten stand. Ich habe mich zweifelsohne zu gleichen Teilen in jeden der anderen Charaktere eingebracht. Ich habe sie dann mit einer Million Details gefüttert, die ich hier und dort gefunden habe und die oft sehr wenig mit meiner eigenen Familienwelt zu tun hatten. Vielleicht entdecken Sie darin Dinge, die Ihnen selbst passiert sind…

Interview mit Déborah François

Was hat Dich an Fleur interessiert, warum wolltest Du sie spielen?

Zuallererst hat mir gefallen, dass der Film über einen Zeitraum von 12 Jahren erzählt wird und man Fleur dabei zusehen kann, wie sie erwachsen wird. Aber es steckt auch sehr viel von mir in dieser Figur, deshalb fühle ich mich ihr sehr nahe. Und irgendwie spürte ich, dass sie perfekt wäre, um meine letzte Teenagerrolle zu sein. Ich wollte mit ihr erwachsen werden.

Inwiefern ähnelt Ihr Euch? Warst Du auch so ein rebellischer Teenager?

Ich war eher die depressive Jugendliche. Aber ich konnte es wie sie kaum erwarten, endlich erwachsen zu werden. Endlich ernst genommen werden, nicht mehr wie ein Baby behandelt werden – das hat auch mich in dieser Phase umgetrieben, wo man kein Kind mehr ist, aber auch noch nicht zu den Erwachsenen gehört. Man sitzt zwischen allen Stühlen.

Du hast selbst zwei Geschwister. Haben Dich die Duvals an Deine eigene Familie erinnert?

Im Kleinen schon, aber die Duvals sind in vielem auch ganz anders. Fleur ist ja das Nesthäkchen. Ich war das mittlere Kind mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder. Keine Ahnung, wie das ist, wenn man von seinem älteren Bruder beschützt wird. Wenn, dann sind die Duvals wie Rémi Bezançons Familie. Aber im Grunde kann jeder in dem Film etwas finden, das ihn an seine eigene Familie erinnert.

Woran erinnerst Du Dich in Deiner Jugend?

Ich war bei weitem nicht so gesellig wie Fleur. Ich war nie ein Partymädchen, hatte nur wenige Freunde und war eher schüchtern, habe viel gelesen. Ich verbringe auch heute meine Zeit lieber mit vier, fünf guten Freunden. Ich bin immer noch dieselbe wie früher – das ist ja auch noch gar nicht so lange her. Aber eins hat sich geändert: Als ich 16 war, habe ich dauernd vorm Fernseher geheult. Alles was passierte, war so überwältigend. Ich war unglaublich sensibel. Heute bin ich nicht mehr so dramatisch. Ich bin jetzt selbstbewusster.

Hast Du also vor allem aus eigenen Erfahrungen geschöpft? Oder wie hast Du Dich auf C’EST LA VIE - SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN vorbereitet?

Ich habe viel Nirvana gehört. Die kannte ich zwar vorher schon, schließlich war ich selbst mal 16! Aber sonst ging es gar nicht so sehr darum, dass es in den Neunzigern spielt, die Probleme eines Teenagers sind ziemlich zeitlos. Und das hatte schon viel mit mir zu tun.

Der Film spielt an fünf Tagen innerhalb von 12 Jahren. Wie hat diese Struktur den Dreh beeinflusst? Wie hast Du Dich von einem Tag auf den anderen verändert?

Das Wichtigste waren die Kostüme. Jede der vier Phasen hat ein bestimmtes Motto. Durch die äußere Veränderung wird man nicht jemand völlig anderes, aber die Figur entwickelt sich. Der Rest ergibt sich dann von fast allein.

Man kennt Dich durch „L’Enfant“ und „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“ eher in dramatischen Rollen. In C’EST LA VIE - SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN zeigst Du zum ersten Mal Deine komische Seite. Würdest Du gern mehr Komödien drehen?

Ja, die Szenen haben mir in C’EST LA VIE - SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN soviel Spaß gemacht, dass ich danach gleich noch eine reine Komödie gedreht habe. Aber ich hatte auch ein bisschen Bammel davor, weil ich nicht wusste, ob ich das Publikum zum Lachen bringen kann. In Zukunft würde ich gerne beides machen, wie in C’EST LA VIE - SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN.

Für C’EST LA VIE - SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN wurdest Du gerade zum dritten Mal als Beste Nachwuchsdarstellerin für einen César nominiert. Sind aller guten Dinge drei und Du bist jetzt endlich an der Reihe?

Keine Ahnung, vielleicht sind sie auch längst gelangweilt von mir! Ich frage mich auch, wie lang man eigentlich als Newcomer zählt. Viele meiner Kolleginnen haben den Preis erst mit 30 bekommen. Das macht mir ein bisschen Angst. Da habe ich ja noch einiges vor mir!

Produktion: Der Regisseur über Albert

Tag für Tag

Der Tag, an dem Du deine Unabhängigkeit gewinnst,

Der Tag, an dem Du deine Unschuld verlierst,

Der Tag, an dem Du dich verliebst,

Der Tag, an dem Du dein Altwerden akzeptierst,

Der Tag, an dem Du…

Albert – Mittwoch, 24. August 1988

„Familien sind Maschinen, die deine Gefühle zerstören.“ Albert ist mit 20 Jahren in einem Alter, wo es Zeit wird, sich abzunabeln. Zum großen Missfallen seiner Mutter zieht er in ein winziges Apartment über der Wohnung seines Großvaters. Und genau wie beim Spiel „Die Reise nach Jerusalem“, zwingt sein freier Platz die anderen Familienmitglieder dazu, ihre Positionen zu ändern.

Der leere Stuhl

In einer Familie wird man immer davon geformt, wie man von den anderen gesehen wird. Also braucht nur einer zu gehen, um alle anderen zu verändern. Als Albert auszieht, reagiert jeder in der Familie anders. Sein Bruder Raphaël denkt, dass er jetzt endlich Raum zum Atmen hat, Fleur versucht, sich sein Zimmer unter den Nagel zu reißen und Robert beschließt, sich dort ein Büro einzurichten. Oder eine Garage? Schließlich ist er Taxifahrer! Wie auch immer, er wird seine Plattensammlung dort unterbringen. Es ist die perfekte Gelegenheit, um zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. Nur Marie- Jeanne erlebt diesen Moment als Drama und als Leerstelle, die sie bewahren will. „Unsere Familie bricht auseinander!“ An diesem Tag wollte ich genau diesen Moment festhalten, an dem sich jeder über seinen Platz in dieser Familie klar werden muss.

Ein Mann in Eile

Alberts erste Worte im Film sind: „Ich zieheaus!“ Ja, aber wohin? Und was lässt er dabei zurück? Albert ist der Älteste, auf ihm ruhen die Erwartungen der Familie. Und tatsächlich scheint ihm alles zu gelingen, nur beim Wichtigsten versagt er. Hals über Kopf flieht er vor seiner Wut, seiner Scham, seinem Wunsch, gegen die Wand zu boxen oder in das Gesicht seines Bruders und stürzt sich kopfüber ins Leben. Er braucht ein bisschen, bis er kapiert, dass er auf dem Holzweg ist. Keine Angst im Dunkeln Albert ist ein ziemlich schwieriger Charakter. Er ist derjenige, auf dem alle versteckten Frustrationen und alten Familienkonflikte lasten. Es ist also völlig normal, dass er ein bisschen unzufrieden ist und sich früh entschließt zu gehen. Aber er hat auch eine große Stärke: Er hat keine Angst, sich zu ändern – seine Meinung, seine Richtung oder seine Karriere. Denn in seinem tiefsten Inneren weiß er, dass sich die besten Dinge nie ändern, das beweisen auch Die Glorreichen Sieben, die noch immer so toll sind wie früher. Wenn er sich den Film in seiner winzigen Kammer ansieht, kann er jedes Wort auswendig mitsprechen, genauso wie früher als Kind, wenn er es mit seinem Bruder gespielt hat.

Pio Marmaï

Auch wenn man kein großes Risiko eingeht, ist es doch immer sehr aufregend, auf junge und noch unbekannte Schauspieler zu setzen und neue Talente zu entdecken. Ich machte mich also auf die Suche nach dieser seltenen Perle und als ich schließlich Pio Marmaï traf, haben mich sein Charisma und sein ausdrucksstarker Blick sofort umgehauen. Ich wusste, er würde herausragend sein. Und er hatnie aufgehört, mich zu überraschen!

Produktion: Der Regisseur über Fleur

„Das verstehst Du nicht.“ Fünf Jahre sind vergangen und heute ist Fleurs 16. Geburtstag. Der perfekte Tag, um ihre Unschuld zu verlieren und um ihrer Mutter klarzumachen, dass sie kein Küken mehr ist. Der Tochter-Mutter-Krieg hat begonnen – und es wird Blut fließen!

Smells like teen spirit

Ich kann mich sehr genau an diese vage und beunruhigende Mischung aus Einsamkeit, Unverständnis und Hochgefühl erinnern, die sich in dieser einen Lebensphase verdichten: der Pubertät. Das haben wir alle so empfunden, nicht wahr? Fleur klebt lauter „Kein Eintritt“-Schilder an ihre Zimmertür, pflastert die Wand mit Postern – bevorzugt von ihrem Idol Kurt Cobain – und macht gezielt Löcher in ihre Jeans, weil sie hofft, damit ihre Eltern auf die Palme zu bringen. Das Problem ist nur, dass ihre Mutter nicht wütend wird, sondern es witziger findet, es ihrer Tochter gleichzutun.

Typisch Neunziger

Fleur ist ein Teenager während der Grunge-Zeit Anfang der Neunziger Jahre. Ich wollte diese Ära auf die Leinwand bringen, weil sie genau jene Verdrossenheit verkörpert, die ich in Fleurs Augen finden wollte. Die Neunziger haben etwas Tragisches an sich – der Tod des 20. Jahrhunderts.

Intime Momente

Bei der Entwicklung dieser Figur fragte ich mich, wie ich mich in ein 16-jähriges Mädchen versetzen kann. Ich fing damit an, meine eigenen Erinnerungen an die Pubertät einfließen zu lassen, meine völlig überhöhten Leidenschaften, meine erbärmlichen Versuche, gegen meine Eltern zu rebellieren, meine Zweifel und Ängste. Es war sehr hilfreich, ihr ein persönliches Tagebuch als Requisite zu geben. Ich versuchte mir vorzustellen, welche Geheimnisse sie dort wohl aufschreiben würde und es schien fast, als ob sie sich mir anvertrauen würde.

Déborah François

Déborah François war die perfekte Darstellerin, um dieses typische kleine Mädchen zu spielen, bei dem die Rebellion in vollem Gange ist. Trotz ihrer Gewaltausbrüche, ihrer inneren Aufruhr und ihrer Exzesse ist Fleur vor allem ein verletzliches, sensibles und wirklich nettes, junges Mädchen. Déborah vereint auch all diese Widersprüche: ihr engelhaftes Äußeres verdeckt ein explosives Innenleben, das sie perfekt darzustellen weiß.

Produktion: Der Regisseur über Raphael

„Prokrastinieren… was?!“ Wie jeden Samstag besucht Raphaël, 25, auch heute seinen Opa, der sich entschlossen hat, seinem Enkel die Kunst der Weinverkostung beizubringen. Mit einem Glas Bordeaux in der Hand vertrauen sie sich einander an. Pierre erzählt von Claudine, seiner Frau, die viel zu früh gestorben ist, bevor ihre Enkel sie kennen lernen konnten. Und Raphaël erinnert sich an Moïra, seine erste Liebe. Für beide ist es eine Zeitreise zurück in glücklichere Tage.

Prokrastination

Raphaël kann das Wort „Prokrastination“ noch nicht mal aussprechen – und doch ist er die absolute Verkörperung dieses Worts. Er, der immer gerne all das auf morgen verschiebt, was er vorgestern schon hätte erledigen sollen. Nichts regt ihn auf, nichts stört ihn. Ich liebe solche Charaktere, er ist ein bisschen ein Faulenzer, er folgt keinem Zeitplan und ist für jeden Spaß zu haben, egal wie wild. Für einen Autor ist das ein Geschenk des Himmels!

Träume und Wirklichkeit

Raphaël ist derjenige, der die Familienträume fortsetzt, im Gegensatz zu Albert, der für die Ängste und Verpflichtungen zuständig ist. Deshalb verbringt er, statt wirklich voranzukommen, zehn Jahre damit, eine Fantasie zu leben. Das ist sein großes Werk! Jahrelang ist er wahnsinnig in ein Mädchen verliebt, das er für fünf Minuten getroffen hat. Er ist überzeugt, dass er ihre Telefonnummer irgendwo in seinen tiefsten Erinnerungen wieder findet, wenn er sich nur richtig konzentriert. Und wenn Raphaël an Gitarrenwettbewerben teilnimmt, spielt er nicht wirklich, sondern tut nur so als ob. Luftgitarre ist sehr einfach – man muss es sich nur vorstellen. All das lässt ihn vor anderen ziemlich cool erscheinen, aber man muss es realistisch sehen: Man kann nicht allein von Liebe, Luft und Heavy Metal leben. Es gibt ein Problem an Träumen: Der Moment, an dem man aufwacht.

Der Erbe

Raphaël ist der „Erbe“ der Leidenschaften der Anderen, besonders von denen, die nie umgesetzt wurden. Sein Großvater vermacht ihm seine Liebe zum Wein, sein Vater die Liebe zur Rockmusik. Und dank Raphaëls Fähigkeit, alles wie ein Schwamm aufzusaugen, findet er schließlich seine eigene Stimme.

Marc-André Grondin

Als ich den Film C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben von Jean-Marc Vallée sah, war ich sofort von Marc- André Grondin hingerissen. Sein Blick ist charmant und kindlich zugleich und passt perfekt zu der Rolle von Raphaël. Er ist ein außerordentlich talentierter Schauspieler, lebhaft und sehr bestimmt, was seine Arbeit angeht. Vor allem aber hat er eine Eigenschaft, die ich besonders schätze: einen „Bullshit Detector“. So nenne ich Leute, die in der Lage sind zu erkennen, wenn etwas den falschen Ton hat – ein Dialog, eine Situation oder ein Kostüm. Der Ausdruck ist nicht von mir – James Cameron hat ihn benutzt, als er über seine Arbeit mit Leonardo Di Caprio bei Titanic sprach und mir hat der Begriff gefallen.

Produktion: Der Regisseur über Marie-Jeanne

„Ich hätte die Dinge gerne anders. Ich hätte alles gerne wie früher, als Euer Vater mich leidenschaftlich liebte und ich für Euch drei der einzige Mensch auf der ganzen Welt war.“ „Braucht mal wieder richtigen Sex.“ So beschreibt Fleur ihre Mutter in ihrem geheimen Tagebuch. Natürlich hätte Marie-Jeanne das nie lesen sollen, aber wie hätte sie der Versuchung widerstehen können? Diese fünf Worte gehen ihr nicht aus dem Kopf an diesem nicht enden wollenden Tag, der Marie-Jeanne in die große „Über 50“-Krise stürzen wird.

Apocalypse Now

Marie-Jeanne weigert sich, ihre Jugend aufzugeben. Das Problem ist, dass die 20-jährige im Haus nicht mehr sie ist, sondern ihre Tochter. Und Fleur lebt wie Mädchen in ihrem Alter: ohne Kompromisse. Sie wird immer unabhängiger, chaotischer und unverschämter, und sie ist eine Meisterin im Foltern ihrer Mutter. Marie-Jeanne hält sich zurück, so gut es ihr eben gelingt, aber wo es Krieger gibt, gibt es auch Kämpfe.

Mom forever

Mit diesem apokalyptischen Tag wollte ich daran erinnern, dass eine Mutter immer im Nervenzentrum einer Familie ist. Das ist eine Hommage, die ich mir nicht verkneifen konnte – selbst, wenn es eine Illusion ist – denn neben der Vorstellung, die Fleur, Raphaël und Albert von ihrer Mutter haben, ist Marie-Jeanne vor allem eine Frau. Und auch wenn sie als Mutter unsterblich scheint, ist sie als Frau leider verletzbar geworden und auch voller Sehnsüchte. Aber kann man sein Leben lang begehrenswert bleiben? Das ist eine weitere Frage, die bald an uns zu nagen beginnt…

Zabou Breitman

Als ich Zabou traf, hatte ich sofort das Gefühl, dass sie eine wunderbare Marie-Jeanne wäre, eine Mutter, die versucht die Jugend zurück zu gewinnen, die ihre Kinder gerade hinter sich lassen. Sie ist nicht nur eine großartige Regisseurin, sondern auch eine fabelhafte Schauspielerin. Sie kann alles darstellen: Die Güte einer Mutter, die Sinnlichkeit einer Frau und die subtilsten Emotionen, all das verbunden mit großer Schauspielkunst. Ich spürte, dass sie Marie-Jeanne auf Anhieb verstand.

Produktion: Der Regisseur über Robert

„Euch drei beim Aufwachsen zu beobachten, ist das Schönste, was ich jemals in meinem Leben erlebt habe.“ Heute erfährt Robert etwas, das den Rest seines Lebens unwiderruflich verändern wird. Für jemanden wie ihn, der jeden Tag lebt als sei es der Letzte, ist das eine neue Herausforderung.

Rock’n’Robert

Roberts Figur ist als Vater nicht wirklich ein Vorbild. Im Gegenteil, in ihm schlummert noch immer der Teenager. Man kann ihn sich leicht im Alter von 20 Jahren vorstellen, in engen Jeans, Spitzschuhen und einer Lederjacke, der die neueste Rolling Stones Platte wie eine Reliquie auf den Plattenteller legt. Vor allem aber gibt Robert Dinge weiter und hat so Raphaël seine Leidenschaft für Gitarrenhelden vererbt. Er nimmt sich auch die Zeit, seine Werte zu vermitteln und zeigt Albert, dass es nie zu spät ist, sich seinen Dämonen zu stellen.

Taxi Driver

Manchmal ist es ein außergewöhnliches Verlangen, eine besondere Szene zu drehen, die bestimmte Story-Elemente einführt. Als ich zu schreiben begann, kam mir bald die Idee, dass Robert und sein ältester Sohn ein Kommunikationsproblem haben, dass die beiden entzweit. Wie können zwei Menschen, die nicht mehr miteinander reden, wieder ins Gespräch kommen? Ich bin selbst nicht geschwätzig, aber wenn es einen Ort gibt, an dem ich mich leicht öffnen kann, ist es die Rückbank eines Taxis. Ich hatte meine Szene: Albert hält zufällig das Taxi seines Vaters an und um den Schein zu wahren, schaffen es die zwei Männer endlich zu reden. So hatte ich Roberts Job.

Like a Rolling Stone

Als Taxifahrer führt Robert das Leben eines Sozialversagers. Aber er versucht, es auf die eine oder andere Weise in seiner Rolle als Vater wieder gutzumachen. Man sollte erwähnen, dass er es selbst nicht immer leicht hatte mit seinem eigenem Vater, gespielt von dem wunderbaren Roger Dumas. Wenn alles ideal gelaufen wäre, hätte Robert das Familienweingut übernommen, aber der Tod seiner Mutter hat den beiden entsetzliche Schmerzen zugefügt und die Kommunikation untereinander für immer zerstört.

Jacques Gamblin

Wenn ich ein Drehbuch schreibe, verbiete ich es mir, an einen bestimmten Schauspieler zu denken. Ich will nicht, dass meine Figuren durch eine Stimme, eine Statur oder ein Auftreten beeinflusst werden. Und es ist beunruhigend, wenn man die Person trifft, die diese Rolle annehmen wird. Man glaubt, diese Figur von Kopf bis Fuß zu kennen und dann steht sie plötzlich in Fleisch und Blut vor einem und offenbart neue, ganz nahe liegende Seiten an sich. Jacques redet über seine Rolle gern weit im Voraus und es ist für einen Regisseur eine große Freude, wenn man den Eindruck hat, dass seine Figur mit einer solchen Präzision gespielt wird. Ich habe die Arbeit mit ihm wirklich sehr genossen. Sein Instinkt und sein Perfektionismus, sein Charme und seine Eleganz sind eine erstaunliche Mischung. Er steht mit beiden Beinen fest auf der Erde und ist zugleich mit dem Kopf in den Wolken. Das ist ein sehr inspirierender Widerspruch.

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