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Produktion: Die Idee zur Story

Burn After Reading erzählt von einem ausgemusterten CIA-Mann, zwei Angestellten eines Fitness-Studios und einer CD mit möglicherweise hochbrisanten Geheimdienstinformationen – so, wie die Coen-Brüder die Story in Szene setzen, hat man es zunächst mit einer Mischung aus klassischer Screwball Comedy, Gesellschaftssatire und Sexfarce zu tun. Doch je mehr die Ereignisse außer Kontrolle geraten, ganz als ob finstere Mächte am Werk wären, desto stärker rückt die dunkle Seite dieser Geschichte in den Vordergrund. Im Werk der Coen-Brüder folgt Burn After Reading auf No Country For Old Men – was allerdings eher Sachzwängen und Terminfragen geschuldet war als einer Neuausrichtung ihres Schaffens. Dennoch nimmt es in beiden Filmen mit einigen der Charaktere kein gutes Ende – bekanntlich seit langem eine Konstante in allen Coen-Filmen.

Joel Coen erklärt: „Wir haben das Drehbuch ungefähr zur selben Zeit geschrieben wie das für No Country For Old Men. Ethan Coen: „Die Grundidee kam uns, als wir uns mögliche Rollen für einige Schauspieler, die wir besonders mögen, ausdachten; Leute, von denen wir dachten, es könnte lustig werden, wenn wir sie zusammenbringen: George Clooney, Richard Jenkins, Frances McDormand und Brad Pitt. Bis auf Brad hatten wir schon mit allen gearbeitet. Wir dachten darüber nach, wie man diese Charaktere in einer Geschichte zusammenbringen könnte, die man sich gerne anschauen würde.“

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Alle Bilder und Videos zu Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?

Joel zählt auf: „Mit George und Richard haben wir schon zwei Mal gearbeitet und mit Fran mindestens vier Mal; sie inspirieren uns immer wieder dazu, Rollen speziell für sie zu schreiben. Ebenso wie Brad gehört John Malkovich zu denen, mit denen wir noch nie gearbeitet hatten, obwohl der Plan schon lange bestand. Also haben wir John eine Rolle buchstäblich auf den Leib geschrieben, was uns sehr viel Spaß gemacht hat.“

Wie die Coens klarstellen, sind in Burn After Reading „alle Figuren Schwachköpfe, aber dabei nicht unbedingt unsympathisch. Wir haben allen Schauspielern gesagt: Lasst euren inneren Schwachkopf raus!“ Joel Coen: „Es dreht sich um Leute mittleren Alters, die alle eine Krise durchmachen: privater, beruflicher oder sexueller Art; und weil diese Krisen vermeintlich Fragen der nationalen Sicherheit berühren, wird das Ganze plötzlich zu einer politischen Geschichte. Denn alles dreht sich darum, was passiert, wenn die Welt der CIA und die Fitness-Szene aufeinandertreffen. Ach ja: Internet-Partnerbörsen sind auch noch ein Teil des Ganzen.“

„Man kann schon sagen, dass es im großen und ganzen eine Komödie ist“, sagt Ethan Coen, und es wäre ja nicht unsere erste. Aber mit dem Kosmos Washington, dieser Welt aus Spionen und Intrigen, haben wir uns noch nie beschäftigt.“ Mit einer Ausnahme, wie Joel sagt: „Vor sehr vielen Jahren haben wir mal eine Filmfassung von Allen Drurys ,Advice and Consent’ auf Super 8 gedreht – aber das war das letzte Mal, dass wir uns eine Story vorgenommen haben, die im Dunstkreis der Regierungszentrale spielt.“ Ethan fügt noch hinzu: „Wir hatten damals nicht die Rechte an der Romanvorlage, daher kann man den Film nicht in kommerziellem Rahmen zeigen. Aber wie bei ,Advice and Consent’ geht es auch in unserem neuen Film um das Aufeinandertreffen von Persönlichem und Politischem, angerichtet mit einem Schuss Melodrama. Burn After Reading ist gleichzeitig unsere Version solcher Tony-Scott- oder Jason-Bourne-Filme, nur ohne die Explosionen. „Ich finde, ein bisschen ist der Film wie ,Sieben Tage im Mai’“, ergänzt Joel.

Produktion: Die Darsteller über ihre Rolle

George Clooney, der an zahlreichen ausgesprochen politischen Filmen als Darsteller bzw. Regisseur beteiligt war, sagt: „Der Film spielt zwar in Washington, aber im Fokus steht eine Gruppe erschreckend dummer Leute, die erschreckend dumme Sachen machen. Ich fand bemerkenswert, dass keiner von ihnen ein Politiker ist.“ Und er fügt hinzu: „Schon als Joel und Ethan mich anriefen, wusste ich, dass ich zusagen würde. Was kann es Schöneres geben? Es sind schließlich die Coen-Brüder! Durch sie kommt man an Rollen, die einem als Schauspieler niemand sonst zutraut. Als sie mir aber sagten, dass sie die Rolle ausdrücklich für mich geschrieben hätten, war ich doch ein wenig besorgt…“ Ethan erklärt dazu trocken: „George wird älter, also werden auch die Figuren, die er spielt, älter – wenn auch nicht klüger.“ Clooney weiter: „Der traurige, stupide Harry ist den Blödmännern, die ich in meinen anderen Coen-Brüder-Filmen gespielt habe, ja nicht ganz unähnlich. Aber dieser Typ hat eine fiese Ader, eine Aggressivität, die einem Everett in O Brother, Where Art Thou? völlig abging. Ich habe vor Lachen gebrüllt, als ich das Drehbuch las – es ist so irrsinnig, und ich habe mich voll davon mitreißen lassen. So sehr, dass ich mir sogar den Bart wachsen ließ, den sie für meine Figur vorgesehen hatten. So bin ich dann an den Set gekommen – wo ich endlich auch einmal die Gelegenheit hatte, mit Fran zu arbeiten.“

Frances McDormand erinnert sich an ihre erste Reaktion auf das Skript: „Die Beschreibung der ersten Szene für meine Figur liest sich im Drehbuch so: Nahaufnahme Frauenhintern. Weißlich. Nackt. Mittelalt. Warum sollte man da ernsthaft weiterlesen? Warum sollte man ernsthaft erwägen, diese Rolle zu spielen?“, lacht sie. „Es macht großen Spaß, für Fran zu schreiben, weil man einfach weiß, dass sie gut sein wird“, sagt Ethan und verrät: „Etwas weniger lustig ist es dann, wenn sie das fertige Drehbuch zu lesen bekommt, weil sie einen fürchterlich anschreit.“ Joel hat dazu folgendes zu sagen: „Man arbeitet Monate über Monate an einem Skript, und ihre erste Reaktion ist: ,Das ist alles?’ Aber wir kommen in der Regel irgendwann über diesen Punkt hinweg.“ McDormand meint schließlich: „Ich arbeite mit Joel und Ethan seit 25 Jahren zusammen. Ihr erster Film war mein erster Film . Ich weiß nicht, wie sie es immer wieder schaffen, mich rumzukriegen. Aber am Ende ist es immer die Mühe wert.“

Brad Pitt hatte schon lange auf eine Rolle in einem Film der Coen-Brüder gewartet – und schließlich kam der erhoffte Anruf. Er gibt zu: „Ich hatte nicht erwartet, dass meine Figur ein solcher Hohlkopf sein würde, der ständig Kaugummi kaut, Energy-Drinks in sich hineinschüttet und iPod-süchtig ist – ich sagte zu Joel und Ethan: Er ist so ein Idiot…! Aber immerhin hat er ein gutes Herz. Kurzum: Ich sehe diese Rolle als absoluten Karrierekiller.“ George Clooney bestreitet diese Einschätzung mit einem Schulterzucken. Er prophezeit, dass sein Co-Star und langjähriger Freund „der eigentliche Star des Films sein wird.“ Und Joel findet: „Am Ende fand Brad es genauso toll wie George, einen derartigen Blödmann zu spielen, und er ist wirklich sehr komisch in der Rolle.“ McDormand kann das nur bestätigen: „Brad stellte in unseren gemeinsamen Szenen Sachen an…! Es war harte Arbeit, nicht laut loszulachen.“

Wie Pitt hatte auch John Malkovich lange darauf gewartet, mit den Coens zusammenarbeiten zu können. Er gibt zu: „Als sie mich anriefen und mir sagten, dass sie eine Rolle eigens für mich geschrieben hätten, war ich überglücklich.“ Seine Interpretation von Film und Rolle geht so: „Das ganze Drehbuch beruht darauf, dass Leute auf Sinnsuche sind, dass sie sich von Grund auf ändern wollen. Ozzie ist ein sehr sarkastischer Typ, und ein schlimmer Säufer. Als er gefeuert wird, regt er sich mächtig auf. Und er beginnt, seine Memoiren zu schreiben – die leider ziemlich missraten.“ Malkovich fügt noch hinzu: „Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, Ozzie zu spielen, eben weil er so ein Dummkopf ist; besonders in der Szene, in der er gefeuert wird. Zum Spaß hat auch beigetragen, dass ich Leute am Telefon zusammenbrüllen und einen Vollrausch spielen durfte.“

Tilda Swinton sagt über ihre Rolle als Cox’ Ehefrau Katie: „Ich durfte so großartige Dialogzeilen sagen wie beispielsweise: ‚Hör’ auf mit dem Schwachsinn!’ Katie hat das Gefühl, von lauter Vollidioten umgeben zu sein, sie ist ständig zornig, nimmt an allem Anstoß, sie ist vom Leben im allgemeinen und ihrem Ehemann im besonderen enttäuscht.

Beinahe ebenso sehr enttäuscht ist Ted, gespielt von Richard Jenkins: „Er wird im Skript als ,schwermütig’ beschrieben“, erzählt Jenkins: „Er ist unsterblich in Frans Figur Linda verliebt, aber sie sieht in ihm nur einen Freund. Ich habe schon zweimal im selben Film wie Fran gespielt, und in beiden hatten wir keine gemeinsame Szene. Endlich konnte ich wirklich einmal mit ihr zusammenarbeiten, und sie ist auch in Natura so großartig, wie man immer hört.“

Produktion: Die Crew

Damit Burn After Reading mit den gewünschten Schauspielern überhaupt entstehen konnte, wurde der Drehplan zur zentralen Frage – ein weiterer Grund dafür, dass No Country For Old Men zuerst abgedreht wurde. „Alles hing davon ab, wann die Darsteller verfügbar sein würden“, sagt Joel. Ethan: „Wir haben schließlich bei allen eine Lücke im Terminkalender gefunden, und das bestimmte, wann wir drehen konnten.“

BURN AFTER READING ist der erste von zwei Filmen, die zu einem Produktionsvertrag der Coens mit Focus Features und Working Title gehören. Mit Working Title und deren beiden Firmenchefs Tim Bevan und Eric Fellner verbindet die Coen Brüder allerdings schon eine lange gemeinsame Geschichte: FARGO, HUDSUCKER – DER GROSSE SPRUNG, THE BIG LEBOWSKI, O BROTHER, WHERE ART THOU? und THE MAN WHO WASN’T THERE wurden alle in Zusammenarbeit mit Working Title realisiert. Auch John Lyons, Leiter der Produktionssparte bei Focus, hat mit den Coen-Brüdern bereits zuvor gearbeitet; er war Casting Director bei ARIZONA JUNIOR, MILLER’S CROSSING, BARTON FINK, FARGO, HUDSUCKER – DER GROSSE SPRUNG und THE BIG LEBOWSKI.

Nachdem das Ensemble stand, die Produktionsfirma und auch das Studio gefunden waren, riefen die Coens eine weitere Gruppe regelmäßiger Mitarbeiter zusammen, die zuvor alle auch an NO COUNTRY FOR OLD MEN mitgearbeitet hatten: Kostümbildnerin Mary Zophres, Ausstatterin Nancy Haigh, Maskenbildnerin Jean Black, Tonmeister Peter Kurland und Script Supervisor Tom Johnston. Joel: „Sie sind alle so unglaublich gut in ihrem Job, und sie schrecken vor keiner Herausforderung zurück. Wir haben einfach enormes Glück gehabt, ein solches Team zu versammeln, mit den Besten aus allen Bereichen.“ Bühnenbildnerin Jess Gonchor, die erst vergleichsweise kurz dabei ist, kam ebenfalls gerade von NO COUNTRY FOR OLD MEN, ebenso Komponist Carter Burwell, langjähriger Mitstreiter der Coens. Neu hinzu kamen: die für den BAFTA-Award nominierte Hairstylistin Lyn Quiyou und der vierfach Oscar-Nominierte Kameramann Emanuel Lubezki .

Im Dunstkreis der Macht und anderswo: die Drehorte

Für die Coens sind nicht nur die Figuren und ihre Eigenheiten wesentliche Bestandteile ihrer Filme, sondern auch das Aussehen der Sets und ihre Atmosphäre. Szenenbildner Jess Gonchor erklärt: „Burn After Reading spielt in Washington, D. C.; das ist nicht bis ins letzte herausgearbeitet, aber es wird deutlich genug. Uns ging es grundsätzlich um ein möglichst realistisches Aussehen, aber die tatsächlichen Sets wirkten alle ein bisschen surreal – wie der Film ja selbst auch. Es geht dabei gar nicht so sehr um Übertreibungen, sondern um kleine Dinge, die irgendwie nicht recht zueinander passen wollen und einen gewissen verfremdenden Effekt haben.“ Als Beispiel nennt Gonchor das Innere der russischen Botschaft, das in den Steiner Studios gebaut wurde: „Für eines der Büros haben wir ein Set gebaut mit einer mehr als vier Meter hohen Decke und die Wände kahl gelassen – bis auf ein großformatiges Porträt von Präsident Putin, das sehr weit oben hängt, so hoch, dass man sich den Hals verrenken muss, um es richtig zu sehen.“ Ethan kommentiert: „Arbeitet man mit Jess zusammen, dann beeinflussen die realen Drehorte immer auch die Entwürfe für die Studiobauten – eine sehr praktische Arbeitsweise.“

Obwohl der Film eigentlich in Washington spielt, stand von Beginn an fest, dass ein Großteil der Dreharbeiten in New York und Umgebung stattfinden würde, abgesehen von einigen Außenaufnahmen, die tatsächlich in Washington vor Ort stattfinden mussten. Ein entscheidender Faktor war dabei, dass die Coens in der Nähe ihres Zuhauses und ihrer Familien bleiben wollten, ein anderer, dass George Clooney gerade parallel an einem anderen Projekt in New York arbeitete.

Die Dreharbeiten zu Burn After Reading begannen in Downtown Manhattan, in den Räumen einer Anwaltskanzlei, die für die Büros von Katie Cox’ Scheidungsanwalt herhielten. Kurz darauf zog die Produktion nach Paramus in New Jersey um, wo alle Szenen, die im Fitness-Studio „Hardbodies“ spielen – Lindas, Chads und Teds Arbeitsplatz – gedreht wurden. Gonchor und seine Mitarbeiter richteten in einem leerstehende Gebäude, das kurz zuvor noch einen „Tower Records“-Plattenladen beherbergt hatte, ein voll funktionsfähiges Fitness-Studio ein; dabei wurden sie vom Fitness-Ausstatter „The Gym Source“ unterstützt, die die Geräte bereitstellten. Die Verwandlung war so realistisch, dass immer wieder Anwohner am Tresen auftauchten, um sich nach den Bedingungen einer Mitgliedschaft zu erkundigen.

Nach mehr als einer Woche im Fitness-Studio ging es nach Brooklyn, in die Steiner Studios, wo die Szenen in Lindas Wohnung und die in der russischen Botschaft gedreht wurden. Nächster Halt war in New Rochelle für die Außen- und Innenaufnahmen von Harrys Wohnsitz, der im Film in Chevy Chase, Maryland angesiedelt ist. Die Szenen im Chesapeake Bay Yachtclub wurden in Mamaroneck, Westchester gedreht. Weitere Drehorte waren der Zigarrenraucherclub „Macanudo“ in Manhattan, Manhattans Riverside Park und das Bronx Community College, wo die Außenaufnahmen für die russische Botschaft gedreht wurden. Gonchor erzählt zu den verschiedenen Drehorten für die russische Botschaft: „In den Steiner Studios hatten wir für das Büro des russischen Funktionärs, der mit Linda und Chad spricht, ein sehr charakteristisches, rundes Fenster aufgebaut von über drei Metern Durchmesser. So etwas hatten wir an einem Gebäude des Bronx Community College gesehen, und das stach uns gleich ins Auge.“

In der Gegend von Brooklyn Heights dienten mehrere Stadthäuser als die großzügige Behausung der Coxes in Georgetown. „Wir mussten einige Straßenzüge in Brooklyn Heights auf Vordermann bringen“, erzählt Jess Gonchor: „Wir haben einige Fassaden neu gestrichen und bei allen Häusern die schwarze Fensterläden angebracht, damit sie den tatsächlichen Häusern von Georgetown ähnelten. Für meine Abteilung war das der anstrengendste Teil der Dreharbeiten.“ Gonchor weiter: „Für das Haus der Coxes haben wir bei einem Haus einige Innenräume im Erdgeschoss genutzt, bei einem andren die Haustür, die Auffahrt und eine eigens gebaute Gartenmauer; ein drittes haben wir nur für die Totalen verwendet. Und schließlich waren wir auch noch in den Steiner Studios, wo wir das Schlafzimmer und den Flur im Obergeschoss aufgebaut und ausgestattet haben.“ In den Steiner Studios wurden schließlich auch weitere Szenen gedreht, die im Hauptquartier der CIA und auf Cox’ Jacht spielen.

Nach New York zog die Produktion am Ende für einige wenige Tage nach Washington, D. C. weiter, um Orte einzufangen, die nicht nachgebaut werden konnten. Dazu gehörte ein Dreh auf Washingtons National Mall, in der Nähe des Reflecting Pond zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument, und in der Nähe des Mahnmals für die Opfer des 2. Weltkrieges. Weitere Szenen wurden schließlich auf der Keys Bridge über den Potomac und am Tidebecken im West Potomac Park gedreht.

Produktion: Am Set mit den Coens Brüdern

Bei so vielen Stars auf einem Haufen zog der Dreh naturgemäß die Aufmerksamkeit zahlreicher Paparazzi auf sich, aber wie es bei den Coen-Brüdern die Regel ist, liefen die eigentlichen Dreharbeiten glatt und reibungslos ab. Richard Jenkins sagt: „Sie legen den Schauspielern eine sehr große Verantwortung auf: Sie wissen genau, was sie wollen, aber sie wollen auch, dass du etwas eigenes dazu beiträgst.“ McDormand fügt hinzu: „Beim Dreh sind Joel und Ethan immer extrem gut vorbereitet. Sie planen alles bis ins letzte Detail, und das kommt immer auch den Schauspielern zugute. Wir müssen nicht darauf warten, dass sie irgendwelche Entscheidungen treffen. Sie erlauben zwar in einem gewissen Rahmen auch Improvisation, aber die Art und Weise, wie sie ihre Geschichten erzählen, beruht nun einmal nicht darauf, mit welchen spontanen Einfällen ihre Darsteller aufwarten. Und zusammen haben sie es leichter, ihre Vorstellungen anderen verständlich zu machen, weil sie die Diskussion darüber bereits zuvor untereinander geführt haben.“

Swinton bestätigt: „Sie machen sich das alles schon beim Schreiben klar, so dass sie sich völlig einig sind, wenn es ans Drehen geht. Burn After Reading fühlte sich für mich als Neuling wie ein klassischer Coen-Brüder-Film an. Die Dreharbeiten liefen so mühelos und familiär ab – es war einfach großartig, dabei zu sein und ihren Arbeitsrhythmus live zu erleben. Es war die leichteste Arbeit, die man sich nur vorstellen kann, mal abgesehen von den Lachanfällen, die George und ich zwischen den Takes hatten.“ Swinton und Clooney waren bereits gut miteinander bekannt, da sie unmittelbar zuvor gemeinsam in MICHAEL CLAYTON vor der Kamera gestanden hatten. Für diese Rolle gewann Tilda Swinton einen Oscar.

Clooney bemerkt: „Wenn ich selber als Regisseur arbeite, versuche ich, alles möglichst genauso zu organisieren wie Ethan und Joel. Ihr Stil ist schlichtweg der einfachste. Sie lassen einen zwar Sachen ausprobieren, aber am Ende läuft es doch immer darauf hinaus, dass man ihren Vorstellungen folgt, einfach weil sie nun mal einen sehr spezifischen Plan verfolgen. Es ist mir noch nie untergekommen, das sie eine Szene hätten proben müssen.“ Clooney weiter: „So ist eine Sache, die ich von ihnen übernommen habe, die Storyboards ins Drehbuch zu integrieren. Wenn man die Storyboards als Teil der Drehbuchseiten hat, die am jeweiligen Drehtag an alle Beteiligten ausgehändigt werden, ist das eine große Hilfe. Und ich habe mir auch gleich ihren Storyboard-Zeichner J. Todd Anderson für alle meine Filme gesichert.“

John Malkovich, der ebenfalls schon als Regisseur gearbeitet hat, sagt: „Das wichtigste ist, die Coens wissen, wie man Filme macht. Außerdem sind sie alles andere als Kontrollfreaks. Sie wissen einfach, was sie in jeder einzelnen Einstellung zeigen wollen – wie es aussehen soll, wie es in die Story hineinpasst – also verlieren sie nie unnötig Zeit, und die ganze Sache hat dadurch ein unglaubliches Tempo. Sie treiben ihre Schauspieler ganz schön an, aber sie sind auch offen für neue Ideen und hören einem zu. Das ist für jeden Schauspieler ein Geschenk. Man kann richtig an der Figur arbeiten.“ Es sind genau diese Feinheiten bei der Charakterisierung ihrer Figuren, die den Filmen der Coens so viel Esprit und Stilbewusstsein verleihen.

Frances McDormand sagt: „Was mich an diesem Film von Anfang an fasziniert hat war, dass er von erfolglosen Typen mittleren Alters handelt. George Clooney und Brad Pitt als Loser, das ist wirklich mal etwas neues. Man sieht Tragödien mit solchen Charakteren, und auch Komödien, aber selten eine Kombination aus beidem. Ich finde den Film zum Schreien komisch, aber den Figuren ist eben auch eine gewissen Tragik eigen.“ McDormand fügt hinzu: „Es gibt ja schließlich auch noch eine ganze Menge Leute mittleren Alters, die sich Kinofilme anschauen. Sie werden sich leicht in meine Figur und ihre Weltsicht hineinversetzen können. Linda will eine Generalüberholung ihres Körpers und außerdem den Mann fürs Leben finden, und ist nicht mehr in der Lage, an etwas anderes zu denken.“

Clooney merkt noch an: „Meinen Figuren geben sie immer eine ganz bestimmte Macke mit. In O BROTHER, WHERE ART THOU? waren es die Haare, in EIN (UN)MÖGLICHER HÄRTEFALL die Zähne und in Burn After Reading ist es … na, das werden Sie ja dann selbst sehen.“ So viel verrät Clooney dann aber doch: „Meine Figuren in den Filmen von Ethan und Joel nennen wir die ,Idioten-Trilogie’. Als es darum ging, die Kostüme für die Figur auszusuchen, fragte ich Mary Zophres, Kostümbildnerin, ob ich ein Goldkettchen tagen sollte. Und von da an kam eins zum anderen: Ich wusste ganz genau, wie dieser Typ aussehen müsste: hoch geschnittene Hosen, ein bisschen wie ein Nerd eben. Ich habe mich so gut in diese Figur hineinversetzen können, dass ich schon anfing, mir Gedanken zu machen. Aber als ich dann sah, wie Brad Pitt in engen Elastan-Shorts herumhüpfte, wusste ich, dass bei mir alles in Ordnung war.“

Produktion: Kostüme, Frisuren und Design

Für Kostümbildnerin Mary Zophres war die Arbeit am Film ein außerordentliches Erlebnis: „Immer wenn ich ein Drehbuch von Joel und Ethan lese, erwacht für mich alles sofort zum Leben. Ich weiß sofort, wie alles auszusehen hat, ganz ohne dass sie explizit Sachen hineinschreiben müssten wie ,Er trägt dies, sie trägt das.’ Ich betrachte mich als die glücklichste Kostümbildnerin Hollywoods, weil ich immer wieder von ihnen angeheuert werde. Aber hier hatte ich die Riesenaufgabe, George und Brad wie ganz normale Typen aussehen zu lassen. Wie kriegt man es hin, dass George Clooney nicht mehr nach Hollywood und Italien, sondern wie Harry Pfarrer aus einem Vorort von Washington, D. C. aussieht? Für mich waren Georges kurzgeschnittener Vollbart und die Goldkette der ideale Ausgangspunkt. Das hat uns zu seinem ,Verführer-Look’ bei seinen Dates gebracht. Wir beschlossen, ihn in ein kariertes Hemd mit einem Sportjackett und dazu passender Hose zu stecken – und es hat tatsächlich funktioniert, ihn gleich ein paar Nummern unattraktiver aussehen zu lassen.“ Soweit zu Clooney, der ja schon in seiner Oscar-prämierten Rolle in SYRIANA unvorteilhafte Klamotten getragen hatte. Aber was sollte man mit Pitt machen?

Zophres gibt zu: „Die Schwierigkeit lag darin, Brad wie einen Trottel aussehen zu lassen. Lin Quiyou, die Hairstylistin, dachte sich eine Frisur für ihn aus, bei der das Haar hoch stand, und fügte noch wirklich schlimme blonde Strähnchen hinzu. Das hat schon einmal viel bewirkt. Was seine Dienstkleidung im Fitness-Studio betrifft, kann ich mich nicht erinnern, dass Brad in einem Film schon jemals Shorts getragen hätte. Zur ersten Anprobe erschein er völlig durchtrainiert und fit. Aber die Shorts in Kombination mit Tennissocken und großen weißen Turnschuhen bewirkten, dass er zumindest ein bisschen deppert ausschaut.“ Zophres weiter: „Und dann war da noch der Anzug, den er auf Lindas Geheiß hin anzieht. An Brad sehen selbst billige Anzüge noch gut aus, also verpassten wir ihm einen, der schlecht saß und außerdem ein sogenannter „executive cut“ war, geschnitten also für jemanden mit einer fülligeren Figur. Die hässliche Wollkrawatte, die er dazu trug, war unsere eigene Kreation. Zusammen passte das einfach perfekt – er sah ziemlich schlimm aus.“

Zophres hatte Francis McDormand einige Jahre zuvor schon einmal ausgestattet: für den Schwarzweißfilm der Coens THE MAN WHO WASN’T THERE, der im Jahr 1949 spielt. Diesmal ging es darum, ihr ein farbiges, zeitgenössisches Kostüm zu verpassen. Sie erklärt: „Genau wie Chad, sieht man Linda im Film meistens in der Uniform des Fitness-Studios, ein auffälliges Polohemd mit dem Firmenlogo, zu dem sie eine Art Trainingshose trägt, auch wenn sie hier keiner der Fitnesstrainer ist. Joel und Ethan haben sehr intensiv mit mir über die Uniform gesprochen, und sie waren es auch, die diese Farbe vorschlugen, eine ganz dunkle Rotschattierung. Wir beschlossen, zunächst einmal Fran auszustatten. Daraus folgte, was Brad und Richard als ihre Kollegen tragen würden. Und genau wie bei Brad war für mich der Ausgangspunkt bei Frans Kostüm die Frisur.“ Joel kommentiert: „Es kommt öfter mal bei uns vor, dass wir den Schauspielern Frisuren verpassen, die sie besser verbergen sollten, wenn sie nicht gerade am Set sind. Aber sie sind ein ganz entscheidendes Element, wie die Figuren in unseren Filmen definiert sind – genau wie Marys Kostüme.“

Lin Quiyou, von Ethan und Joel als „fantastisch“ gelobt, schuf für jede der Hauptfiguren einen unverwechselbaren Haarschnitt. Lindas blonde Frisur entstand als Perücke, die Quiyou für McDormand maßanfertigte. Ihre Inspiration kam dafür aus der Welt der Politik: Als Vorbild diente ihr Linda Tripp, der Hauptzeugin im Lewinsky-Skandal, insbesondere der blonde Bob, den sich Tripp im Zuge ihrer plötzlichen Berühmtheit schneiden ließ.

Tilda Swinton trug in ihrer Rolle als Katie eine helmartige Frisur. Und auch hier half der Haarschnitt der Darstellerin, sich in die Figur hineinzuversetzen. Swinton: „Katie hat einen sehr strengen Haarschnitt, glatt, nicht das geringste Büschelchen steht ab, keine Andeutung einer Locke, und das Ganze in einem unglaublichen Rotton, den es bestimmt nicht als natürliche Haarfarbe gibt. Mich hat sie an Edna Krabappel, die Lehrerin aus den ,Simpsons’, erinnert.“ Zu Katies Garderobe sagt Zophres: „Sie kommt aus einer alteingesessenen, gutbetuchten Familie und zieht sich entsprechend konservativ an, wenn auch mit einem kleinen Beigeschmack von Protzerei. Ihre bevorzugten Marken sind Ralph Lauren und Cartier.“ Und Swinton ergänzt: Mir macht es Spaß, wenn man das Aussehen einer Figur bis ins Detail festlegt. Mary hat mich zuhause in Schottland besucht, und wir hatten großen Spaß bei den Anproben.“ Zophres bestätigt das: „Für mich war es sehr nett, auch einmal in diesen Teil der Welt zu kommen – wenn auch nur für einen Tag und dann auch noch mit so viel Gepäck!“

Ein Wort noch von Zophres zu Swintons Filmehemann: „Osborne pflegt den klassischen amerikanischen Stil, er trägt Anzüge von Brooks Brothers und dazu eine Fliege – zumindest bis er gefeuert wird und er sich völlig gehen lässt. Für mich war das ein sehr interessanter Spannungsbogen im Film, wie die Geschichte dieser Figur durch ihre Kleidung erzählt wird.“

Auch auf die Kostüme der Nebendarsteller und Statisten wurde viel Sorgfalt verwendet. Zophres zum Grund für diese Mühe: „Der Film spielt zwar in der heutigen Zeit, dennoch mussten wir die Leute von Kopf bis Fuß neu einkleiden, weil man sich in Washington anders anzieht als irgendwo sonst in den USA, und mit Sicherheit anders als in New York, wo wir gedreht haben. Was Kleidung betrifft, ist man da sehr konservativ, mehr als irgendwo sonst an der Ostküste. Wir haben die Männer in dunkelblaue Anzüge gesteckt und die Frauen in graue Kostüme mit üppigen Perlenketten dazu. Es trägt viel zur Atmosphäre des Ortes bei, zumal Burn After Reading ganz ausdrücklich in bestimmten Stadtvierteln Washingtons angesiedelt ist.“

Auf die abschließende Frage, was die Zuschauer denn nun bei Burn After Reading erwartet, antwortet John Malkovich: „Man kann sich darauf verlassen, dass der Film eine ganz eigene und sehr unterhaltsame Sichtweise bieten wird; etwas ganz anderes als man gewohnt ist.“ Und Richard Jenkins fügt hinzu: „Es ist nun einmal ein Film der Coen-Brüder! Also wird es düster – und sehr lustig!“

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