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Buongiorno Notte - Der Fall Aldo Moro

Kinostart: 14.06.2007

Filmhandlung und Hintergrund

Spannendes Politdrama über die Entführung und den Mord an Italiens Premierminister Aldo Moro im Jahr 1978 durch die Roten Brigaden.

1978 mietet sich das vermeintliche Pärchen Chiara (Maya Sansa) und Ernesto (Pier Giorgio Bellocchio) in einem römischen Apartment ein. Tatsächlich gehören beide der linksextremistischen Terrorgruppe „Rote Brigaden“ an. Fünf Menschen sterben, als sie den italienischen Premierminister Aldo Moro (Roberto Herlitzka) entführen und 55 Tage lang als Geisel gefangen halten, bevor sie ihn töten. Während beim radikalen Anführer Mariano (Luigi Lo Cascio) im engen Versteck Verfolgungswahn ausbricht, kommt Bewacherin Chiara dem Opfer näher.

Auch Italien erlebte in den 70ern eine bleierne Zeit, die viele Terroropfer forderte. Dem prominentesten widmet sich das auf Opferbriefen und Täterberichten basierende, spannende Politdrama um Gefangenschaft, Gruppendynamik und die fatalen Irrtümer der radikalen Ideologie.

Aus der Perspektive einer fiktiven Terroristin der Roten Brigaden wird die Entführung des italienischen Premierministers Aldo Moro im Jahr 1978 geschildert: Die junge Frau bewacht ihr Opfer in einer winzigen Zelle in ihrer Wohnung und trägt maßgeblich die Verantwortung an der schleichenden Demütigung und schließlichen Ermordung Moros.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Buongiorno Notte - Der Fall Aldo Moro: Spannendes Politdrama über die Entführung und den Mord an Italiens Premierminister Aldo Moro im Jahr 1978 durch die Roten Brigaden.

    Das 60. Filmfestival Venedig wird wohl als ein besonders politisches in die Geschichte eingehen. Vor allem Marco Bellocchios „Buongiorno, notte“ mit dem Blick auf die Entführung und den Mord an Italiens Premierminister Aldo Moro im Jahre 1978 durch die Roten Brigaden zählte zu den absoluten Highlights. Und hätte mehr verdient als „nur“ den Preis für das Beste Drehbuch.

    Nicht zum ersten Mal wurde das Thema filmisch aufgegriffen. Schon Giuseppe Ferrara schilderte in „Die Affäre Aldo Moro“ 1986 die Tragödie dieses Politikers. Aber Bellochios Ansatz ist ein anderer. Basierend auf Moros Briefen an die Familie und Institutionen sowie dem Bericht „Der Gefangene“ von der früheren Roten Brigadistin Anna Laura Braghetti, die Moro gemeinsam mit drei jungen Männern in einer Wohnung gefangen hielt, zeichnet er die Entführung aus dem Blickwinkel der Täter, die sich anfangs über die Konsequenz nicht im Klaren waren, fast bis zuletzt hofften, dass die Regierung ihre Forderungen erfüllen würde und sie den Premier freilassen könnten. Aber sie hatten nicht mit der Härte des politischen Establishments gerechnet, dem die Gefangennahme und der sinnlose Mord genau ins Konzept passte. Die regierenden Christdemokraten konnten ihrem Parteimitglied Moro nicht verzeihen, dass er die Kommunisten salonfähig gemacht hatte. Und sein Märtyrertod gab den Konservativen die Möglichkeit, mit aller Macht zurückzuschlagen. Während der 55 Tage, in denen Moro in einer Wohnung in Rom festgehalten wurde, fokussiert sich Bellochio vor allem auf den gruppendynamischen Prozess unter den Terroristen. Sensibel zeichnet er den Zusammenbruch ihrer Weltanschauung und des auf tönernen Füßen stehenden Gruppenzusammenhalts, sowie das Aufflammen individuellen Verhaltens der Extremisten.

    Das Drama beginnt mit Alltäglichkeiten. Da mietet ein junges Paar, Chiara und Ernesto, eine Wohnung und rüstet hinter einer Buchwand einen Teil davon zum Versteck um. Die letztendlich vier Brigadisten, die überall Gefahr wittern, werden immer wieder durch harmlose Nachbarn aufgeschreckt und steigern sich sukzessive in eine Paranoia hinein, begünstigt von der klaustrophobischen Atmosphäre.

    Neben Moro, dessen Figur Mitleid und Respekt einfordert, steht Chiara, eine Angestellte im öffentlichen Dienst, die plötzlich die Diskrepanz zwischen Ideologie und Idealen der Revolution erkennt, dem rigiden Anführer und seiner Radikalität immer skeptischer gegenüber. Unbewusst baut sie eine Intimität zum Opfer auf, das sie durch ein Guckloch beobachtet. Im Endeffekt sind die vier Bewacher ebenso Gefangene wie Moro, der die entwürdigende Situation mit Würde erträgt (überzeugend Robert Herlitzkas zurückgenommene Performance). Bellocchio gelingt ein psychologisch spannendes Kammerspiel, das über Italien hinaus interessant sein dürfte. Besonders in Zeiten, in denen man in Deutschland über die „Ausgewogenheit“ einer Ausstellung über die Rote Armee Fraktion diskutiert, sollte dieses intensive Politdrama bei einem politisch aufgeschlossenen Arthouse-Publikum auf Resonanz stoßen. mk.
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