Bug

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   2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Bug: Klaustrophobisches Drama über eine Kellnerin und einen Golfkriegs-Veteran, die sich in einem Häuschen in der Wüste verbarrikadieren, weil sie sich von Käfern bedroht fühlen.

Jahre nach dem spurlosen Verschwinden ihres Sohnes führt Agnes ein ereignisloses Leben als Kellnerin in einer Wüstenbar in Oklahoma. Zu ihrem Horror kreuzt nach zweijähriger Knastpause ihr gewalttätiger Freund Jerry wieder auf, dem allerdings der rätselhafte Fremde Peter in den Weg tritt. Agnes gibt er sich als Veteran des Golfkriegs zu erkennen. Und er gesteht ihr, dass er beständig von Käfern verfolgt wird. Bald schon stimmt sie in Peters Paranoia ein: Um den Käfern zu entkommen, verwandeln sie Agnes Haus in eine mit Alupapier ausgelegte Festung.

Agnes arbeitet als Kellnerin in einer Bar am Rande einer einsamen Landstraße und zittert vor den sporadischen Besuchen ihres um keine Gewalttat verlegenen Ex-Mannes Jerry. Um so erfreuter ist Agnes, als ihre lesbische Kollegin R.C. eines Tages den stillen Peter anschleppt. Peter ist eine einsame Seele wie sie, will nur plaudern, scheint an Sex kein Interesse zu haben und hegt eine diffuse Angst vor Käfern bzw. Leuten, die ihn mittels Käfer überwachen. Im Laufe der Zeit lässt sich Agnes von seiner Paranoia anstecken.

Ein junger Drifter fühlt sich von Gott und der Welt verfolgt und findet in einer einsamen Raststellenwirtin eine Seelenverwandte. Klaustrophobisches Horrorkammerspiel aus Altmeisterhand.

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Kritikerrezensionen

  • Agnes ist einsam und verzweifelt, sie lebt in seinem schäbigen Motel, in ständiger Angst vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Zu Anfang ist dies ein Einsamkeitsporträt, das sich praktisch nur in ihrem miesen kleinen Zimmerchen abspielt, doch es entfaltet sich zu einem Psycho- und Verschwörungsthriller, als Agnes Peter begegnet, sich in der ersten Nacht in ihn unsterblich verliebt, all das Elend ihres Lebens umwandelt in schwärmerische Ergebenheit. Obwohl Peter ganz offensichtlich ein Paranoiker der schlimmsten Sorte ist.

    In William Friedkins vielleicht bekanntestem Film, im „Exorzisten“, ist der Körper vom Teufel besessen – in „Bug“ nun sind Verstand und Seele besessen, nicht von einem bösen Wesen, sondern von einem Wahnsinn, der sich ansteckend verbreitet. Die Angst vor Ungeziefer, vor kleinen, imaginären Insekten, die mit Militär und medizinischen Experimenten in Verbindung gebracht werden, führt zur Katastrophe. Alle Elemente paranoider Verschwörungstheorien werden zusammengeballt, umgemodelt, neu zusammengesetzt, um die Welt neu, richtig und gültig zu erklären – verlorene Seelen suchen so Halt, wollen ihre Welt neu ordnen, um dem Versagen, den Fehlern ihres Lebens, um ihrem Elend Sinn zu verleihen.

    Friedkin geht mit, lässt bedrohliche Helikoptergeräusche ertönen, wenn das paranoide Weltbild von Peter und Agnes erschüttert wird – sein Film beginnt mit einem Leben, das ganz unten ist, und führt langsam und unerbittlich weiter runter in die tiefsten Kreise der Hölle. Peter und Agnes sehen Insekten, ihr Vertrauen in jeden anderen schwindet, im selben Maße schwinden ihre Körper, verfallen, werden zerkratzt, zerstochen, aufgeschlitzt auf der Suche nach den Eiernestern der imaginären Tierchen. Sie isolieren sich völlig, kleiden die Wände des Motelzimmers mit Alufolie aus, um die Funkverbindung der Insekten mit dem militärisch-medizinischen Apparat zu unterbinden. Und je mehr sie ihre Wohnung in einen surreal-futuristischen Alptraum verwandeln, je mehr Blessuren ihre Körper aufweisen, desto derangierter ist ihr Verstand, desto stärker aber auch ihre Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen.

    Ein Kammerspiel, ein spannendes Stück seelischer Verstörung und Zerstörung, das sich ganz in die Welt seiner Protagonisten versetzt, das seine Figuren – bei all den verwirrend phantastischen Höhenflügen ihrer Paranoia – nie lächerlich erscheinen lässt: Hier zeigt Friedkin seine Kraft, Figuren und ihr Innenleben zu inszenieren, sie plastisch erscheinen zu lassen bei minimaler äußerer Regung. Sein Spiel mit dem Raum und den Figuren darin ist suggestiv, subtil und deshalb packend; ganz klein gehalten, um größtmögliche Wirkung zu erzielen. Und um eine kleine, abgeschlossene Zelle innerhalb unserer Welt zu errichten, wo nichts mehr sicher ist, wo alles in Frage gestellt wird, um neu zusammengepuzzelt zu werden: Der Sinnlosigkeit des Lebens wird neue, wahnsinnige Bedeutung unterlegt, gegründet auf der tiefgreifenden Angst vor allem, weil einem alles gefährlich werden kann. Auch man selbst.

    Fazit: Ein kammerspielartiger Paranoiathriller, der unter die Haut geht.
  • Gegen den paranoiden Insektenwahn, in den Ashley Judd von einem schizophrenen Fremden gezogen wird, hilft in William Friedkins brillanter Psycho-Tour-de-Force kein Kammerjäger mehr.

    Als drogenaffine Kellnerin Agnes läuft Ashley Judd zu beklemmender Höchstform auf, wenn sie bei ihrer resoluten Kollegin R.C. (Lynn Collins) freundschaftlich-lesbische Geborgenheit sucht, die ihr der frisch aus dem Knast entlassene Ex-Mann Jerry (Harry Connick Jr. als massive Bedrohung) wieder aus dem Leib prügelt. Vollkommene Glaubwürdigkeit und subtiles Gespür für die Figuren und ihre Lebenswelt beweist Regie-Veteran Friedkin von Beginn an. Auch sonst fällt das von Tracy Letts nach eigenem Bühnenstück verfasste, kammerspielartige Psychogramm, das unbeirrt auf ein Schockende zurast, reichlich aus dem Rahmen gewohnter Kost. Zu authentisch die Emotionen und die Charaktere, zu intensiv und pathologisch die Geistesstörungen, als dass man sie als Ausgeburt eines Drehbuchs eingrenzen könnte.

    Leise beginnt der verstörende Trip, der fast nur in Agnes‘ schäbiger Motel-Bleibe spielt – zunächst mit zurückhaltenden Akteuren, etwas Telefon-Stalking hier, ein verdächtiges Rotorengeräusch von Helikoptern da. Bis Agnes in ihrer Misere auf den Sonderling Peter (ebenfalls famos: Michael Shannon) stößt, der ihr Herz gewinnt, aber auch ihren Verstand raubt. Peter glaubt an eine Art „Akte X“-Super-Verschwörung der Regierung, deren nächste Auswirkungen imaginäre Käfer sind, die er überall in seiner Nähe entdeckt. Die anfängliche Manie für die Tierchen, angeblich Ergebnisse geheimer Militärexperimente, erweist sich bald als krankhafte Wahnvorstellung, welche die labile Agnes nach und nach übernimmt. Im mit Insektenfallen gepflasterten Zimmer entgleitet sie der Realität und Freundin R.C., verschanzt sich vor den fremden Parasiten, die sie und Peter im eigenen Körper wähnen, im mit Alufolie ausstaffierten Interieur. Unbeugsam steigert sich Friedkin mit diesem cineastischen Befreiungsschlag ganz ohne Plotpoints und dramatischen Wendungen zu einem furiosen Crescendo, das mit erschütternder Selbstverstümmelung und unerwartet krassen Gewalttaten endet und konsternierte Zuschauer zurücklassen wird – aber zugleich mit einem irren Method-Acting-Spektakel und einem selten so konsequenten Abstieg in die Abgründe der menschlichen Psyche begeistert. New Hollywood im „Saw“-Zeitalter. tk.

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