Brownian Movement Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Brownian Movement"

Kino.de Redaktion  

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Über die Produktion

BROWNIAN MOVEMENT untersucht die Kraft und die Verletzlichkeit einer Beziehung zwischen zwei Liebenden. Der Film handelt von Akzeptanz und von Liebe, von Einsamkeit in einer Beziehung und dem existenziellen Bedürfnis, einander so nahe wie möglich sein zu wollen. Die Frage ist, ob ein Mann und eine Frau sich tatsächlich so sehen können, wie sie sind. Und ob sie sich damit begnügen, damit abfinden können, dass man nicht alles miteinander teilen kann.

Im ersten Teil des Films stehen Charlottes empirische Untersuchungen im Mittelpunkt. Sie forscht an einer Universitätsklinik und betrachtet die Welt durch ein Mikroskop. Fast auf dieselbe unterkühlte Weise untersucht Charlotte ihre Triebe und ihr Zusammenleben mit Mann und Kind. Es gibt keine Schlüsse, kein moralisches Urteil.

Im zweiten Teil wird aus der empirischen Untersuchung Kontemplation. Sowohl Charlotte als auch Max versuchen zu realisieren, was passiert ist. Die Therapie zwingt sie, die Dinge zu benennen und zu begreifen. Physische und psychologische Erklärungen werden ergründet, jedoch nicht gefunden.

Im dritten Teil sucht das Paar nach gegenseitiger Akzeptanz. Das Leben geht weiter. Nur in Details lässt sich die Beziehung von Charlotte und Max deuten. Was verbindet sie, wie stark ist ihr Zusammenhalt? Gelingt es, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist?

BROWNIAN MOVEMENT will nicht urteilen oder moralisieren und kommt dennoch zu einem Schluss. Der Epilog ist ein visuelles Resümee, in der die Schönheit des Bildes eine ästhetische Ergriffenheit erzeugen soll. Dauer und Aufbau dieser Einstellung sollen eine neue Verbindung der beiden Menschen entstehen lassen. Sie sind allein zusammen und zusammen allein.

BROWNIAN MOVEMENT besteht aus drei dramaturgisch abgeschlossenen Teilen.

Der erste Teil spielt in einer modernen westlichen Metropole. Charlotte und Max sind Expats, also Menschen, die von ihrem direkten Ursprung entfernt in einem größeren, verbindenden Kontext einer internationalen Gemeinschaft arbeiten und leben. Die beiden haben eine Karriere und Geld und sind auf Gebieten tätig, die nur durch bestimmte Wohlfahrtsnormen zugänglich sind.

Der zweite Teil spielt in einem Vakuum, in weißen, abstrakten Räumen, in denen Charlotte und Max Halt suchen. Sie sind auf sich selbst angewiesen. Zusammen in dem möblierten Appartement vollzieht sich der Bankrott der Beziehung, es ist beider Grenze.

Der dritte Teil ist Fortsetzung und Ausblick zugleich. Es wird gefragt, was geschieht, wenn man einander nicht aufgibt. Die ursprüngliche Problematik wird vertieft und sichtbarer dank der Isolierung des Paars von der bisherigen natürlichen Umgebung. Zwei Fremde aus dem Westen befinden sich nun in der überwältigenden Vielseitigkeit Indiens, in der sich Farben, Geräusche, Natur und Kultur neu kreuzen. Können Charlotte und Max in dieser Welt besser sehen, wer sie sind? Der Epilog ist ein Plädoyer für das Festhalten an der Liebe – trotz ihrer Gefahren, für nackte Liebe, die Menschen beieinander hält, um zu leben und zu überleben.

Belgiens Metropole ist ein Synonym für modernes, westliches Leben. Brüssel gibt einer internationalen Gemeinschaft ein zweites Zuhause: Menschen, die hier für einige Zeit von ihrem direkten Ursprung entfernt leben, im Kontext eines größeren, verbindenden Ganzen – dem Westen. Aufgrund ihres Umfangs und Ursprungs hat Brüssels altmodische Architektur etwas Schweres, beinahe Plumpes. Dort hineingewebt findet man viele Beispiele unserer westlichen, modernen Architektur. Der Anblick der Stadt wirkt wie ein visuelles Resümee westlichen Denkens über Wohnen und Leben, über Gemeinschaft und über Individualität.

Le Corbusier war einer der tonangebenden Architekten des vergangenen Jahrhunderts. Seine Ideen über Form, Konstruktion, Materialverwendung und Ästhetik übertreffen persönliche Vorlieben und das Individuum. Le Corbusiers Gebäude gelten längst als visuelle Übersetzung westlichen Denkens, des Denkens über uns und die Welt. Im ersten Teil des Films wird Le Corbusier in einen europäischen Kontext gestellt, im dritten Teil in einen asiatischen. In der indischen Landschaft mit ihrem Farbreichtum und ihrer bizarren Natur wirken die Gebäude ein wenig verloren und sich selbst überlassen.

In dem ich den Kontext des Films veränderte, habe ich versucht, die Handelnden zu isolieren. Der Mensch und das ihm inhärente Gedankengut werden auf diese Weise deutlicher sichtbar. Daraus ergibt sich innerhalb des Films eine visuelle Entwicklung, die ich parallel mit der Entwicklung der Personen verlaufen lassen möchte. Indem ich das Leben von Charlotte und Max nach Indien verlege, isoliere ich sie von der westlichen Welt und jenem Zusammenhang, in dem die Geschichte bisher spielte. Auf diese Weise will ich die psychische Entwicklung und die Geschichte des Liebespaars verstärken.

Ich versuche, meine Geschichten mittels Archetypen zu erzählen, in dem ich relevante Details vergrößere und abstrahiere. Gezeigt wird nur das, was nötig ist, gleichzeitig so minimal und deutlich wie möglich. An dieser Stelle entsteht die Geschichte. Realismus und Naturalismus sind für mich nicht das höchste erreichbare Ziel. Der Zuschauer muss mitgenommen und überzeugt werden, dass er den Bildern vertrauen kann. Ich will eine optimale Überzeugungskraft erreichen. Die Wirkung ist von höchster Perfektion abhängig.

Es ist mir wichtig, eine bestimmte Voraussetzung der Geschichte niemals aus dem Auge zu verlieren: Eine Geschichte braucht eine authentische Welt, einen Platz und eine Zeit. Und gleichzeitig braucht sie eine Vision, eine persönliche Sichtweise – in diesem Fall meine. Ich denke, wo auch immer auf der Welt ich einen Film mache – meine Mentalität, meine Identität als Frau, als Niederländerin, als Teil der westlichen Kultur werden darin zum Ausdruck kommen. Verstärkt wird dies durch die Tatsache, dass ich meine eigenen Geschichten schreiben kann. Die Art von Filmen, die ich machen möchte, muss ihren Wert im Persönlichen und im Außergewöhnlichen des Individuums finden – des Filmemachers, der die Welt betrachtet, in der wir uns alle befinden. Nicht das, was diese Geschichte persönlich oder besonders macht, ist für mich das eigentlich Interessante, sondern die Klarheit, mit der dies getan wird. Je reiner und je deutlicher sichtbar etwas wird, desto brauchbarer wird es für den Zuschauer, sich selbst zu sehen. In der Spiegelung in einem Anderen erkennt er sich selbst und sieht, wie anders er ist oder denkt zu sein.

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