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Über die Produktion

Mit BROTHERS unterstreicht der gefeierte Filmemacher Jim Sheridan einmal mehr, wie meisterhaft er subtile, wahrhaftige Charakterdramen zu drehen versteht. BROTHERS spielt vor dem Hintergrund des Afghanistankriegs und dreht sich um Themen, die den Regisseur im Lauf seiner langen Karriere regelmäßig beschäftigten: die Beziehungen innerhalb einer Familie, der lange Schatten des Krieges, die Chance auf Vergebung und Heilung. Für seinen ersten Film, der im Amerika der Vorstädte spielt, sicherte sich Sheridan die Mitarbeit eines hochkarätigen, preisgekrönten Darstellerensembles, darunter drei von Hollywoods aufregendsten jungen Talenten – Tobey Maguire, Jake Gyllenhaal und Natalie Portman – sowie der renommierte Dramatiker und Schauspieler Sam Shepard und die geschätzte Charakterdarstellerin Mare Winningham. BROTHERS basiert auf dem dänischen Film BRØDRE, den Susanne Bier 2004 nach einem von ihr mitverfasste Drehbuch inszenierte. Das Drama machte großen Eindruck auf den erfahrenen Produzenten Sigurjon Sighvatsson, der regelmäßig zwischen Kalifornien, seiner Heimat Island und Dänemark pendelt.

Sighvatsson sah starke Parallelen zwischen BR ØDRE und US-Filmen aus der Zeit nach dem Vietnamkrieg wie COMING HOME – SIE KEHREN HEIM (Coming Home, Hal Ashby, 1978) und DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (The Deer Hunter, Michael Cimino, 1978). Filme, die sich mit dem „Krieg an der Heimatfront“ beschäftigen, nämlich den Auswirkungen des Krieges auf den Alltag der Soldaten und ihrer Familien jenseits der Schlachtfelder. Ein solch intimes Drama im Sinn, beschloss Sighvatsson, eine US-Version von BRØDRE zu produzieren. „Für mich“, sagt Sighvatsson, „ist dies in erster Linie eine Familiengeschichte. Der Film handelt nicht davon, wie Menschen getötet werden, er zeigt, welche Auswirkungen es auf die Lebenden hat.“

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Während Sighvatsson in Dänemark mit Susanne Bier verhandelte, zog BRØDRE in Los Angeles die Aufmerksamkeit von Michael De Luca und seinem Partner Zach Schiff-Adams von Michael De Luca Productions auf sich. Die Studie von zwei unterschiedlichen Brüder, die ungewohnte, sehr gegensätzliche Erfahrungen machen – heilsame auf der einen, zersetzende auf der anderen Seite –, beeindruckte De Luca zutiefst. „Ich fand, dass sich das Original auf großartige Weise mit zwei Fragen auseinandersetzt“, sagt De Luca. „Zum einen, welche Dinge einem Menschen Kraft geben, zum anderen, welche ihn zerbrechen lassen. Der jüngere Bruder hat mal im Gefängnis gesessen, aber die Tatsache, dass er plötzlich Teil einer Familie wird, baut ihn auf. Der ältere Bruder hingegen, der sein Leben lang das Richtige tat, zerbricht am Krieg, seiner Gefangenschaft und dem Verlust moralischer Perspektiven. Es ist beinahe so, als würden die Brüder die Plätze tauschen, und genau wegen dieser Dynamik wollte ich die Geschichte noch einmal in einem amerikanischen Kontext erzählen.“

Als De Luca sich um die Remake-Rechte bemühte, erfuhr er, dass Sighvatsson sie längst erworben hatte. Da die Produzenten in ihrer Einschätzung des Materials übereinstimmten, beschlossen Sighvatsson und De Luca, das US-Remake von BRØDRE gemeinsam zu produzieren. Sie engagierten den gefeierten Drehbuchautor David Benioff und übertrugen ihm die Aufgabe, die Geschichte amerikanischen Verhältnissen anzupassen. Benioff fügte Ereignisse der jüngsten US-Vergangenheit in die Geschichte von Sam und Tommy Cahill ein und machte sie zu Söhnen eines pensionierten Offiziers der USMarines, der im Vietnamkrieg gekämpft hat.

Mit frühen Fassungen von Benioffs Drehbuch wandten sich die Produzenten an potentielle Regisseure und Darsteller. Als sie hörten, dass Jim Sheridan Interesse und Zeit hatte, waren sie begeistert. Denn Sheridans Filme – von MEIN LINKER FUSS (My Left Foot: The Story of Christy Brown, 1989) und IM NAMEN DES VATERS (In the Name of the Father, 1993) über DER BOXER (The Boxer, 1997) bis hin zu IN AMERICA (In America, 2002) – beschäftigen sich ausnahmslos mit den komplexen Beziehungen innerhalb von Familien, und um nichts anderes geht es in BROTHERS. „Jim konzentriert sich stets auf die Gefühle“, sagt Sighvatsson. „Das soll nicht heißen, dass er S tory und Handlung vernachlässigt. Was seine Filme vorantreibt, sind aber in erster Linie die Gefühle ihrer Figuren. Das macht ihn als Filmemacher so einzigartig.“

Schon in MEIN LINKER FUSS porträtierte Sheridan Menschen aus dem Proletariat. Deshalb fand er leicht Zugang zu den Kleinstadt-Amerikanern in BROTHERS. „Die Cahills stammen aus der Arbeiterklasse, ein Milieu, in dem ich mich auskenne. Die Familie wird vom Krieg auseinandergerissen, und im Film zeigen wir, ob und wie ihre Wunden verheilen.“ Die erschreckend glaubwürdigen Qualen, die Sam während seiner Gefangenschaft erleidet, sind ein weiterer Aspekt in der Darstellung des Menschseins, die den Film kennzeichnet. „Was Sam in Afghanistan durchmacht“, so Sheridan, „ist für Außenstehende absolut nicht nachvollziehbar und übersteigt den Begriff der Tragödie. Es lenkt die Geschichte in eine neue Richtung. Faszinierend fand ich die radikalen Emotionen, die daraus erwachsen.“

Ryan Kavanaugh, Gründer von Relativity Media, ergänzte als Produzent die kreativen Köpfe hinter BROTHERS und stemmte mit seiner Firma die Finanzierung. Auch Kavanaugh war fasziniert von Sams Dilemma, den sich daraus ergebenden Konsequenzen und Auswirkungen auf die gesamte Cahill-Familie. „Der Film handelt weniger vom Krieg als davon, was geschieht, wenn ein Mensch extrem geschädigt wird und sich gezwungen sieht, Maßnahmen zu ergreifen, die die meisten von uns unmöglich nachvollziehen können. Was macht es mit einem? Wie wirkt es sich auf sein Umfeld aus? Bei seiner Rückkehr hat sich Sam verwandelt – in einen düsteren, verschlossenen Menschen voller Zorn und Paranoia. Sein Geheimnis behält er für sich, weiht nicht einmal seine Familie ein. Tommy hingegen hat Sams alte Rolle übernommen und verhält sich jetzt verantwortungsbewusst und besonnen.“

Die Aussicht, mit Jim Sheridan ein glaubwürdiges Charakterdrama erarbeiten zu können, führte innerhalb kürzester Zeit ein Ensemble erstklassiger Darsteller zusammen. Jake Gyllenhaal war der erste, der einen Vertrag unterschrieb; er übernahm die Rolle von Tommy, dem schwarzen Schaf der Familie Cahill. „Ich wollte unbedingt mit Jim arbeiten“, sagt Gyllenhaal. „Vor allem aber wollte ich eine Figur mit ihm erarbeiten, die sich von denen unterscheidet, die ich zuvor gespielt hatte. Tommy ist in Sams Schatten aufgewachsen. Er fühlt sich ungeliebt, ist wütend und verschlossen. Doch dann sorgen entsetzliche Umstände dafür, dass sein Herz auf tugendhafte Weise wieder anfängt zu schlagen.“

Tobey Maguire hatte eine frühe Fassung des Drehbuchs gelesen und interessierte sich von Anfang an für die Figur des älteren Bruders Sam Cahill. Sams Entscheidung, zur Armee zu gehen, ist für Maguire die konsequente Wahl eines ernsthaften Menschen, der sich nach Stabilität sehnt und es gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen. „Ich vermute, dass die Kräfteverhältnisse in seiner Familie entscheidend dafür sind, dass Sam sich mit einem Job bei der Armee sicher fühlt“, sagt Maguire. „Sam verlor als Kind seine Mutter, und als sein Vater aus Vietnam heimkehrte, war er emotional versehrt. Nach dem Tod ihrer Mutter kümmerte sich Sam um seinen jüngeren Bruder, und dabei wuchs er in die Elternrolle hinein.“

Zur Vorbereitung auf seine Rolle besuchte Maguire die Militärbasis Camp Pendleton in Kalifornien und die Army National Guard in New Mexico. Seine Erfahrungen beim Armeetraining beschreibt er so: „Es ging nie darum, schneller zu sein als der Kerl neben dir. Es ging immer nur darum, es gemeinsam zu schaffen. Was Sinn ergibt – bei der Armee ist jeder Mann, jede Frau Teil der Mannschaft. Was ich erlebt habe, hat mich sehr beeindruckt. Für mich fühlte es sich an wie eine große Familie, in der sich jeder um jeden kümmert.“

Sam hat es bei den Marines weit gebracht, und er führt eine glückliche Ehe – insofern erfüllt er die ihm zugedachte Rolle als Vorzeigesohn der Cahill-Familie perfekt. Doch als Sam zusammen mit einem anderen Soldaten in Afghanistan gefangengenommen wird, verliert er die Kontrolle über sein Schicksal. Sein Überlebenswille führt ihn im Lauf der Ereignisse auf qualvolles moralisches und psychisches Terrain. „Eigentlich“, sagt Maguire, „ist sein Leben zerstört – zumindest das gedankliche Konstrukt seines Lebens. Denn alles, was ihm wichtig war, seine Überzeugungen und Ideale und die Grundfeste, auf denen er sein Leben errichtet hat, stürzt wie ein Kartenhaus zusammen.“

Sheridan stimmt Maguire zu: „Auf der einen Seite handelt die Geschichte von einem Mann, der zum Angriff übergeht. Sam wird an die Grenzen männlicher Kameraderie und Freundschaft getrieben, und dann geschieht etwas, bei dem Sam nicht nur der Sinn für Selbstpflege, sondern auch sein Selbstwertgefühl abhanden kommen. Die Frage ist, ob er anschließend je wieder Zugang zu seiner Seele findet, die von seiner Frau und seiner Familie symbolisiert wird, oder ob sie durch seine Tat unwiderruflich zerstört worden ist.“

Natalie Portman spielt Sams Ehefrau Grace, die schon auf der High School mit Sam zusammen war. Grace ist der Inbegriff der Soldatenfrau: beklagt sich nie, unterstützt ihren Mann, wo sie kann, und bewahrt sich stets ihre gute Laune. „Ich wollte endlich mal eine Ehefrau und Mutter spielen“, erklärt Portman. „Grace ist jemand, der sich sehr jung für dieses Leben entschieden hat, weil sie großen Wert auf Sicherheit legt.“

Portman besuchte mehrere Militärbasen, um sich ein Bild davon zu machen, welche Pflichten und Verantwortlichkeiten Soldatenfrauen übernehmen müssen. „Es ist nicht leicht, wenn du ein ganzes Jahr von deinem Mann getrennt bist und ihn dann höchstens drei Monate am Stück wiedersiehst. Diese Frauen übernehmen die Rolle des Familienoberhaupts und kümmern sich um rebellische Kinder, die ständig fragen, wieso ihr Vater weg ist, was er überhaupt macht und warum. Und dann müssen sie sich natürlich um ihre Männer kümmern, wenn sie heimkehren, und sich mit all dem auseinandersetzen, was sie während ihres Einsatzes erlebt haben.“

BROTHERS wurde hauptsächlich an Schauplätzen im US-Bundesstaat New Mexico gedreht, wo sich den Filmemachern eine breite Palette unterschiedlicher Landschaften bot. Dort ließ sich das vorstädtische Amerika ebenso darstellen wie das unwegsame Afghanistan: Die Vorstadt-Szenen wurden in Santa Fe, Las Vegas und Los Alamos gedreht; das Baptist Conference Center im östlich von Santa Fe gelegenen Glorieta wurde zur fiktionalen Marine-Basis Fort Mahlus umfunktioniert, das gebirgige Gelände bei Abiquiu und Zia Pueblo verwandelte man in entlegene Gegenden von Afghanistan.

Um den Schauspielern die Darstellung der Figuren und ihrer Entwicklung zu erleichtern, wurde BROTHERS weitgehend in chronologischer Reihenfolge gedreht. Sheridan, der seine Karriere als Theaterschauspieler, Dramatiker und Regisseur begann, arbeitete intensiv mit seinem Ensemble zusammen. „Jim brachte sich emotional ungeheuer ein“, erinnert sich Portman. „Im Grunde spielte er uns jede Figur vor. Dass er sich dermaßen engagierte, war meiner Meinung nach nicht nur für unsere Darstellung ausschlaggebend, sondern auch für den klaren Standpunkt, den der Film bezieht.“

Während der Dreharbeiten machte Sheridan die Erfahrung, dass seine Stars sich ihren Rollen auf sehr unterschiedliche Weise näherten – was wiederum half, sie als Ensemble zusammenzuschweißen. „Jake arbeitet am liebsten eigenständig und möchte jede Szene so wahrhaftig wie möglich nachempfinden. Natalie hat stets eine genaue Vorstellung davon, wie sie spielen wird. Tobey wiederum hat zwar alles gern unter Kontrolle, kann aber auch loslassen – was er in dieser Rolle wirklich tun musste.“

Sam Shepard, der in seinen Bühnenklassikern wie „True West“ familiäre Beziehungen auslotete, ist von Sheridans Vision und seiner Herangehensweise begeistert. „Mich erinnert die Handlung von BROTHERS an eine klassische griechische Tragödie“, sagt Shepard. „Besonders spannend finde ich aber, auf welch persönliche Weise sich Jim damit auseinandersetzte. Er klopfte die Geschichte stets auf ihren Kern ab und verlor nie den menschlichen Faktor aus den Augen.“

Dieser menschliche Faktor drückt sich nach Jake Gyllenhaals Überzeugung schon im Filmtitel aus: „Unser Film erzählt die Geschichte einer Familie. Manchmal ist der einzige Mensch, den man um Hilfe bitten kann, der Mensch, mit dem man aufgewachsen ist – inmitten dieses schönen, schmerzhaften Chaos namens Familie. Sam und Tommy sind grundverschieden und ähneln sich trotzdem sehr. Wie sich am Ende zeigt, ist der einzige Mensch, der Sam das Leben retten kann, sein Bruder Tommy.“

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