Brighton Rock

  1. Ø 4
   2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Brighton Rock: Sex und Rock'n'Roll - Rowan Joffe transportiert die Handlung von Graham Greenes Vorlage ins Jahr 1964 und setzt eher auf soziokulturelle Aspekte als auf film noir.

Mods und Rocker liefern sich im englischen Seebad Brighton wüste Schlägereien, Arbeiterklasse-Gangster sorgen für Schlagzeilen, und der Ganove Pinkie will zum großen Capo aufsteigen. Im Zuge eines Revierkriegs ermordet Pinkie einen Rivalen, Kellnerin Rose ist im Besitz eines Fotos, das ihn der Tat überführen könnte. Um sie zum Schweigen zu bringen, macht Pinkie ihr einen Heiratsantrag. Verliebt und begierig, ihrem trostlosen Leben zu entfliehen, stimmt sie der Hochzeit zu und begibt sich so in Lebensgefahr.

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Kritikerrezensionen

  • Zu den Klassikern des britischen Gangsterfilms zählt die Graham Greene-Adaption „Brighton Rock“, den John Boulting 1947 mit dem jungen Richard Attenborough unter Greenes Mitarbeit umsetzte. In Deutschland erlangte das nihilistische Drama um die fatale Beziehung eines ehrgeizigen Kleingangsters zu einer unbequemen Zeugin wenig Verbreitung, da es lediglich auf Tele 5 ausgestrahlt wurde (zu einer Zeit, als dort noch Schwarzweißfilme liefen), doch Kinowelt veröffentlicht das düstere Melodram jetzt immerhin auf DVD. Für die Neuverfilmung widerstand Regisseur und Drehbuchautor Rowan Joffe der Versuchung, den Plot in die Gegenwart zu versetzen und verlegte ihn stattdessen ins Jahr 1964. Man kann Joffes Vorliebe für den Reiz des Küstensettings nachvollziehen, denn mit „Last Resort“ schrieb er schon einmal eine elegische Liebesgeschichte, die von der verwitterten Strandatmosphäre als Sinnbild einer verzweifelten Aufbruchsstimmung lebt.

    Im Mittelpunkt steht der ehrgeizige Taschendieb Pinkie, der nach dem Tod seines Chefs die Gelegenheit nutzt, die Bande zu übernehmen. Skrupellos greift der Kleinkriminelle nach der Chance zum sozialen Aufstieg, wobei er bereit ist, zur Stütze seiner Macht über Leichen zu gehen. Doch relativ schnell stößt der Soziopath im adretten Hemd und Anzug während der Konfrontation mit Gangsterboss Colleoni, dem Andy Serkis eher komödiantische Züge verleiht, an seine Grenzen, wobei er sogar die Seiten wechseln würde. Doch seine Kontrahenten, seien es Polizei oder Verbrecher, nehmen ihn nicht wirklich ernst. Leichter läuft Pinkies Spiel mit der vernachlässigten Kellnerin Rose, der er sich zwischen rigorosen Einschüchterungsversuchen und amourösen Zugeständnissen bis zum Heiratsantrag nähert. Lange bleibt offen, ob der junge Ganove wirklich etwas für das naive Mädchen empfindet und sie seinen Panzer aufzubrechen vermag, bis er ihr ein Geständnis auf Schallplatte spricht. Im Gegensatz zu Roses Ernüchterung am Romanende übernimmt die aktuelle Verfilmung Greenes trügerisch optimistischen Schluss aus der Erstverfilmung, der sich als (Schein-)Harmonie erweist.

    Nebenbei thematisiert Joffe den sich in den Sechzigern allmählich abzeichnenden Konflikt der jüngeren Generation mit Autoritäten und Vorschriften. Rose glaubt in Pinkies Werben ein Entrinnen aus ihrem tristen Zuhause mit einem hartherzigen, dominanten Erzieher gefunden zu haben. Dagegen muss sich der vernarbte Jungkriminelle gegen seine älteren Komplizen, die Polizei und die feindliche Gang durchsetzen. Den Ausstiegsversuch des älteren Bandenmitglieds Spicer wertet Pinkie als Verrat, worauf er mit schonungsloser Gewalt reagiert. Die Verlagerung um rund dreißig Jahre nutzt Joffe, um den Plot rund um die Rivalitäten der Mods gegen die Rocker gegen die Staatsmacht anzusiedeln. Natürlich geben die Messerduelle der gegnerischen Gruppierungen am Brighton Beach einen prägnanten Hintergrund für die Zerrissenheit der Protagonisten ab, aber der Story nutzt dieser vordergründige Aspekt wenig. Wenn sich Pinkie mit Sonnenbrille auf gestohlenem Motorroller inmitten einer Mod-Gruppe der Strandpromenade nähert, ergibt dies eine eindrucksvolle Sequenz, aber den Part des jugendlichen Rebellen nimmt man dem besessenen Kleinkriminellen kaum ab.

    Wie in den meisten Werken Graham Greenes spielt hier Religion, die Frage nach Schuld und Sühne, eine wichtige Rolle. Aus der Erstadaption übernahm der Thriller die finale Kamerafahrt auf ein Kreuz als Zeichen der Erlösung. Zudem ist es die Frage nach der Religion, mit der Pinkie die gläubige Rose zunächst überzeugen kann, ihm zu vertrauen. Während der Flucht vor der Polizei fällt der junge Ganove auf die Knie, um für seine Rettung beten, so dass es sich bei seinem Bekenntnis nicht um bloße Koketterie handelt, doch bei Pinkies skrupellosem Agieren spielt die Sünde bald keine Rolle mehr. Allerdings setzt Rowan Joffe die religiösen Motive eher verhalten ein. Stärker betont er die Noir-Elemente um Zukunftslosigkeit und Ausgestoßensein. Für die vergebliche Suche der Charaktere nach Glück, Hoffnung oder Macht findet Ridley Scotts Stammkameramann John Mathieson stimmige Bilder. Die wenigen leuchtenden Fixpunkte wie Helen Mirrens roter Mantel bilden einen Kontrast zur dunklen, zerstörerischen Atmosphäre. Daneben kann Joffe bei der trefflichen Besetzung punkten, von Sam Riley als unberechenbarer Gewalttäter über Newcomerin Andrea Riseborough bis zu Sean Harris („Red Riding Trilogie“) als taktierend-verlogenes Opfer.

    Fazit: Dicht inszenierte Neuverfilmung eines klassischen Gangsterdramas um Generations-/ Klassenkonflikte, Erlösung und einen haltlosen Aufstiegsversuch.
  • Sex und Rock’n’Roll – Rowan Joffe transportiert die Handlung von Graham Greenes Vorlage ins Jahr 1964 und setzt eher auf soziokulturelle Aspekte als auf film noir.

    Nach John Boulting 1947 hat nun Rowan Joffe, Drehbuchautor von „The American“ und „28 Tage später“, „Brighton Rock“, den wohl berühmtesten Roman von Graham Greene – ursprünglich von diesem als Drehbuch angelegt – für die Leinwand adaptiert. Richard Attenborough spielte in der Urfassung den gewalttätigen Kleinganoven Pinkie Brown, ein Part, der ihn über Nacht zum Star machte. In dessen Fußstapfen tritt Sam Riley („Control“), als angry young man, der alles daran setzt, um zum großen Capo aufzusteigen.

    Von den späten 1930ern ins Jahr 1964 hat Joffe die Handlung verlegt, Mods und Rocker liefern sich im (einst) beschaulichen englischen Seebad wüste Schlägereien. Die wegweisende Rockband The Who formiert sich – ihr Konzeptalbum „Quadrophenia“ wird 1973 von den wilden Tagen in Brighton berichten -, hemdsärmelige Arbeiterklasse-Gangster wie die Kray-Zwillinge beherrschen die Schlagzeilen. Im Zuge eines Revierkriegs hat Pinkie einen Mann ermordet, Kellnerin Rose ist im Besitz eines Fotos, das ihn der Tat überführen könnte. Um sie zum Schweigen zu bringen, macht Pinkie ihr einen Heiratsantrag. Verliebt und begierig ihrem trostlosen Leben zu entfliehen, stimmt sie einer Hochzeit zu.

    Nicht als Opfer zeichnet der Regisseur und Drehbuchautor seine Heldin, sondern als moderne Frau, die ihr Schicksal in die eigenen Hand nimmt. Dem Gatten stiehlt sie Geld, um sich ein modisches Outfit kaufen zu können und nicht mehr wie ein Mauerblümchen auszusehen. Das britische Nachwuchstalent Andrea Riseborough („Happy-Go-Lucky“) füllt diese Rolle mit Leben, ist ebenso verletzlich wie stark und hinterlässt neben Helen Mirren den nachhaltigsten Eindruck. Die Oscar-prämierte „Queen“ spielt deren Arbeitsgeberin Ida, eine durchsetzungskräftige, selbstbestimmte Teestubenbesitzerin, die sieht wie Rose ins Unglück rennt und (vergeblich) versucht, die drohende Katastrophe abzuwenden.

    War das Original noch knallharter film noir, interessiert sich Joffe eher für den soziokulturellen Aspekt des Stoffes, für die Gesellschaft im Umbruch. Alte Hierarchien werden aufgeweicht, die Jugend erhebt die Stimme, die Frauen streben nach Gleichberechtigung – so zahlt Ida, nicht ihr hartnäckiger Verehrer Phil (knorrig-elegant: John Hurt), das Luxushotelzimmer für die Liebesnacht. Wie bei Greene geht es auch hier um Schuld und Sühne – wobei die zentralen katholischen Motive der Vorlage in den Hintergrund treten -, um bedingungslose Liebe, um Verrat, Tod und Erlösung.

    Eine Klasse für sich ist Kameramann John Mathieson („Gladiator“), der mit alten 35-mm-Optiken arbeitet und die weißen Klippen von Sussex und das Brighton Pier zum Strahlen bringt, bestechend – weil fast unsichtbar – die CGI-Effekte der schwedischen Firma Filmgate. „Brighton Rock“ ist wie die namensgebende Süßigkeit hart, verlockend und süß, eine insgesamt packende, eigenständige Literaturverfilmung, der man nur etwas mehr Budget gewünscht hätte – am uneinheitlichen Produktionsdesign musste sichtbar gespart werden. geh.

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