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Fakten und Hintergründe zum Film "Brautalarm"

Kino.de Redaktion |

Brautalarm Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Die langjährigen Freundinnen Kristen Wiig und Annie Mumolo begegneten sich bereits vor etlichen Jahren bei der renommierten Improvisations-Theatergruppe The Groundlings in Los Angeles, wo sie schon früh gemeinsam Sketche schrieben. „Annie und ich durchliefen das Groundlings-Programm etwa zur gleichen Zeit und haben als Schreibpartner schnell zusammengefunden“, erinnert sich Wiig. „Es ist wirklich kaum zu glauben, wie reibungslos unsere Zusammenarbeit schon immer funktionierte. Da gab es nie irgendwelche Ego-Befindlichkeiten, und wir waren uns im Hinblick auf unsere Skripte immer einig. Wir respektieren uns beide enorm, deswegen harmonieren wir auf der kreativen Ebene perfekt. Und außerdem ist sie eine meiner besten Freundinnen.“

Nachdem sie mit ihrer kleinen Rolle in Judd Apatows zweiten Film „Beim ersten Mal“ erstmals im Kino für Aufsehen sorgte, bot sich für die durch die Sketch-Show ‚Saturday Night Live“ populär gewordene Schauspielerin die Möglichkeit, sich auch an einer anderen Facette des Filmemachens auszuprobieren. Apatow war begeistert von Wiigs eigenwilligem Humor und wollte sehen, was sie daraus auf der Leinwand machen würde. „Also schlug Judd mir vor, doch ein Drehbuch zu schreiben“, berichtet Wiig. „Und ich rief Annie an, um zu fragen, ob wir das nicht gemeinsam tun wollten. Sie hatte mir schon vorher mal von einer Filmidee erzählt, und so haben wir uns dann daran gemacht, diese auszuarbeiten.“

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Apatow selbst beschreibt seinen Beitrag zur Entstehung von „BRAUTALARM“ wie folgt: „Bei jedem unserer Filme bin ich danach sehr gespannt, wer von den Nebendarstellern seine Szenen dominiert und sich als heimlicher Star der Geschichte erwiesen hat. Ich überlege jedes Mal, ob jemand dabei ist, der seinen eigenen Film verdient hätte. Bei ‚Beim ersten Mal’ war das auf jeden Fall Kristen. Daher fragte ich sie, ob sie nicht ein paar Ideen hätte – und sie erzählte mir von dieser Geschichte über eine Gruppe Brautjungfern, an der sie mit ihrer Freundin Annie Mumolo arbeitete.“

Was sie und Wiig miteinander verbindet, ist ihre kompromisslose Herangehensweise an Comedy, meint Mumolo: „Gleich am ersten Tag, an dem wir uns bei den Groundlings hinsetzten, um gemeinsam zu schreiben, hatten Kristen und ich einen Draht zueinander. Die Zusammenarbeit war auf Anhieb ein voller Erfolg. Nicht nur wir beide hatten wahnsinnig viel Spaß zusammen, sondern konnten den auch immer wieder auf das Publikum übertragen.“

Mumolo und Wiig begannen mit der Arbeit an ihrem Drehbuch bereits 2006, als Wiig gerade ihr erstes Jahr bei „Saturday Night Live“ hinter sich hatte. „Ich war damals ziemlich oft in ziemlich kurzer Zeit als Brautjungfer bei irgendwelchen Hochzeiten gewesen und davon relativ genervt. Von all meinen Abenteuern mit diesen unterschiedlichen Frauen ließen wir uns inspirieren“, erzählt Mumolo. Die große Chance, daraus tatsächlich einen Film zu machen, kam dann überraschend schnell: „Nach ‚Beim ersten Mal’ bat mich Kristen, Judd unsere Idee zu pitchen. Ich hatte so etwas noch nie gemacht und wusste noch nicht einmal genau, was pitchen eigentlich bedeutet. Aber ich habe ihm dann einfach die Grundzüge der geplanten Geschichte erzählt. Das war anscheinend nicht ganz falsch.“

In den darauf folgenden Jahren feilten Mumolo und Wiig gemeinsam mit Apatow an dem Drehbuch, damit es keinerlei Ähnlichkeiten mit all den anderen Filmen aufwies, die es rund um das Thema Hochzeit schon gab. Für Wiig war es dabei besonders wichtig, den Film abzuheben von jenen romantischen Komödien, die mit einer Braut oder Trauzeugin als Heldin eine Liebesgeschichte erzählen. „‚BRAUTALARM’ konzentriert sich stattdessen auf etwas, womit die meisten Frauen sich viel mehr identifizieren können: nämlich all die anderen Menschen, die in so eine Hochzeit involviert sind“, bestätigt die Komikerin. „Wir wollten glaubwürdig davon erzählen, was es bedeutet, Teil dieses Rituals zu sein, und was dabei von einem erwartet wird. Das ist nämlich ganz schön viel – und es kann verdammt anstrengend sein.“

Zusätzliche Recherchen mussten die beiden dafür nicht wirklich betreiben, wie Wiig erzählt: „Annie hatte dutzende Hochzeiten und Brautpartys hinter sich und die Geschichten, die sie davon erzählte, klangen fast alle filmreif. In einem Fall musste sie den Jungesellinnenabschied absagen, weil sie ihn sich nicht leisten konnte. Das sollte eine mehrtägige Reise sein, für die jede Brautjungfer 2500 $ auf den Tisch legen musste. Sie kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, welche Blüten dieser Wahnsinn getrieben hatte.“

Mumolo stimmt ihrer Freundin zu, dass der Humor ihrer Geschichte vor allem aus nachvollziehbaren Gesprächen und Situationen rund um den Tag der Tage entspringt, die vielleicht noch ein wenig ausgeschmückt wurden. Das Ziel der beiden war keine schmalzige Romanze über die Suche nach dem Richtigen, sondern eine mutige Komödie über glaubwürdige Frauenfiguren und deren Umgang miteinander. „Wir wollten einen Film ohne all die Rüschen und Schleifen“, erklärt Mumolo. „Stattdessen ging es uns um eine Geschichte, die von unseren echten Erfahrungen ausging. Um eine ungeschönte, ehrliche Brautjungfern-Geschichte, in der nicht jede Frisur perfekt sitzt, alle strahlend schön sind und jeder nur reizende Geschichten zum Besten gibt. Das war für uns eine Learning By Doing-Angelegenheit und Judd war unser Lehrmeister. Er sucht um jeden Preis das Neue und Originelle und gibt nie auf, bevor er es gefunden hat.“

Als die Suche nach dem geeigneten Regisseur für „BRAUTALARM“ begann, fiel ziemlich schnell der Name Paul Feig, wie Wiig sich erinnert: „Judd brachte ihn ins Spiel, also traf ich mich mit ihm. Paul hatte mir damals in ‚Oh je, du Fröhliche’ meine allererste Kinorolle gegeben, in der ich eine nuttige Mutter spielte. Nach unserem Gespräch rief ich sofort Judd an und sagte: Ja! Ja! Ja! Denn Paul ist nicht nur unglaublich talentiert, brüllend komisch und in Sachen Comedy enorm versiert, sondern auch wahnsinnig geduldig und unegoistisch. Die Mädels haben ihn alle geliebt. Und auch ich kann mir niemand anderen als unseren Regisseur vorstellen.“

Nicht nur mit Wiig, auch mit Apatow hatte der Regisseur bereits zusammengearbeitet, und zwar bei einem Projekt, das in der Karriere der beiden Männer eine entscheidende Rolle spielte: der Kult-Fernsehserie „Voll daneben, voll im Leben – Freaks and Geeks“, deren Schöpfer Feig war, während Apatow als ausführender Produzent fungierte. „Über die Jahre hatten Judd und ich immer Kontakt gehalten und nach einem neuen, gemeinsamen Projekt Ausschau gehalten“, sagt Feig. „‚BRAUTALARM’ kreuzte meinen Weg in einem recht frühen Entwicklungsstadium. Judd lud mich zu einer Drehbuchlesung mit Kristen und Annie ein und ich war sofort interessiert, so witzig war die Sache.“

Weil die beiden schon seit ihren gemeinsamen Tagen an der University of Southern California in den späten Achtziger Jahren befreundet sind, kommen Feig und Apatow längst ohne viele Worte aus, wenn es um ihr Verständnis von Comedy geht. „Paul ist sehr gut darin, eine Szene in der Realität zu verankern, aber trotzdem genug Raum für den Witz zu lassen“, beschreibt der Produzent den Arbeitsstil des Regisseurs. „Das klingt einfach, ist aber so ziemlich das Schwierigste, was man sich vorstellen kann. Figuren zu schaffen, mit denen das Publikum mitfühlt, obwohl sie gleichzeitig die unglaublichsten und albernsten Dinge tun, muss man erst einmal hinbekommen. Denn es darf ja nie ein Zweifel daran bestehen, dass es diese Menschen auch in echt geben könnte.“

Bis sich Regisseur, Produzent und Schauspieler allerdings endgültig dem Thema „BRAUTALARM“ widmen konnten, sollten noch ein paar Jahre vergehen. „Anfang 2010 war ich gerade in New York und drehte Werbespots“, erinnert sich Feig. „Der Anruf meiner Agenten kam völlig unerwartet. Ich rief sofort Judd an, zwei Minuten später hatte ich fest zugesagt und das Projekt bekam grünes Licht. Plötzlich ging es ganz rasant – und so blieb es auch bis zum Schluss.“

Für Feig lag der besondere Reiz des Drehbuchs in dessen Mischung aus Ehrlichkeit und Nachvollziehbarkeit mit reichlich schmutzigem und bösem Humor. „Ich hatte schon länger Lust auf Geschichten, in denen Frauen im Zentrum stehen“, fährt er fort. „In emotionalen Momenten den Humor zu finden, ist eine reizvolle Herausforderung. Deswegen war es so spannend, Judds typische Art der Komik auf einen Film über Frauen anzuwenden und ihn trotzdem echt und ehrlich wirken zu lassen. Wir behandeln Themen, zu denen Frauen einen Bezug haben, aber über die auch Männer lachen können. Unser Ziel war es dabei zu zeigen, wie Frauen untereinander reden, wenn eigentlich keine Männer in der Nähe sind.“

Unterstützung bei der Produktion bekam Apatow von seinen beiden Wegbegleitern Barry Mendel, mit dem er schon bei „Wie das Leben so spielt“ zusammengearbeitet hatte, und Clayton Townsend, mit dem er sich erstmals bei „Jungfrau (40), männlich, sucht“ zusammengetan hatte.

Mendel, der Wiig noch von der gemeinsamen Arbeit an „Roller Girl“ kannte, war genauso begeistert wie der Rest des Teams von der Möglichkeit, einem eigentlich ausgelutschten Komödien-Thema neues Leben einzuhauchen: „Das Planen einer Hochzeit ist ein strenges Ritual, und Kristen und Annie haben darüber geschrieben, dass Frauen von dieser Aufgabe manchmal überfordert sind. So viele Filme handeln von Leuten, die sich verloben oder heiraten, aber die meisten von ihnen sind irgendwie banal und die Gefühle wirken unecht und manipulativ. Das kann auch unterhaltsam sein, aber wir stellten uns früh die Frage, ob wir wirklich einen dieser Filme machen wollen oder nicht doch etwas ganz anderes. Im Nachhinein kann ich zum Glück sagen, dass uns letzteres gelungen ist!“

Produktion: Die Besetzung

Im Mittelpunkt der Geschichte von „BRAUTALARM“ steht Annie, eine Juwelier-Verkäuferin in ihren Dreißigern, die ihren Alltag nicht so wirklich auf die Reihe bekommt. Ihre eigene Bäckerei musste sie aufgeben, der Lebensgefährte ist ebenfalls weg und damit auch die Hoffnung auf eine perfekte Zukunft. Ausgerechnet in diesem Stadium erfährt sie, dass ihre beste Freundin heiratet und zu neuen Ufern aufbricht. „Im Grunde ist das die sehr schöne Geschichte eines Menschen, der sein Leben in den Griff bekommen muss“, beschreibt Feig den Plot. „Sie lebt nicht zuletzt von Kristens Menschlichkeit. Sie kann etwas, das nur sehr wenige Komiker beherrschen: ihr gelingen ganz kleine, authentische Momente, aber gleichzeitig kann sie auch aufdrehen und hemmungslos auf die Tube drücken. Ihre Albernheit und Übertreibungen sind immer ganz fest in der Realität verankert. Das entspricht genau meinem Verständnis von Comedy, nämlich dass man alles machen kann solange es einen echten, wahren Kern hat. Kristen macht ihre Figur zu einem glaubwürdigen Menschen in seiner ganzen komplexen Verrücktheit. Und sie lässt stets die Verletzlichkeit dieser Frau durchscheinen, selbst wenn sie sich nach außen eigentlich zusammenreißt.“

Als Mumolo und Wiig gemeinsam mit Apatow an den Charakteren der Geschichte feilten, war es ihnen wichtig, die jeweiligen Nuancen und exzentrischen Eigenarten jeder Brautjungfer besonders herauszuarbeiten. Sie wussten genau, wie schnell man in die Klischee-Falle tappen konnte, deswegen hatten sie diese Gefahr stets im Hinterkopf. Zulasten der Komik sollte das aber natürlich nicht gehen, wie Wiig beteuert: „Oft werden Frauen auf der Leinwand als makellos und mädchenhaft dargestellt, sie haben nicht selten bloß die Funktion der Nachbarin oder Ehefrau. Dabei gibt es so viele unglaublich witzige Schauspielerinnen, die unbedingt jede Menge witziger Rollen verdient haben. Deswegen war es für Annie und mich ausgesprochen befriedigend, eine Komödie zu schreiben, in der Frauen mal nicht nur am Rande auftauchen.“

Für die Suche nach den passenden Schauspielerinnen, die Wiigs orientierungslose Annie umgeben, ließen sich Feig und die Produzenten auf ein langes Casting-Verfahren ein. „‚BRAUTALARM’ ist eine Ensemble-Komödie, deswegen ist die Besetzung von entscheidender Bedeutung“, erklärt Apatow. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, jede Komikerin und Komödien-Schauspielerin der Stadt zu treffen und die richtige Gruppe für unsere Charaktere zusammenzustellen. Als wir alle beisammen hatten, haben wir ein paar Wochen gemeinsam mit ihnen und Paul geprobt und improvisiert, damit sich jeder seine Figur wirklich zueigen machen konnte. In dieser Phase entstanden viele der allerbesten Gags.“

Mit der Rolle der angehenden Braut wandte sich das Team an Wiigs langjährige Freundin und frühere „Saturday Night Live“-Mitstreiterin Maya Rudolph. „Die echte Freundschaft der beiden kommt auch auf der Leinwand wunderbar durch“, freut sich Feig. „Es war wirklich wichtig, dass Lillian und Annie eine echte Beziehung zueinander haben, denn die Kamera bringt sofort jede Spur von Authentizität zutage. Das vollkommen natürliche Verhältnis zwischen Kristen und Maya ist nicht zu übersehen und trägt enorm zur Prämisse des Films bei, wo es ja um die Angst geht, seine beste Freundin zu verlieren. Ohne dass sie besonders viele Worte dafür bräuchten, hat man wirklich das Gefühl, dass diese beiden Frauen sich schon ewig kennen.“

Doch die Entstehung dieser Figur war nicht ganz einfach, wie Mumolo berichtet: „Wir wussten anfangs nicht genau, wer Lillian eigentlich ist, denn ursprünglich war die Rolle nicht besonders groß. Das änderte sich erst, als wir Maya besetzten. Sie ist eine so großartige Schauspielerin und Komikerin, dass sich all unsere Fragen zu der Figur wie von selbst beantworteten. Maya – und damit auch Lillian – ist eine Frau, mit der einfach jeder befreundet sein will, denn sie ist locker, glücklich und für jeden Spaß zu haben.“

Rudolph freute sich nicht nur darüber, Lillian zu spielen, die sie als „den Klebstoff“ bezeichnet, der all diese unterschiedlichen Frauen miteinander verbindet. Vor allem hatte sie große Lust, endlich mal wieder mit Wiig zusammenzuarbeiten, der sie seit den gemeinsamen „SNL“-Tagen eng verbunden ist. „Wenn man sich so gut kennt wie wir, hat man auch in der Arbeit einen echten Draht zueinander. Den in den Film einzubringen, sorgt für eine besondere Glaubwürdigkeit – und zwar nicht nur für das Publikum, sondern auch für uns. Kristen und ich haben unsere ganz eigene Art, miteinander zu sprechen und uns zum Lachen zu bringen, wie man jetzt auch auf der Leinwand sieht. Wie oft bekommt man schon die Möglichkeit, mit jemandem zu drehen, der genauso tickt wie man selbst?“

Annies Konkurrentin um die Rolle als Trauzeugin ist die süße, aber herablassende Helen, eine Vorzeige-Gattin mit festem Platz in der Country Club-Schickeria. „Mir war wichtig, dass Helen nicht bloß eine niederträchtige Hexe ist, sondern eine Frau, die mit ihrer eigenwillig selbstbewussten Ehrlichkeit die Menschen zur Weißglut treibt“, sagt Regisseur Feig. „Viele Filme scheitern für mich daran, dass die Gegenspielerin einfach nur als klischeehaft böse gezeigt wird. Die Geschichte reduziert sich dann auf einen Zweikampf zwischen ihr und der Protagonistin, der viel zu schrill und banal wirkt. Das wollten wir unbedingt verhindern.“

Diese komplexe Rolle bot man schließlich einer Schauspielerin an, die man eigentlich eher aus dramatischen Rollen kannte… bevor sie sich in einer anderen Apatow-Produktion an der Seite von Russell Brand bewährte. „Judd hatte gerade die Arbeit an ‚Männertrip’ abgeschlossen, in der Rose Byrne Russells Ex-Frau spielte“, erinnert sich Feig. „Der Film war noch nicht angelaufen, also lud er mich in den Schneideraum ein, um mir ein paar Szenen zu zeigen. Es haute mich um, wie witzig sie in dieser krassen Rolle war. Auch als wir uns trafen, war sie voller Energie und bereit, wirklich alles zu geben. Es gibt nicht viele Schauspielerinnen wie sie, die umwerfend schön, aber auch so witzig und bodenständig sind.“

Eigentlich sollte sie zunächst für eine andere Rolle in „BRAUTALARM“ vorsprechen, doch Byrne hatte einen Wunsch: „Lasst es mich mal mit der Zicke versuchen!“ Die Gründe dafür erklärt sie selbst: „Es passiert selten, dass man ein Drehbuch liest über eine Gruppe lustiger Frauen in einer Situation, die wir alle kennen. Mal eine Brautjungfer bei einer Hochzeit zu sein, reizte mich sehr, zumal die Rolle so unglaublich komisch ist. Helen ist einfach umwerfend. Wann immer sie in einer Szene auftauchte, war ich gespannt, was sie nun wohl wieder tun würde. Und jedes Mal, wenn ich dachte: so weit wird sie sicher nicht gehen, tat sie es dann doch!“

Für die Rolle der Megan hielt man nach jemandem Ausschau, der als Gegenpart zu Annie fungieren konnte. Denn während Annie sich richtig anstrengt, sich anzupassen und in die Gruppe zu integrieren, schert sich Lillians künftige Schwägerin, die Fight Club-Liebhaberin und Nuklearingenieurin Megan darum kein bisschen. „Von Anfang an war klar, dass Megan eine Schlüsselfigur ist, ziemlich durchgedreht und so eine Art Pausenclown“, lacht Feig. „Wir ließen die unterschiedlichsten Frauentypen vorsprechen, aber irgendwann meinten Kristen und Annie, dass wir unbedingt ihre Freundin Melissa McCarthy treffen müssten.“

Zum Publikumsliebling wurde McCarthy mit einer Nebenrolle in der erfolgreichen TV-Serie „Gilmore Girls“, inzwischen hat sie mit „Mike & Molly“ ihre eigene Sitcom. Was viele nicht wissen: während ihrer Zeit bei den Groundlings in Los Angeles stand das Publikum Schlange, um explizit sie auf der Bühne zu sehen. Beim Vorsprechen für die Rolle der Megan, diesem Freigeist mit sehr eigenem Blick auf die Welt, setzte McCarthy alles auf eine Karte – und traf den Nagel voll auf den Kopf. Mumolo schwärmt von der Rolle ihrer Freundin: „Megan hat eine Einstellung, um die ich sie beneide. Sie ist Annie gar nicht so unähnlich, allerdings vollkommen ohne Unsicherheit und Zweifel, was sie wiederum ins andere Extrem gesteigert hat. Als Vorlage für die Rolle diente eine Figur, die mal bei den Groundlings gespielt hatte. Aber als wir sie ins Drehbuch geschrieben hatten und Melissa den Part übernahm, gewann diese Megan noch mal eine ganz neue Dimension.“

McCarthy selbst beschreibt ihre Figur, die ihren ersten Auftritt bei Lillians Verlobungsparty hat, als „Bulldozer“, was natürlich als Kompliment gemeint ist: „Ich liebe Megan! Als optisches Vorbild entschied ich mich von Anfang an für Guy Fieri, einen stämmigen Fernsehkoch, der immer nur riesige, kastenförmige Hemden trägt. Abgesehen von ihren Nägeln und den Perlen hat sie eigentlich nichts Feminines. Auf den ersten Blick wirkt sie vollkommen durchgeknallt, aber im Grunde ist sie die glücklichste dieser Frauen und ganz mit sich im Reinen. Sie nimmt sich, was sie will und wann sie will, und kann sich auch über Männermangel nicht beschweren. Ich finde es großartig, dass wir sie als jemanden zeigen, der selbstbewusst und zufrieden ist und alles im Griff hat. Egal wie gut oder schlecht es läuft, sie macht immer das Beste daraus.“

Die Rolle von Lillians Cousine Rita, einer gereizten Hausfrau, ging an die aus der Comedy-Serie „Reno 911!“ bekannte Wendi McLendon-Covey. „Wir hatten schon Wendi im Kopf, als wir damals die erste Skriptfassung schrieben“, berichtet Wiig. „Auch mit ihr standen wir lange bei den Groundlings auf der Bühne. Rita ist sehr offenherzig und lebenslustig und es ist ihr ganz egal, was andere über sie denken. Sie hat Mann und Kinder und beschwert sich ständig darüber, doch insgeheim ist sie zuhause recht glücklich. Wendi ist perfekt für die Rolle, auch weil sie so begnadet gut improvisieren kann. Jeder Satz aus ihrem Mund war ein Geschenk!“

Mumolo gesteht freimütig ein, dass sie sich beim Schreiben sofort mit Rita identifizieren konnte: „Nichts gegen meinen Mann, den ich liebe und verehre. Aber wenn man verheiratet ist und Kinder hat, dann fühlt man sich schon manchmal als Fußabtreter. Es ist als wolle das Leben dich plattwalzen und du bist vor ihm auf der Flucht. Aus irgendeinem Grund scheint es immer die Frau zu sein, an der alles hängen bleibt.“ Sie fährt fort: „Wir versuchten wochenlang, wirklich das Letzte aus den Figuren herauszuholen, doch als Wendi mit an Bord kam, ging das wie von selbst. Ein kleiner improvisierter Satz von ihr reichte meistens schon, um uns vor Dankbarkeit in die Knie gehen zu lassen.“

Auch Feig und die Produzenten waren beeindruckt von McLendon-Coveys frechen Kommentaren zum Thema Ehe und ihren unermüdlichen Improvisationen über stressige Kinder. Sie selbst beschreibt ihre Figur wie folgt: „Rita lebt in einem reinen Männerhaushalt. Sie ist quasi das Dienstmädchen für drei undankbare Söhne und einen notgeilen Ehemann, dessen Sextrieb über die Jahre nicht schwächer, sondern nur noch stärker geworden ist. Im Grunde ist sie also eine Matratze, die auch staubsaugt und die Wäsche macht.“ Auch mit den weniger eleganten Szenen, durch die diese Brautjungfer durch muss (Stichwort: Film-Kotze aus den Haaren entfernen!), hatte sie nicht die geringsten Probleme. „Auch wenn einem das an der Schauspielschule leider niemand beibringt“, wie sie lacht.

Anders als Wiig, Rudolph, McCarthy und McLendon-Covey war Ellie Kemper nie Mitglied bei The Groundlings, doch auch sie hat dank Auftritten mit der Upright Citizens Brigade Improvisations-Erfahrung. Für die Rolle der naiven Becca suchte das Team aber vor allem eine Schauspielerin, die als frisch verheiratetes Herzchen mit Kinderwunsch überzeugen konnte. „Ich hatte mit Ellie bei der Serie ‚The Office’ zusammengearbeitet, im gleichen Jahr übrigens, wie ich auch mit Wendi gedreht hatte. Sie ist wirklich enorm witzig. Becca sollte ein unschuldiges, gutgläubiges Mädchen sein – und sie passte in die Rolle wie die Faust aufs Auge. Eine Figur wie Becca liegt Ellie quasi im Blut.“

Frauen, die bevorzugt Schleifen tragen und über Babys sprechen, ist Kemper in ihrem Leben schon einigen begegnet, und auch bei Brautpartys ist sie bereits manches Mal gewesen. Doch nicht nur deswegen begeistert sie die Rolle: „Ich finde es klasse, dass all diese Frauen einen Bezug zu Lillian haben und ihr etwas bedeuten. Aber wenn sie alle zusammen kommen, wird es reichlich unharmonisch und vor allem brüllend komisch. Sie haben das gleiche Ziel, nämlich die Braut zu unterstützen. Doch natürlich will jeder die beste Brautjungfer sein, also wird es turbulent.“

Männliche Unterstützung bekommen die Frauen in „BRAUTALARM“ von einer Reihe Schauspieler und Komiker, zu denen auch der für die britische Serie „The IT Crowd“ hoch gelobte Chris O’Dowd gehört. Er spielt Annies aus Irland kommenden Verehrer, den Polizei-Officer Rhodes. Annie hat bezüglich Job und Männern schon zahlreiche Fehlentscheidungen getroffen, und Rhodes ist der erste Mann seit langem, der sie so akzeptiert, wie sie ist. Er ist tatsächlich an einer ganz normalen, erwachsenen Beziehung mit ihr interessiert, doch das lässt sie vor lauter Angst erst einmal davonlaufen. Aber je besser sie ihn kennen lernt, desto klarer sieht sie eine Seite an ihm, die ihr sehr zusagt.

O’Dowd wusste es sehr zu schätzen, dass er den Polizisten als ganz durchschnittlichen, verliebten Kerl spielen konnte. Doch auch die Gelegenheiten zur Improvisation, die am Set zahlreich geschaffen wurden, begeisterten ihn sehr, wie er berichtet: „Manche Leute sind sehr engstirnig, wenn es um ihre Drehbücher geht. Da darf dann kein Wörtchen geändert werden. Hier dagegen galt immer die Ansage, dass es die besten Dialoge und Szenen in den Film schaffen, egal von wem sie stammen. So sollte es immer sein.“

Produzent Mendel erinnert sich an O’Dowds Vorsprechen: „Er kam rein und sprach mit einem amerikanischen Akzent, doch ich wollte gerne seinen normalen, irischen hören. Dabei kam dann noch mal eine ganz andere Seite, ein ganz neuer Charme zum Vorschein. Das half uns sehr dabei, die Figur auf den letzten Metern noch ein bisschen mehr auszuarbeiten. Und er war dadurch ein bisschen mehr in seinem Element, wenn es ums Improvisieren und spontane Reaktionen vor der Kamera ging.“

In einem Gastauftritt als fieses Objekt von Annies Begierde ist „Mad Men“-Star Jon Hamm zu sehen. Apatow beschreibt die Beziehung der beiden wie folgt: „Annie schläft mit diesem Kerl und hätte auch gerne eine echte Beziehung. Doch es bleibt ausschließlich beim Sex, und dass sie das mit sich machen lässt, spricht natürlich Bände über Annies Selbstbild. Aber Jon sieht nun einmal verdammt gut aus, also kann man schon verstehen, wieso sie sich darauf einlässt.“

Ebenfalls für „BRAUTALARM“ vor der Kamera standen der britische Fernsehstar Matt Lucas („Litte Britain“) als Annies seltsamer Mitbewohner Gil, Rebel Wilson als dessen noch seltsamere Schwester Brynn, Michael Hitchcock als ihr Chef und Kali Hawk als ihre Kollegin, Tim Heidecker als Lillians Verlobter Dougie und der aus Filmen wie „The Expendables“ und „Get Smart“ bekannte Terry Crewes. Als Annies Mutter Judy ist außerdem die legendäre, inzwischen verstorbene Jill Clayburgh zu sehen.

Produktion: Die Dreharbeiten

Mit fünf Schauspielerinnen und einer Autorin, die allesamt vom Improvisations-Theater kommen, verstand es sich fast von selbst, dass auch am „BRAUTALARM“-Set das Thema Improvisation groß geschrieben wurde. Und das sogar noch vor Produktionsbeginn, wie Mumolo berichtet: „Schon bei unseren ersten Treffen mit Judd improvisierten Kristen und ich stundenlang, während er uns filmte. Anschließend gingen wir die Aufnahmen durch und arbeiteten die besten Gags und Dialoge in unser Drehbuch ein. Selbst während des Drehs schrieben wir ständig noch Szenen um, wenn uns etwas Neues einfiel.“

„Annie und ich kommen aus der Welt der Sketch-Comedy, deswegen sind vor allem Figuren und Dialoge unsere Stärken“, meint Wiig. „Wenn Szenen, an denen wir hingen, nicht richtig funktionieren wollten, war es immer Judd, der noch eine neue Idee hatte oder uns auf eine andere Spur brachte. Beim Umschreiben zeigte sich eigentlich stets, dass er mit seinen Tipps goldrichtig lag. Es gibt immer ein paar Kleinigkeiten, auf die man zugunsten des Erzählflusses verzichten muss. Wenn wir zu betriebsblind waren, um die zu erkennen, half Judd uns weiter.“

Als die Besetzung in trockenen Tüchern war und die Produktion begann, „ließen Paul und Judd uns Schauspieler erst einmal zum Proben und Improvisieren antanzen“, fährt sie fort. „Es gab mitunter Szenen im Drehbuch, die wir alle liebten und die alle Skriptfassungen überstanden hatten. Aber als das Ensemble sie dann spielte, merkte man dann vielleicht, dass doch noch nicht alles stimmte. Oder eine Improvisation öffnete uns die Augen, wie wir es noch besser machen konnten. Durch einen solchen Prozess kann sich ein Drehbuch noch mal wirklich weiterentwickeln, noch glaubwürdiger und echter werden.“

Auch Feig ist überzeugt vom Erfolg dieser Herangehensweise: „Wir fingen immer mit dem an, was geschrieben stand, denn natürlich wollten wir erst einmal sichergehen, dass das Drehbuch funktioniert. Danach nahmen wir uns die gleiche Szene noch einmal vor und improvisierten. Währenddessen mischten auch Judd und ich uns immer wieder ein, brachten einen Gag ein, der uns einfiel, oder lenkten das Ganze in eine andere Richtung. Die Schauspieler griffen das alles dankbar auf und wir konnten uns am Ende aus all dem, was dabei entstand, die Rosinen rauspicken.“

„So entstand in der Probenphase noch reichlich neues Material, das wir ins Drehbuch übernahmen, bevor schließlich gedreht wurde“, fährt er fort. „Als die Kameras liefen, wussten wir ganz genau, wo wir uns besser wörtlich ans perfektionierte Skript halten und wo wir selbst dann noch Raum für Improvisation hatten. Den Schauspielerinnen gefiel es extrem gut, derart in den Entstehungsprozess eingebunden zu sein. Es sorgt für viel Vertrauen und ein Gefühl von echter Zusammenarbeit, wenn im Drehbuch schließlich Dialoge stehen, die von ihnen selbst stammen.“ Auf diese Weise, so Feig, „konnten wir wirklich von der Erfahrung dieser Improvisations-Talente profitieren, die am laufenden Band mit neuen Ideen um die Ecke kommen. Dank ihnen klingen unsere Figuren absolut authentisch, und ich hoffe, dass vor allem Frauen unsere Dialoge ehrlich, offenherzig und auch ein bisschen unerhört finden werden.“

Der Regisseur lobt alle, die hinter den Kulissen am Drehbuch beteiligt waren: „Wir hatten ein tolles Autorenteam, das uns aushalf, und ständig neue Witze ablieferte. Unsere Schauspielerinnen probierten sie jedes Mal sofort aus, anschließend dachten sie sich selbst etwas aus. Es war eine ganz andere Art des Filmemachens, denn eigentlich ist es üblich, dass alles perfekt sein muss, bevor mit dem Dreh begonnen wird. Man braucht viel Energie, um es so zu machen, wie wir es getan haben. Sich einfach im Regiestuhl zurücklehnen und bloß zuzuschauen, ist eigentlich nicht drin. Alle Beteiligten mussten permanent auf Zack sein und den Überblick behalten.“

Nicht zuletzt Mendel war beeindruckt von der Menge und Qualität der Improvisation, die das Ensemble meisterte: „Diese Frauen sind eindeutig die besten Improvisations-Schauspieler, die ich je gesehen habe. Die gemeinsame Groundlings-Erfahrung machte sich natürlich bezahlt, aber wir haben auch einfach die richtigen Leute gewählt. Judd war von Anfang an begeistert von der Idee einer Frauen-Komödie, nicht zuletzt mit echten Komikerinnen, die einfach ihr Ding machen dürfen. Und wir haben wirklich ein All-Star-Team am Start!“

Produktion: Sets und Design

Die Zusammenarbeit von Produktionsdesigner Jefferson Sage mit Judd Apatow und Paul Feig begann bereits in ihren gemeinsamen „Voll daneben, voll im Leben – Freaks and Geeks“-Tagen. „Ich hatte das Glück, damals engagiert zu werden, als sie gerade mit der Arbeit an der Serie anfingen“, erinnert sich Sage. „Im Laufe der Jahre habe ich mit beiden bei verschiedenen Projekten immer wieder zusammengearbeitet. Bei ‚BRAUTALARM’ interessierten mich als erstes die beiden Milieus, in denen der Film spielt: Annies Leben in Milwaukee auf der einen und Helens Welt in Chicago auf der anderen Seite. Dieser Unterschied spiegelt die wachsende Rivalität der beiden bestens wieder.“

L.A. als Ersatz für den Mittleren Westen

Während die Geschichte des Films sich zwischen diesen beiden Städten abspielt, wurde tatsächlich in Los Angeles gedreht. Ein schwieriges, aber nicht unmögliches Unterfangen, wie Sage zugibt: „Die Innenaufnahmen sind in einem solchen Fall natürlich sehr viel einfacher, aber auch draußen fanden wir architektonische Ähnlichkeiten zum Mittleren Westen. Chicago ist eine wunderschöne und gerade von der Architektur her sehr spezielle Stadt. Doch aus bestimmten Blickwinkeln sehen einige Ecken von Downtown Los Angeles ganz ähnlich aus. Und einige Gebäude, die für Milwaukee einstehen konnten, trieben wir auch auf.“

Da Annie, Lillian und die Brautjungfern sich zwischen den beiden Städten hin- und herbewegen, musste sichergestellt werden, dass es nie so aussieht, als würden sie die Westküste entlang fahren. „Wir suchten nach umliegenden Städten, die man als Milwaukee ausgeben konnte, wobei vor allem die Landschaft das Problem war“, ergänzt Sage. „Annie lernt Officer Rhodes auf dem Highway zwischen Milwaukee und Chicago kennen. Unser Pendant zum Mittleren Westen fanden wir schließlich in Oxnard, einer flachen, grünen Gegend, weit genug weg sowohl von den Bergen als auch vom Meer.“

Die Hochzeitskleid-Anprobe & andere Kostüme

Als Helen die Mädchen mit zum Shopping im exklusivsten Brautmodengeschäft von Chicago nimmt, bricht verdauungsmäßig die Hölle los. Dieses „makellose, blütenweiße Allerheiligste in Sachen Hochzeit, wo man umgeben ist von edlen Stoffen, kostbarer Seide und wunderschönem weißen Teppich“, wie Sage den Laden selbst beschreibt, war für Feig der ideale Ort, um an die vorangegangene Szene, in der die Gruppe ein verdorbenes Lunch zu sich genommen hatte, anzuknüpfen.

Der Produktionsdesigner arbeitete eng mit dem Regisseur sowie Set Decorator Doug Mowat zusammen, um die Frauen so geschickt wie möglich in die perfekte Falle zu locken. Denn als das Unglück beginnt, gibt es kein Entkommen mehr – und sie rennen sich gegenseitig über den Haufen auf dem Weg zur einzigen Toilette. Sage windet sich bei dem Gedanken noch immer: „Die ganze Szene ist so aufgebaut, dass man sich möglichst unwohl fühlt. Die Farbpalette ist strikt limitiert: nur weiß! Wenn einem an einem solchen Ort übel wird, gibt es keine einzige Ecke, in die man zur Not ausweichen könnte.“

Bis die Kulisse des Brautgeschäfts perfekt war, dauerte es ein bisschen. Kameramann Robert Yeoman wurde zu Rate gezogen bei der Frage, welche Stoffe am besten geeignet waren und bei der Beleuchtung am wenigsten Probleme machten. Man orientierte sich schließlich an einem Nobelladen, in dem man nur nach frühzeitiger Anmeldung überhaupt einen Termin bekommt. Annie würde die Frauen dort nie hinein bekommen, doch für Helen ist es kein Problem, denn das ist genau ihre Welt.

Viel mehr als sonst bei Filmen üblich hatten Produktionsdesign und Ausstattung einen direkten Bezug zu den Kostümen. Sage arbeitete eng mit Kostümdesignerin Leesa Evans zusammen um sicherzugehen, dass seine Farbentscheidungen mit ihren Entwürfen harmonierten. „Wir führten lange Gespräche darüber, welches Kleid zu welcher Kulisse passt“, bestätigt Sage. „Sie zeigte mir das Bild eines Kleides, dazu wurde dann die Tapetenfarbe ausgesucht. Und im Gegenzug schickte auch ich ihr immer Farbproben, so dass wir wirklich in ständigem Kontakt standen.“

Für Evans selbst war es wichtig, dass die Kleider nie die Grenze zum Lächerlichen überschritten: „Man muss bei einem Film wie diesem aufpassen, nicht bloß eine Karikatur des ganzen Hochzeits-Rituals abzuliefern. Sechs Frauen, eine Verlobungsparty, ein Junggesellinnenabschied, eine Hochzeit – da kann man sehr schnell in jeder Hinsicht zu dick auftragen. Aber ich hoffe, dass wir den richtigen Ton getroffen haben. Es soll lustig und auch ein bisschen ironisch sein, aber durchaus auch zeigen, wie es bei solchen Veranstaltungen wirklich zugeht.“

Dabei waren die vielen Kostüme der Frauen nicht die einzige aufwändige Kleidung am Set, wie Mumolo berichtet: „Paul ist in dieser Hinsicht ein kleiner Schnösel! Er kommt jeden Tag geschniegelt zur Arbeit, in Anzug und Filzhut. Nicht zuletzt deswegen war der perfekte Mann für diesen Job. Er steht zu seiner weiblichen Seite und hat ein tolles Gespür für Frauen. Dank ihm bestand nie die Gefahr, dass unsere Sicht der Geschichte verraten wird.“

Die Brautparty

Obwohl Annie die Trauzeugin und also die erste Brautjungfer ist, lässt es Helen sich nicht nehmen, in ihrem herrschaftlichen Anwesen die aufwändigste und pompöseste Brautparty zu veranstalten, die man sich vorstellen kann. Für die Gestaltung dieses Festes trug das Team die kitschigsten Erfahrungen zusammen, die jeder mit solchen Veranstaltungen schon gemacht hatte. „Für diese Szenen hatten wir eine riesige Kulisse mit enorm vielen Gästen“, erzählt Feig. „Das war für Kristen die ideale Arena, um ihr Talent für körperliche Komik auszuleben. Wir ließen ihr freie Bahn und hefteten uns einfach mit zwei Kameras an ihre Fersen.“

Es war dabei durchaus eine Herausforderung, dass diese Szenen alle sechs Hauptfiguren der Geschichte beinhalteten und Kameramann Yeoman deren Interaktion mit den anderen Gästen einfangen musste. Und nicht nur das. „Kristen macht auf der Party ja eine ziemliche Szene, und die ersten Aufnahmen davon waren ziemlich dramatisch, geradezu bewegend“, erinnert sich der Regisseur. „Aber wir wollten dann doch versuchen, ob wir die Sache nicht auch noch lustiger hinbekommen.“

Produktionsdesigner Sage musste seine Entwürfe im Sinne der Geschichte halten: „Dass wir uns für das Haus an den hellen Farben des Brautmodengeschäfts orientierten, war natürlich beabsichtigt, schließlich gehören beide zu Helens Welt. Sobald Annie diese betritt, kommt es zu Spannungen. Sie ist dort ein Fremdkörper und fühlt sich unwohl, was wir auch visuell zur Geltung bringen wollten.“

Als Annie bei der Brautparty ankommt, erkennt sie sofort, dass Helen ihre Idee geklaut hat, das Ganze unter das Motto Paris zu stellen. Sie hat seit der Verlobungsfeier nicht nur das komplette Haus umdekoriert, sondern auch die Terrasse als Straßencafé gestaltet und überall Pavillonzelte und kleine Kioske aufgestellt. Ganz zu schweigen von der Miniaturversion des Eiffelturms. Den letzten Dolchstoß verpasst Annie schließlich der riesige Schokoladenbrunnen, ein Traum aus Marmor mit literweise flüssiger Schokolade. Annies Sicherungen brennen durch – und man kann es ihr kaum verübeln.

Produzent Mendel ist in diesem Zusammenhang einmal mehr begeistert vom Talent seiner Hauptdarstellerin, auf derart komische Weise durchzudrehen: „Wer Spaß an Kristens Auftritten bei ‚Saturday Night Live’ hat, wird sie in ‚BRAUTALARM’ erst recht lieben. Denn sie traut sich Sachen, vor denen die meisten anderen zurückschrecken würden. Zu sehen, wie sie von Schokolade übergossen einen riesigen Keks zerkrümelt, ist einfach unfassbar witzig!“

Die Hochzeit

Als Lillian die Befürchtung äußert, dass Helen bei der Planung der Hochzeit vielleicht doch übers Ziel hinausgeschossen ist, ist Annie die erste, die ihr beipflichtet. Doch da ist es natürlich längst geschehen, wie Feig bestätigt: „Es hat besonderen Spaß gemacht, die Hochzeit zu drehen, denn mit diesem Fest übertrifft sich Helen noch einmal selbst. Deswegen haben wir auch alles daran gesetzt, das gesamte Ausmaß in einer einzigen Einstellung einzufangen.“

Welche Hochzeit wäre schon komplett ohne eine Laser-Lichtshow, Feuerwerk, Springbrunnen und Kunstnebel über dem Swimming Pool? Das Hauptgeschehen der Zeremonie findet auf Plateaus statt, die sich über besagten Pool erstrecken, inklusive aufwändigem Licht-Design in und jenseits des Wassers. Als Location für dieses extravagante Ereignis wählte man das Los Angeles County Arboretum. „Das ist eine wunderschön grüne Gartenanlage samt riesigem Pool in der Mitte einer Wiese“, ergänzt Sage. „Den mussten wir erst einmal leeren, um unsere ganze Lichttechnik zu installieren und ihn weiß zu streichen, bevor wir ihn schließlich wieder mit Wasser füllten. Und mindestens genauso viel Aufwand betrieben wir, um den Rest der Lichtanlage zu errichten, die später auch den Auftritt unser Popband zu einem optischen Ereignis macht.“

Zusätzliche Sets

Bevor Annie zu ihrer Mutter in deren Ranch-Haus zieht, teilt sie sich in Milwaukee ein kleines Apartment („im Siebziger-Depri-Look“, wie Feig es beschreibt) mit ihrem Mitbewohner Gil und dessen Schwester. Sage stattete es mit Holzverkleidungen, seltsamem schokobraunen Teppich und jeder Menge Resopal, das seit mindestens 20 Jahren nicht mehr modern ist, aus. Auch ihr Arbeitsplatz – der im Studio nachgebaute Cholodecki’s Jewelry Shop – wurde mitsamt Holzvertäfelung und altmodischen Juwelierschaukästen in einer ähnlichen Optik gehalten. So sehr sich Annie also abstrampelt, scheint sie in dieser trostlosen Umgebung festzustecken.

Gedreht wurde außerdem im Sherwood Country Club im kalifornischen Westlake Village, wo man dem „BRAUTALARM“-Team für einige Szenen eine Drehgenehmigung erteilte. „Ich glaube, wir sind der erste Film, der dort drehen durfte und das auch voll ausgenutzt hat“, freut sich Sage. „Der Club ist verdammt schön und erinnert außerdem ein wenig an den Mittleren Westen. Die Gestaltung des Gebäudes ist ziemlich traditionell und erinnert mit seiner Mischung aus Weiß und Backstein nicht wirklich an Los Angeles. Und obendrein gibt es dort einen Tennisplatz, den wir wunderbar nutzen konnten für eine Schlüsselszene im Konkurrenzkampf zwischen Annie und Helen.“

„Wir drehten dort die Verlobungsparty sowie ein paar zusätzliche Aufnahmen, damit wir später den Eindruck erwecken konnten, auch die Hochzeit hätte dort – also auf Helens Anwesen – stattgefunden“, fasst der Produktionsdesigner seinen Eindruck der Location, die als Chicago herhalten musste, zusammen. „Es gibt dort viele dichte Bäume, aber man sieht die Berge nicht, deswegen hat man nicht den Eindruck in Los Angeles zu sein. Dass es sich zu einem Großteil um kalifornische Eichen handelt, fällt hoffentlich nicht allzu sehr auf…“

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