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Auszüge von Botero Statements

In deutsch „overvoice“ von Mario Adorf gesprochen.

„Kolumbien ist das Zentrum meines Lebens. Die Idee von Familie und Freundschaft ist für Menschen in Lateinamerika die Basis für ihr Glücklichsein. Sagen wir, sie haben diese Wärme, die so wichtig ist.“

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„Der einzige Grund für einen Maler zu malen ist seine eigene Welt zu schaffen. Die Realität gibt es ja schon – man muss eine geistige Parallelwelt malen, an der sich die Menschen erfreuen können – wie Poesie, Musik, Literatur, die auch im Kopf des Künstlers entsteht.“

„Ich hatte das Glück von vielen Großstädten eingeladen zu werden und die Plätze für meine Arbeiten selbst aussuchen zu dürfen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie so viele Leute schauen, fotografieren, die Figuren anfassen, was mich überhaupt nicht stört. Im Gegenteil: Es vermittelt den Menschen etwas von dem sinnlichen Gefühl, mit dem ich meine Plastiken modelliere.“

Produktionsnotizen

Seine fünfte Künstler-Biografie widmet Peter Schamoni dem weltberühmten kolumbianischen Maler und Bildhauer Fernando Botero – nach Max Ernst, Caspar David Friedrich, Niki de Saint Phalle und Friedensreich Hundertwasser.

Schamoni stellt den Film unter das Motto „Art instead of Violence and Drugs“ – eine Anspielung auf Boteros Heimatstadt Medellin, der ehemaligen Hochburg der kolumbianischen Drogenkartelle. Im Kampf gegen die Drogen wurde dort ein ganzes Viertel teilweise abgerissen und saniert. Für den neu entstandenen Platz im Zentrum, ein Treffpunkt für viele Menschen, stiftete Botero 25 Großskulpturen. Aus dem angrenzenden Rathaus wurde ein Botero-Museum mit einigen seiner schönsten Gemälde.

„Kunst kann süchtig machen“ (Schamoni)

Ein Markenzeichen des Porträtisten Schamoni ist es, seine Dokumentationen abwechslungsreich und unterhaltsam wie Spielfilme zu inszenieren, mit häufigem Wechsel von Szenerie, Perspektive und Rhythmus.

Bei der Dramaturgie von BOTERO – GEBOREN IN MEDELLIN folgte er nicht nur dem Lebensweg des Künstlers, sondern auch den großen Bilderzyklen seines Werkes, in denen Botero unterschiedliche Geschichten erzählt. Der Dokumentarfilmer Erwin Leiser drehte vor 20 Jahren in Paris mehrere kleine Filme über seine Arbeit, Auszüge daraus finden Eingang in Schamonis Film.

Peter Schamoni ist seit über vierzig Jahren fasziniert von der eigenwilligen Üppigkeit und leuchtenden Buntheit dieser fest in südamerikanischen Traditionen verwurzelten Kunst.. Erstmals wurde er Ende 1970 bei einer ersten Ausstellung in der Münchner Galerie Buchholz auf den Künstler aufmerksam.

Deutschland bedeutete für Botero seinen eigentlichen künstlerischen Durchbruch. Botero lebte damals in New York, das ganz im Bann von Andy Warhols Factory und dem Mainstream-Interesse an abstrakter Kunst stand. Im bajuwarisch-lebensfrohen München dagegen stießen die dicken, frechen, bunten und sinnlichen Figuren auf Gegenliebe.

Das hat Botero nie vergessen. Die frühe Anerkennung seiner Arbeiten in Deutschland und die jahrelange persönliche Freundschaft zu Peter Schamoni, dessen Filme er schätzt, waren die Grundlage für die vertrauensvolle Zusammenarbeit an dem Großprojekt.

Die Idee dazu hatte Schamoni bereits 1972, nach seinem Hundertwasser-Film, der für den Oscar nominiert war. Aber ein tragischer Autounfall 1974 in Spanien, bei dem der Maler schwer verletzt wird und sein vierjähriger Sohn Pedrito stirbt, bedeutet zunächst das Aus. Lange war unsicher, ob Botero seine Karriere würde weiterführen können. Doch dann malt er wieder, versucht, den Schicksalsschlag in immer neuen Bildern des geliebten Sohns zu verarbeiten. Ein Bruch in seinem Leben, der künstlerisch auch zur verstärkten Arbeit am plastischen Werk führt.

Den Ausschlag für die Wiederauferstehung des Botero-Projekts gab für Schamoni schließlich der Besuch einer Ausstellung in der Sammlung Würth in Schwäbisch Hall vor drei Jahren. Dort sah er den schockierenden, bewegenden Abu Ghraib-Zyklus von 2005. Auch in der Dokumentation nimmt die Serie, die einen Neuanfang in Boteros Schaffen markiert, einen zentralen Stellenwert ein. Sie im Kontext seines Gesamtwerks zu sehen, ist besonders interessant. Die Bilder der Serie sind nicht in den Kunsthandel gelangt, sondern ausschließlich Museen und Ausstellungen vorbehalten. Unlängst vermachte Botero sie dem Artmuseum der Berkley University.

Ursprünglich sollte der Film „Botero – der umgekehrte Kolumbus“ heißen: Botero, der mit 19 nach Europa kam, hat in den bedeutendsten Museen die Meisterwerke der Kunst des Abendlandes kopiert und die Bilder der großen Meister in seinen Stil umgesetzt. Diese Arbeiten faszinierten die Kunstwelt. Er verkaufte gut, und von seinen Gagen erstand er Originale, die er nach Kolumbien zurückbrachte - durch die Erträge seiner in Europa erlernten Kunst holte er europäische Schätze nach Südamerika.

Über 200 eigene Gemälde und sein gesamtes plastisches Oeuvre sowie seine bedeutende Sammlung von Meisterwerken der europäischen Moderne vermachte er zwei Museen in Bogotà und Medellin – Kunstwerke, die nie zuvor im Original in Kolumbien zu sehen waren.

Kunst unters Volk zu bringen, war dem Mann aus einfachen Verhältnissen, dessen Vater als Handlungsreisender mit einem Maultier über die Anden zog, schon immer ein besonderes Anliegen.

Wie kein anderer Künstler genießt er die Verehrung seiner Landsleute und freut sich, dass in vielen Bauernhütten am Amazonas gerahmte Kalenderbilder mit Reproduktionen seiner Werke hängen. In den Touristenzentren Kolumbiens arbeiten ganze Malerkolonien an Botero-Fälschungen, die sich gut verkaufen lassen – was den Meister amüsiert, wie man im Film sieht.

Die Dokumentation folgt dem Künstler um die halbe Welt – Stationen der Reise sind Boteros geliebte Heimat Kolumbien, Medelllin und Bogota, aber auch die Kleinstadt Tolu an der karibischen Küste, wo aus seinen Anfangsjahren Wandmalereien in einem Gasthaus erhalten sind, und der malerische kleine Ort Villa de Leva.

Gefilmt wurde außerdem in Paris, wo er hauptsächlich im Frühjahr und Herbst jeden Tag malt, und auf dem Anwesen in Pietrasanta bei Carrara in der Toscana, wo im Sommer seine Skulpturen entstehen. In der Nähe der berühmten Marmorbrüche haben sich auch einige Gießereien niedergelassen, denn Bronze ist Boteros Lieblingsmaterial für seine Skulpturen. Hier schuf er über 200 gigantische Figuren, darunter Adam und Eva, Leda mit dem Schwan und Europa auf dem Stier. Der Künstler arbeitet täglich, seit seinem 18. Lebensjahr.

Mit der Kamera wurden u. a. Ausstellungen in Medellin, Mailand, Den Haag sowie im Berliner Lustgarten eingefangen. Botero: „Ich hatte das Glück von vielen Großstädten eingeladen zu werden und die Plätze für meine Arbeiten selbst aussuchen zu dürfen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie so viele Leute schauen, fotografieren, die Figuren anfassen, was mich überhaupt nicht stört. Im Gegenteil: Es vermittelt den Menschen etwas von dem sinnlichen Gefühl, mit dem ich meine Plastiken modelliere.“

Sei es in seinen monumentalen Skulpturen oder seinen farbstrotzenden, leuchtenden Bildern: immer steht die sinnliche Präsenz der Figuren im Vordergrund, ignoriert Botero in den wuchtigen, überdimensionalen, kugelrunden Körpern und Gesichtern die Gesetze der Proportionen.

Am faszinierendsten für alle Beteiligten waren die Dreharbeiten in Kolumbien, an Orten,

die noch genauso aussehen wie vor 200 Jahren zur Kolonialzeit. Dieser Ursprung prägt sein Werk. Botero: „Kolumbien ist das Zentrum meines Lebens. Die Idee von Familie und Freundschaft ist für Menschen in Lateinamerika die Basis für ihr Glücklichsein. Sagen wir, sie haben diese Wärme, die so wichtig ist.“

Nach einem Überfall auf sein Haus vor ca. 10 Jahren sah sich der Maler allerdings gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Umso glücklicher war Schamoni, dass er sich, nach anfänglicher Ablehnung, dann doch bereit erklärte, mit ihm noch einmal an die Stätten seiner Vergangenheit zu reisen. Auf dem verlassenen Landsitz, in dem Botero dreißig Jahre lang lebte und malte, hängt im Atelier noch die Leinwand, liegen Pinsel mit angetrockneter Farbe herum.

Schamoni bezieht ausdrücklich den Betrachter ein, zeigt immer wieder, wie Menschen auf Boteros plastische Figuren reagieren, sie erfassen im Sinne von anfassen.

Er verzichtet auf belehrende Kommentare, lässt den Künstler selbst zu Wort kommen und erzeugt dadurch eine Atmosphäre großer Authentizität. In einfachem, gut verständlichem Englisch mit kolumbianischem Akzent kommentiert Botero sich und sein Werk. In der deutschen Fassung hat Mario Adorf, mit einem sehr feinen Gespür für Sprache, einige von Boteros Kommentaren eingesprochen.

Musik u. a. von Baden Powell, Enigma, Bernd Steidl, aber auch traditionelle kolumbianische Klänge, entfalten einen magischen Sog, der perfekt mit Boteros Bildern harmoniert. Die Kamera führten Ernst und Konrad Hirsch, wie schon bei Schamonis „Majestät brauchen Sonne“. Ernst Hirsch hatte auch bereits für Schamoni „Niki de Saint Phalle“ und „Max Ernst“ gefilmt.

Biografie Fernando Botero

Geboren in Medellin … in der Andenstadt kam Fernando Botero am 19. April 1932 zur Welt. Früh, im Alter von fünf Jahren, verlor er seinen Vater, einen Handelsvertreter, der auf dem Maulesel in entlegene Bergdörfer ritt. Ein Onkel nahm den Jungen, der Matador werden wollte, mit in die Arena – daraus erwuchs eine lebenslange Faszination, die Eingang in sein Werk findet: immer wieder malt er Stierkampfszenen.

Schon als Kind hatte er zu malen begonnen. Nach dem Abitur an der Jesuiten-Schule San José in Marinilla zieht er 1951 nach Bogotà, wo er in Kontakt mit der kolumbianischen Avantgarde kommt. 1952 besteigt er ein Schiff nach Barcelona, studierte ein Jahr lang an der Kunstakademie in Madrid. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, kopiert er die Werke großer Meister im Prado. Er reist nach Paris, vergräbt sich im Louvre und schreibt sich schließlich in Florenz in der Academia San Marco ein, wo er Kunstgeschichte studiert und die Technik der Fresko-Malerei erlernt.

Er würdigt die von ihm verehrte klassische Malerei auf seine Art: Hunderte von Gemälden entstehen mit den Gestalten bewunderter Malerfürsten wie Caravaggio, Dürer, Ingres, Monet, Rubens, Velázquez und vielen anderen.

1955 kehrt er nach Bogota zurück, die Ausstellung seiner in Italien entstandenen Werke wird ein Misserfolg. Mit seiner jungen Frau zieht er 1956 nach Mexiko. Inspiriert von der Wandmalerei eines Diego Riviera findet er seinen eigenen Stil. Er wird zum Professor für Malerei an die Kunstakademie der kolumbianischen Hauptstadt berufen, die er 1960 verlässt, um nach New York überzusiedeln.

1966 hat Botero seine erste bedeutende europäische Ausstellung in der Kunsthalle Baden-Baden – ein Erfolg. Der Durchbruch kommt im gleichen Jahr auch in den USA. Er pendelt zwischen Kolumbien, New York und Europa.

Verbunden bleibt Botero aber immer seiner Heimat, in deren Mythologie und alltäglichen Szenen er die Hauptthematik seiner Bilder findet. Doch er hat auch unter ihrer Gewalttätigkeit zu leiden. Nach einem Überfall auf sein Haus, dem er nur knapp entgeht, kehrt er Kolumbien den Rücken und siedelt ganz nach Europa über. 1995 explodiert in Medellin in der Nähe seiner Skulptur „Vogel“ eine Bombe, zahlreiche Menschen werden getötet.

Die Verbundenheit bleibt. Botero: „Ich bin der kolumbianischste unter den kolumbianischen Künstlern, obwohl ich so viele Jahre außerhalb von Kolumbien gelebt habe. Ich bin kolumbianischer geblieben selbst als die Maler, die in Kolumbien leben, weil viele von ihnen internationalen Moden in der Kunst hinterher rennen.“

In seiner Phantasie ist es das Land seiner Kindheit geblieben, bevölkert mit originellen Menschen, Tieren, Pflanzen und Häusern in überzeichneten Proportionen. Dicksein bedeutet Schönheit für den Meister der bunten Üppigkeit, die sein künstlerisches Kredo ist.

2005 kommt ein Wendepunkt im Werk des von manchen als „naiv“ abgetanen Künstlers. Die Bilder aus dem US-Gefangenenlager im irakischen Abu Ghraib, die um die Welt gehen, lassen ihn nicht mehr los. Mit dem Zyklus „Abu Ghraib“ entsteht das Abbild einer schockierenden Realität. Die Bilder gelangen nicht in den Kunsthandel, sondern werden in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Kürzlich vermachte er sie dem kalifornischen Modern Art Museum der Berkley-Universität.

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