Filmhandlung und Hintergrund

Bildgewaltiger, französischer Western nach der berühmten Comicreihe über einen U.S. Marshall und seinen Kampf gegen seinen Erzfeind.

Irgendwann im Wilden Westen: Der Outlaw Blount (Michael Madsen) ermordet die Freundin des US Marshalls Blueberry (Vincent Cassel) und macht sich auf ins Indianergebiet, um die Rothäute um eine reiche Goldmine zu erleichtern. Auf die Goldmine ist auch der Abenteurer Prosit (Eddie Izzard) scharf, hinter dessen lustigem Pseudonym sich der deutsche Baron Werner Amadeus von Luckner befindet. Blueberry rettet ihn vor einem aufgebrachten Lynchmob und eilt, unterstützt von einem mysteriösen Indianer (Temuera Morrison), Blount hinterher, um Rache zu üben.

Jan Kounen

Jahre nachdem Mike Blueberry von Indianern gefunden und an ihrer Seite erwachsen wurde, kreuzen sich die Wege des Marshalls und eines Mannes erneut, der Blueberrys Freundin ermordete. Bandit Blount ist mit anderen Halsabschneidern vermeintlich auf der Spur eines Goldschatzes, sucht aber tatsächlich nach dem großen Geheimnis des Lebens, das nur die Indianer kennen.

Vor Jahren tötete der Revolvermann Blount vor den Augen des jungen Blueberry dessen Freundin. Nun laufen sich die beiden Männer erneut in die Arme. Auf der Jagd nach einer mysteriösen Schatzkarte pflastern Leichen Blounts Weg, der ihn auch nach Palomito führt - der Stadt, in der der bei Indianern aufgewachsene Blueberry inzwischen als Marshall dient Zusammen mit seinem Schamanen-Blutsbruder Runi und der Sängerin Maria macht sich Blueberry auf, den Erzfeind endlich zur Strecke zu bringen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Blueberry - ein Comic. Mit einer schnellen Bilderfolge in einem dynamisch-fließenden Übergang droht Kounen den Zuschauer mit den atemberaubenden Landschaftspanoramen Mexikos im Cinemascopeformat zu erschlagen. Kurze Einstellungen folgen wie Comicbilder aufeinander, die Kamera ist stets in Bewegung. Auch in ruhigen Szenen fährt sie aus der Frosch- in die Vogelperspektive, umkreist nervös die Akteure und ein Schnitt jagt den nächsten. Blueberry zeigt sich in seiner inneren Unruhe und seinem jugendlichen Streben - die Schamanen stellen sein Ungleichgewicht fest. Beeindruckend ist die ungewöhnliche Sichtweise, die das Naturverständnis der Schamanen illustriert. Die oft sehr tief geführte Kamera betrachtet in Detailaufnahmen das in der Steppe kriechende Chamäleon oder auch Wüstenspinnen. Das Auge des Adlers, den Blueberry zu zähmen versucht, füllt die gesamte Bildfläche. Das filmische Geschehen setzt sich aus einer bunten, spirituellen Collage zusammen. Letztlich klärt Blueberry auch seine eigenen Gewissensbisse in crescendoartig auftauchenden Bildern aus seiner Vergangenheit.

      Untermalt wird dies musikalisch mit einer Mischung aus bekanntem Westernsoundtrack und den Klängen schamanischer Ritualmusiken, welche die fremdartige Grundstimmung des Filmes dezent trägt. Entgegen anderen aktuellen Westerns wie z.B. "Unterwegs nach Cold Mountain" drängt sich die Musik hier nicht auf, sondern evoziert eine dem Film angemessene Atmosphäre.

      Spätestens als die ersten schlangenartigen Geister in Erscheinung treten wird deutlich - "Blueberry und der Fluch der Dämonen" ist kein gewöhnlicher Western sondern schafft unter Verwendung der schamanischen Mythen eine Fantasywelt, die im Wilden Westen beheimatet ist. Der Kampf zwischen den weißen Eroberern und den Indianern sowie Blueberrys Feindschaft zu Blount und Prosit sind lediglich eine Rahmenhandlung - im Zentrum steht die spirituelle Erfahrung Blueberrys. Nachdem er von Runi einen Indianertrunk erhalten und die schamanischen Geheimnisse gelehrt bekommen hat, ähnelt der zweite Teil des Films einem fortwährendem Rauschzustand. Schließlich begibt sich Blueberry in eine Welt der Geister. Er begegnet dort käfer- und schlangenartigen Kreaturen in einem sich immerfort erweiternden schwarz-gelben Kosmos aus Ornamenten und exotischen organischen Figuren. Der Film entwickelt sich somit zu einer psychedelischen Reise in faszinierende Bildwelten, die ihresgleichen suchen. In der Geisterwelt kann sich Blueberry letztlich auch seinen inneren Dämonen stellen und den Film zu einem unerwarteten Ausgang führen.

      "Blueberry und der Fluch der Dämonen" zeigt sich filmisch experimentierfreudig - was Mängel wie die einfallslose Story oder eine etwas fragwürdige Gesangseinlage von Juliette Lewis wettmacht. Schauspielerisch ist der Film dennoch solide besetzt, auch Nebenrollen wie der trocken-sympathische Colm Meaney als Blueberrys Freund Jimmy oder der gerissene Prosit (Eddie Izzard) wirken wie alle anderen Darstellungen authentisch und glaubhaft - nicht etwa selbstironisiert und verklärend wie so oft in Comicverfilmungen.

      Fazit: Wer kein stilistisches Meisterwerk erwartet und sich von ungewöhnlichen Bildern verzaubern lassen möchte, findet in "Blueberry und der Fluch des Dämonen" eine gelungene Abendunterhaltung, welche einen Schritt über die Unterhaltung hinausgeht.
    2. Blueberry und der Fluch der Dämonen: Bildgewaltiger, französischer Western nach der berühmten Comicreihe über einen U.S. Marshall und seinen Kampf gegen seinen Erzfeind.

      Üppig budgetiert und dekorativ visualisiert, wagt die erste Realverfilmung des französischen Kultcomics von Jean Giraud und Jean Michel Charlier eine Spiritualisierung des Westerns, lässt den Titelhelden seinen zentralen Kampf in der Welt der Geister austragen, die bisher nur Indianern offen stand. Für diese Bewusstseinserweiterung müssen jedoch als Nebenwirkungen Verlustgefühle in Dramatik, Spannung und erzählerischer Kohärenz in Kauf genommen werden. In den französischen Kinos reagierte man auf diese prominent besetzte 37-Millionen-Euro-Genrevariation reserviert, woraus sich schließen lässt, dass im Kino immer noch dramatische gegenüber halluzinogenen Erfahrungen bevorzugt werden.

      „Eine Jan Kounen Session“ heißt es im Abspann, was man als europäische Antwort auf den „Spike Lee Joint“ oder als verkürzten Hinweis auf das Motivationsniveau des Regisseurs deuten kann. Obsession des gebürtigen Niederländers („Dobermann“) ist nicht der seit 40 Jahren verehrte Comic und dessen Welt, sondern eine mystische Neudeutung, die sich davon entfernt. Grundlage für das in Dialogen und Charakterzeichnung skizzenhafte Drehbuch sind zwei 1969 und 1970 erschienene Alben der Blueberry-Reihe, die im Laufe der Jahre auch Hollywood-Veteranen wie Walter Hill zu einer Verfilmung reizte. Aus dem Abenteuer-Comic schuf Kounen eine rätselhafte Melange aus Western und kosmischem Trip, der an der Blueberry-Basis vorbeidriftet und noch mehr als „The Missing“ den Schamanismus zum Handlungsträger macht. „Ich verlasse diese Welt“, heißt konsequent Blueberrys eröffnende Absichtserklärung, bevor uns der Film zurück in seine Biographie führt. Kaum auf der Farm seines Onkels angekommen, verliebt sich Blueberry (Vincent Cassel) in eine junge Prostituierte, die vor seinen Augen, so seine Erinnerung, vom Banditen Blount (Michael Madsen) getötet wird. Jahre später, unter Indianern erwachsen geworden, ist er nun Marshall, ohne sich im Film wirklich als solcher zu qualifizieren. Kounens Blueberry ist ein reservierter Melancholiker, kein Actionheld und erlebt den Showdown demzufolge auch nicht in einer Dimension des Handelns. Der etwas verworrene Plot führt den Nihilisten Blount wieder zurück in Blueberrys Leben, um in den „Heiligen Bergen“ der Indianer deren großes Geheimnis, die Welt der Toten bereisen zu können, zu erfahren. Bevor es für beide Männer in einem Special-Effects-satten Trip dazu kommt, hakt der Film Western-typische Actionstandards ab, darunter auch eine Indianerattacke, die visuell, wenn auch nicht strategisch überzeugt.

      Im Wirkungsgrad bleiben diese Sequenzen oft hinter ihrem Potenzial zurück, weil man die Charaktere nicht genügend kennen lernt, es an Spannungsaufbau fehlt und der Film oft unvorbereitet in eine Situation zappt und sie auch zu schnell wieder verlässt. Vertraute Westernlandschaften bereist der in Mexiko und Spanien gedrehte optisch eindrucksvolle Film nur geographisch, legt seinen Schwerpunkt auf eine relativ undramatische spirituelle Erfahrung, die aufwändig visualisiert ist, aber mit ihrem digitalen Tentakel- und Schlangeninferno Assoziationen an „Matrix“ weckt. Dieser Trip endet für Blount im Nichts, was für einen Nihilisten keine Enttäuschung darstellt, für Blueberry im hüllenlosen Tümpeltauchen mit der Frau, die ihn liebt. Als Zuschauer bleibt man unerfüllter, wünschte man sich weniger Dämonen, mehr Drama. kob.

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