Fakten und Hintergründe zum Film "Beste Zeit"

Kino.de Redaktion |

Beste Zeit Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

DIE BAYERISCHE NOUVELLE VAGUE

Junge bayerische Filmemacher erfinden den Heimatfilm neu

Junge bayerische Filmemacher können mit der Gesamtsituation gerade sehr zufrieden sein. Es rührt sich was in der bayerischen Filmlandschaft. 2005 lief die niederbayerische Pubertätskomödie GRENZVERKEHR von Stefan Betz mit großem Erfolg im Kino. Zwei Jahre später dann der Überraschungscoup von Marcus H. Rosenmüller: Die vogelwilde Lausbubengeschichte WER FÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT sorgt von Prien am Chiemsee bis nach Hamburg Altona für ausverkaufte Kinos – über 1,6 Millionen Zuschauer haben den Film gesehen. Noch vor zehn Jahren haben Schauspieler hart dafür trainiert, damit nur ja niemand ihren Dialekt raushört. Heute suchen die Schauspielschulen wieder nach Nachwuchs, der in Mundart sprechen kann. Bestimmt ist Bully Herbig nicht ganz unschuldig. Seine Comedy hat Bayerisch bundesweit salonfähiger gemacht, aber letztlich ist die Ära des neuen Heimatfilms wohl angebrochen, weil das Publikum sie herbei gesehnt hat und die jungen FilmemacherInnen gespürt haben, dass die Zeit dafür reif ist.

Bilderstrecke starten(17 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Beste Zeit

Karin Michalke, Autorin von BESTE ZEIT: „Angefangen hat ja der Thomas Kronthaler mit DIE SCHEINHEILIGEN (2001), ohne den hätten wir alle die Filme nicht so machen können, wie wir sie machen. Danke, Thomas!“

Sie kommen aus der Provinz, sind jung und erzählen Geschichten fürs große Publikum – wahre Geschichten aus dem Leben. So wie François Truffaut es gefordert hat: „Filme müssen eine Liebeserklärung an das Leben sein.“

Wenn einer von ihnen erfolgreich ist, dann hilft das dem anderen – Kronthaler, Michalke, Rosenmüller, Betz, oder auch Matthias Kiefersauer kennen sich, schätzen und helfen einander. Sie lesen gegenseitig ihre Bücher, helfen sich in Nebenrollen aus und wissen: Der Erfolg des einen bahnt den Erfolg des anderen.

„Wenn man weg ist, wer sagt denn, dass alles besser wird?“

(Karin Michalke, Autorin)

„Kati: Aber da versäum ich doch ein ganzes Jahr!

Jo: Schmarrn. Daheim versäumst nix, wasd net schon zehn mal erlebt hast,

und no zwanzig mal erleben wirst!“

Der „neue Heimatfilm“ – mehr als ein Label!

Klar, mit dem Label „Heimatfilm“ lassen sich Geschichten aus der Provinz plötzlich gut verkaufen. Aber es steckt mehr dahinter.

Während die Filmemacher früher in die Stadt gezogen sind, um Geschichten zu erzählen, die von Freiheitssuche handeln, kehren sie jetzt in die Heimat zurück, um sich wiederzufinden. Die Regionalisierung als Kontrapunkt zur Globalisierung.

Der Heimatort ist nicht mehr die einengende, miefige Hölle, der man entfliehen will, sondern ein Sehnsuchtsort, der Geborgenheit schenkt. Eine neue Utopie von Freiheit, denn Freiheit heißt: „Ich kann mich frei entfalten“, vielleicht in Tandern besser, als in der Kälte, Anonymität und Unübersichtlichkeit der Großstadt.

BESTE ZEIT erzählt, wie identitätsstiftend die nachbarschaftliche Geborgenheit auf dem Dorf sein kann. Leben und leben lassen, das gilt mittlerweile auch hier, und die Provinz bietet etwas, das der Großstadt abgeht: Nachbarn, die füreinander da sind, sich helfen, ohne groß rumzureden. „Paßt scho“, brummt Toni, wenn er die Mädels nachts mit großem Umweg in die Disco fährt. „Paßt scho“, ruft der Müllkutscher, der extra anhält, damit Kati ihre heilige Jeans wiederbekommt. Und „Paßt scho“ lächelt Rocky, der alles tun würde, damit es Kati gut geht.

Heimat heißt nicht Lüftlmalerei und Zuckerguss-Idylle, sondern: Wir kennen uns, wir helfen uns, wir gehören zam. Paßt scho!

Dialekt – anders geht’s nicht

Als WER FRÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT in die Kinos kam, war Rosenmüller etwas verunsichert, weil der Bub gar so „hoaglbuachan“ bayerisch spricht. Aber einem Kind kann man ja schlecht die Anweisung geben, „sprich mal ein bisschen hochdeutscher“. Den Zuschauern war´s recht - auch denen in Hamburg und Berlin. Für die Bayern klingt der Dialekt vertraut und für die andern – in jedem Fall lustig.

Bei der Verleihung des deutschen Filmpreises wurde noch gewitzelt, dass Rosenmüller den Preis für den „besten fremdsprachigen Film“ bekommen müsste. Dabei ist längst klar: Der Dialekt macht diese Filme aus. Franz Xaver Bogner, ein großes Vorbild von Rosenmüller, hat es mal so definiert: „Ein guter Dialog auf bayerisch ist, dass man das schreibt, was unwichtig ist und das sagt, was gar nicht geschrieben steht“.

Der Dialekt steht nicht mehr für Reduktion, sondern für eine Steigerung des Ausdrucks. Er bringt Zwischentöne zum Klingen, setzt Nuancen, beherbergt Humor und Poesie. Er erkennt die Menschen und die Menschen erkennen sich in ihm. Karin Michalke: „Das passt ja alles zam. Die Gegend, die Leute, die Sprache, die Träume auch. Und wenn man eins wegtut, dann stimmt es halt nimmer.“

COMING OF AGE

“Kati: Hey, es kannt sei, dass mir des nie wieder macha! Checkst du des. Es kannt sei, dass alles anders werd. Dass alles zambricht. Dass alle weg gehen. Es kannt sei, dass die besten Zeiten scho vorbei san.“

BESTE ZEIT erzählt – höchst einfühlsam – eine Coming-of-Age-Geschichte.

Hier „…findet sich die heutige Jugend ganz wieder; weniger wegen der Gründe, die immer wieder angeführt werden: Gewalt, Sadismus, Raserei, Bosheit, Pessimismus und Grausamkeit, als wegen viel einfacherer, alltäglicherer Dinge: Zurückhaltung der Gefühle, Einfallsreichtum in jedem Moment, eine moralische Reinheit, die ohne jeden Bezug ist zur alltäglichen Moral, die unerbittlicher ist…“

Diese Lobeshymne hat der französische Regisseur François Truffaut (nennt Rosenmüller ihn als eines seiner Vorbilder) über die Filme von James Dean angestimmt. Aber besser lässt sich nicht beschreiben, welche Energie, Wahrheit und Aufrichtigkeit ein guter Film über das Erwachsenwerden in sich birgt.

BESTE ZEIT erzählt ohne aufgeblasene äußere Action vom größten aller Kämpfe – von der Suche nach dem eigenen Ich. Wer bin ich? Was will ich vom Leben? Was sind die wichtigen Dinge? Die Action findet inwändig statt, in Katis und Jos Mädchenseelen, die um ihre innere Wahrheit ringen.

Die Geschichte vom Erwachsenwerden ist eine der Urgeschichten des Kinos. Das Kino war immer Zufluchtsort für Kinder und Jugendliche, die nicht wissen, wo sie hingehören: mal höchst verloren und einsam wie Truffauts Antoine Doinel in LES QUATRE CENTS COUPS, mal mittelschichts-gepampert und trotzdem auf der Suche wie in Hans Christian Schmids CRAZY.

Kati, Jo und ihre Freunde suchen nach dem Sinn des Lebens und Marcus H. Rosenmüller begleitet sie mit verstehendem Blick auf ihrem Weg – ohne ihre Gefühle auszubeuten.

Produktionsnotizen

Bei Nils Dünker, dem Produzenten von BESTE ZEIT war es Liebe auf den ersten Blick:

Er kannte Marcus H. Rosenmüller von der Hochschule für Fernsehen und Film und lernte Karin Michalke bei einer Veranstaltung der Drehbuchwerkstatt kennen. Michalke hatte zuletzt anstatt eines Abschlussfilms, ein Abschlussdrehbuch in der Regieklasse vorgelegt. Titel: „Beste Zeit“. Beim Lesen der intelligenten, ungestelzten und vor allem bayerischen Dialoge hat er sich schon auf den ersten Seiten in dieses Drehbuch verliebt. Und es war ihm schnell klar, dass dieser moderne Heimatfilm und wahrhaftige Film über Freundschaft und Heimat Kinopotenzial in sich trägt.

Dünker kommt selbst aus dem nördlichen Umland Münchens und führte den Produktionsleiter Tom Blieninger und den Aufnahmeleiter Peter Dörfler zunächst dort hin. Er war sich fast sicher, dort die geeigneten Drehorte zu finden. Lediglich die im Landeanflug auf Erding einschwebenden Passagierflugzeuge wären zu einem Problem für den Tonmeister geworden. Spontan besuchten die drei an diesem Tag auch das Elternhaus der Autorin. Sofort fiel die Entscheidung, dass das Drehbuchmotiv „Tandern“ nirgendwo anders als im wirklichen Tandern gedreht werden konnte! Nicht zu schön, nicht für mögliche Touristenströme in satten Farben getüncht. Sie fanden in Tandern bzw. im Raum Altomünster ein sehr unverkitschtes, ein selten fotografiertes Bayern, das man nicht gleich vor dem inneren Auge durch blaue Seen und majestätische Bergkulissen ergänzt.

Sie fanden aber auch große Unterstützung seitens der Bewohner. Rückblickend schwärmt Nils Dünker von dem interessierten und immer kooperativen Menschenschlag. Reizende Menschen, die dem Team großzügig ihre Hilfe anboten. So konnte man beinahe ausschließlich an Originalplätzen drehen. Für das zentrale Motiv „Hof Kati“ wurde ein wenig genutzter Dreikanthof umdekoriert. Die sanft geschwungenen Hügel und die riesigen Rapsfelder wurden zur idealen Kulissen für die Außen- und Fahrtaufnahmen. Lediglich die größte Disco im Landkreis lag zu nah an einer stark befahrenen Straße was erneut die Tonaufnahmen schwierig gemacht hätte. Und so wurde der Club in einem leer stehenden Supermarkt nachgebaut.

Nur eines wurde die Filmemacher auch hier nicht los, das Geräusch der Flugzeuge. Hier noch deutlich höher am Himmel aber immer noch gut hörbar. So entschloss man sich, die Fluggeräusche in den Dialogen bewusst zu erwähnen.

Mit der Wahl des Drehortes platzte der Knoten in jeder Hinsicht, die Finanzierung stand innerhalb weniger Tage, der Sender, unser Wunschkameramann und die Darsteller sagten begeistert zu. Und im Casting fand sich die absolute Traumbesetzung für die Rollen der beiden besten Freundinnen „Kati“ und „Jo“ zusammen. Anna Maria Sturm, gerade in den letzten Prüfungen an der Falkenbergschule, Rosalie Thomass bereits durch ihre beeindruckende Rolle in Dominik Grafs Polizeiruf „Er sollte tot“ bekannt. Rosalie Thomass galt nicht erst seit dem Förderpreis in der Kategorie Schauspiel als großes Nachwuchstalent.

Gedreht wurde dann dieser Sommerfilm gegen die Gesetze der Vernunft sehr spät im Jahr – von Oktober bis Mitte November 2006. Und weil Mut nicht selten belohnt wird, entwickelte sich dieser Herbst zu einem der wärmsten und trockensten seit Beginn der Wettaufzeichnung. Nur in den letzten vier Drehtagen verschwanden die grünen Wiesen und bereits angedrehten Außenmotive unter einer dicken Schneedecke. Für ein sommerliches Grundgefühl brauchte man jetzt viel Fantasie oder viele kräftige Hände. Also packten alle, vom Praktikanten bis zum Aufnahmeleiter mit an, um mit Harken die Wiesen vom Schnee und mit Gasflammen und Windmaschinen den Hof vom Tauwasser zu befreien. Bei der letzten Klappe wurde einmal mehr klar, sie waren tatsächlich zur Besten Zeit in der besten Gegend.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Marcus H. Rosenmüllers "Beste Chance": Erster Trailer ist da!

    Nach "Beste Zeit" und "Beste Gegend" bringt Regisseur Marcus H. Rosenmüller im Sommer den letzten Teil "Beste Chance" seiner Heimat-Trilogie in die Kinos. Im ersten Trailer gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.

    Ehemalige BEM-Accounts  
  • Fakten und Hintergründe zum Film "Beste Zeit"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  
  • Marcus H. Rosenmüllers "Beste Gegend" ab Januar 2008

    Constantin Film kündigt nach „Beste Zeit“ die Fortsetzung der bayerischen Heimattrilogie mit „Beste Gegend“ an. Regisseur Marcus H. Rosenmüller schickt seine Hauptdarsteller Anna Maria Sturm und Rosalie Thomas als Kati und Jo auf große Reise… Doch es kommt alles anders: Der Wagen streikt in einem winzigen Nest am Brenner, Katies geliebter Opa liegt im Sterben und die Jungs Mike und Lugge sind wieder in Tandern (Dachau)...

    Ehemalige BEM-Accounts  

Kommentare

  1. Startseite
  2. News
  3. Film-News
  4. Beste Zeit
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Beste Zeit"