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Genial regional: Die besten modernen Heimatfilme

Kino.de Redaktion |

Beste Chance Poster

Ab heute läuft Marcus H. Rosenmüllers „Beste Chance“ im Kino. Der bayerische Regisseur und etliche Kollegen lassen seit einigen Jahren den Heimatfilm wieder hochleben. Wir haben eine Liste mit den besten modernen Werke mit Regionalbezug erstellt.

Ab heute läuft Marcus H. Rosenmüllers Film Beste Chance im Kino. Mit der Coming-of-Age-Komödie beendet der bayerische Regisseur seine populäre Reihe, die mit Beste Zeit begann und mit Beste Gegend fortgesetzt wurde. Doch nicht nur diese drei Werke Rosenmüllers waren erfolgreich, auch seine anderen Filme lockten die Zuschauer ins Kino.

Dass eigentlich alle Beiträge des Regisseurs als Heimatfilme gelten, war für die Kinogänger kein Ausschlusskriterium. Längst hat sich dieses Genre seines piefigen Rufs entledigt. Vorbei die Zeiten der klebrigen Naturromantik der 1950er und 1960er Jahre, die in Filmen wie Schwarzwaldmelodie, Wenn die Heide blüht oder Die Mädels vom Immenhof zelebriert wurde. Rosenmüller und etliche Kollegen lassen seit einigen Jahren den Heimatfilm in moderner Form wieder hochleben.

Wir haben anlässlich des Kinostarts von „Beste Chance“ am 26. Juni 2014 eine Liste mit den besten modernen Werke mit Regionalbezug für euch erstellt!

Beste Zeit (2007) / Beste Gegend (2008)/ Beste Chance (2014)

Am heutigen 26. Juni kommt mit „Beste Chance“ der letzte Teil der modernen Heimat-Trilogie von Marcus H. Rosenmüller in die Kinos. Nach sechs Jahren gibt es nun ein letztes Wiedersehen mit den beiden Mädels Kati (Anna Maria Sturm, „Der Sommer der Gaukler“) und Jo (Rosalie Thomass, „Eine ganz heiße Nummer“), die es nach dem Abitur erstmal in die große weite Welt verschlagen hat. Während die eine sich dann doch brav an der Uni eingeschrieben hat, ist die andere lieber auf Reisen und bleibt schließlich in Indien hängen. Fünf Jahre sind vergangen, seit sich die besten Freundinnen zuletzt gesehen haben. Aus heiterem Himmel erhält Kati plötzlich eine besorgniserregende Nachricht auf Ihrem Anrufbeantworter von Jo. Sofort macht sich Kati auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf, um ihre alte Clique aus der Schulzeit zusammenzutrommeln und Jo in Indien zu suchen. Doch Rocky (Ferdinand Schmidt-Modrow, „Der blinde Fleck“) und Toni (Volker Bruch, „Der Vorleser“) sind mittlerweile fest im Leben angekommen und so gut wie verheiratet. Solch ein Abenteuer ist ausgeschlossen. Kati bleibt also nichts anderes übrig, als das Abenteuer Indien alleine zu bestreiten. Was Kati nicht ahnt, ist, dass sich Jo schon längst auf dem Weg in ihr bayerisches Heimatdorf Tandern befindet. Natürlich ist das Chaos vorprogrammiert…

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2007 wurde mit „Beste Gegend“ der erste Teil der Coming-of-Age-Trilogie in der Nähe von Dachau gedreht. 2008 folgte auch schon die Fortsetzung „Beste Zeit“. In der dritten Geschichte gelingt trotz des zeitlichen Abstands die nahtlose Anknüpfung an die vorherigen beiden Teile. Für Abwechslung sorgen die bunte Mischung der Szenen aus Indien und der Heimat und natürlich die Rückkehr der vertrauten Charaktere.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)

Ursprünglich ist die „Gschicht vom Brandner Kaspar“ ein populäres Volkstück aus Bayern. Mit viel Humor und Fantasy-Elementen schildert die Heimatkomödie von Regisseur Joseph Vilsmaier („Nanga Parbat“) die Geschichte des verarmten Büchsenmachers Brandner Kaspar (Franz-Xaver Kroetz, „Kir Royal“).

Der lebt seit dem Tod seiner Frau und seiner Tochter zusammen mit seiner Enkelin in den Bergen am Schliersee. Kurz vor seinem 70. Geburtstag bekommt der alte Herr Besuch vom bayerischen „Boandlkramer“ - auf deutsch: der Tod in Gestalt von Michael „Bully“ Herbig („Buddy“). Ins Paradies will der sture Alte noch lange nicht und verwickelt den Boandlkramer erstmal in ein Kartenspiel, während der sich den Mund fusselig redet. Als der Brandner dann auch noch den guten Kirschgeist auspackt, ist es um den Tod geschehen. Schwupps hat er das Kartenspiel verloren und der Brandner weitere 21 Jahre Lebenszeit gewonnen. Auweia! Wenn das der Petrus (Jörg Hube, „Sophie Scholl - Die letzten Tage“) erfährt … Kaspar freut sich natürlich diebisch über seinen Sieg und dem Tod nochmals von der Schippe gesprungen zu sein. Doch schon bald merkt Kaspar, dass seine gewonnenen Jahre auch ihre Schattenseiten haben. Es droht ein heilloses Durcheinander und am Ende kommt es für den Brandner Kaspar doch ganz anders als gedacht.

Hierankl (2003)

Die Tragödie von Hans Steinbichler („Das Blaue vom Himmel“) handelt von einem Mädchen, das nach fünf Jahren Abwesenheit wieder in ihr Heimatdorf am Rande der Alpen auf den Familienhof „Hierankl“ zurückkehrt. Anlass ist der anstehende sechzigste Geburtstag ihres Vaters. Wegen eines Streits mit ihrer Mutter entschied sich die inzwischen 22-jährige Lene (Johanna Wokalek, „Die Päpstin“) vor fünf Jahren nach Berlin abzuhauen. Nun steht sie vor der Wahl, zurück in den Süden zu fahren oder in zu Berlin bleiben. Was sie noch nicht weiß, ist, dass sie mit ihrer Rückkehr auch das Geheimnis ihres Lebens entdecken wird. Für Lene ist klar: sie ist nun stark genug, um ihrer Mutter wieder zu begegnen. Außerdem wird auch ihr Bruder Paul (Frank Giering, „Absolute Giganten“) da sein. Just am gleichen Tag trifft ein Überraschungsgast ein. Goetz Hildebrandt (Peter Simonischek, „Rubinrot“), ein alter gemeinsamer Freund der Familie, dem Lene mehr als nur zugetan ist. Natürlich kommen bei einer solchen Familienfeier immer schmutzige Wahrheiten ans Tageslicht: Ehebruch, Affären und Inzestgerüchte machen die Runde. Viele ungeklärte Fragen und wer mit wem wann was getan hat heizen die Stimmung der Fete noch zusätzlich an und lösen eine ungeahnte Kettenreaktion aus.

Der Film feierte erstmals auf dem Münchner Filmfest 2003 Premiere und bestach durch herausragende Kinoqualität.

Marias letzte Reise (2004)

Die sterbenskranke Maria (Monica Bleibtreu, „Tannöd“) will die letzten Tage ihres Lebens zu Hause auf ihrem Hof in Oberbayern am Stauffensee verbringen. Genau hier, zwischen ihren geliebten Blumen, Obstbäumen und eingedeckt mit schönen Büchern. Längst hat sich die eigenwillige 71-Jährige mit ihrem Schicksal abgefunden und weigert sich nun vehement, den Rat ihres Arztes Dr. Osterhahn (Günther Maria Halmer, „Gandhi“) anzunehmen und noch eine schreckliche Chemotherapie über sich ergehen lassen zu müssen. Da ihr Sohn Simon (Michael Fitz, „Tatort“) vollauf mit der Pflege des Hofes beschäftigt ist, schickt der Klinikchef kurzerhand seine treue Krankenschwester Andrea (Nina Kunzendorf, „Tatort“) mit. Sie soll sich um Maria kümmern und ihr den Krankenhausaufenthalt nahelegen. Doch alle Versuche des guten Zuredens und routinierter Krankenpflege prallen an der alten Dame einfach ab. Immer wieder geraten die beiden Damen aneinander. Doch die anfängliche Fehde wandelt sich zunehmend in Zuneigung und Respekt. Schließlich hilft Andrea der Kranken, sich ihre letzten Wünsche zu erfüllen und bewahrt sie sogar vor einem erneuten Klinikaufenthalt nach einem Zusammenbruch. Sie ermöglicht Maria einen würdevollen Abschied im Kreis der Familie und macht dadurch ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sterbebegleitung. Am Ende lernt die Krankenschwester auch ihr eigenes Glück in die Hand zu nehmen.

Das von Rainer Kaufmann („Die Apothekerin“) inszenierte TV-Drama greift das ernste Thema behutsam auf und wird durch die Wahl der Darsteller authentisch zur Geltung gebracht.

Schwabenkinder (2003)

Ein Stück dunkle deutsche Geschichte: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sogenannte „Schwabenkinder“ aus armen Bergbauernfamilien jährlich im Frühjahr hauptsächlich zum Kindermarkt nach Oberschwaben geschickt, um dort als saisonale Arbeitskräfte an andere Bauern vermittelt zu werden. Der gleichnamige Spielfilm basiert auf dem Roman von Elmar Bereuter und wurde sogar mit dem Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ausgezeichnet.

Regisseur Jo Baier („Henri 4“) greift das Schicksal des kleinen Bub Kaspar (Hary Prinz, „Hilde“) auf, der nach dem Tod der Mutter zwangsweise zu einem solchen Schwabenkind wird. Dem Vater (Vadim Glowna, „Steiner - Das Eiserne Kreuz“) fällt diese Entscheidung sehr schwer, doch er sieht nur diese Möglichkeit für seinen Sohn. Der Film zeigt die beschwerliche, von eisiger Kälte begleitete Reise der Dorfkinder und deren Kooperator (Tobias Moretti, „Das finstere Tal“) durch das Gebirge zum Ravensburger Markt. Dort angekommen werden die Kinder wie Sklaven behandelt. Kaspars hartes Schicksal nimmt seinen Lauf, als er von dem tyrannischen Bauern Steinhauser ausgewählt wird. Damit beginnt für ihn eine Zeit des Leidens und erst als Erwachsener kehrt er zurück in sein Heimatdorf. Der Vater des verlorenen Sohnes liegt mittlerweile im Sterben und bereut seine Entscheidung zutiefst. Dennoch ist es für eine Versöhnung noch nicht zu spät …

Herbstmilch (1989)

Das Heimatdrama von Joseph Vilsmaier basiert auf der Autobiographie von Anna Wimschneider aus dem Jahr 1985. Der Film spielt in Niederbayern ab dem Jahr 1927 und erzählt die Lebensgeschichte der kleinen Bäuerin Anna Traunspurger.

Nach dem Tod ihrer Mutter muss das 8-jährige Mädchen den Haushalt der neunköpfigen Familie alleine führen. Das harte Landleben fordert seinen Tribut. Zeit für Freundinnen oder Schule bleibt keine, da sie von früh bis spät auf dem Hof schuften muss. Mit 18 Jahren verliebt Anna (Dana Vávrová, „Comedian Harmonists“) sich in den gutaussehenden Jungbauern Albert (Werner Stocker, „Rama Dama“), den sie kurze Zeit später auch heiratet. Wieder stellt sie ihre Pläne hinten an und arbeitet weiterhin als Bäuerin, diesmal auf seinem Hof. Doch auch hier ist ihr kein Glück gegönnt. Der geliebte Gatte muss in den Krieg und ist nur zum Fronturlaub daheim. Von nun an ist Anna der gemeinen Stiefmutter (Renate Grosser, „Tatort“) ausgesetzt, die sie schikaniert und demütigt. Obendrein muss sie sich noch um die angeheirateten Verwandten und den Hof kümmern. Das Blatt wendet sich erst zu ihren Gunsten, als Albert wegen einer Verletzung aus dem Krieg zurückkehrt.

Räuber Kneißl (2008)

Schon als Kind wird der aus armem Hause stammende Mathias (Maximilian Brückner, „Spieltrieb“) straffällig. Die Familie kann sich mehr schlecht als recht mit kleineren Diebstählen über Wasser halten, bis der Vater auf der Flucht getötet wird und die Mutter ins Gefängnis wandert. Auch Mathias und sein Bruder landen wegen einer Schießerei schließlich im Knast, wo Alois (Florian Brückner, „Beste Zeit“) zugrunde geht. Vom einfachen Volk geliebt und von der Obrigkeit verfolgt, versucht der vermeintliche Schwerverbrecher nach seiner Entlassung gemeinsam mit seiner großen Liebe Mathilde (Brigitte Hobmeier, „Die Perlmutterfarbe“) erfolglos in der Heimat ein neues Leben zu beginnen. Ihnen bleibt letztlich nur die Flucht ins Ausland - und die ist geprägt von Hindernissen, die über Leben und Tod entscheiden.

Durch Marcus H. Rosenmüller wurde die legendäre Geschichte des bayerischen Räubers Mathias Kneißl, der Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts seinem kriminellen Werk nachging und der vom Volk zum aufbegehrenden Revolutionär stilisiert wurde, nach Reinhard Hauffs 1970 erschienen Film „Mathias Kneißl“ und Oliver Herbrichs „Das stolze und traurige Leben des Mathias Kneißl“ aus dem Jahr 1980 ein weiteres Mal adaptiert. Dem Regisseur war es wichtig, die Biographie authentisch wiederzugeben und eine gute Mischung aus Abenteuer und Liebesgeschichte zu präsentieren. Das ist Rosenmüller gelungen: Das Publikum beim Filmfest in München im Jahr 2008 war begeistert von dem Film.

Schlafes Bruder (1995)

Regisseur Joseph Vilsmaier orientierte sich für seinen Film an der erfolgreichen Vorlage des Schriftstellers Robert Schneider, die als klassischer Bildungsroman gilt. Der Autor will mit dem tragischen Schicksal seiner Hauptfigur auf die im 19. Jahrhundert vorherrschende Doppelmoral und Inzucht aufmerksam machen, die in der beklemmenden Enge der Dörfer damals so üblich war.

Johannes Elias Alder (André Eisermann, „Kaspar Hauser“) wird von seinen Eltern und seiner Dorfgemeinschaft wie ein Aussätziger behandelt. Was keiner ahnt ist, dass der Junge mit den gelben Augen eine außergewöhnliche Begabung für Musik hat. Er besitzt nämlich ein absolutes Gehör. Sein bester Freund Peter (Ben Becker, „Comedian Harmonists“), der ihn auf homophile Art liebt, hilft ihm, sich das Orgelspielen beizubringen. Als seine Begabung schließlich bekannt wird, ist es bereits zu spät. Durch den Verlust seines besten Freundes und die unerfüllten Liebe zu seiner Schwester Elsbeth (Dana Vávrová) ist Elias mittlerweile depressiv geworden und möchte seinem Leben durch Schlafentzug ein Ende setzen.

Wer früher stirbt ist länger tot (2006)

Die beiden Brüder Franz (Franz Xaver Brückner, „Das finstere Tal“) und Sebastian (Markus Krojer, „Die Perlmutterfarbe“) leben gemeinsam mit ihrem verwitweten Vater (Fritz Karl, „Im weißen Rössl - Wehe Du singst!“) in einem kleinen Dorf in Oberbayern. Der Vater betreibt dort den Gasthof „Kandler“. Der 11-jährige Sebastian ist ein Satansbraten wie er im Buche steht. Für ihn steht fest, dass er für seine Sünden nach seinem Ableben auf jeden Fall im Fegefeuer landen wird. Dann erfährt der bayerische Lausbub auch noch, dass seine Mutter bei seiner Geburt ums Leben gekommen ist. Wenn das nicht die Todsünde schlechthin ist! Da hilft nur eines: Er muss sich von seinen Sünden reinwaschen! Ein gesprengter Hase, ein unsittlicher Antrag an seine Lehrerin und eine beinahe zu Tode gebrachte Greisin später lassen das Ergebnis eher nüchtern ausfallen. Gut, dass ihm seine Mutter schließlich ein vermeintliches Zeichen gibt, dem Vater eine neue Frau zu suchen. Der Stammtisch ist sich schnell einig: Es muss eine mit „G’schick, Grips und einem g’scheitn Arsch!“ sein. Die Wahl fällt zunächst auf die Nachbarin Frau Kramer (Saskia Vester, „KDD - Kriminaldauerdienst“), die sich jedoch bald als nervige Quasselstrippe outet. Bald merkt Sebastian aber, dass seinen Vater vielmehr die nette Lehrerin Veronika (Jule Ronstedt, „Ossi’s Eleven“) zu faszinieren scheint – und auch umgekehrt ist Interesse vorhanden. Was die amouröse Angelegenheit aber etwas erschwert, ist die Tatsache, dass Veronika mit Alfred (Jürgen Tonkel, „Der Untergang“) verheiratet ist. Allerdings sollte dies auch kein großes Hindernis für den Spitzbuben sein…

Mit „Wer früher stirbt ist länger tot“ feierte der Bayer Marcus H. Rosenmüller sein Kinodebüt. Durch seine authentische bayerische Lebensart gilt er als der Erfinder des modernen Heimatfilms.

Wachtmeister Zumbühl (1994)

Wachtmeister Zumbühl (Michael Gwisdek, „Miss Sixty“) ist Dorfpolizist und unverbesserlicher Besserwisser. Ein Paragraphenreiter wie er im Buche steht. Das bekommen die Bewohner eines kleinen Bergdorfes regelmäßig zu spüren. Eines Tages rettet der einsame Dorfpolizist die verstörte Maria (Anica Dobra, „Klopka - Die Falle“), die sich nach einer brutalen Vergewaltigung auf den Bahngleisen das Leben nehmen will. Die Tatsache, dass sein Sohn der Vergewaltiger sein soll, stellt den Vater vor eine schwere Entscheidung.

Gedreht wurde der Film in der Schweiz im Kanton Glarus, aber Regisseur Urs Odermatt („Der böse Onkel“) stellt klar, dass es sich um eine Nidwaldner Geschichte aus der mitteleuropäischen Provinz handeln soll. Weiterhin sagt er: „Die sechziger Jahre sind optisch viel spannender als die Gegenwart. Sie sind auch dramaturgisch interessanter. Die Frage nach Recht und Unrecht, nach Moral und Unmoral ließ die Diskussionen viel mehr kochen als in unserer langweilig libertären Laissez-faire-Gesellschaft.“

Das ewige Lied (1997)

Jeder kennt das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, doch kaum einer kennt die Geschichte des Textdichters: Pfarrer Joseph Mohr. Der moderne Heimatfilm von Regisseur Franz Xaver Bogner („München 7“) mit Tobias Moretti in der Hauptrolle klingt zunächst spießig, entpuppt sich aber als spannendes Weihnachtsdrama.

Selbstverständlich stehen hier Gesang und Musik im Vordergrund. Als Hilfspfarrer verschlägt es den jungen Mohr Anfang des 19. Jahrhunderts nach Oberndorf in der Salzach. Seine Mission: die vom Glauben abgekommenen Dorfbewohner zu bekehren. Dabei gerät er in einen Konflikt zwischen den reichen Kaufleuten, den Kirchenoberen und den Flussschiffern. Schnell verbündet er sich mit den Schiffern. Zu seinem engen Kreis gehören der Lehrer Franz Gruber (Heio von Stetten, „Bandits“) und der Sohn des Schifferführers. Mit Franz Gruber zusammen schreibt er später auch das bekannte Weihnachtslied. Gemeinsam müssen sie sich gegen den reichen Großkaufmann Burgschwaiger (Jörg Hube) und den Pfarrer Nöstler (Erwin Steinhauer, „Das finstere Tal“) zur Wehr setzen. Verfeinert wird das Abenteuer noch durch die Liebesbeziehung zwischen Markus (Norman Schenk , „Die Unberührbare“) und Maria (Bernadette Heerwagen, „Die kommenden Tage“), der Schwester des kleinen Hannes (Aaron Karl, „Blutsfreundschaft“), den eine innige Freundschaft mit dem Hilfspfarrer verbindet.

Die Siebtelbauern (1998)

Die österreichische Heimattragödie „Die Siebtelbauern“ kam sehr gut bei den Kritikern an und wurde unter anderem vom „kultur Spiegel“ für seine mächtigen Bilder und hervorragenden Schauspieler gelobt. Das Werk von Autorenfilmer Stefan Ruzowitzky („Anatomie“) lief auf zahlreichen Filmfestivals und räumte mehrere Film– und Fernsehpreise ab. Zudem war „Die Siebtelbauern“ 1999 heißer Kandidat für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“.

Eher ungewöhnlich an der Geschichte ist, dass es einen Erzähler gibt - den eher introvertierten und halbwegs intelligenten Severin (Lars Rudolph, „Luther“). Wie es sich für ein Drama gehört beginnt der Spielfilm mit einem Mord. Mit aufgeschlitzter Kehle liegt ein tyrannischer Bauer auf seinem Hof. Die Mörderin ist auch schnell gefunden, sie hat die Tatwaffe sogar noch in der Hand. Rosalinds (Elisabeth Orth, „Über-Ich und Du“) Motiv: Vor Jahren hat sie der alte Bauer vergewaltigt und daraus entstand ihr Sohn Lukas (Simon Schwarz, „Dampfnudelblues“). Dennoch wird die herzkranke Frau verhaftet. Das Testament des offiziell kinderlosen Bauern stößt nicht nur die Bewohnern des Dorfes und seine Bediensteten vor den Kopf, sondern bringt auch noch die gesamte Hackordnung durcheinander. Das Erbe geht schließlich zu gerechten Teilen an seine Bediensteten, die es zunächst verkaufen wollen, sich aber dann doch dazu entschließen, den Hof gemeinsam zu bewirtschaften. Sehr zum Ärger des Großknechtes (Tilo Prückner, „Iron Sky“) und seiner verbündeten Bauern, die das Grundstück immer noch an den Großbauern Danninger (Ulrich Wildgruber, „Die Bartholomäusnacht“) verkaufen wollen. Ein Drama, das sein jähes Ende findet, als Lukas den Großknecht bei dem Versuch den Hof in Brand zu stecken ermordet und letztendlich selbst zum Opfer wird.

Der Bockerer (1981 - 2003)

„Der Bockerer“ ist eine Filmreihe, die das Leben des Wiener Fleischhauers Karl Bockerer während der Zeit des Nationalsozialismus bzw. der Folgejahre thematisiert. Der erste Teil erschien 1981, die Fortsetzung „Der Bockerer II – Österreich ist frei“ erst 15 Jahre später. Bis zu „Der Bockerer III – Die Brücke von Andau“ mussten Fans der österreichischen Historienfilmreihe bis zum Jahr 2000 warten, „Der Bockerer IV – Prager Frühling“, letzter Film des Regisseurs Franz Antel („Johann Strauß - Der ungekrönte König“), erschien drei Jahre darauf. Seinen Ursprung hat Reihe im gleichnamigen Theaterstück von Ulrich Becher und Peter Preses.

Der erste Teil handelt von Karl Bockerer (Karl Merkatz, „Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga“), einem Individualisten mit bissigem Humor und klarem Verstand. Der Besitzer einer Wiener Metzgerei kann deshalb auch den Wirbel um den Einmarsch der deutschen Truppen 1938 in Österreich überhaupt nicht nachvollziehen. Seine Frau und sein Sohn dagegen sind Feuer und Flamme für das „Tausendjährige Reich“. Bockerer hingegen ist es sogar eher peinlich, dass er am gleichen Tag wie Hitler Geburtstag hat. So richtig aufmerksam wird er aber erst, als sein jüdischer Tarok-Partner auf einmal in die USA flüchtet und ein guter Freund von ihm nach Dachau verschleppt und dort getötet wird. Jetzt begreift auch er die Unmenschlichkeit des Nazi-Regimes und beginnt den passiven Widerstand auf seine ruhige wie auch schlagfertige Art - wobei die Herrscher in ihm nur einen harmlosen Spinner sehen.

Bergkristall (2004)

Während sie durch eine Lawine von der Außenwelt abgeschnitten sind, erzählt der Pfarrer (Max Tidof, „Reality XL“) eines Wintersportorts einer frisch angereisten Familie die Weihnachtslegende vom magischen Bergkristall. Die beiden Kinder hoffen, durch den Urlaub die bevorstehende Trennung der Eltern verhindern zu können. So fängt der Pfarrer an, die Geschichte der beiden verfeindeten Dörfer Gschaid und Millsdorf zu erzählen - inklusive einer darin vorkommenden Liebestragödie. Der Schuster Sebastian (Daniel Morgenroth, „Unsere Farm in Irland“) aus Gschaid und die Millsdorferin Susanne (Dana Vávrová) verlieben sich ineinander und werden fortan von den Dorfbewohnern ausgegrenzt. Für die Familie wird die Situation immer unerträglicher und führt schließlich zur Trennung der Eltern. Die Kinder aber haben den sehnlichen Wunsch, ihre Eltern wieder zusammen zu bringen. Mit Hilfe der Legende vom magischen Bergkristall wollen sie die Liebe der Eltern unter Einsatz ihres Lebens retten. Das plötzliche Verschwinden der Kinder bringt die beiden Dörfer schließlich wieder zur Besinnung und lässt sie das Kriegsbeil ein für alle Mal begraben.

„Der Bergkristall“ ist eine von Joseph Vilsmaier inszenierte Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Adalbert Stifter aus dem Jahr 1845. Die beeindruckende Naturkulisse des Vorarlbergs verleiht dem Film eine besondere weihnachtliche Note.

Eine ganz heiße Nummer (2011)

Nach seiner Rückkehr aus den USA gelang dem Münchener Regisseur Markus Goller mit dem Roadmovie „Friendship!“ 2010 überraschend der große Durchbruch in Deutschland. Mit der Kinokomödie „Eine ganz heiße Nummer“ legte er 2012 nach, blieb aber in heimischen Gefilden.

Mitten im Bayerischen Wald, tief religiös und hochgradig konservativ, mangelt es zunehmend an wirtschaftlichen Möglichkeiten. Arbeitslosigkeit macht sich breit. Die fehlende Kundschaft macht auch den drei Inhaberinnen eines Tante-Emma-Ladens zu schaffen. Sie müssen sich schnellstmöglich eine Lösung einfallen lassen, wollen sie doch ihr kleines Geschäft vor dem finanziellen Ruin retten. Durch Zufall kommt Maria auf eine geniale Idee: Wie wäre es, eine Sexhotline zu gründen? Gesagt, getan und schon bald hat das erzkatholische Marienzell einen potentiellen handfesten Skandal. „Maja“ (Bettina Mittendorfer, „Sommer in Orange“), „Sarah“ (Gisela Schneeberger, „Und Äktschn!“) und „Lolita“ (Rosalie Thomass) sind ein Hit! Bis der neugierigen Bürgermeistergattin (Monika Gruber, „Heiter bis tödlich: Hubert & Staller“) das Verhalten der drei Grazien auf einmal SEHR verdächtig vorkommt…

Die Scheinheiligen (2001)

Ursprünglich ließ sich der in Erding geborene Regisseur Thomas Kronthaler („Gletscherblut“) für den Film „Die Scheinheiligen“ von dem umstrittenen Bau einer bekannten Fast-Food-Kette an der Autobahnausfahrt Irschenberg inspirieren. Heraus kam eine Persiflage auf typisch bayerische Art. „Die Scheinheiligen“ ist Kronthalers Abschlussarbeit an der HFF München, für die er 2001 mit dem FIRST STEPS Award nominiert wurde. Mit knapp 180.000 Besuchern war die Komödie sogar ein kleiner Kinoerfolg in Bayern.

Die alte Bäuerin Magdalena (Maria Singer, „Frankenberg“) muss sich schon seit Jahren gegen den Bürgermeister (Werner Rom, „Dahoam is dahoam“) und seine Gehilfen zur Wehr setzen, weil sie ihr Grundstück zu einem Autobahnzubringer mit eigener Hendlbraterei umfunktionieren wollen, um die finanziellen Nöte der Gemeinde zu stillen. Magdalena aber lässt sich nicht so einfach ins Altersheim abschieben und setzt sich zusammen mit dem sympathischen Kleinkriminellen Johannes (Johannes Demmel) erfolgreich zur Wehr.

Sommer in Orange (2011)

Mit der Komödie „Sommer in Orange“ konnte Regisseur Marcus H. Rosenmüller 2011 nach Hits wie „Wer früher stirbt ist länger tot“ oder „Beste Zeit“ einen weiteren Erfolg verbuchen. Wie bereits bei einigen seiner Werke zuvor inszenierte der bayerische Filmemacher nicht nur, sondern verfasste auch das Drehbuch.

Eigentlich ist alles in bester Ordnung in der orangefarbenen Welt der 12-jährigen Lili (Amber Bongard, „Effi Briest“), ihrem kleinen Bruder Fabian (Bela Baumann) und ihrer Mutter Amrita (Petra Schmidt-Schaller, „Stereo“). Sie fühlen sich pudelwohl in der aufgeschlossenen Sannyasin-Kommune in Berlin. Doch dann erbt ihr aktueller Vater Siddartha (Georg Friedrich, „Nordwand“) einen Bauernhof, ausgerechnet im bayerischen Provinznest Talbichl. Also heißt es für alle Bhagwan-Anhänger auf ins konservative Süddeutschland. Die bunte WG wird fortan nicht nur von den Nachbarn mit kritischen Augen betrachtet, sondern ist auch dem hiesigen Bürgermeister (Heinz-Josef Braun, „Beste Zeit“) ein Dorn im Auge – unter anderem wegen des geplanten Meditationszentrums. Doch auch innerhalb der Gemeinschaft machen sich langsam Schwierigkeiten bemerkbar. Lili will plötzlich „Spießereltern“ und findet nicht wirklich ihren Platz im Dorf, während ihre Mutter Amrita an dem US-Guru Prem Bramara (Thomas Loibl, „Horst Schlämmer - Isch kandidiere!“) Gefallen findet…

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