Filmhandlung und Hintergrund

Opulent inszenierte Heimatgeschichte der Tiroler Aufstände unter der Führung von Andreas Hofer 1809 aus der Perspektive einer jungen Frau.

Die gebildete Arzttochter Katharina lässt Wohlstand und ihre Eltern in Bayern hinter sich, um mit dem jungen Südtiroler Franz in den Bergbauernhof seiner Eltern zu ziehen. Während er und einer seiner Brüder sich von Andreas Hofer für den Freiheitskampf begeistern lassen und gegen Franzosen und Bayern in einen aussichtslosen Krieg ziehen, kämpft Katharina um die Anerkennung der verbliebenen Bauersleute. Als immer mehr Verletzte aus den Krieg zurückkehren, kümmert sie sich als Krankenschwester wie eine Ärztin um sie.

Arzttochter gerät auf südtiroler Bergbauernhof in Andreas Hofers Freiheitskampf gegen Franzosen und Bayern. Top ausgestattetes Heimatdrama von Filmhochschulabsolvent Philipp J. Pamer, Publikumspreis beim Filmfest München.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Dieser atmosphärisch dichte historische Film über eine arme Tiroler Bauernfamilie zur Zeit Andreas Hofers ist eine studentische Abschlussarbeit. Regisseur und Drehbuchautor Philipp J. Pamer, der aus dem Südtiroler Passeiertal stammt und auch mit Hofer entfernt verwandt ist, erstellte sie an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Der Spielfilm, der an Originalschauplätzen gedreht wurde, erhielt Unterstützung aus Bayern und Südtirol. Entstanden ist ein sehenswertes Drama, das vor dem geschichtlichen Hintergrund das Schicksal einer Frau aus Bayern im Passeiertal erzählt.

      Dass sich Bayern und Österreicher, obwohl sprachlich und kulturell so eng verbunden, nicht wirklich grün sind, liegt wohl vor allem an historischen Konflikten. Zur Zeit Napoleons gehörte Tirol – mit dem heute italienischen Südtirol – zum Königreich Bayern. Die verhassten Besatzer veranlassten die armen Bauern zum Aufstand unter Andreas Hofer, der allerdings von den Franzosen hingerichtet wurde, bevor Napoleons Ära zu Ende ging. Der junge Regisseur Pamer schlägt nun das Buch dieser Geschichte erneut auf, um sozusagen nach dem Lebensgefühl der Südtiroler damals zu forschen, aber auch um mit der fiktiven Figur einer ins Passeiertal verschlagenen Bayerin über die alten Gräben im Alpenraum eine Brücke der Versöhnung zu schlagen.

      Katharina, gespielt von Inga Birkenfeld, hat ein Säckchen voller Münzen und einen Seidenschal im Gepäck, als sie mit Franz, den Wolfgang Menardi darstellt, auf seinen elterlichen Hof in Südtirol kommt. Ihre Schwiegermutter, gespielt von Verena Plangger, weist beide Geschenke stolz, gar feindselig, zurück. Wenn die Familie sich zu ihrem Arme-Leute-Essen am Holztisch versammelt, wird im schönsten Dialekt über die Fremde aus Augsburg hergezogen. Die Eggers machen es ihr nicht leicht, doch diese Katharina ist eine Kämpfernatur, mit Zähigkeit, einem großen Herzen und Selbstvertrauen erträgt sie die Anfeindungen, die ihr auch im nahen Dorf entgegenschlagen. Denn sie fühlt mit den leidenden Einheimischen und hat ihre neue Familie, wie auch die bergige Landschaft, längst ins Herz geschlossen.

      Historische Atmosphäre, mit französischen Soldaten, die durch den Tiefschnee auf der Suche nach dem versteckten Andreas Hofer stapfen, oder mit Bauern, die in der Stunde der Not Gebete murmeln, vereint sich in diesem Film auf vorteilhafte Weise mit moderner Sehnsucht nach dem Landleben. So darf Katharina ihre nackten Füße lustvoll in einem Kuhfladen vergraben, sind die Bauern beim Heumachen frohen Mutes, ist das Kerzenlicht anheimelnd. Auch die Sprache wirkt manchmal wie eine kreative Mischung von alt und neu. Es dominiert der örtliche Dialekt, der, wenn die Bauern nicht mit Rücksicht auf Katharina deutscher als sonst sprechen, untertitelt wird, aber es gibt dann auch den einen oder anderen Ausdruck wie „Zack, zack!“ oder „Arschloch“.

      Pamer inszeniert zwar einen Historienfilm, der einen Bogen über viele Schauplätze spannt, sogar Andreas Hofer kommt öfters vor, aber der Blick ist dann doch ziemlich verengt. Der leidenschaftliche Patriotismus der unterdrückten Tiroler Bevölkerung flammt in den ernsten Gesichtern eindrucksvoll auf – besonders Franz wird wie von einem inneren Feuer verzehrt - , aber die Emotionen werden mehr oder weniger postuliert, nicht durch Geschichten erklärt. Die Alpen im Licht der aufgehenden Sonne und unterdrückte Bauern, die bescheiden und fleißig sind, könnten leicht zum Ausdruck von Heimattümelei werden. Es dominieren aber dann doch realistisch wirkendes Lokalkolorit und eine auf Stimmung aufgebaute Spannung, so dass man diese Probleme des Films kaum als störend empfindet.

      Fazit: Großes Alpendrama über die Zeit Andreas Hofers mit stimmungsvollen Bildern bäuerlichen Lebens zwischen Kargheit und Emotion.
    2. Bergblut: Opulent inszenierte Heimatgeschichte der Tiroler Aufstände unter der Führung von Andreas Hofer 1809 aus der Perspektive einer jungen Frau.

      Opulent inszenierte Heimatgeschichte der Tiroler Aufstände 1809 gegen Bayern und Frankreich mit Freiheitsheld Andreas Hofer an der Spitze.

      Dass der Bayern 3-Publikumspreis beim Filmfest München ausgerechnet an ein düsteres Historiendrama ging, damit hatte wohl keiner gerechnet, zumal der Tiroler Andreas Hofer nicht gerade auf der Agenda junger Zuschauer steht. Aber der Heimatfilm, nicht nur für Tiroler interessant, hat jede Menge Gefühlspotenzial und einen für einen Hochschulabschlussfilm außergewöhnlichen visuellen Schauwert. HFF-Absolvent Philipp J. Pamer, selbst Tiroler und nicht weit von Hofers Geburtsort aufgewachsen, kannte Land und Leute und traute sich, einen „1809-Film über Südtirol in Südtirol von einem Südtiroler mit Südtirolern“ zu drehen und dem Freiheitshelden ein filmisches Denkmal zu setzen. Mit einem Drehbuch in sieben Versionen überzeugte er den jungen Produzenten Florian Reimann.

      Der Fokus liegt weniger wie bei anderen Hofer-Filmen auf Schlachtszenen, sondern auf gesellschaftlichen Verhältnissen und das persönliche Schicksal einer jungen Frau. Der Ehemann einer bayerischen Arzttochter tötet bei einem Streit in Augsburg einen französischen Soldaten, das Paar (eine überzeugende Kombination Wolfgang Menardi und Inga Birkenfeld) flieht in seine Heimat, das unzugängliche Passeiertal. Auf dem Bergbauernhof wird die Schwiegertochter mit Feindseligkeit empfangen. Während sie sich den Respekt der Familie erkämpft, begeistert sich ihr Mann für die freiheitlichen Thesen des Gastwirtes Andreas Hofer und zieht enthusiastisch in den Krieg. Die ersten Siege gegen Franzosen und Bayern führen zu großen Feiern im Dorf, aber dann schlagen die übermächtigen Gegner in aller Härte zurück.

      Der altmodisch klingende Titel „Bergblut“ weckt Assoziationen zu „Blut und Boden“, eine Vorstellung, mit der die Machart des Films aber aufräumt. Intensiv gezeigt werden die kargen Lebensbedingungen auf dem Hof, der entbehrungsreiche Alltag im Befreiungskrieg und der Wille zur Unabhängigkeit des Bergvolks, das Auflehnen gegen Moral der Zeit durch die die Moderne repräsentierende „Stadtfrau“. Neben der durchweg guten Besetzung beeindrucken vor allem die Landschaftsmotive und die dichte historische Atmosphäre (oft in Fackel- und Kerzenlicht sowie in sehr kleinen Räumen), auf die Leinwand gebracht von Kameramann Namche Okon, ebenfalls Absolvent der HFF München. Präsent, aber nicht aufdringlich die vom Deutschen Filmorchester Babelsberg eingespielte Musik. mk.
    3. „Wertvoll”

        Als Katharina, gebildete Arzttochter aus gutem Augsburger Hause, beschließt, den Südtiroler Bergbauern Franz zu heiraten und mit ihm in die Berge zu ziehen, wird sie von ihrem Vater verstoßen. Doch es fällt ihr schwer, mit den harten Lebensbedingungen klarzukommen. Auch die Feindseligkeit von Franz‘ Familie und der Dorfbewohner ihr als Bayerin gegenüber macht ihr zu schaffen. Denn wir schreiben das Jahr 1809, die Zeit der napoleonischen Besetzung. Der Rebell Andreas Hofer ist gerade dabei, Freiwillige für einen gewaltsamen Aufstand gegen die Franzosen und die Bayern zu rekrutieren. Franz und seine Brüder folgen ihm. Und Katharina sitzt zwischen allen Stühlen. Das Spielfilmdebüt von Hochschulabsolvent Philipp J. Pamer findet an Originaldrehplätzen imposante Bilder für ein hoch spannendes Historiendrama. Es ist der Kampf einer Frau, die sich als Außenseiterin einen Platz in der Gesellschaft erkämpfen muss, ohne sich zu verraten. Glaubhaft verkörpert wird sie von Inga Birkenfeld, doch auch die Nebendarsteller überzeugen. Dank der ausgiebigen Recherche und einer detailgetreuen Ausstattung entsteht so ein außergewöhnlicher Historienfilm, der dem Zuschauer Geschichte auf packende Weise näher bringt.

        Jurybegründung:

        Ein Historienfilm, der die Jury positiv überraschte, ebenso ein ansehnliches Filmdebüt des Südtirolers Philipp J. Pamer mit visuellen Schauwert und einem doch sehr eigenen Blickwinkel auf den Tiroler Aufstand 1809 gegen das napoleonische Frankreich.

        Wer eine Leseart im Stile der fragwürdigen Tradition etwa von DER REBELL (1932 von Luis Trenker) mit obskuren ideologischen Implikationen befürchtet, wird angenehm ‚enttäuscht‘, mag auch der Titel BERGBLUT noch diese Assoziationen erwecken.

        Erzählt wird die dramatische Geschichte eines jungen Paares: er ein Südtiroler Bergbauernsohn, sie eine Augsburger Arzttochter. Nach einem tödlichen Zwischenfall geflüchtet ins Passeiertal wird er zum Parteigänger Andreas Hofers. Sie wird als Fremde und Angehörige der Landesfeinde (Bayerin!) vorerst ausgegrenzt und gemieden.

        Wir sehen einen sowohl an Wechselfällen als auch an Konfliktsituationen reichen Entwicklungsroman. Im Gewande eines subtilen Melodrams, das nie in historischer Patina erstarrt. Das Bekenntnis der Filmemacher zu einer traditionellen Ästhetik gerät nie in Widerspruch zur intelligenten Narration von Konflikten, die durchaus eine sehr gegenwärtige Identifikation ermöglichen.

        Ein schöner Balanceakt, zusätzlich geadelt durch schauspielerische Solidität, die überzeugende Rekonstruktion der historischen Atmosphäre und durch präzise geführte Spannungsbögen.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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