Bella Block: Stille Wasser

  1. Ø 4.7
   2017
Bella Block: Stille Wasser Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Bella Block: Stille Wasser: Der vorletzte Fall für das Hamburger Ermittlerurgestein Bella Block ist gleichzeitig der erste für Regisseur Jo Baier.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(13)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Der vorletzte Film der Reihe führt die pensionierte Hamburgerin Hauptkommissarin (Hannelore Hoger) nach Brandenburg. Der Grund ihrer Reise – sie will sich ein neues Bett kaufen – ist zwar allzu offenkundig als Vorwand erkennbar, und die Handlung braucht eine Weile, bis sie in Gang kommt, aber das hat Methode.

    Jo Baier hat seinen ersten „Bella Block„-Film im entschleunigten Stil von Bernd Böhlichs ebenfalls in Brandenburg spielenden „Krause“-Komödien inszeniert. In dem Städtchen, in dem die Kriminalrentnerin nach einer Autopanne strandet, scheint die Zeit langsamer zu vergehen als anderswo. Als sie in einem muffigen Gasthaus unterkommt, erinnert die Bildgestaltung an das neugierige Interesse eines Ethnologen, der einen unbekannten Stamm entdeckt hat. Kameramann Stefan Unterberger hat das Innere des Hauses auch dank des Blicks für Details in derart düstere Bilder getaucht, dass man den Staub förmlich zu riechen glaubt. Das Aufregendste, was in diesem Ort passiert, scheinen Beerdigungen zu sein – und schon ist die Kriminalistin mittendrin in einem Fall, der auf den ersten Blick ganz harmlos wirkt: Steuerberater Lars Johannsen ist an Herzversagen gestorben. Sein Zwillingsbruder Jens (Henrik Birch) hat ein komisches Gefühl. Weil die Reparatur ihres alten Käfers ohnehin noch dauert, mischt sich Frau Block ein bisschen unters Volk, und selbstredend dauert es nicht lange, bis sie auf die ersten Ungereimtheiten stößt.

    Jo Baier und Beate Langmaack haben unabhängig voneinander sämtliche wichtigen deutschen Fernsehpreise gewonnen; beide sind unter anderem mehrfache Grimme-Preisträger. „Stille Wasser“ ist ihre erste Zusammenarbeit, aber offenbar haben sich hier zwei Vertreter einer im besten Sinne alten Schule gesucht und gefunden. Die Krimiebene in ihrer gemeinsamen „Bella Block“-Episode ist zwar nicht sekundär, aber sie entwickelt sich doch mehr im Kopf als auf dem Bildschirm. Baier gibt der Geschichte die Zeit, die sie braucht; dazu gehört auch ein trübsinniger Angelausflug der Hobbyermittlerin mit dem nicht eben redseligen Jens. Später wird ihr der aus Dänemark stammende Mechaniker versichern, er habe ein gutes Verhältnis zu seinem Bruder gehabt, sie hätten immer über alles geredet. Lakonisch zeigt eine kurze Rückblende die Zwillinge in trauter Zweisamkeit, aber genauso schweigend wie Jens und Bella beim Angeln; ein beredtes Beispiel für den beiläufigen Humor des Films.

    In aller Ruhe, ohne dabei jedoch in Betulichkeit oder gar Langeweile zu verfallen, lassen Baier und Langmaack die handelnden Personen in einer einfachen, aber wirkungsvollen Kombination aus Rückblenden und Gegenwart zur Entfaltung kommen: die vor der Gewalt im Milieu aus Berlin geflohene Betreiberin des „Cherie“, Lilo Schulz (Lina Wendel); die nun verwitwete Bürgermeisterin (Katja Weitzenböck), der das Bordell im Gewerbegebiet ein Dorn im Auge ist; ihr Sohn (Matti Schmidt-Schaller), der aus gutem Grund ein engeres Verhältnis zu seinem Onkel als zu seinem Vater hatte; und die sorgfältig besetzen Menschen am Rande der Handlung, die viel zur speziellen Stimmung des Films beitragen. Noch mehr gilt das allerdings für die Musik: Fabian Römer untermalt die Bilder mit einem entspannten Jazz, der an Angelo Badalamentis Kompositionen zur ersten Staffel von „Twin Peaks“ erinnert. tpg.

Kommentare