Bella Block: Der Fahrgast und das Mädchen

  1. Ø 4
   2011
Bella Block: Der Fahrgast und das Mädchen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Bella Block: Der Fahrgast und das Mädchen: Bella Block ermittelt verdeckt in einer Schule, zumindest bis sie auffliegt.

Jugendliche ballern mit einer gefundenen Pistole aus dem fahrenden Auto heraus. Eine Kugel streift einen Obdachlosen. Bei der ballistischen Untersuchung stellt sich raus: Mit dieser Waffe hat vor dreißig Jahren ein Bankräuber eine junge Frau erschossen. Einer der Jungs hat die Pistole beim Abriss einer Gartenlaube gefunden. Er ist unsterblich in seine Lehrerin verliebt und hat die Frau über Monate hinweg beobachtet und gefilmt. Bella Block befürchtet eine Tragödie.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Im Gegensatz zu Serien sind Filmreihen immer wieder für Überraschungen gut. Für „Bella Block“ gilt das ohnehin, erst recht jetzt, da die Heldin aus dem Dienst ausgeschieden ist und ganz andere Ermittlungsmöglichkeiten hat. Trotzdem ist der Ansatz dieser Geschichte höchst ungewöhnlich.

    Im Grunde hat Autor Fabian Thaesler einen Text von Franz Kafka adaptiert. Dessen Erzählung „Der Fahrgast“ ist allerdings nur wenige Zeilen lang und ohnehin eine Introspektion, die eigentlich unverfilmbar ist: Ein Mann steht in einer Straßenbahn und hadert mit seiner Stellung in der Welt, als sein Blick auf ein Mädchen fällt, das gerade aussteigen will. Die Betrachtung ist Kafka pur und nicht nur auf den ersten Blick wenig zielführend, passt aber vortrefflich zum Weltschmerz, der junge Menschen in der Pubertät leicht zu verschlingen droht. Deshalb stellt Thaesler einen Schüler ins Zentrum seiner Handlung, der hoffnungslos in seine Lehrerin verliebt ist. Die Kafka-Szene aus der Straßenbahn kommt eins zu eins im Film vor.

    Aber natürlich ist Kafka bei all seiner Kinobegeisterung kein Kriminalschriftsteller, selbst wenn seine detailfreudige Betrachtung verrät, dass er womöglich ein ausgezeichneter Drehbuchautor geworden wäre. Thaeslers Rahmenhandlung dagegen ist Krimi pur, aber gleichfalls originell: Drei Jugendliche machen Unfug und ballern mit einer gefundenen Pistole aus dem fahrenden Auto heraus. Eine Kugel streift einen Obdachlosen, die ballistische Untersuchung ergibt einen Treffer: Mit exakt dieser Waffe hat vor dreißig Jahren ein Bankräuber eine unbeteiligte junge Frau erschossen.

    Dank der beiden parallel erzählten Zeitebenen – hier die Gegenwart, dort die Vergangenheit – weckt der reizvolle Einstieg in den Film die Neugier (Regie: Torsten C. Fischer). Zumindest diesen Reiz lässt der Film mit der Erklärung des Phänomens hinter sich: Einer der Jungs hat die Pistole beim Abriss einer Gartenlaube gefunden. Dafür wandelt sich die Erzählperspektive, denn nun rückt der von Jacob Matschenz sehr eindringlich verkörperte Schüler ins Zentrum: Der junge Mann hat seine Lehrerin (Katharina Wackernagel) seit Monaten beobachtet und gefilmt. Die Frau studiert mit ihrer Klasse ein Theaterstück ein, das sich an Kafkas Betrachtung orientiert; und selbstredend identifiziert sich der Junge mit dem Erzähler. Das Wort „Aussteigen“ in seinem Kalender versetzt Bella Block in höchste Alarmbereitschaft: Bewaffneter Weltschmerz ist immer gefährlich; auch und gerade für die Objekte der obsessiven Sehnsucht. Ein Film von großer Intensität und starker innerer Spannung, die er nicht nur seiner Dramaturgie, sondern auch dem Zusammenspiel von Kamera und Musik verdankt. Und ein Krimi mit Botschaft: Bella Block verabschiedet die Zuschauer mit der Mahnung „Wir passen nicht genug aufeinander auf.“ tpg.

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