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Fakten und Hintergründe zum Film "Beginners"

Fakten und Hintergründe zum Film "Beginners"
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Statement des Regisseurs

Seinen Anfang nahm „BEGINNERS“ mit dem Coming Out meines Vaters. Er war damals 75 Jahre alt, 45 davon war er mit meiner Mutter verheiratet gewesen. Sein unbedingter Wille, sein Leben grundlegend zu verändern war für mich gleichzeitig verwirrend und schmerzhaft, sehr lustig und zutiefst inspirierend. Veränderung, Ehrlichkeit und Offenheit können genau dann zutage treten, wenn man am wenigsten damit rechnet. Selbst als er fünf Jahre später einem Krebsleiden erlag, war er noch voller Energie, Freude und Neugier. Er hatte längst noch nicht mit dem Leben abgeschlossen.

Das Drehbuch entwickelte ich mit dem festen Glauben daran, dass eine derart persönliche Erfahrung zu etwas ganz Universellem werden kann. Die konkreten Details aus dem Leben meines Vaters, all die ganz realen Schwierigkeiten und der wahrhaftige Humor verleihen dem Film eine Authentizität, von der ich hoffe, dass sie ihn noch kraftvoller, emotionaler und für die unterschiedlichsten Leute zugänglich macht.

Die Handlung verläuft im Grunde zweispurig: durch Hal lernt Oliver Anna zu lieben – und gleichzeitig wird Oliver durch seine Liebe zu Anna vieles klar, was er in Bezug auf Hal nie verstanden hatte. Hals Geschichte ist eine geradezu modernistische, die Hürden sind äußere – und riesig: der Konservatismus der 1950er Jahre, Homophobie, Alter und Krebs. Oliver und Anna dagegen sind Kinder der Nach-Sechziger Jahre, ihre Liebesgeschichte ist eine absolut zeitgenössische. Ihre Konflikte sind allesamt innerliche, denn sie sind geprägt durch die Verpflichtungen und Kompromisse sowie die versteckte Traurigkeit ihrer Eltern. Für Hal war es akzeptabel und vor allem notwendig, seine tatsächliche Sexualität hinter der Maske einer traditionellen Ehe zu verstecken, um so die externen Hürden seiner Zeit zu umgehen. Für Oliver aber sind die negativen Seiten dieses Arrangements – also der Ballast, den man damit der Liebe aufbürdet – unerträglich. So bringt Hal ihm letztlich bei, sich von den Lügen und Fesseln zu befreien, die er selbst überhaupt erst heraufbeschworen hatte.

Die Erfahrung, die ich mit „BEGINNERS“ am meisten vermitteln will, ist die eines Abenteuers. Dieses Gefühl, etwas aufzubrechen. Zwar geht es auch um Themen wie Krankheit und Tod, aber vor allem handelt der Film von neuen Anfängen, von Veränderungen und davon, wie unglaublich witzig das Leben selbst in seinen ernstesten Momenten sein kann. Die Geschichte ist eine sehr spezielle, aber ich hatte es weder auf einen „kleinen“ noch auf einen „verschrobenen“ oder einen typischen „Indie“-Film abgesehen. Ich habe nur ein einziges Mal die Chance, diese Geschichte zu erzählen, deswegen sollte sie so großherzig, zukunftsweisend und innovativ wie möglich sein. Ich will ein möglichst großes Publikum erreichen und – genau wie mein Vater – eine wahrhaftige Verbindung zu anderen Menschen herstellen.

Ich schrieb Briefe an Ewan McGregor und Christopher Plummer, in denen ich sie bat, bei dem Film mitzuwirken. Auf der folgenden Seite lesen Sie kleine Passagen aus diesen Briefen.

Über die Produktion

„Als meine Mutter starb, war da plötzlich dieser neue Mensch, dieser neue Vater“

Genau so erging es Regisseur und Autor Mike Mills, so fühlte es sich für ihn nach dem Tod seiner Mutter an. Bevor überhaupt an einen Film zu denken war, ging es für ihn erst einmal um diese ganz realen Erlebnisse. Denn sein frisch verwitweter, 75 Jahre alter Vater hatte seinem Sohn etwas mitzuteilen: er wolle das bisschen Zeit, das ihm noch auf Erden blieb, als homosexueller Mann leben.

„Er begann auf einmal, dieses ganz neue, geradezu explosive Leben zu führen“, erinnert sich Mills staunend. „Er blühte emotional in einer Weise auf, wie ich es noch nie bei ihm gesehen hatte.“ Mit Ver- und Bewunderung gleichermaßen sah Mills seinen Vater eintauchen in die Schwulenszene von Santa Barbara, wo sein alter Herr sich kleidete, verhielt und lebte wie ein mindestens 20 Jahre jüngerer Mann.

„Ich hatte immer viele schwule Freunde und Lehrer, die ich sehr bewunderte“, fährt er fort. „Ein Coming Out war für mich deswegen gar nicht eine so große Sache wie für ihn. Aber sein Schwulsein, diese mir bis dahin ganz unbekannte Seite von ihm, war für mich trotzdem erst einmal ein Mysterium. Wer ist mein Vater eigentlich, begann ich mich zu fragen. Ich wollte unbedingt mehr über ihn erfahren. Und dann wurde bei ihm Krebs diagnostiziert.“

Obwohl man vielleicht glauben könnte, eine solche Krankheit hätte Mills’ Vater ruhiger werden lassen, war genau das Gegenteil der Fall. Seinen zahllosen gesellschaftlichen Verpflichtungen und Verabredungen kam er weiterhin nach; ja er gab sogar eher noch mehr Partys als bisher. Außerdem traf er sich weiterhin mit seinem Fitnesstrainer und achtete streng auf einen gesunden Lebensstil. Mills Senior blieb auf Teufel komm raus positiv und weigerte sich, die Krankheit als tödlich anzuerkennen.

„Er erzählte mir, dass bei ihrer Hochzeit meine Mutter ihr Jüdischsein und er selbst sein Schwulsein hinter sich gelassen hätten“, berichtet Mills. „Das machte Sinn für mich – und mir ging ein Licht auf. Ich würde darüber schreiben. Alles fühlte sich plötzlich so überwältigend und wahrhaftig an, dass ich wusste, ich würde etwas zu erzählen haben.“

Fünf Monate nach dem Tod seines Vaters setzte er sich hin um zu schreiben, motiviert von dem Wunsch, dieses Stadium eines rauschartigen, emotionalen Feuerwerks, das sein Vater erlebt hatte, einfangen zu wollen. Unsere Zeit ist kurz, so viel hatte er gelernt. Man muss sie nutzen, solange es geht.

„Man muss sich alles bewusst machen und rauslassen. Wovor man Angst hat. Was man noch nicht getan hat im Leben. Wem man sich noch nicht gestellt hat und in welchen Punkten man nicht ehrlich war. Ich war mir sicher, dass dies der Moment für mich war, all das zu tun. Hätte ich nicht in dieser Trauerphase gesteckt, wäre ich vermutlich nie in der Lage gewesen, ‚BEGINNERS’ zu Papier zu bringen“, fasst Mills zusammen. „Ein Großteil der Trauerarbeit fühlte sich für mich an, als würde ich durch einen dunklen Wald rennen und versuchen, irgendetwas zu greifen. Ich hoffe, dass wir dieses Gefühl des manischen Greifens nach dem Leben mit dem Film irgendwie eingefangen haben.“

Ein Mittelweg zwischen Realität und Fiktion

Im Laufe der Drehbuchentwicklung von „BEGINNERS“ veränderte sich vieles, unterschiedliche Aspekte rückten in den Fokus oder verschwanden wieder daraus. Doch eines blieb immer gleich: Mike Mills war sich sicher, nicht nur eine, sondern zwei Geschichten erzählen zu wollen.

Ein Handlungsstrang folgt Vater und Sohn, also Hal und Oliver Fields, die sich mit Hals neuer Identität und seiner Krankheit arrangieren müssen. Der andere vereint Olivers emotionale Neuorientierung nach Hals Tod und seine aufkeimende Beziehung zu Anna, einer temperamentvollen französischen Schauspielerin.

„Für mich waren das immer zwei Geschichten“, sagt Mills. „Wenn jemand, den du geliebt hast, stirbt, dann wird die Vergangenheit zu einem Strudel, der dich einfach mitreißt. Das ist keine geradlinige Aufreihung von Erinnerungen, sondern unzählige Wellen von Erlebnissen und Gesprächen, die in dir drin immer noch lebendig sind. Man empfindet sie immer wieder nach, geht sie im Kopf noch einmal durch und verarbeitet sie. Deswegen sollte die Vergangenheit in meinem Film nicht aus Rückblenden bestehen, sondern eine parallele, in sich geschlossene Handlung darstellen.“

Als das Drehbuch fertig war, ging es per Post an Ewan McGregor, doch der Schauspieler ließ sich mit dem Lesen Zeit. Das erste Mal hörte McGregor von dem Projekt deswegen, als er sich während des Filmfestivals von Sundance ausgerechnet mit Mills’ Agent einen Skilift teilte. Und der ließ sich natürlich die Gelegenheit nicht entgehen, dem Schauspieler den Film ans Herz zu legen, während sie gemeinsam Richtung Gipfel fuhren. Kaum war er wieder Zuhause, verschlang McGregor das Drehbuch, las Mills’ Brief an ihn und saß schon eine Woche später mit ihm an einem Tisch.

„Ich hatte zu Mike sofort einen Draht“, erinnert sich McGregor. „Er ist sehr offen und emotional, ganz ähnlich wie ich eigentlich. Es kam mir vor, als würden wir uns schon lange kennen. Ich hatte seinen ersten Film ‚Thumbsucker’ gesehen und mochte ihn sehr. Als er mir dann auch andere Arbeiten wie Kurzfilme, Grafiken, Videos und Werbespots schickte, wurde mir erst klar, dass ich mit einem Großteil davon längst vertraut war, ohne zu wissen, dass er dahinter steckte.“

Als sie die ungewöhnliche Struktur des Films besprachen, kamen Mills und McGregor zu dem gleichen Schluss: man musste beide Geschichten unabhängig von einander drehen, nacheinander und in chronologischer Reihenfolge, um die nötige emotionale Entwicklung und Wahrhaftigkeit zu gewährleisten. Das war vor allem für McGregor von Bedeutung, schließlich ist er der einzige Schauspieler, der in beiden Handlungssträngen vorkommt, und muss als Oliver seine Erfahrungen und Gefühle von einer Geschichte in die nächste transportieren. „Für mich war das enorm hilfreich“, berichtet er entsprechend. „In den Szenen, in denen Olivers Beziehung mit Anna beginnt, konnte ich zurückgreifen auf die Szenen mit seinem Vater Hal.“

„Dieses Zusammenspiel macht ‚BEGINNERS’ zu einem sehr komplexen, ergiebigen Film“, fährt er fort. „Es ist ein Film über Verlust, aber auch über das Akzeptieren. Oliver muss seinen Vater als den Menschen akzeptieren, der er wirklich ist, und auch die Tatsache, dass ein Mensch, der sein Leben mit Haut und Haar lebt trotzdem sterben muss. Mit diesem Verlust muss er schließlich klar kommen, während er sich gleichzeitig neu verliebt.“

Für die Rolle des Hal Fields hatte Mills einen Schauspieler im Sinn, der die Würde, den Witz und den Charme besaß, um jede seiner Szenen zu dominieren – und dessen Abwesenheit man später deutlich spüren würde. Christopher Plummer las das Drehbuch, und auch ihm schickte Mills einen sehr persönlichen Brief hinterher. Der Oscar®-nominierte Schauspieler sagte kaum weniger prompt zu als McGregor.

Der Filmemacher musste bald feststellen, dass beide Schauspieler gewisse Vorbehalte hatten wie jemand, der all diese Erfahrungen der Geschichte am eigenen Leib erlebt hatte, auf ihre Darstellung dieser realen Figuren reagieren würde. Es gab diesbezüglich freimütige Diskussionen darüber, ob ihnen irgendwelche künstlerischen Grenzen gesetzt seien. Doch das Gegenteil war der Fall: Mills machte McGregor und Plummer klar, dass sie alle Freiheiten hatten und ihre Mitarbeit und Ideen mehr als gewünscht seien.

Beide Schauspieler wollten der emotionalen Wahrheit ihrer Figuren so nah wie möglich kommen und ließen sich dazu von persönlichen Details aus dem Leben von Mills und seinem Vater inspirieren. „Bevor er starb, schrieb mein Vater eine neue Version vom Tode Jesus’. Die gab ich Christopher zu lesen – und er hatte gleich eigene Ideen, wie man das noch pointierter schreiben könnte. Man könnte meinen, so etwas hätte ich als Frevel empfinden müssen. Aber ich ermutigte ihn viel mehr, seine eigene Variante zu schreiben, um dem Ganzen seinen Stempel aufzudrücken. So konnte aus unserer Geschichte eine allgemeine und öffentliche statt bloß eine private werden.“ Darüber hinaus bestärkte der Regisseur Plummer auch, seine eigene Persönlichkeit in die Figur einfließen zu lassen.

McGregor bat Mills, die Dialoge des Drehbuchs auf Band zu sprechen, um sich möglichst genau seine Art des Sprechens aneignen zu können. Doch nachdem er all diese Aufnahmen aufgesogen und verinnerlich hatte, ermutigte Mills McGregor, sich davon nicht einengen zu lassen.

Es gehörte von Beginn an zu Mills’ Vision des Projekts, dass das Publikum stets die Grenze zwischen Autobiografie und Fiktion hinterfragen sollte, nicht zuletzt weil es auch immer eine Vermischung dazwischen gibt, wie sich Dinge tatsächlich ereignet haben und wie wir uns daran erinnern.

„In meinen Gesprächen mit Christopher und Ewan ging es nie darum, wie etwas wirklich war oder wie wir uns damals tatsächlich verhalten haben“, erläutert Mills. „Stattdessen habe ich viel mehr berichtet, was mein Vater und ich erlebt haben – und die beiden dann aufgefordert, daraus etwas zu machen, was ihnen – und damit dann auch dem Publikum – wahrhaftig erschien. Es ging bloß darum, ihnen sämtliche Materialien zur Verfügung zu stellen, um etwas Eigenes zu schaffen.“

Ähnlich beschreibt es auch McGregor: „Ich hatte nicht das Gefühl, unbedingt Mike selbst spielen zu müssen. Zwar habe ich ihn gebeten, die Dialoge für mich einzulesen, aber ich hatte nie vor, ihn zu imitieren. Und er wollte das auch nicht, schließlich sollte ich nicht Mike, sondern Oliver zum Leben erwecken. Aber hin und wieder ertappte ich mich dann doch bei Gesten oder Bewegungen, die mich irgendwie an Mike erinnerten.“

Da auch Oliver als Künstler arbeitet, wusste McGregor, dass er sich intensiv mit Mills’ illustrativem Stil würde auseinandersetzen müssen. Stundenlang saßen die beiden oft gemeinsam in Mills’ Studio, wo der Regisseur mit einer Zeichnung begann, die der Schauspieler dann zu Ende bringen musste. Zwar stammen viele von Olivers Illustrationen im Film von Mills persönlich. Doch fast genauso viele hat McGregor selbst nachgezeichnet oder vervollständigt.

Um die Liebesgeschichte des Films auf der Leinwand glaubwürdig zu gestalten, brauchte der Filmemacher eine Schauspielerin, die eine Schauspielerin spielen und als solche die durch Hal in Olivers Leben hinterlassene Lücke füllen konnte. „Anna teilt mit Oliver zu einem gewissen Teil die Unsicherheiten und Sorgen ihrer Generation“, beschreibt Mills die Figur. „Aber sie verpasst der Geschichte auch einen ganz besonderen Schuss Lebendigkeit, Energie und natürlich auch Konfliktpotential.“

Mélanie Laurent, eine der meist beschäftigten Schauspielerinnen Frankreichs, war erpicht darauf, ihr Repertoire zu erweitern und hatte schon Monate vor Drehbeginn damit begonnen, an ihrem Englisch zu arbeiten. Ihre neuen Fähigkeiten ausprobieren zu können, war einer der Aspekte, der sie an „BEGINNERS“ reizte. „Doch vor allem entschied ich mich für diese Rolle aufgrund der Geschichte, die mich wirklich berührte“, berichtet Laurent. So begeistert war sie von dem Drehbuch, dass sie nach der Lektüre eine Email an Mills schrieb und um die Rolle bat, bevor sie – auf seinen Wunsch hin – ein „sehr cooles und ungewöhnliches“ Video für ihn aufnahm, für das sie auch einige Szenen des Skripts spielte.

„In Frankreich hatte ich zuletzt viele sehr ernste Rollen gespielt, deswegen war ich hoch erfreut, mal etwas Leichteres, Lustigeres zu spielen“, fährt die Schauspielerin fort. „Außerdem war es nach ‚Inglourious Basterds’ gar nicht so leicht, das geeignete nächste US-Projekt zu finden. Ich wollte auf jeden Fall lieber einen Independent-Film als eine große Studioproduktion drehen.“

„Obwohl ich eine Filmschauspielerin verkörpere, ist mir Anna eigentlich gar nicht besonders nahe. Ich habe das Gefühl, dass mein Leben sehr viel einfacher ist als ihres“, sagt Laurent über ihre Rolle. „Am Set hatten wir Schauspieler angenehmerweise ganz viele Freiheiten. Mike und ich tauschten uns jeden Tag darüber aus, was in Annas Kopf vorgeht.“

Die Figur der Anna war noch viel offener für eine individuelle Interpretation als die von Oliver oder Hal, da sie eine reine Erfindung ist und nicht einer echten Person in Mills Leben entspricht. Allen die vermuten, dass Anna auf Mills tatsächlicher Ehefrau – der gefeierten Künstlerin, Autorin und Regisseurin Miranda July – basiert, entgegnet der Regisseur nämlich: „Anna ist viel mehr eine weitere Inkarnation meiner selbst. Alle Gefühle, die dieser Figur zugrunde liegen, alles was sie umtreibt, entspringt aus mir.“

Mills bemühte sich die Bindung zwischen seinen Schauspielern auf die unterschiedlichsten Weisen zu stärken. Als Teil der gemeinsamen Probewoche fuhr er mit McGregor und Laurent beispielsweise in den Vergnügungspark Magic Mountain. So konnten sie gemeinsam etwas erleben und eine Beziehung zueinander aufbauen. Noch während des Drehs beschwor er immer wieder Aufregung – und das Magengrummeln – der stellvertretend für das Auf und Ab der Liebe stehenden Achterbahnfahrten herauf, in dem er die beiden an den Magic Mountain-Ausflug erinnerte.

Neben dem historischen Millenium Biltmore Hotel in Los Angeles drehte das Team auch an anderen Locations der kalifornischen Großstadt, etwa in Silverlake und Griffith Park. Die Szene, in der Vater und Sohn gemeinsam Bücher kaufen, entstand vor Ort im Cosmopolitan Book Shop, in dem man „Schätze findet, von denen man gar nicht wusste, dass man sie sucht“, wie Mills erklärt. Für Olivers spontanen Besuch in Manhattan reiste Mills zusammen mit McGregor nach New York und stellte dort ein kleines Filmteam zusammen, statt die Szenen in Kalifornien nachzustellen und Los Angeles als New York auszugeben.

Die zahlreichen Szenen zwischen Anna und Oliver in ihrer Suite im Biltmore Hotel entstanden genau dort über den Verlauf einer Drehwoche, die nur für diese Teile der Geschichte vorgesehen war und den Schauspielern ein zusätzliches Gefühl von Intimität und Abgeschiedenheit vermittelte.

„Die Beziehung zwischen Oliver und Anna in ‚BEGINNERS’ ist keine typische Liebesgeschichte, wie man sie aus den romantischen Hollywood-Komödien kennt“, findet McGregor. „Sie ist sehr authentisch und komplex, mal heiß und mal kalt, mal glücklich und mal nicht. Genauso kompliziert eben, wie es auch im echten Leben ist. Die Zeit mit Mélanie im Biltmore werde ich nie vergessen, denn einen derart intensiven, emotionalen Dreh erlebt man nicht oft.“

McGregors Herz zum Schmelzen brachte allerdings auch sein Ko-Star Cosmo, der ruhige und beseelte Jack Russell Terrier, der im Film als Arthur zu sehen ist und von Mills als Olivers „Mitreisender“ durch die Geschichte beschrieben wird. „Er ist einfach hinreißend“, beschreibt McGregor seinen tierischen Kollegen. „Mit Cosmo zu drehen war wirklich eine Freude. Und es ist verdammt schwer, wenn man zu so einem kleinen Hund eine solche Bindung aufbaut und dann irgendwann doch wieder getrennter Wege gehen muss.“

Für seine Rolle unterzog sich Cosmo einer gehörigen Veränderung und ließ seinem eigentlich rein weißen Fell braune Flecken verpassen. Dank seiner Trainerin Mathilde de Cagny, die elf Staffeln lang auch den legendären Jack Russell Terrier in der Sitcom „Frasier“ betreut hatte, war Cosmo bestens vorbereitet auf seine Großaufnahmen – und mehr! Denn Hundeliebhaber Mills hatte von Beginn an die Idee, in einigen Schlüsselszenen Oliver und Arthur mittels Untertiteln kommunizieren zu lassen.

Der Regisseur erläutert diesen Regieeinfall wie folgt: „Nachdem ich einen Großteil meines Leben mit dem Jack Russell Terrier meines Vaters verbracht hatte, erschien mir der Gedanke, dass ein Hund Sätze wie ‚Sag ihr, dass wir in der Dunkelheit untergehen werden, wenn jetzt nicht etwas Drastisches passiert’ ‚sagt’ richtig und passend für die Geschichte, die ich im Sinn hatte.“ Entsprechend gab es zwischen Mills und seinen Schauspielern jede Menge Gespräche darüber, wie man mit einem Hund spricht – und zwar nicht niedlich oder überhaupt wie mit einem Tier, sondern viel mehr wie mit einem anderen Menschen.

Was die Konversation mit seinem Kollegen Plummer angeht, ist McGregor voller Bewunderung: „Die Arbeit mit Christoper ist einfach fantastisch. Am Anfang hatte ich irgendwie angenommen, er sei das, was man vielleicht ‚alte Schule’ nennen würde, und würde entsprechend ganz anders als ich an die Aufgabe herangehen. Aber wenn es ums Drehen ging, war er stets mit Leib und Seele bei der Sache und arbeitete mit mir auf eine moderne Art und Weise, von der sich etliche junge Kollegen eine Scheibe abschneiden könnten. Ich zumindest habe wirklich viel von ihm gelernt.“

„Zu meinen Lieblingsszenen gehört die, in der es für Hal aufs Ende zugeht und sich all diese älteren schwulen Männer um ihn versammeln. Da spürt man einfach den wundervollen Geist emotionaler Offenheit und gegenseitiger Unterstützung“, fasst McGregor zusammen. „Christopher hat mich sehr oft zu Tränen gerührt. Aber wir haben auch enorm viel zusammen gelacht, denn er erzählt einfach großartige Geschichten.“