Filmhandlung und Hintergrund

Vor allem dank Alicia von Rittberg mitreißendes Emanzipationsdrama über die Selbstverwirklichung einer jungen Kunsthandwerkerin. Eine junge Frau will sich selbst verwirklichen und Kunst studieren: abgesehen von der mutmaßlichen Brotlosigkeit dieses Wunsches nach Selbstverwirklichung heutzutage kein Problem. Vor hundert Jahren sah das selbstredend ganz anders aus; und davon erzählt „Lotte am Bauhaus“. Der Film beginnt...

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Kritikerrezensionen

  • Vor allem dank Alicia von Rittberg mitreißendes Emanzipationsdrama über die Selbstverwirklichung einer jungen Kunsthandwerkerin.

    Eine junge Frau will sich selbst verwirklichen und Kunst studieren: abgesehen von der mutmaßlichen Brotlosigkeit dieses Wunsches nach Selbstverwirklichung heutzutage kein Problem. Vor hundert Jahren sah das selbstredend ganz anders aus; und davon erzählt „Lotte am Bauhaus“. Der Film beginnt im Jahr 1920 und mit einer fröhlichen Szene: Ein Dutzend junger Leute läuft nackt zu einem See und wirft dabei buntes Pulver in die Luft, sodass rote, gelbe und blaue Wölkchen entstehen. Lotte Brendel, die zufällig mit dem Fahrrad vorbeikommt, wird von dieser unschuldigen Ausgelassenheit unmittelbar angesteckt; am liebsten würde sie sich ebenfalls ausziehen und ins Wasser springen, was ihre Schwester gerade noch verhindern kann. Die Badenden sind vom Bauhaus; und da will Lotte (Alicia von Rittberg) auch hin.

    Durch den fröhlichen Auftakt ist der Rahmen der Geschichte vorgegeben: hier die wilde Lust, aus den vorgegebenen Konventionen auszubrechen, und zwar in jeder Hinsicht; dort eine Gesellschaft, die sich schwer tut, diese Aufbruchstimmung zu akzeptieren. 1919 hat Walter Gropius in Weimar das Bauhaus gegründet. Die Kunstschule suchte als erste Einrichtung ihrer Art nach einer Allianz aus Kunst und Handwerk; für die junge Lotte, Tochter eines Tischlers und voller Fantasie, der perfekte Ort, um ihre Kreativität auszuleben, für ihren konservativen Vater ein Grund, sie vor die Tür zu setzen.

    Als der Film gedreht wurde, hieß er noch schlicht „Bauhaus“. „Lotte am Bauhaus“ ist die bessere Wahl, denn Jan Braren hat sein Drehbuch voll und ganz auf die Hauptfigur zugeschnitten. Natürlich erzählt der Grimme-Preisträger („Homevideo„) auch die Geschichte vom Bauhaus, aber in erster Linie geht es um die von „Charité“-Hauptdarstellerin Alicia von Rittberg hin- und mitreißend als moderne junge Frau verkörperte Heldin: Lotte ist ein liebenswerter Dickkopf, der sich durch nichts und niemanden von seinem Ziel abbringen lässt. Deshalb schafft sie es auch als einzige Frau in die Tischlerei, obwohl Gropius, charismatisch und sympathisch von Jörg Hartmann verkörpert, sie lieber in der Weberei gesehen hätte; sein vollmundiges Versprechen von der „absoluten Gleichberechtigung“ war dann doch leichter gesagt als getan.

    In erster Linie erzählt der Film zunächst jedoch von einer Künstlerromanze: Lotte verliebt sich in den Kommilitonen Paul (Noah Saavedra). Die beiden scheinen wie füreinander geschaffen: Paul sieht seine Zukunft in der Architektur, Lotte führt seine Entwürfe zur Perfektion und verblüfft Gropius immer wieder mit ihrer praktischen Fantasie. Das Glück scheint grenzenlos; bis Lotte schwanger wird. Das Paar heiratet zwar, aber den beruflichen Erfolgsweg geht Paul nun allein. Später trennen sich auch die privaten Wege des Paares, und Lotte muss erkennen, wie schwer es für sie ist, sich in einem Männerberuf zu etablieren; neben der Konfrontation zwischen Weltoffenheit und reaktionärem Denken ein weiteres Detail, mit dem sich heutige Zuschauerinnen gut identifizieren können.

    Natürlich ist „Lotte am Bauhaus“ trotz der Konzentration auf seine Heldin auch eine Hommage an die weltberühmte Kunstschule. Gregor Schnitzler hat es hervorragend verstanden, die künstlerischen Details in seine Inszenierung zu integrieren, ohne den Film allzu dokumentarisch wirken zu lassen. Er verknüpft die verschiedenen Handlungsstränge zu einem faszinierenden romantischen Drama, das mit gut hundert Minuten auch dank der Bildgestaltung (Christian Stangassinger) und einer großen Musik (Annette Focks) eher noch zu kurz als zu lang ist. Deshalb muss die Handlung gegen Ende ein paar Zeitsprünge machen, um ins Jahr 1933 und zur Schließung des Bauhauses zu gelangen. tpg .

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