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Fakten und Hintergründe zum Film "Bastard"

Kino.de Redaktion |

Bastard Poster

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Interview mit dem Regisseur

Gab es für diese Geschichte einen Auslöser, einen realen Aufhänger?

Ganz ehrlich? Ich glaube am Anfang stand das Musikvideo „SCHREI“ von Tokio Hotel. Ich war auf absonderliche Weise fasziniert von der Wucht, welche diese Band entfesselt hat. Diese Fanhysterie hatte etwas tollwütiges an sich. Ich meine, die Fans, die meisten waren Kinder, nicht Jugendliche, wie bei den Beatles. Da waren diese Hallen gefüllt mit tausenden Kinder in völliger Raserei, Kinder, die vor kurzem noch völlig unbekümmert Spinnen die Beine ausrissen haben. Das hatte auf mich einen faszinierenden gleich wie irritierende Wirkung. Was passiert, wenn diese Wucht außer Kontrolle gerät und diese Kinder nicht mehr zu stoppen sind, eine Mischung aus „Lord of the Flies“ und „Clockwork Orange“. Wenn sich unsere Kinder gegen die Erwachsenenwelt wenden und sich für all die Verletzungen, für die kleinen Vernachlässigungen und gebrochenen Versprechen ihrer Eltern rächen?

Gibt es filmische Vorbilder für BASTARD, ästhetisch oder inhaltlich?

So absurd es klingt: Sergio Leone's Western, diese pure Präzision in der Erzählung, glasklare Einstellungen wo Blicke, Schnitt und Dialog in einem Rhythmus sind, dieses „Blicke-Tennis das hat uns inspiriert. Szenen, wie die „Hinrichtung oder das „Wer bin ich? - Spiel, wollten wir erzählen, wie einen Western-Showdown, flirrende Spannung bis es knallt. Im Genre sitzt Bastard bewusst zwischen den Stühlen, ein bisschen, wie ein pubertierender Jugendlicher, der sich störrisch gegen jede Kategorie der Erwachsenenwelt sträubt. Wir wollten eine Ästhetik, die nicht nur uns gefällt, sondern auch den Kids, über die wir erzählen. Wir haben nach einer gemeinsamen Schnittmenge gesucht, wollten ihren Geschmack treffen, ihre Farben, ihre Musik, ihr Kino. Als Debütfilm hatten wir die Freiheiten uns über Genrekonventionen oder Erwartung eines Sendeplatzes hinwegzusetzen. Wir haben irgendwo geahnt, das wird der letzte Film sein, indem wir uns so naiv und frei ausprobieren können, denn nach BASTARD werden wir erwachsen sein.

Was hat sie für ihren ersten langen Film zu so einem heftigen Thema motiviert?

Ein Debütfilm in Deutschland ist ein Privileg, denn er ermöglicht enorme inhaltliche und formale Freiheiten. Wir wollten dieser Freiheit ein anspruchsvolles und unbequemes Thema entgegensetzen. Gegen die begrenzten Mittel haben wir unseren Anspruch gestellt, dennoch hochwertiges Kino zu schaffen. Kreativtät braucht Widerstand.

Glauben sie, dass Kinder heutzutage eher Gefahr laufen, ihre emotionale Balance zu verlieren als in früheren Generationen?

Erwachsen werden ist immer gefährlich, jeder Generation hat ihre Risiken. Ich scheue mich davor gesamtgesellschaftliche Trends zu beurteilen, dazu empfinde ich „unsere Gesellschaft als zu komplex und heterogen. BASTARD erzählt die Geschichte von zwei Kindern, die etwas Existentielles vermissen, nennen wir es Liebe oder Anerkennung. Sie spüren, dass sie ohne diese Anerkennung nicht leben können und beschließen sich diese mit Gewalt zu holen. Die Suchen nach Anerkennung und Identität ist für mich eine der Hauptursachen von Gewalt. In diesem Sinne ist BASTARD nicht nur eine Geschichte über zwei Kinder auf der Suche nach Liebe und Anerkennung, sondern auch eine „kleinen Geschichte über Gewalt.

Wie bekommt man Kinder dazu, sich als Schauspieler in eine dunkle Welt zu bewegen, ohne dass sie dabei Schaden nehmen?

Spielfreude. Kinder spielen, niemand kann das so gut wie sie. Zumal Markus Krojer (Leon) schon reichlich Filmerfahrung hatte („Wer früher stirbt ist länger tot“). Wir haben versucht unseren Schauspielern, den Kindern und den Erwachsen, eine Spielwiese zu bieten, auf der sie sich sicher fühlen. Der Filmprozess setzt die Grenzen und bestimmt die Bühne, wir sprechen die Spielregeln ab und dann spielen wir los. Filmemachen ist zuweilen anstrengend, aber macht auch höllischen Spaß. Solange klar ist, wo Phantasie beginnt und Realität aufhört, fällt es Kindern wahrscheinlich leichter zwischen den Welten zu wandern, als uns Erwachsenen. Während der gesamten Dreharbeiten wurden „unsere Kinder“ von zwei Pädagoginnen begleitet und intensiv betreut. Auch über die eigentlichen Dreharbeiten hinaus standen sie den Kindern und ihren Familien als Ansprechpartner zur Verfügung und hatten ein Auge darauf, dass die Kinder einen guten Weg zurück vom zuweilen irrwitzigen Filmzirkus in ihr normales Leben finden. Der Gang zischen diesen beiden Welten, ist meist die eigentliche Herausforderung, wie jeder Filmschaffende weiß.

Ihr Langfilmdebüt eröffnet die Hofer Filmtage, vor einem sehr interessierten anspruchsvollen Branchenpublikum. Wie fühlen sie sich angesichts dieser Positionierung?

Den Eröffnungsfilm in Hof stellen zu dürfen ist für uns alle eine große Ehre. Ich hatte ja schon das Vergnügen meinen Diplomfilm „Der Blaue Affe“, sowie meinen Drittjahresfilm „Zahme Vögel“ in Hof zeigen zu dürfen. Seit dem komme ich auch als Zuschauer jedes Jahr auf die Hofer Filmtage. Heinz Badewitz's Filmprogram inspiriert mich sehr und die Atmosphäre auf den Hofer Filmtage ist sympathisch und angenehm unaufgeregt. Natürlich flößt die große Leinwand im SCALA uns auch ordentlich Respekt ein, wir sind alle sehr aufgeregt, ich zumindest habe höllisches Lampenfieber.

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