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Kritikerrezensionen

  • Schauspielerin Nina Hoss und Regisseur Christian Petzold mal wieder vor und hinter der Kamera vereint. Diesmal in einem DDR-Drama. Einiges, was in "Barbara" präsentiert wird, kennt man schon von der Zusammenarbeit der beiden, anderes ist neu. Nina Hoss ist gewohnt kühl. Kühl ist sie auch bei anderen Regisseuren, aber bei Petzold perfektioniert sie dieses Spiel, sodass Regisseur Alfred Hitchcock mit Sicherheit seine pure Freude gehabt hätte. Trotzdem besteht keine Barriere zwischen ihr und dem Zuschauer. Wir fühlen mit ihr mit, brechen über ihr Schicksal aber nicht in Tränen aus. Das liegt natürlich auch an der Nüchternheit, mit der Petzold diese Geschichte erzählt.

    "Barbara" ist ein Drama ohne jemals wirklich dramatisch zu werden, ein Drama, das ohne Schnickschnack die Geschichte einer Frau erzählt, die nichts weiter will als frei sein. Was den Film von anderen DDR-Dramen unterscheidet, ist, dass vieles angedeutet, aber nicht ausgesprochen oder bis ins kleinste Detail erklärt wird: Stella, die junge Patientin, die Barbara besonders am Herzen liegt, ist aus dem Jugendwerkhof Torgau geflohen. Offiziell ein "Arbeitshaus", aber Barbara bezeichnet es als "sozialistisches Vernichtungslager" und das reicht. Selbst wenn man davor von diesen Anstalten noch nicht gehört hat, kann man sich denken, dass in solchen Anstalten das komplette Repertoire an Beuge-Maßnahmen durchexerziert wurde. Und es spielt auch keine Rolle, aus welchem Grund genau, Stella dort hin verfrachtet wurde, es besteht auch so kein Zweifel daran, dass sie viel zu aufmüpfig ist, um im Überwachungsstaat nicht unangenehm aufzufallen.

    Ein weiteres schönes Beispiel für Petzolds sparsam eingesetzten, aber dafür umso schlagkräftigeren Dialog ist die verbale Reaktion der neuen Kollegen, als Barbara es vorzieht, in der Mittagspause für sich zu bleiben, und zielstrebig an ihnen vorbeimarschiert, ohne sie eines Blickes zu würdigen: "Berlin, aber so was von!", heißt es und damit ist alles gesagt. Mit dem Einsatz von Musik geht Petzold ähnlich spärlich um. Ab und an ein bisschen Chopin, aber meistens übernimmt idyllisches Vogelgezwitscher oder das schlichte Ticktack einer Uhr die Aufgabe der "musikalischen" Untermalung.

    Das Aufregende an diesem Drama ist also definitiv das Nonverbale. Barbaras Reaktion zum Beispiel, wenn ihr Freund Jörg glaubt, ihr eine wahnsinnig tolle Liebeserklärung gemacht zu haben, in dem er ihr vorschlägt, für sie nach Ostdeutschland zu kommen, man könne doch bestimmt auch so glücklich werden. Die beiden haben in Wirklichkeit keine gemeinsame Basis. Anders Andre und Barbara. Offensichtlich fühlen sich beide zueinander hingezogen, spätestens die Ratatouille-Szene beweist es, vieles verbindet die beiden und obwohl sie zumindest ein ähnliches Schicksal zu teilen scheinen, bleibt ein gewisses Maß an Misstrauen.

    Ronald Zehrfeld in der Rolle des Andre ist in erster Linie der Grund dafür, dass neuer Wind in diesem Petzold-Hoss-Film weht. So eine bullige Präsenz - etwas salopp gesagt - gepaart mit einem Teddybärengesicht gibt es sonst nicht im deutschen Film. Aber auch wenn man Zehrfeld vielleicht nicht sofort mit der Rolle eines Akademikers in Verbindung bringt, und der Arztkittel tatsächlich etwas zu eng scheint, überzeugt er voll und ganz und für das Auge des Zuschauers tut sich langsam die Möglichkeit auf, Andres ruhige und gelassene Ausstrahlung könne Barbaras eigens errichtete Mauer tatsächlich zum Einstürzen bringen. Doch erst mal erkennt sie, dass sie sich das Recht auf freie Entscheidungen nicht unbedingt durch eine Flucht erkämpfen muss.

    Fazit: "Barbara" ist ein nüchtern erzähltes DDR-Drama aus der Qualitätsfabrik Petzold-Hoss. Besonders stark wird es durch seine nonverbalen Momente.

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