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Fakten und Hintergründe zum Film "Bank Job"

Fakten und Hintergründe zum Film "Bank Job"

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Der Einbruch

In den 60er Jahren gab es Flower Power, Studentenaufstände, die Grüne Revolution, die erste Landung auf dem Mond, die Beatlemania und Swinging London. Der Übergang in die „Ich-Dekade“, wie sie vonTom Wolfe genannt wurde, kündete vom Anbruch des Computer-Zeitalters, mit der Herstellung der Floppy-Disc und der Einführung des Mikroprozessors. Und Disco stand unmittelbar vor der Tür…

1971 war Großbritannien immer noch damit beschäftigt, die Sixties zu verdauen. Einkäufer kämpften mit der ungewohnten Einfachheit der neuen Währung, die auf das Dezimalsystem zurückgriff. Eineregelrechte Plage von Streiks zeichnete sich für die konservative Regierung unter Edward Heath ab. Zusätzliche Truppen wurden nach Nordirland entsandt, um der sich zunehmend verschlechternden Situation Einhalt geben zu können.An einem unscheinbaren Tag im September verbreitete sich die Nachricht von einem außerge- wöhnlichen Geheimnis.

Ein Amateurfunker, Robert Rowland, alarmierte Scotland Yard, dass er an seinem CB-Funkgerät einen Einbruch in einem Radius von 15 Kilometer im Herz von London aufgeschnappt habe, der gerade mitten im Gang sei. Rowland, der in der Wimpole Street lebte, hatte sein Funkgerät am Samstag, den 11. September, um Punkt 23 Uhr auf die Frequenz 27.15 Megahertz eingestellt, um Kontakt zu einem befreundeten Funker in Australien aufzunehmen. Er schnappte ein Gespräch zwischen Männern auf, die wie ein Team von Bankräubern und ihrem Ausguck auf einem nahe gelegenen Dach klangen. Er begann, die Konversationen aufzunehmen, während er der Polizei seinen Verdacht mitteilte.

Um zwei Uhr morgens beschloss ein leitender Beamter, den Bericht ernst zu nehmen und bestellte zur Funkaufspürung ausgerüstete Wagen, die die Herkunft der Gespräche ermitteln sollten. Als man dafür zuständige Postbeamte aus ihrem wohlverdienten Wochenende zusammengetrommelt hatte, war es bereits zu spät: Die Walkie-Talkie-Gespräche waren verstummt. Dennoch wurde die Suche intensiviert. Polizeibeamte kontrollierten 750 Banken im Londoner Stadt- gebiet. Vor allem die 150 Banken innerhalb eines Radius von einer Meile rund um die Wimpole Street wurden in Anschein genommen.

Am Sonntagnachmittag statteten sie auch der Lloyd’s Bank an der Ecke Baker Street und Marylebone Road einen Besuch ab. Sie konnten aber keinen Hinweis auf ein gewaltsames Eindringen entdecken. Die fast 35 Zentimeter dicken Türen des Tresorraums waren intakt und von einem Zeitschloss gesichert. Die Beamten konnten nicht wissen, dass sich die Einbrecher indiesem Moment noch in dem Tresorraum befanden.

Erst als die Bank ihre Türen am Montag wieder öffnete, wurde der Einbruch entdeckt. Der Inhalt einer Unmenge von Schließfächern war ausgeräumt worden. Es war der größte Bankraub in der Geschichte des Landes. Die Gang hatte einen 13 Meter langen Tunnel vom Keller von Le Sac, einem von der Bande angemieteten Laden für Lederwaren, gegraben – zwei Eingänge von der Bank entfernt.

Die Gangster buddelten sich unter dem benachbarten Chicken-Inn-Restaurant durch und setzten dann einen Brennschneider ein, um sich den Weg durch den ein Meter dicken Betonboden zu brennen. Der Boden war nicht an die Alarmanlage angeschlossen, weil man beim Bau davon ausgegangen war, dass er undurchdringbar sei. Acht Tonnen Geröll wurden bei dem Einbruch beiseite geschafft und hinter dem Laden abgeladen – wo man bei der Flucht auch denüberflüssigen Inhalt von 268 aufgebrochenen Schließfachboxen liegen ließ.

Der „Walkie-Talkie-Einbruch“, wie er fortan genannt wurde, war in seiner Durchführung einem anderen Raubzug verblüffend ähnlich: Der von dem legendären Baker-Street-Bewohner Sherlock Holmes in Sir Arthur Conan Doyles Kurzgeschichte „Der Bund der Rothaarigen“ aus dem Band „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“. Im wahren Fall von 1971 blieben allerdings viele Fragen offen. Nur vier Männer wurden im Zusammenhang mit dem Verbrechen verurteilt, ein Großteil der Beute wurde nie sichergestellt. Das meiste Diebesgut, das die Polizei finden konnte, wurde nicht zurückgefordert.

Für BANK JOB-Produzent Steven Chasman bedeutete die Recherche der Geschichte, dass er tief in die wahren Hintergründe des Verbrechens eintauchen musste. „Wenn man normalerweise an Männer denkt, die eine Bank ausrauben, dann sind das Kriminelle, aber in diesem Fall… Ich würde nicht so weit gehen und sie als Heilige bezeichnen, aber diese Jungs hatten eigentlich nicht vor, eine Bank leerzuräumen und sie haben auch keine Gewalt angewandt – das sagen wir auch im Film. Wir haben lange und intensive Nachforschungen angestellt – der Film kam viele Jahre nicht aus dem Entwicklungsstadium heraus. Bis wir unsere Nase in die Sache steckten, gab es niemanden, der die Leute, die wirklich in den Einbruch involviert waren, aufstöbern konnte. Sie waren einfach nicht zu finden. Der Hälfte von ihnen hatte man neue Identitäten verpasst, sie waren abgetaucht. Die andere Hälfte, so ließen uns unsere Quellen wissen, hatten das Zeitliche gesegnet.“ Er fährt fort: „Schließlich habe ich ein paar der Überlebenden aufgetrieben. Wir sprachen mit ihnen und ließen ihre Informationen so authentisch wie möglich in unser Drehbuch einfließen. Einer der damals beteiligten Herren – ein echt netter Kerl, der sich mittlerweile in seinen Siebzigern befindet – erzählte mir, dass sie sich mit der Polizei recht gut verstanden haben, weil es sich nicht um ein gewalttätiges Verbrechen gehandelt hatte. Sie hatten keine Waffen verwendet, niemand war zusammengeschlagen worden. Und damals gab es in der Tat so manche Kontroverse über Polizeikorruption.“

„Worüber nie jemals ein Gedanke verschwendet wurde: Was stecken die Menschen alles in ihre Schließfächer?“, überlegt Chasman. „Manchmal sind es einfach nur persönliche Erinnerungsstücke. Aber ziemlich oft kommt es auch vor, dass man in Schließfächern Dinge deponiert, von denen man nicht will, dass andere Menschen davon wissen. Wenn solche Schließfächer ausgeräumt werden, meldet sich niemand, weil sich nicht schlüssig erklären lässt, woher all das Geld stammt, woher all die Juwelen kommen, warum da Schusswaffen in den Fächern waren.“

„Einige der beteiligten Jungs haben unsere Dreharbeiten besucht, aber wir haben ihre Namen und ihre Identitäten geheim gehalten. Sie leben mittlerweile ein anderes Leben. Sie sind Eltern, Großeltern, haben einen neuen Weg eingeschlagen. Tatsächlich gab es ein paar kleinere Problemchen zu bewältigen, weil einer der damals Beteiligten als Berater bei uns angestellt war und nicht mit all den Erinnerungen an damals umgehen konnte. Er hatte das verdrängt und wollte all das nicht noch einmal Revue passieren lassen, weshalb er auf halber Strecke seine Dienste niederlegte. Aber unsere Überredungskünste brachten ihn nach einiger Zeit wieder an Bord. Ein wirklich netter Kerl…

Ich habe den Eindruck, dass die Ereignisse durch ihre Echtheit eine zusätzliche Relevanz erhalten.“ „Natürlich ist das Thema der Medienmanipulation ein zeitloses Thema. Das erlebt man in unserer Welt jeden Tag. Wir lesen eine Zeitung und sind überzeugt, dass da nur Tatsachen stehen. Wir haben herausgefunden, dass wegen der damals angeblich erlassenen D-Notice (kurz für Defence Notice – ein Mittel der Selbstzensur in Großbritannien, mit dem dafür gesorgt wird, dass gewisse Informationen nicht durch die Medien an die Öffentlichkeit kommen) nur bis vier Tage nach dem Einbruch darüber zu lesen war und danach kein Wort mehr in den Medien erwähnt wurde, abgesehen von Randnotizen über die Anklageerhebungen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Es kommt öfters vor, dass ich beim Taxifahren in London einen Fahrer erwische, der sich noch genau an den ‚Walkie-Talkie-Einbruch’ erinnern kann und weiß, was damals passiert ist. Sie kennen jemand von damals, der jemanden kannte, der seine Finger im Spiel hatte. Ich finde, das hat etwas Magisches. Wir haben es als unsere Aufgabe angesehen, diese Geschichte so echt und zugleich so zeitgemäß und modern wie möglich zu erzählen.“

Die Bedeutung der Lage der Bank war auch den Einbrechern durchaus bewusst. Es heißt, dass sie kurz vor ihrer Flucht folgende Nachricht auf die Innenseite einer Safewand geschrieben haben: „Mal sehen, ob Sherlock Holmes diesen Fall lösen kann.“

Produktion: Der Dreh

Als Roger Donaldson das Drehbuch zu BANK JOB von Charles Roven, der seinerzeit Donaldsons Cadillac Man (1990) produziert hatte, zugeschickt bekam, gefiel ihm sofort die Idee, endlich wieder einen Film in England drehen zu können, seinen ersten seit Die Bounty (The Bounty, 1984).

„Mir gefiel, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Es gibt viele interessante Details, die mit dem Einbruch zusammenhängen. Mein Vater wurde in England geboren, ich habe einen britischen Pass, mein Sohn lebt in London. Ich hatte also richtig Lust, einen Film dort zu drehen“, erzählt der in Australien geborene Regisseur. „Einer der tollen Sachen beim Dreh in England ist die großartige Menge an wirklich guten und talentierten Schauspielern. Der Besetzungsprozess ist ein reines Vergnügen. Für mich geht es in dem Film darum, wer mit dabei ist. Die fantastische technische Expertise der Crews darf man nicht vergessen. Ich würde sagen, das war eine der besten Crews, mit der ich jemals gearbeitet habe.“

Produzent Roven konnte es nicht erwarten, wieder mit Donaldson zu arbeiten: „Es ist großartig. Roger ist der perfekte Regisseur für diesen Film. Er hat so viele unterschiedliche Arten von Filmen in seiner Karriere gemacht. Er hat Thriller gedreht, Charakterstücke, Actionfilme… und er hat wahre Geschichten verfilmt, wahre und herzerwärmende Geschichten wie seine jüngste Arbeit Mit Herz und Hand (The World’s Fastest Indian, 2005). BANK JOB ist ein Film, in dem all seine Stärken zum Tragen kommen, der Elemente von allem, was er bisher gemacht hat,in sich trägt. Er ist spannend, er hat ein beträchtliches Maß an aus dem Leben gegriffenenHumor, und die Figuren sind wirklich interessant.Ein Teil von uns steckt in allen von ihnen.“

„Ich fand, dass es von vielen verschiedenen Standpunkten her ein interessanter Film werden würde“, gesteht Donaldson. „Es macht mir Spaß, einen Blick darauf zu werfen, was die Gesellschaft ticken lässt. Mich interessierten die wahren Fakten, die Geschichte der Ära, der Zeit und ihrer Politik. Ich bin mit englischem Fernsehen aufgewachsen. Die Briten haben einen ganz bestimmten Sinn für Humor, der mich immer angesprochen hat und den ich sehr gern mag. Die Drehbuchautoren Dick und Ian haben sich genau damit einen Namen gemacht. Ich wiederum, schätze ich, habe meinen Ruf als Experte für Politthriller mitgebracht, mit Filmen wie No Way Out – Es gibt kein Zurück (No Way Out, 1987) und Thirteen Days (2000). Mir gefiel an dem Drehbuch, dass es von echten Menschen und echten Ereignissen inspiriert ist und dass es zur Zeit einer Periode in der englischen Geschichte spielt, die in meinen Augen einzigartig ist. Viele der Figuren in der Geschichte sind einzigartig in Bezug auf die Rolle, die sie in ihr spielen.“

„Ich persönlich liebe den Aspekt der Recherche“, sagt Donaldson. „Da kann ich mich förmlich darinversenken. Ich habe sämtliche Zeitungen der Zeit studiert, stöberte durch das Nationalarchiv, immer auf der Suche nach Fakten, die seit damals, seit 1971, von niemandem wahrgenommen wurden.“ „Wir lebten damals in London“, berichtetDrehbuchautor Dick Clement. „Wir konnten uns noch an die Schlagzeilen über die Funkgeräte erinnern. Erst als wir mit unseren Recherchen begannen, entdeckten wir, dass die Geschichte sehr schnell komplett von den Medien gekippt wurde. Sie sorgte ein paar Tage für Furore und verschwand dann komplett vom Radar. Natürlich hatte man keine Ahnung von den möglichen Hintergedanken und Zusammenhängen, die sich im Film finden, da ganz viele Aspekte überhaupt erstmals zu Tage gefördert wurden. Wieviel davon tatsächlich exakt so ist, wie es damals war, weiß ich nicht. Das müssen andere Leute entscheiden.“

Ian La Frenais gefiel die Atmosphäre der damaligen Zeit, die der Geschichte eine ganz eigene, unverkennbare Note gibt. „Viele Einbruchsfilme und Heist-Movies, die heute gedreht werden, sind von High-Tech-geschulten Menschen abhängig, die sich mit Computern in Sicherheitssysteme hacken. In unserem Film geht es um einen altmodischen Einbruch, mit Spitzhacke und Schaufel, sich ins Erdreich graben, Bankmauern durchbrechen und die Schließfächer mit Brecheisen knacken!“

Clement führt aus: „Es ist faszinierend, dass sich die damalige Geographie bis heute nicht im geringsten verändert hat. Man kann jetzt im Moment die Baker Street besuchen und man wird den Laden finden, von dem aus der Tunnel gegraben wurde. Mitten drin ist immer noch ein kleines Chicken Inn. Vielleicht heißt das heute nicht mehr so, aber es ist immer noch ein Schnellimbiss. Ansonsten sieht es noch genauso aus wie damals.“ „Eine Zeitlang überlegten wir uns, den Film in Australien zu drehen“, sagt Steven Chasman.

Melbourne sieht europäischen Metropolen sehr ähnlich. Es ist einfach recht teuer, vor Ort in London zu drehen, aber um der Authentizität willen haben wir uns das schließlich geleistet. Die Schauspieler sind sehr gut, die Techniker ebenso. Das hat dem Film gut getan. Und natürlich spielt die Handlung in London, und deshalb haben wir dann auch dort gedreht. Die größte Herausforderung bestand darin so viel wie möglich auf die Leinwand zu packen. Und es hat sich gelohnt, weil es eine ganz fabelhafte Erfahrung war.“

Szenenbildner Gavin Bocquet war mehr als bereit, sich der Herausforderung zu stellen: „In London Drehorte zu finden, die sich in den letzten 35Jahren so wenig verändert haben, dass sie sich fürunser Unterfangen eigneten, war gar nicht so einfach. Wir mussten 60 bis 70 passende Drehorte finden und hatten nicht allzu viel Geld zur Verfügung. Man muss an einem Strang ziehen, meine Abteilung, der Regisseur, der Kameramann, in unserem Fall Michael Coulter, um herauszufinden und abschätzen zu können, was genau sich an den einzelnen Drehorten drehen ließ.“

„Als ich eine unserer Drehbuchfassungen überschlug, kam ich auf 76 Drehorte. Das sind ungefähr doppelt so viele wie üblich“, sagt Aufnahmeleiter Giles Edelson. „Ich erinnerte mich an einige Locations, die ich in der Vergangenheit bereits benutzt hatte. Nicht eine davon existiert heute noch – London ist eine einzige riesige Baustelle. Aberschließlich stöberten wir doch einige neue Orte auf, wie den Pigalle Club in Piccadilly. Es ist immer gut,wenn man in einer Location filmen kann, die noch nicht in anderen Produktionen zum Einsatz gekommenist.“

Gavin Bocquet stimmt dieser Betrachtung zu: „Esbedurfte einer gewaltigen Anstrengung, all die kleinen Flecken in London zu finden, die man als 70er Jahre drehen kann, ohne großartig in die bestehende Struktur einzugreifen. Aber wir haben viel Arbeit in unsere Recherchen über die Ära gesteckt. Wir hatten ziemlich gutes Filmmaterial der BBC zur Verfügung, speziell vom Bankraub selbst, sodass wir uns einen Eindruck davon machen konnten, wie es zwei oder drei Tage danach aussah.“ Er fährt fort: „Roger war es wichtig, die komplette Raubsequenz absolut nahtlos aussehen zu lassen. Eine Herausforderung, weil wir, wie das üblich ist, an verschiedenen Plätzen, teilweise Locations, teilweise in einer Studiohalle, drehen mussten. Wir hatten lange Diskussionen darüber, wie wir die Aufgabe am besten meistern würden. Am Ende ließen wir die Kameras in einer Straße auf einem Außenset in den Pinewood Studios und in drei Sets auf einer Studiobühne in Ealing, darunter den Tunnel und den Keller von Le Sac, laufen. Dazu kam eine weitere Location, der Banktresor, den wir in der alten Bethnal Green Town Hall aufbauten. Wir hatten aber gute Vorlagen zur Referenz, entweder von der BBC oder von Fotos der Polizei, die am tatsächlichen Tatort geschossen wurden. Roger hat die Sequenz in einer Art und Weise zusammengesetzt, dass man als Zuschauer überzeugt ist, der Tresor, der Tunnel, das Grabgewölbe und der Keller von Le Sac befänden sich unter den Läden. Das ist exakt die Illusion, die man erschaffen will. Niemand wird es wirklich zu schätzen wissen, wie viel Mühe es uns gekostet hat, dieses Ziel zu erreichen. Wenn alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben, dann wird jeder denken, dass das Gezeigte echt ist.“

Die Produktion legte im Verlauf ihres zehnwöchigen Drehs eine gewaltige Strecke zurück. Die Drehorte reichen von luxuriösen Wohnungen in Bayswater hin zu Werkstätten im East End, von halbseidenen Pubs und Clubs hin zu illustren Holz vertäfelten Büros, von den Royal Courts of Justice hin zum Historic Naval Dockyard in Chatham. Die Szenen in der Londoner U-Bahn wurden in der stillgelegten Haltestelle in Aldwych gedreht, und an zwei denkwürdigen Tagen belegte die Produktion die Platform One in der betriebsamen Paddington Station in London, inklusive einer echten Lokomotive mitsamt Wagons aus dem Jahr 1971 – das erste Mal in der Geschichte, dass eine Filmproduktion einen eigenen Zug zum Dreh in dem Bahnhof mitgebracht hatte.

„Die Tatsache, dass man in Paddington selbst und noch dazu auf einem Bahnsteig drehen kann, ist außergewöhnlich“, sagt Hauptdarstellerin Saffron Burrows. „Man konnte Jogginganzüge ins Bild laufen sehen und scheußliche orangefarbene Gepäckstücke – schon erschreckend, wenn das einen Einblick gibt, wie sich unsere Vorstellung von Design entwickelt hat. Man sah also den einen oder anderen realen Passanten, der sich ins Bild verirrte und dann von Leuten der Produktion verscheucht werden musste. Es war wunderbar!“

Produktion: Die Figuren

„Wir mussten sie erfinden, einfach weil so viele Typen aus den unterschiedlichsten Schichten und Berufszweigen involviert waren“, erklärt Ian La Frenais. „Sie waren keine erfahrenen professionellen Kriminellen, sondern Randfiguren in der Londoner Unterwelt. Ehrlich gesagt waren sie eher kleine Fische in der Nahrungskette, und sie wurden zu den Hauptfiguren des erfolgreichsten Bankraubs in der Geschichte Großbritanniens. Das ist außergewöhnlich.“

Dick Clement meint: „Uns wurde vertraulich gesagt, dass ‚Terry’ ein Gebrauchtwagenhändler mit einem etwas zweifelhaften Geschäft war. Mit der selbenVertraulichkeit steckte man uns, dass ‚Kevin’ – dem wir wie allen anderen beteiligten Personen einen fiktiven Namen verpassten – ein Fotograf war, eine Art Möchtegern-David-Bailey, aber nicht ganz in dessen Liga. Und ganz offensichtlich war eine Frau mit von der Partie, denn in allen Polizeiberichten steht etwas davon, dass man da unten auch eine Frauenstimme gehört habe. Also haben wir Martine erfunden. Wenn man so will, dann haben wir uns die Freiheit genommen, die Punkte miteinander zu verbinden. Dave ist eine komplette Erfindung von uns, das Gleiche gilt für Bambas. Ganz sicher gab es eine Figur wie ‚Major’, weil sie jemand mit dem richtigen Akzent brauchten, um an den Mietvertrag mit dem Laden zu kommen. Wir haben also genommen, was man uns gegeben hat, und sind einfach damit losgerannt.“

„Vogel basiert auf einer echten Figur“, führt La Frenais weiter aus. „Aber auch er ist eine Erfindung unsererseits. Allerdings mit einem real existierenden Vorbild, das ein kleines Porno-Imperium leitete, lange vor DVDs und der Pornoindustrie, wie man sie heute kennt. Damals drehte sich alles um kleine Läden, in denen man freizügige Herrenmagazine kaufen konnte, und Stripclubs. Und die Lady, die das Bordell führt, basiert auf einer Dame, die mittlerweile jeder kennt.“

Er erklärt weiter: „Michael X wurde als politische Größe wahrgenommen, was aber jeder Grundlage entbehrte. Es gab eine Verbindung zwischen ihm und Hausbesitzern in den Slums, was ein paar Jahre in die Zeit von Christine Keeler und den Profumo-Skandal zurückreicht, der einen gewissen Einfluss auf unsere Geschichte hatte. Die Geheimdienste waren regelrecht panisch, dass es einen neuen Skandal geben könnte.“ Clement stimmt seinem Kollegen zu: „Es stimmt wohl auch, dass Michael X versuchte, sich ziemlich clever Vorteile zu schaffen, indem er seine schwarze Hautfarbe als Trumpfkarte benutzte und sich als Black-Power-Figur gerierte, was ihm Zuspruch von den Liberalen einbrachte. Wenn man ehrlich ist, muss man aber zugeben, dass er eine wirklich miese Type war.“

Schauspieler Peter de Jersey erinnert sich: „Das waren ziemlich gewalttätige Zeiten für die Menschen. Michael X war ein Betrüger und Gangster und erst in zweiter Linie ein ehrgeiziger Anführer des schwarzen Mannes, der irgendwann anfing, an seinen eigenen Mythos zu glauben. Als er sich in Trinidad aufhielt, wurde er gefragt, ob er ein Sozialist sei. Seine Antwort war: ‚Nein, wenn sie nach meiner politischen Linie fragen, müssen sie eher in den Dimensionen von Napoleon und Hitler denken.’“

Michael X wird eine der Schlüsselfiguren in der Geschichte von BANK JOB, als er droht, Fotos einer Königlichen Prinzessin zu veröffentlichen, die er bei einer höchst kompromittierenden Orgie schießen ließ und in einem Schließfach der Lloyds Bank in der Baker Street deponiert hatte. Produzent Charles Roven sagt: „Die Geheimdienste MI5 und MI6 beschlossen, dass ein Bankeinbruch genau das Richtige wäre, um unter dem Deckmantel eines Verbrechens unauffällig in den Banktresor zu gelangen und der Fotos habhaft zu werden. Mit deren Hilfe wollte man Michael X das Handwerk legen und ihn aus dem Verkehr ziehen. Es ging immer um diese Fotos. Sie sind der Grund, warum die ganze Handlung in Bewegung gesetzt wurde.“

Die Hauptrolle als Terry Leather spielt Jason Statham. Roger Donaldson outet sich gerne als großer Fan: „Ich halte Jason für einen ungemein charismatischen Schauspieler, das hat er bereits in einer ganzen Reihe unterschiedlichster Filme bewiesen. Es ist immer schwierig, genau zu definieren, was einen Star ausmacht. Bei Jason ist es eindeutig sein Charisma. Ich sehe ihn als die britische Antwort auf Steve McQueen – er hat etwas Grüblerisches an sich, das ich ganz wunderbar finde. Er stellt mit wenig sehr viel an. Er hat eine gute Stimme. Zusammengenommen macht ihn das zu dem einzigartigen Schauspieler, der er ist. Man kann ihn mit keinem Anderen auf der Leinwand vergleichen.“

Produzent Roven stimmt zu: „Er wollte die Rolle in BANK JOB spielen, weil sie es ihm erlaubt, all seine Qualitäten auszuspielen. Er kann den harten Kerl rauskehren, wo es nötig ist. Er darf clever sein, wenn er den Bankraub ausarbeitet. Er darf den Jungen aus der Nachbarschaft spielen. Er darf seine romantische Ader zeigen, da kommt ihm das Dreieck zwischen ihm, seiner alten Flamme Martine und seiner Frau und Familie entgegen. Er gibt zahlreiche Konflikte und emotionale Situationen, die er meistern muss. Dabei kann er seine beachtlich große Bandbreite als Schauspieler unter Beweis stellen. Jason ist ein Typ, der all das drauf hat. Dazu kommt noch, dass man ihn eigentlich sofort mag. Er hat eine so große Ausstrahlung auf der Leinwand, die regelrecht anziehend wirkt.“

Und er meint: „Es besteht überhaupt keine Frage, dass der Film niemals hätte gemacht werden können, wenn es nicht Jasons Zusage gegeben hätte, dass er Terry Leather spielen will. Wir brauchten seine Unterstützung unbedingt, und er war mehr als bereit, sie uns zu geben. So oft kommt es ja auch nicht vor, dass man als Schauspieler an ein Drehbuch kommt, dass so viel Spaß macht und so gut geschrieben ist, wie es Ian und Dick gelungen ist, und dass man mit jemand wie Roger Donaldson arbeiten kann, der ein vollkommener Regisseur ist, mit den größten Stars der Welt gearbeitet hat und viele großartige Filme auf die Leinwand gebracht hat. Es war elektrisierend für uns alle, gemeinsam an diesem Film zu arbeiten. Und Jason war immer in vorderster Linie mit dabei.“

Statham genoss die Möglichkeit, als Schauspieler wieder etwas anderes zu machen als eine der Actionrollen, für die er berühmt ist: „Dieser Film hat mir zum Glück nicht das Letzte abverlangt, was Stunts anbetrifft. Anstatt einer Knarre darf ich zur Abwechslung ein Glas Bier in der Hand halten. BANK JOB dreht sich nicht um wilde Action. Man sieht nicht, wie ich mich von einem Helikopter abseile oder andere albernde Dinge tun muss, für die man mich sonst gut bezahlt. Hier handelt es sich vielmehr um einen klugen und durchdachten Thriller, der mit ein bisschen Action garniert wird. Ich muss mir auch hier die Ärmel hochkrempeln, aber nur aus den richtigen Gründen. Alles hat seine Berechtigung. Die Motivation für die Action am Ende des Films ist deshalb da, weil einer unserer Freunde ermordet wird und wir mächtig in der Klemme stecken. Ich bin mir sicher, dass das Publikum voll darauf abfahren wird.“

„Martine wird von Saffron Burrows gespielt, die eine ebenso schöne wie tolle Schauspielerin ist“, betont Roger Donaldson. „Sie verkörpert eine Figur, deren Karriere sich vielleicht ein kleines bisschen mit ihrer eigenen vergleichen lässt. Sie selbst war ja auch einmal ein fabelhaftes Model, das sich dann an der Schauspielerei versucht hat. Ich halte sie für perfekt für die Rolle.“ Und Saffron Burrows meint: „Martine Love ist eine Frau, die – und da ist sie mir durchaus ähnlich – ihr altes Leben hinter sich gelassen und den Schritt in ein neues Leben gewagt hat. Sie und Terry verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die mir deshalb so gut gefällt, weil sie nicht weiter definiert wird. Die Autoren haben gut daran getan, nicht weiter zu vertiefen, was damals wirklich zwischen ihnen vorgefallen ist.“

Dick Clement und Ian La Frenais waren begeistert, dass Saffron Burrows besetzt wurde. „Wir trafen sie in Los Angeles im Four Seasons“, sagt La Frenais. „Uns war sofort klar, dass sie die Richtige für unseren Stoff war – die Stimme, ihre Einstellung, ihr Aussehen – sie entsprach genau unseren Vorstellungen eines Mädchens aus den Sixties.“ Und Clement merkt an: „Wir hatten vor ein paar Jahren schon einmal mit ihr gearbeitet, an der Serie ‚Full Stretch’. Wenn ich mich nicht täusche, war das damals ihre erste Sprechrolle. Sie hat diese wunderbare Mischung aus großartigem Aussehen und einem authentischen Londoner Akzent. Genauso hatten wir Martine angelegt.“

Der aufstrebende Bühnen- und Leinwandstar Stephen Campbell Moore ist als Terrys bester Kumpel Kevin zu sehen, ein ehrgeiziger Fotograf. Er erzählt: „Er gehört zu Terrys Gang. Als Terry ihn bittet, bei dem Einbruch mitzumachen, lässt er sich überreden. Er wäre gerne ein bisschen wie David Bailey. In Wahrheit macht Kevin aber nur selten Modefotos. Meistens schießt er Passfotos und solche Sachen. Vermutlich ist er nicht wirklich so gut, wie er das selbst gerne glauben würde. Kevin hatte immer eine Schwäche für Martine. Vor Jahren hat er Fotos von ihr gemacht, die immer noch seine Wände schmücken. Er denkt, dass da immer noch etwas läuft zwischen ihm und ihr. Tatsächlich gab es nur eine gemeinsame betrunkene Nacht damals. Sie ist längst darüber hinweg und hat es vergessen.“

„Ich spiele Dave Shilling, der zu Terry Leathers engem Freundeskreis gehört“, sagt Daniel Mays. „Er ist Mitglied der Crew, die den Bankeinbruch plant. Er ist ein liebenswerter Kerl und hat auch schon einmal in einem Porno mitgespielt. Die Szenen dafür drehten wir gleich am ersten Tag. Für mich war das einer der Höhepunkte, danach konnte es ja nur noch bergab gehen. Nein, im Ernst, es war großartig. Er ist auch ein Platzhalter für Filmstars bei Dreharbeiten. Und er ist immer modisch gekleidet und hält sich für einen angesagten Hecht, der mit seiner Schlagfertigkeit punktet. Für ihn kommt die ganze Sache nicht unbedingt zu einem guten Ende.“

Der offensichtliche Bösewicht der Geschichte ist Lew Vogel, gespielt von David Suchet, ein renommierter Charakterschauspieler und internationaler Fernsehstar dank seiner Darstellung des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot, den er seit 1989 mehr als 60 mal gespielt hat: „Vogel ist eine sehr unangenehme, zwielichtige Type, ein typischer Junge aus dem Londoner East End, der im Rotlichtmilieu groß geworden ist und beschloss, Geld auf Kosten der damals nach London strömenden Immigranten zu machen und gleichzeitig die Geschicke der Porno-Industrie in Soho zu lenken.Ein nicht im geringsten netter Mann. Die Zeiten der Londoner Mafia in den Dreißiger- und Vierzigerjahren sind noch nicht so lang vorbei, er ist gewissermaßen ein Auswuchs dieser Ära, ein sehr gefährlicher Mann.“

Außerdem sagt Suchet: „Die Arbeit mit Roger war ein einziges Vergnügen. Er ist ein Schauspielerregisseur, wirklich. Er mag es, wie wir arbeiten, und er mag es, wie wir denken. Er mag es, die Figuren mit uns auszuarbeiten und mit uns zu erschaffen. Er unterstützt einen, wo er nur kann, und weiß, was er will, und ermutigt uns, unser Bestes abzuliefern. Er ist ein wunderbarer Regisseur.“

Produktion: Der Look von 1971

Kostümdesignerin Odile Dicks-Mireaux bestätigt, dass für den Film viel Aufwand für die Recherchen des Looks der damaligen Zeit betrieben wurde. Neben ihrer Abteilung waren auch die Haar- und Makeup-Abteilung und das Art-Departmentinvolviert. „Uns lagen Filmaufnahmen der damaligen BBC- Nachrichten vom tatsächlichen Bankeinbruch vor, was sehr interessant war – ein blutjunger John Humphrys, der von außerhalb der Lloyds Bank berichtete. Man konnte an der Kleidung der Menschen sehen, dass das, was man gemeinhin mit den 70er Jahre Heist-Movies in Verbindung bringt, tatsächlich nicht viel mit den Seventies zu tun hat. Die ganz normalen Menschen sehen so aus, als würden sie immer noch ein bisschen in den Sechzigern feststecken. Das behielt ich als Maßgabe bei der Arbeit an den Kostümen immer im Hinterkopf. Jeder einzelnen Figur ordnete ich eine berühmte Persönlichkeit der Ära als Referenzpunkt für ihren Look zu.“

Sie erzählt weiter: „Ich machte mich bei meinen Recherchen ein bisschen mit der Welt der Kleinstverbrecher vertraut. Meine Idee für Jason, mit dem ich mich eingehend unterhielt, war ein Look, der todschick, sauber und den Sechzigern verhaftet sein sollte – und nicht im Geringsten mit den Siebzigern zu tun hatte. Das entspräche seiner Vorstellung, wie ein Mann seiner Klasse aussehen sollte.“

„Kevins Stil basiert auf David Hemmings und David Bailey“, berichtet Dicks-Mireaux. „Also besorgten wir uns einen Stapel Fotos von 1971 und ein bisschen älter und sahen uns den Look von damals an. Ein bisschen muss man an die Rolling Stones denken, wenn man ihn sieht. Dannys Vorbild wiederum ist George Best. Im Drehbuch gibt es einen kleinen Kommentar, bei dem sie sich über Dannys Klamotten lustig machen. Das passt zu George Best, der auf breite Krawatten und große Krägen stand. Das ergab auch einen guten Kontrast zu dem lässigen Look von Kevin.“

„Martine basiert auf Jean Shrimpton“, fährt die Kostümbildnerin fort. „Wendy Leather ist dagegen der Cynthia-Lennon-Typ, viel mehr Sixties als Martine es ist, die immer mit der aktuellsten Garderobe ausgestattet ist, weil sie Zugriff zu den neuesten Schnitten hat und immer nach dem letzten Schrei bekleidet ist. Sie war ein Model, ist es also gewohnt, immer verkleidet zu sein – man weiß nie genau, wer sie ist und was für ein Spiel sie spielt. Das war ein wichtiger Aspekt ihrer Garderobe. Ein bisschen musste ich bei ihr auch an Jane Birkin denken, ein passendes Image für sie, wie ich finde. Und bei Ingrid, die für Terry arbeitet, hatte ich Cilla Black oder Lulu im Hinterkopf.“

Generell meint sie: „Mit diesen Maßgaben haben wir mit unserer Arbeit angefangen. Von Roger kam der Hinweis, es mit der damaligen Ära nicht zu sehr zu übertreiben. Man sollte sie eher spüren als sehen, die Aufmerksamkeit sollte nicht zu sehr auf die Zeit gelenkt werden. Gleichzeitig warfen wir auch einen Blick auf die Mode von heute – gerade im Moment lassen sich gewisse Elemente aus den 60er und 70er Jahren in der Mode nicht von der Hand weisen. Wenn man sich dann also der Zeit von damals zuwendet, muss man immer vor Augen haben, was dem Publikum von heute an der damaligen Mode gefallen könnte und was es gerne sehen will.“

Farben spielten eine wichtige Rolle, erklärt Szenenbildner Gavin Bocquet: „Was den Look des Films anbetrifft, war es Roger besonders wichtig, dass ein bodenständiger, eher kantiger Eindruck entsteht. Wir wollten kein sommerliches, leichtes Feeling, und das arbeiteten wir mit unserem Farbschema heraus. Die Töne sind gedeckt und wir setzten auf tertiäre Farben, wie man sie in den 60er Jahren immer wieder entdecken kann. Manchmal erlaubten wir uns grelle Kontraste wie das ‚Chicken Inn’ mit seinen strahlenden und hellen Farben. Aber im Grunde haben wir versucht, rein farblich einen stark geerdeten Film zu machen.“

Für Kostümdesignerin Dicks-Mireaux ging es darum, der eigenen Welt der jeweiligen Figur mit ihrer Garderobe Ausdruck zu verleihen: „Da gibt es also die Clubwelt und all diese Cocktailkleider. Die Bedienungen sind auffällig gekleidet, man sieht Abendanzüge, alles ist kristallen. Dann bewegt man sich zu der Andre-Deutsch-Party, der Welt von Michael X, von Vanessa Redgrave, mit ihren gewagten und helleren Farben. Wir haben sorgfältig darüber nachgedacht, wie man die Geschichte ganz klar erzählen kann, weil wir über ein großes Ensemble verfügen und man schnell den Überblick verliert, wenn nicht alles ganz spezifisch dargestellt wird.

Die Polizisten tragen bei mir beispielsweise cremefarbene Hemden, während ich die Agenten des MI5 ganz absichtlich in weiße Hemden steckte – man kann sie durch diesen subtilen Unterschied also bereits unterbewusst auseinander halten. Es ist einfach eine endlose Abfolge grauer Männer in Anzügen und Jacken und Hosen, und man muss sein Möglichstes tun und Wege finden, wie man es für das Publikum einfacher macht, den Einzelnen jeweils der richtigen Gruppe zuzuordnen.“

Dank ihrer Rolle als ehemaliges Model erhielt Saffron Burrows einen ganz eigenen unverkennbaren, aber klar nach der jeweiligen Situation aufgeschlüsselten Stil: „Sie hat einen ‚Heathrow-Ankunftshalle- Look’. Dann hat sie einen Look für die Clubs, sie hat einen Hochzeitslook und einen Andre-Deutsch- Look – gewisse Stile mussten einfach sein. Im Club trägt sie beispielsweise Haute Couture, ein Outfit, wie es von Lanvin geschneidert sein könnte. Hat Klasse und ist sehr schick.“

Sie meint zudem: „Saffron hat auf eigene Faust David Bailey aufgesucht und sich mit ihm über die Models der Zeit unterhalten und gefragt, ob sie, als Mädchen aus dem East End, einen durchgängigen Look tragen sollte. Oder ob sie als jemand, der Zugriff auf die neuesten Schnitte hat, eher dazu neigen würde, ständig neue Looks zu adaptieren. Er meinte, dass sie das machen könnte, wenn sie wollte. Wenn man all diese Kleider geschenkt bekommt, dann zieht man sie auch an. In der Hochzeitsszene trägt sie also einen grünen Hosenanzug aus Samt, nach dem Vorbild von Bianca Jagger – Frauen trugen damals mit Vorliebe Hosen. Darunter hat sie eine wunderschöne Chiffonbluse angezogen, die Kopie eines Originals von Ossie Clark, die wir für Saffron ein bisschen umgearbeitet haben. Ihr Outfit am Flughafen basiert auf einem Foto von Twiggy, wie sie in Heathrow ankommt. Darauf trägt sie weite Leinenhosen und ein sehr locker sitzendes Top. Und wenn sie in der Bank loszieht, um die Perlen einzusammeln, tut sie das in einem französisch anmutenden Look – Navy mit cremefarbenem Flanell, ziemlich schick.“

Der Mantel, in dem man Saffron Burrows gegen Ende des Films immer wieder sieht, gehört ihrer Mutter und stammt tatsächlich aus der Periode, in der der Film spielt. Es ist ein besonders langer Mantel von Biba, und sie sieht fantastisch darin aus. „Meine Mutter trug ihn, als sie mit mir schwanger war“, bestätigt Saffron. „Es war total lieb, weil Odile auf Ideen wie diese total abfuhr. Es war ganz wunderbar, sich solche Sachen einfallen zu lassen und so viele originale Kleidungsstücke wie möglichzu benutzen.“

„Wir finden Originale und kopieren sie, speziell für Saffron, eigentlich für alle Mädels“, sagt Odile Dicks-Mireaux. „Für sie haben wir ziemlich viele Teile hergestellt. Die Männer hatten etwas mehr Glück. Ein paar Stücke haben wir für sie gemacht, ein paar haben wir aufgestöbert. Das war ziemlich gut. Wenn man sich die Anzüge von Stephen, Danny, Lew Vogel und Terry ansieht, wird man feststellen, dass sie allesamt grundlegend verschieden sind. Sie haben diesen ganz besonderen Look. Und wir benutzten viel Mohair-Stoff, der original aus der Zeit stammt. Alle Anzüge wurden aus originalen Stoffen geschneidert. Das ist ein großer Vorteil. Und die Männer haben es sehr genossen, sie zu tragen. Die Nähe zu der Ära, in der unser Film spielt, gab ihnen ein ganz unmittelbares Gefühl für ihre Figuren und die Zeit.“

Die Männerfrisuren der frühen 70er Jahre spielten ebenfalls eine wichtige Rolle, wie Haar- und Makeup-Designerin Kirstin Chambers betont: „Viele der Schauspieler, die für den Film besetzt wurden, hatten ausgesprochen moderne Haarschnitte. DerStil ist völlig anders, die Länge ist völlig anders.Vielen mussten wir also Perücken und Bärte anpassen – Koteletten und Schnauzer, das gehört alles mit dazu. Wenn die Silhouette und die Form passen, dann wirkt das Wunder: Man wird geradewegs in die damalige Zeit transportiert. Gemeinsam mit der Garderobe bekommt der ganze Look auf diese Weise seinen entscheidenden Schliff.“

Sie erklärt weiter: „Der Look muss grundsätzlich ziemlich natürlich wirken. Obwohl der Film eigentlich im Jahr 1971 spielt, haben wir uns auf einen Look geeinigt, der eher den späten Sechzigern entspricht. Bei den Mädchen bedeutet das, dass falsche Wimpern und stark betonter Lidschatten für den für die Ära typischen Smokey-Eyes-Effekt zum Tragen kamen. Aber für all die verschiedenen Typen haben wir dennoch jeweils einen eigenen spezifischen Look gefunden. Martine ist viel mehr auf der Höhe der Zeit. Sie sieht aus, wie man es als typisch für 1971 empfinden würde und ist viel glamouröser und eleganter. Sie hat die Wimpern und benutzt Liner – und sie hat natürlich ein ohnehin ziemlich fantastisches Gesicht. Im Gegensatz dazu steht Dave Shillings Mutter, die unauffällig aussieht und vom Aussehen her eher an die frühen 60er Jahre erinnern würde. Ihr Look ist natürlich und sie benutzt viel weniger Makeup.“

BANK JOB wurde mit den fortschrittlichsten High-Definition-Digitalkameras gedreht. Und das stellte das Produktionsteam vor ein paar interessante Herausforderungen. Kirstin Chambers erklärt: „Das Bild ist deutlich schärfer als auf Film. Also fällt Makeup viel stärker auf, man kann bei Perücken die Knüpfung ausmachen. Selbst Haar sieht superecht aus.“ Für Regisseur Roger Donaldson hat die neue Technologie aber auch deutliche Vorteile: „Dies ist der erste Film, den ich mit HiDef gedreht habe. Und natürlich gehört HiDef die Zukunft. Man hat die einzigartige Gelegenheit, schon während des Drehs genau zu sehen, wie das fertige Resultat aussieht. Es ist nicht ganz einfach, mit der Technologie zu arbeiten, aber mitzuverfolgen, was man macht, wie bei der digitalen Fotografie, das ist ein klares Plus. Unser Kameramann Michael Coulter ist wirklich talentiert, er hat bei ein paar großartigen englischen Filmen das Licht gesetzt. Ich glaube, dass es ihm nicht anders geht als mir und er die Herausforderung genießt.“

„Offenkundig hat sich die Technologie in den letzten fünf oder zehn Jahren stark durchgesetzt. Ich habe bereits an einigen Hi-Def-Filmen gearbeitet“, berichtet Ausstatter Gavin Bocquet. „Viel ändert sich dadurch nicht. Als negativen Aspekt könnte man nennen, dass die Tiefenschärfe viel länger ist als üblich und Objekte viel schneller in den Fokus rücken. Man muss also aufpassen, wie man Gegenstände in mittlerer und weiter Entfernung bearbeitet. Wir arbeiten in einer Welt der Illusion, also arbeiten wir eigentlich so, wie man das fürs Theater gelernt hat. Und natürlich ist es offensichtlich, dass man vorsichtig sein muss, wenn die Dinge näher kommen und in feineren Details zu sehen sind.“

Er meint weiter: „Der Vorteil ist, dass man beim Dreh einen Monitor verwendet, auf dem das Bild kristallklar ist. Also kann jeder in jeder Abteilung vor Ort mitverfolgen, was gedreht wird. Wenn man ein Problem entdeckt, lässt es sich sofort bewältigen. Früher war es so, dass das Monitorbild sehr unscharf war, also musste man auf erste stumme Filmkopien warten, um sich ein genaues Bild zu machen. Und dann war es meistens zu spät, etwaige Fehler zu korrigieren. Ich würde also sagen, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen.“

Die Schauspieler standen durch den Dreh auf HiDef vor völlig anderen Herausforderungen. Saffron Burrows sagt: „Es gibt Aspekte an HiDef, die ich mag. Aber die Tatsache, dass die Digitalkamera gnadenlos ist, ist nicht unbedingt etwas, das mir als Schauspielerin zusagt. Sie ist nicht so gnädig wie das menschliche Auge. Das menschliche Auge konzentriert sich auf etwas und lässt alles darum etwas unscharf wirken. HiDef ist dagegen nicht im Geringsten wie der Pinsel eines Malers oder das Auge eines Fotografen. Es ist einfach klinisch klar. Ich vermute, dass es auch Vorteile gibt – unter anderem, dass Roger nach Drehschluss nachts nach Hause gehen konnte, wusste, dass alle Aufnahmen scharf sind, und dann gut schlafen konnte. Also ist es offenkundig, dass digital der Weg der Zukunft ist. BANK JOB war mein zweiter Film mit HiDef – und was mir gefällt, ist die Geschwindigkeit, mit der sich arbeiten lässt. Das ist eine tolle Sache.“