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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Benjamin sitzt vor dem Trainingsgelände und wartet auf seinen Vater. Alle Kinder sind bereits abgeholt worden, nur er sitzt noch da. Der Vater ruft an, er sei im Meeting, würde später kommen. Benjamin kennt das schon. Aber da ist ja noch der Platzwart, der kann ihn ja nach Hause fahren. Findet Benjamin. Der Platzwart ist da anderer Meinung und beschließt, Benjamins Wunsch nach Beachtung einfach zu ignorieren. Immerhin ist Benjamin ja nur ein Kind, der soll sich mal nicht so anstellen. Doch da ist wiederum Benjamin ganz anderer Meinung. Und nimmt die Herausforderung an. 14 Minuten, zwei Hauptdarsteller, ein Drehort. Aus dieser reduzierten Mixtur erschafft Regiestudent Simon Ostermann von der Filmuniversität Babelsberg ein wunderbar unterhaltsames Kurzfilmvergnügen mit absolut stimmigem Timing. Zwar gibt es nicht viel Dialog, doch der Austausch zwischen den beiden Akteuren wird so auf den Punkt inszeniert, dass sich sämtliche Informationen und Charakterisierungen auch durch die Bilder vermitteln. Jef Bayonne ist großartig als kauziger Platzwart, der sich von Halbstarken keinen Blödsinn bieten lassen will, aber doch das Herz auf dem rechten Fleck hat. Und das Nachwuchstalent Max Kluge ist sein kongeniales und extrem ausdrucksstarkes Pendant als Benjamin. Die Kamera, das Szenenbild und die Musik sind perfekt in ihrer Umsetzung des starken Drehbuchs. Und so gelingt Simon Ostermann eine kleine feine Kurzfilmperle über eine ungewöhnliche Freundschaft.

      Jurybegründung:

      Vielleicht hätten zwei Minuten weniger Lauflänge dem Film noch besser zu Gesicht gestanden. Das allerdings ist tatsächlich der einzige Kritikpunkt, den die Jury an Simon Ostermanns Kurzfilm beklagen könnte. BAMBOULE ist ein sympathischer kleiner Film über zwei Außenseiter, die auf ungewöhnliche Weise zusammen finden. Nach dem Fußballtraining ist Benjamin von seinem Vater nicht abgeholt worden. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich mit dem menschenscheuen Platzwart gut zu stellen. Das ist nicht so einfach, zahlt sich am Ende jedoch aus.

      Mit einem guten Gespür für den Schnitt und einer sehr professionellen Kamera erzählt BAMBOULE die Geschichte einer allmählichen Annäherung. Das Ergebnis ist eine unterhaltsame Kurzfilmperle, die - wie die Jury findet - sowohl ein jugendliches, wie auch ein erwachsenes Publikum begeistern wird.

      So entrückt die Story vielleicht wirken mag, so angenehm ist sie wahrzunehmen. Als Zuschauer möchte man dem Film folgen und glauben, was BAMBOULE in all seiner beschwingten Subversivität erzählt. Der Film vermeidet ganz bewusst große Gesten und setzt stattdessen auf kleine Zeichen und Andeutungen. Ein vorbeifahrender Bus, eine moderne, sich wie von Geisterhand öffnende Kofferraumklappe stehen für die kompromisslose Vermeidung von Redundanzen, sie bringen Tempo und vermeiden schwülstige Erklärungsversuche.

      Ähnlich, so lobte die Jury in der Diskussion, verhält es sich mit den akustischen Reizen des Films, der verwendeten Musik und vor allem den gut eingesetzten, minimalistischen Dialogen. Das Timing stimmt immer. Mehr Text hätte die dramaturgische Wirkung des Films zerstört, weniger Text aber hätte BAMBOULE zum Stummfilm reduziert.

      Das Geheimnis seines Erfolges sieht die Jury letztlich allerdings in den exquisit gestalteten Charakteren des Films. So stringent der Film erzählt, so stringent hat Ostermann seine Figuren angelegt. Der Muffeligkeit des Platzwartes hat er die Penetranz des dicklichen Benjamin gegenübergestellt, und damit zwei eigensinnige Charaktere geschaffen, die sich bis zum Schluss treu bleiben und dennoch Freunde werden. Hervorragend besetzt mit Max Kluge und Jef Bayonne, die - da ist sich die Jury sicher - auch in Langfilmen bestehen könnten.

      Simon Ostermann ist mit BAMBOULE ein erstaunlich frischer Film über eigensinnige Charaktere geglückt, ein Film, dem die Jury gerne das Prädikat “besonders wertvoll“ verliehen hat.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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