Fakten und Hintergründe zum Film "Balkan Traffic - ?bermorgen Nirgendwo"

Kino.de Redaktion |

Balkan Traffic - Übermorgen Nirgendwo Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Anmerkungen des Regisseurs und Co-Regisseurs

Den Vorschlag der Produktionsfirma, gemeinsam die Regie des Films ÜBERMORGEN NIRGENDWO zu übernehmen, haben wir gern angenommen. Denn in dem besonderen Fall handelt es sich um eine Geschichte, die Charaktere aus der westlichen und östlichen Welt miteinander in Verbindung setzt. Die Co-Regie eines Serben und Deutschen drängt sich damit fast von selbst auf. Jeder von uns steuert eine andere Perspektive und einen anderen persönlichen Hintergrund bei: Zum einen Milan, der Serbe, der mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat und zum anderen Markus, der Jahre in Polen studiert und gelebt hat. Wir beide wissen, wie schmerzhaft und absurd Vorurteile gegenüber anderen Nationen sein können. So gelang es uns, beim Thema kulturelle Missverständnisse und gegenseitige Vorurteile gemeinsam die ganze Bandbreite dieses Komplexes auszuschöpfen.

In unserer gemeinsamen Arbeit haben wir über viele Etappen festgestellt, dass scheinbar offensichtliche Scherze und Anspielungen eines Deutschen dem Serben nichts sagten und vice versa. Umgekehrt dagegen – und das häufiger als im ersten Fall – hat die gemeinsame Diskussion den Kern von Differenzen und damit Satire erst entstehen lassen und erst gemeinsam ist der Ozean dieses komischen Potentials zu entdecken. Gleichzeitig hat sich über die intensive Zusammenarbeit ein gegenseitiges Verständnis entwickelt, das ein diffiziles Projekt, wie es die Co-Regie ist, ermöglicht. Jeder von uns bringt seine persönlichen Erfahrungen in den Film ein, die emotionalen Bewegungen der Charaktere sind auch die unseren und jeder Moment der Geschichte ist auch ein Teil unserer eigenen Geschichte.

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Das Gute daran ist, dass keiner von uns dies als Beginn einer Tragödie sieht, sondern eher als Auftakt für eine Entdeckunsreise ins Komische: Let ́s rock-and-roll on stereotypes! ÜBERMORGEN NIRGENDWO ist schwarzhumorig und funktioniert über weite Strecken wie ein Road-Movie. Die stereotypische Zeichnung, mit denen die drei Protagonisten anfangs versehen sind, ist das Korsett aus denen die Charaktere sich im Laufe ihrer Fahrt befreien.

Jeder geht durch die Erzählung seinen eigenen Weg. Ulla als verklemmte Polizistin lernt, dass ihre wahren Bedürfnisse keineswegs Recht und Ordnung sind, Zoki, dass man sich auf andere Menschen einlassen kann und Feti, dass man über seinen Schatten springen muss, wenn das eine echte Freundschaft verlangt. Und so folgen wir wie in jedem Road-Movie der Reise unserer Helden im doppelten Sinn: ihrer geographischen und ihrer emotionalen. Zoki und Feti führen mehr aus der Not heraus als aus freien Stücken ein gemeinsames Geschäft. Tatsächlich können die beiden sich nicht riechen. Durch Ulla, die auf denkbar unerwartete Weise in ihr Leben tritt und den Ärger, den sie durch Ulla bekommen, werden sie - auf ihre Weise - schließlich zu Freunden. Ullas Reise in den Balkan ist eine ganz andere: Sie lernt ein anderes Leben, eine neue Haltung kennen und … den Mann ihrer Träume. Mit anderen Worten: Sie lernt einfach, weniger Deutsch zu sein.

(Markus Stein & Milan Puzic, April 2006)

Anmerkungen des Produzenten

ÜBERMORGEN NIRGENDWO ist für die Hoferichter & Jacobs GmbH und für mich die bislang größte Spielfilmproduktion und zugleich das Vorhaben, mit dem längsten Vorlauf. Am Rande der Berlinale 2000 haben wir zum ersten Mal von der Idee gehört, roh, bruchstückhaft aber schon damals mit dem Potential für eine schwarze Komödie, verankert im Hier und Heute. – Das war der Reiz und der Beginn eines Weges mit vielen Höhen und Tiefen. Nun, gut fünf Jahre später, drehen wir diese Komödie.

Geändert hat sich inzwischen fast alles. Die Situation auf dem Balkan, das offizielle europäische Verhältnis zu den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens und auch unsere Sicht auf die Gegend, die es nun nur noch mit Kriegsverbrecherprozessen oder bunten Berichten aus den neuen Urlauberhochburgen in die Nachrichten schafft. Was geblieben ist, sind die Zokis und Fetis, die wir hierzulande so merkwürdig identisch wahrnehmen, Vorurteile, Missverständnisse und das auf die Küstenstandorte beschränkte Wissen um die Region, die geografisch so viel näher liegt, als Mallorca oder Helsinki. Wie also einen Film produzieren, der hier wie da sein Publikum findet, der Menschen hier wie da eine Geschichte erzählt? Mein Schlüsselerlebnis bei der Entwicklung des Buches war ein Abend, an dem es darum ging, die deutsche Protagonistin stärker heraus zu arbeiten – von einem Autor ohne deutschen Pass, ohne deutsches Visum, an seinem serbischen Schreibtisch. Sein Weg führte über den Belgrader Hauptbahnhof. Hier gab es die Cosmopolitan und damit die – aus seiner Sicht - ultimative Wahrheit über deutsche Frauen…

Mutmaßlich das k.o. bei einem deutschen Publikum. Viele solcher Erlebnisse folgten. Es dauerte Abend um Abend bis ich nachvollziehbar den Ort des finalen Begräbnisses und den Namen der Mafia-Familie aussprechen konnte. Aber waren sie Orthodoxe? Muslime? Oder doch eher Katholiken? Der Weg zu ÜBERMORGEN NIRGENDWO musste deshalb über ein Ko-Development führen. Erst die glückliche Verbindung zwischen dem Serben Milan Puzic und dem Deutschen Markus Stein war der Schlüssel zu einem verfilmbaren Drehbuch, mit dem Partner hier wie da zu begeistern waren. Dass die Konstellation der beiden sich dabei so fügte, dass sie auch gemeinsam Regie führten, nährt meinen Optimismus, weitere Partner und vor allem das entsprechende Publikum in Ost- und Westeuropa zu finden.

Dass der Film nun als echte europäische Koproduktion mit Lotus-Film, Wien und den Jadran Studios, Zagreb zustande kommt, ist die produktionsseitig konsequente Fortsetzung des mit dem Ko-Development eingeschlagenen Weges. Schon die bis hierher gemachten Erfahrungen zeigen, dass eine europäische Ko-Produktion, die über die Übernahme technischer Leistungen oder der Postproduktion hinaus geht, in der Entwicklung beginnen muss. Dass es möglich ist, die dafür geeigneten Stoffe zu finden, zeigt diese

(Produktion. Olaf Jacobs, April 2006)

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