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Balanceakt

Filmhandlung und Hintergrund

Intensives und streckenweise verblüffend heiteres Drama mit Julia Koschitz als erfolgreiche Architektin, die an Multipler Sklerose erkrankt. Die erfolgreiche Wiener Architektin Marie hat ihr Leben auch als Frau und Mutter perfekt im Griff. Eines Tages jedoch entgleiten ihr die Dinge, im übertragenen Sinn sowie buchstäblich: Ihre rechte Hand fühlt sich immer öfter an, als wäre sie eingeschlafen. Als ihr Sohn beim...

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Intensives und streckenweise verblüffend heiteres Drama mit Julia Koschitz als erfolgreiche Architektin, die an Multipler Sklerose erkrankt.

    Die erfolgreiche Wiener Architektin Marie hat ihr Leben auch als Frau und Mutter perfekt im Griff. Eines Tages jedoch entgleiten ihr die Dinge, im übertragenen Sinn sowie buchstäblich: Ihre rechte Hand fühlt sich immer öfter an, als wäre sie eingeschlafen. Als ihr Sohn beim Kletterausflug beinahe abstürzt, weil sie sein Seil nicht halten kann, lässt sie sich untersuchen. Die Diagnose ist niederschmetternd: Multiple Sklerose. Fortan ist nichts mehr, wie es mal war.

    Im deutsche Fernsehfilm, der größtenteils aus Krimis und Komödien besteht, ist Julia Koschitz erste Wahl auch in Dramen, u.a. vielen Filmen über existenzielle Themen von Johannes Fabrick. Regisseurin Vivian Naefe („Die wilden Hühner“) hat zwar in letzter Zeit vermehrt Komödien à la „Chaos Queens“ gedreht, aber natürlich beherrscht sie ernste Stoffe ebenfalls; und „Balanceakt“ ist thematisch Drama pur, weil Maries Dasein völlig aus dem Gleichgewicht gerät. Der Titel ist daher treffend gewählt: Sie muss ihr Leben neu ordnen und einen Ausgleich zwischen Krankheit, Familie und Beruf finden. Gegenüber ihrer wichtigsten Auftraggeberin erfindet die Architektin immer wieder neue Unpässlichkeiten, und auch ihren Eltern (Ulli Maier, Peter Lerchbaumer) würde sie die Diagnose am liebsten verschweigen. Es ist ihr Mann Axel (David Rott), der bei einem Besuch damit herausplatzt, und das ausgerechnet in dem Moment, als Maries Schwester Kerstin (Franziska Weisz) gerade verkündet hat, sie werde demnächst heiraten.

    Autorin Agnes Pluch (zuletzt „Die Kinder der Villa Emma“; 2018, ARD) hat unter anderem gemeinsam mit Nikolaus Leytner das Drehbuch zu dessen Drama „Am Ende des Sommers“ (2015, ARD) geschrieben, eine mit viel Feingefühl erzählte Geschichte eines jungen Mannes, der erfährt, dass er bei einer Vergewaltigung gezeugt worden ist (mit Julia Koschitz als Mutter). An Leytners Drama „Die Auslöschung“ (2013, ARD) war Pluch ebenfalls maßgeblich beteiligt. Dieser Film handelt vordergründig zwar von einer Alzheimer-Erkrankung, ist im Grunde jedoch eine Liebesgeschichte. So ähnlich funktioniert auch „Balanceakt“. Wie in „Die Auslöschung“ spielt der Krankheitsverlauf eine maßgebliche Rolle, aber das Drehbuch konzentriert sich zunächst auf die Beziehung des Paars. Zunehmende Bedeutung bekommt auch das Verhältnis der beiden völlig verschiedenen Schwestern: Marie hat stets gewusst, was sie wollte, und das auch umgesetzt; Kerstin dagegen führt ein eher unstetes Dasein. Wenn sich die beiden Frauen begegnen, brechen prompt alte Feindseligkeiten durch. Die Rolle des Lebensgefährten ist ebenfalls vielschichtig: Axel ist Komponist und Musiker, seine Kunst jedoch brotlos. Marie ist die Ernährerin der Familie, und dass sie dies beim Streit betont, trägt maßgeblich dazu bei, dass die Hauptfigur keine makellose Heldin ist.

    Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass dieser Stoff ausgerechnet Vivian Naefe angeboten worden ist: Ihre Mutter ist einst an den Folgen von Multipler Sklerose gestorben; kein Wunder, dass die Regisseurin das Angebot als „schicksalshaft“ bezeichnet. Es ist der Regisseurin umso höher anzurechnen, dass ihr bei der Umsetzung des Drehbuchs ebenfalls ein Balanceakt gelungen ist: weil sie das Auf und Ab der Geschichte aller Tragik zum Trotz vergleichsweise nüchtern erzählt. Für ein MS-Drama enthält die Geschichte zudem einige verblüffend ausgelassene, gar alberne Momente. Der unerwartet lebensbejahende Film endet daher auch mit Maries positiver Botschaft: „Ich lebe weiter. Nicht trotz der Krankheit, sondern mit ihr.“ tpg.

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