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Bad Luck Banging or Loony Porn

Kinostart: 08.07.2021

Babardeala cu bucluc sau porno balamuc: Der neue mit dem Goldenen Bären prämierte Film des Rumänen Radu Jude ist vieles zugleich: Groteske, Satire, Essay und Wörterbuch. Es geht um das geleakte Pornovideo einer Lehrerin und den darauffolgenden Volkszorn. Der rumänische Regisseur Radu Jude läuft, was die Produktivität angeht, schon länger seinen noch berühmteren Kollegen der Neuen Welle seines Heimatlandes den Rang ab. In den Berlinale-Wettbewerb ist...

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„Bad Luck Banging or Loony Porn“ im Kino

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Filmhandlung und Hintergrund

Der neue mit dem Goldenen Bären prämierte Film des Rumänen Radu Jude ist vieles zugleich: Groteske, Satire, Essay und Wörterbuch. Es geht um das geleakte Pornovideo einer Lehrerin und den darauffolgenden Volkszorn. Der rumänische Regisseur Radu Jude läuft, was die Produktivität angeht, schon länger seinen noch berühmteren Kollegen der Neuen Welle seines Heimatlandes den Rang ab. In den Berlinale-Wettbewerb ist...

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Kritikerrezensionen

  • Der neue mit dem Goldenen Bären prämierte Film des Rumänen Radu Jude ist vieles zugleich: Groteske, Satire, Essay und Wörterbuch. Es geht um das geleakte Pornovideo einer Lehrerin und den darauffolgenden Volkszorn.

    Der rumänische Regisseur Radu Jude läuft, was die Produktivität angeht, schon länger seinen noch berühmteren Kollegen der Neuen Welle seines Heimatlandes den Rang ab. In den Berlinale-Wettbewerb ist er nach „Aferim!“ zum zweiten Mal jetzt mit seiner essayistischen Groteske „Bad Luck Banging or Loony Porn“ eingeladen. Aber schon 2012 lief er auch in der Forum-Sektion mit seinem sehr tollen „Everbody in Our Family“. Gerade auch mit seiner Satire „Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“, der in Karlovy Vary Weltpremiere feierte, hat sich Jude zuletzt unter den Highbrow-Kritikern einen gewissen Stand erarbeitet.

    Jetzt kommt also diese knallige Geschichte einer rumänischen Lehrerin (Katia Pascariu), deren privates Pornovideo unbeabsichtigt ins Internet gerät und ihre Existenz gefährdet. Radu Jude hat seinen Film klar in vier Akte aufgeteilt. Zuerst ist da das explizite Pornovideo selbst, das am Anfang gezeigt wird, worauf der Film die Lehrerin mehr oder minder orientierungslos durch das von Corona betroffene Bukarest wandern lässt. Der zweite Teil stellt eine Form von essayistischem Wörterbuch dar, der Begrifflichkeiten sarkastisch, ironisch und satirisch beißend in kritische Kontexte einbettet. So wird etwa der Begriff „Weihnachten“ mit einer Erschießung von Sinti und Roma im Zweiten Weltkrieg in Verbindung gesetzt, wo die Soldaten angehalten waren, schneller zu morden, damit sie das Fest nicht verpassten. Vor allem rechnet hier Jude mit der Scheinheiligkeit des eigenen Staates ab, der noch im Jahre 1944 alternative Glückwunschschreiben vorbereitete, in denen entweder Josef Stalin oder Adolf Hitler gedankt wurde.

    Im dritten Akt findet im Hof der Schule ein bunt ausgeleuchtetes Tribunal statt. Gesellschaftliche Vertreter von der Kirche, aus dem Militär, aber auch in Form eines Airbus-Mitarbeiters richten über die vorne sitzende Lehrerin mit größtenteils scheinheiligen, frauenfeindlichen, antisemitischen oder homophoben Äußerungen. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit ist der katholische Geistliche, der auf seinem Mundschutz “ I Can’t Breath“ stehen hat. Es ist eine unangenehme Versammlung von Shitstorm-Beauftragten, die da richten will. Zum Schluss gibt Jude den Zuschauer*innen je nach Gusto drei Ausgänge der Geschichte an die Hand.

    „Bad Luck Banging or Loony Porn“ zeigt mit dem Finger auf eine geistig verrohte und entgrenzte Gesellschaft, deren Bigotterie er hauptsächlich an rumänischen Entwicklungen festmacht, die aber auch eine Form von Allgemeingültigkeit besitzen. Vor allem die essayistischen Assoziationen lassen Raum für eigene Reflektionen. Der Fall der eigentlich unschuldigen Lehrerin scheint dagegen so klar wie die Empörung der gezeigten Reaktionen zu sein. Die Wutbürger machen sich in ihrem Gebahren selbst lächerlich. Alle vier Elemente des Films kommentieren die aktuelle gesellschaftliche Situation. Insbesondere die anfänglichen Straßenszenen, die dokumentarisch gedreht sind, erhalten durch die aufgezeigten Diskurse durch einfaches Schwenken der Kamera auf sexistische Werbung oder außer Kontrolle geratene Alltagssituationen nochmal eine andere Qualität.

    Michael Müller.
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