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Auf einmal war es Liebe

  

Filmhandlung und Hintergrund

Kostja Ullmann spielt in einer der charmantesten TV-Romanzen des Jahres einen vermeintlichen Versager, der seine Verflossene zurückgewinnen will. Cat Stevens‘ Song über den tiefen Schmerz der verlorenen ersten Liebe, „The First Cut Is The Deepest“, erklingt in dieser romantischen Komödie zwar kein einziges Mal, doch das Gefühl ist ständig präsent: Vor sieben Jahren hat sich Marie (Julia Hartmann) von Jakob (Kostja...

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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8 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Kostja Ullmann spielt in einer der charmantesten TV-Romanzen des Jahres einen vermeintlichen Versager, der seine Verflossene zurückgewinnen will.

    Cat Stevens‘ Song über den tiefen Schmerz der verlorenen ersten Liebe, „The First Cut Is The Deepest“, erklingt in dieser romantischen Komödie zwar kein einziges Mal, doch das Gefühl ist ständig präsent: Vor sieben Jahren hat sich Marie (Julia Hartmann) von Jakob (Kostja Ullmann) getrennt. Es genügte ihr nicht mehr, dass er vom Leben nicht mehr erwartete als ihre Liebe. Nun ist sie wieder da und stellt zu ihrer großen Verblüffung fest, dass er sich anscheinend grundlegend gewandelt hat: Er ist vielbeschäftigter Fotograf mit Aufträgen in der ganzen Welt, lebt in einem teuer eingerichteten Loft und ist plötzlich wieder eine attraktive Option. Jakob könnte am Ziel seiner Wünsche sein, aber es gibt ein gewaltiges Problem: Das Dasein, das Marie so beeindruckt, ist das Leben seines Nachbarn. Jakob hat bloß die Pflanzen gegossen, weil der Fotograf im Ausland ist; er selbst ist haargenau der gleiche Schluffi wie damals, nutzt jedoch die Gelegenheit und schlüpft in die Identität eines Anderen, um seine Verflossene zurückzuerobern. Normalerweise würde die Spannung nun aus der Frage resultieren, wie er aus der Nummer wieder rauskommt, denn irgendwann wird der Schwindel ja auffliegen. André Erkau (Buch und Regie) geht jedoch ganz anders vor: Plötzlich gibt es mit der flippigen Lotte (Kim Riedle) eine weitere Frau in Jakobs Leben.

    Natürlich sind sämtliche nur denkbaren romantischen Verwicklungen alle schon mal erzählt worden, weshalb es praktisch unmöglich ist, das Genre neu zu erfunden. Trotzdem ist Erkau eine der liebenswertesten Romanzen des Fernsehjahres gelungen, zumal der Film regelmäßig unerwartete Haken schlägt. Mindestens genauso entscheidend für die Qualität ist jedoch der warmherzige Humor der Geschichte, die auch eine Hommage an die Freundschaft ist: Johannes Allmayer darf seiner Riege wunderlicher Gestalten eine weitere hinzufügen; der Schauspieler war schon in Erkaus ersten Filmen „Selbstgespräche“ und „Arschkalt“ (2008/2011) dabei. Hier spielt er den etwas sonderbaren Kaufhausdetektiv Torsten. Er hat wortgetreu protokolliert, wie sein bester Freund damals Maries Flucht verarbeitet hat, konfrontiert ihn nun dauernd mit den Zitaten und willigt nur widerwillig in seine Pläne ein, sie zurückzugewinnen.

    Die Handschrift des Drehbuchs erinnert an die kunstvoll komponierten Komödien von Sathyan Ramesh („Eine Nacht im Grandhotel„, „Vier sind einer zuviel„, „Kein Herz für Inder„), aber auch optisch setzt Erkau immer wieder markante Akzente. Mindestens so schön wie die Umsetzung und die herausragende Arbeit mit den Schauspielern sind die kleinen Ideen, mit denen viele Dialogszenen gewürzt sind. Als Marie im Kaufhaus auftaucht, taucht Jakob unter, und zwar im Bällebad. Was zunächst bloß wie ein witziger Gag wirkt, bekommt erst durch die Inszenierung einen ganz besonderen Charme. Außerdem wird die Handlung durch diverse Nebenschauplätze bereichert, denn auch Torsten, der alles im Griff zu haben glaubt, weiß plötzlich nicht mehr, wie ihm geschieht; und selbstredend schlummert in Jakob ein Potenzial, das geweckt werden will.

    Erkau kehrt mit der Komödie gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück. Seine ersten Filme waren Komödien mit viel Tiefgang. Nach sehenswerten Kinofilmen wie „Mann tut was Mann kann“ und „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ (2012/13) hat sich der Regisseur ein wenig in der Beliebigkeit des Fernsehalltags verloren. Umso besser ist „Auf einmal war es Liebe“, zumal an diesem Film alles stimmt: das Tempo, der Witz, die kleinen Slapstickmomente; von den flott vorgetragenen komischen Dialogen ganz zu schweigen. Außerdem ist Erkau ein Kunststück gelungen: Die Komödie spielt in der Vorweihnachtszeit, aber es gibt fast keinen Christmas-Pop. tpg.

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