Filmhandlung und Hintergrund

Sinnliches Melodram über eine Künstlerin, die gegen die Konventionen ihrer Zeit ein selbstbestimmtes Leben führte.

Artemisia, die Tochter eines bekannten Malers, hat sich der Malerei verschrieben. Heimlich arbeitet sie an männlichen Aktstudien und möchte der Enge des väterlichen Ateliers entfliehen. Maler Agostino Tassi nimmt sie widerwillig als Schülerin an. Bald verbindet Meister und Schülerin nicht nur die Liebe zur Kunst, sondern auch ein leidenschaftliches Liebesverhältnis. Der entsetzte Vater zeigt Tassi wegen Vergewaltigung an …

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Artemisia: Sinnliches Melodram über eine Künstlerin, die gegen die Konventionen ihrer Zeit ein selbstbestimmtes Leben führte.

    In den 70er Jahren kürten amerikanische Feministinnen Artemisia Gentileschi zur Symbolfigur. Ganz anders nähert sich Agnès Merlet der Malerin aus dem 17. Jahrhundert. Sie erzählt eine Geschichte von Leidenschaft und Enttäuschung, von der Initiation einer jungen Frau in die Kunst und in die Liebe. Verblüffend die Leistung der erst 20jährigen Hauptdarstellerin Valentina Cervi.

    Vor dem gesellschaftlichen Hintergrund Anfang des 17. Jahrhunderts entwirft Agnès Merlet (1995 „Felix“ in der Kategorie Junger Film für „Le Fils du Requin“) ein sinnliches Melodram über die italienische Künstlerin Artemisia Gentileschi, die entgegen der Konventionen ihrer Zeit ein selbstbestimmtes Leben führen wollte. Die Tochter des bekannten Malers Orazio Gentileschi (Michel Serrault) hat sich mit Leib und Seele der Malerei verschrieben, heimlich arbeitet sie an männlichen Aktstudien und möchte der Enge des väterlichen Ateliers entfliehen und Neues lernen. Der Maler Agostino Tassi (viril: Miki Manojlovic), Kollege und Konkurrent des Vaters, nimmt sie nur widerwillig als Schülerin an. Der erst 17jährigen eröffnet sich eine andere Welt, sie lernt perspektivisches Malen in freier Natur bei natürlichem Licht, der freigeistige Tassi steht ihr sogar Modell. Meister und Schülerin verbindet bald nicht nur die Liebe zur Kunst, sondern auch ein leidenschaftliches Liebesverhältnis. Der entsetzte Vater, der auf eine „Entschädigungshochzeit“ hofft, zeigt (den schon verheirateten) Tassi wegen Vergewaltigung an, es kommt zu einem skandalträchtigen Prozeß, der Artemisias Ruf zerstört und die junge Frau zutiefst demütigt und verletzt.

    In opulenten Bildern und effektvoller Dramaturgie zeichnet Merlet das Porträt einer Frau mit außergewöhnlichem Selbstverständnis, die für ihre Freiheit einen hohen Preis zahlt. Dabei läßt sie - wohl aufgrund der nur fragmentarisch vorhandenen Prozeßakten - offen, ob nun tatsächlich eine Vergewaltigung stattgefunden hat. Das Schicksal von Artemisia Gentileschi, die als erste weibliche Malerin der Kunstgeschichte gilt und unter dem Einfluß Caravaggios bedeutende Werke schuf (u.a. das aufsehenerregende Gemälde „Judith enthauptet Holofernes“) bietet Stoff für ein Liebesdrama, das sich mit den Heldinnen der Brontë-Schwestern messen kann. Neben dem Aufruhr der Gefühle steht aber auch ein intensiver Blick in die Entwicklung der Malkunst und eine Epoche des Umbruchs, in der die Thesen Galileis das gefestigte Weltbild ins Wanken brachten. Die Figur der Artemisia versinnbildlicht individuelle Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen und Kompromißlosigkeit gegenüber bürgerlicher Moral und Tabus und hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. mk.

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