Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Manchmal wäre es schön ein Fischstäbchen zu sein. Natürlich nur, wenn man bei arschkalten Temperaturen in einem Tiefkühltransporter durch die norddeutsche Landschaft geschaukelt wird und so ganz nebenbei den Lebenserfahrungen von Rainer Berg (Herbert Knaup) und Tobias Moerer (Johannes Allmayer) lauschen darf. Und obwohl Produzent Björn Vosgerau als Kind Fischstäbchen gar nicht mochte, sagte er sofort ja, als ihm Regisseur André Erkau 2007 eine Geschichte über zwei Männer, einen Tiefkühltransporter und den Umgang mit menschlichen Niederlagen vorstellte - Arbeitstitel: ARSCHKALT. Der vorgeschlagene Titel dieser Geschichte blieb, an den beiden Hauptfiguren änderte sich während der Drehbuchentwicklung dafür Einiges.

Björn Vosgerau von der Produktionsfirma WÜSTE Film GmbH und André Erkau kannten sich noch von der gemeinsamen Zeit im Hamburger Zeise Kino, und Redakteur Christian Cloos vom ZDF / Das kleine Fernsehspiel hatte bereits André Erkaus Debütfilm Selbstgespräche als Redakteur begleitet. Durch eine sehr frühe und enge Zusammenarbeit gelang es dieser Dreier-Konstellation eine Tragik Komödie zu entwickeln, deren Helden sich ihren alltäglichen Problemen auf sehr gegensätzliche Weise stellen.

Bilderstrecke starten(18 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Arschkalt

Auch in ARSCHKALT suchte André Erkau wieder nach den Pointen in den manchmal tragischen Momenten des Lebens, mit dem Ziel „schwere und Leichtigkeit in einer Art zu vermischen, die der Verletzlichkeit der Figuren eine Chance auf Intensität und Freude am Leben gegenüber stellt.“ Und wo lässt sich der kühle Wind des Schicksals, der uns manchmal trostlos um die Ohren bläst, besser finden als in der kargen Landschaft Norddeutschlands, mit Menschen, die mit ihrer ganzen eigenen Art von Humor das Leben betrachten.

Das sah auch die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein so, die gemeinsam mit dem ZDF / Das kleine Fernsehspiel und in Zusammenarbeit mit ARTE einen großen Teil der Finanzierung stellte. Ebenfalls gefördert wurde ARSCHKALT von der Filmstiftung NRW, einige Szenen des Films wurden daher auch in Nordrhein-Westfalen gedreht, in einer Landschaft, die der norddeutschen nicht unähnlich ist. Hier zieht Tiefkühlkost-Fahrer Rainer Berg zunächst einsam seine Kreise und reflektiert über die Herausforderungen des Lebens und deren Bedeutungen. Einsam allerdings nur so lange bis ihm Tobias Moerer auf seinen Liefertouren als Beifahrer begleiten soll. Der bringt durch seine ganz eigenen Betrachtungsweisen der Dinge die zunächst eisige Atmosphäre im Lieferwagen und die arschkalte Umgangsweise Bergs mit zwischenmenschlichen Beziehungen Stück für Stück zum Schmelzen.

Damit diese ungewöhnliche Paarkonstellation glaubwürdig funktioniert, legten Regisseur Erkau und Produzent Vosgerau besonders großen Wert auf die Besetzung der beiden Protagonisten. Obwohl sich Herbert Knaup und Johannes Allmayer aus früherer Zusammenarbeit kannten und Allmayer bereits in Selbstgespräche spielte, war die Besetzung nicht von vornherein klar. Zusammen mit Casterin Deborah Congia nahmen sich Regisseur und Produzent viel Zeit, die Chemie zwischen den Schauspielern zu testen. „Wir waren sehr glücklich, dass wir die Gelegenheit hatten, so großartige Schauspieler wie Herbert Knaup oder Johannes Allmayer in gemeinsamen Castings zu haben. Ein Umstand, der nicht immer selbstverständlich ist, wenn es sich um den Zweitfilm eines jungen Regisseurs handelt“, so Produzent Björn Vosgerau. Nicht so einfach war auch die Besetzung der neuen Chefin der Firma „Mr. Frost“, für die Berg und Moerer arbeiten und deren Rolle im Drehbuch mit nordeuropäischem Background festgelegt war. Doch Elke Winkens alias Lieke van der Stock hat im Casting sofort überzeugt. Und Peter Franke als Berg Senior ergänzte als „alter Profi“ und Freund von Herbert Knaup das Ensemble perfekt.

Die Rezeptur des Regisseurs ging auf: Die Chemie zwischen allen Schauspielern stimmte hervorragend - auch hinter der Kamera. Und wie die Helden im Film sah sich während der Dreharbeiten auch das Produktionsteam unvorhersehbaren Herausforderungen gegenüber. Die Temperaturen in einem echten Kühlhaus sind für Mensch und Filmtechnik nicht wirklich geeignet, eine leer stehende Fabrik für Fleischverarbeitung in Pinneberg bot daher die passende Alternative für die Szenen in der „Mr. Frost“-Zentrale. Hier konnte sich das Team in den ungenutzten Hallen und dem weitläufigen Hofgelände austoben, hier wurde gelacht, geweint und ein Iglu in die Luft gesprengt.

Und genau dieses Iglu forderte von den Darstellern und dem Team hinter der Kamera Höchstleistungen. Die extra für den Film hergestellte Spezialanfertigung eines Hüpfburgen-Herstellers erreichte das Set erst kurz vor Beginn der Dreharbeiten, es blieb daher nicht viel Zeit, das Iglu auf seine Drehtauglichkeit zu testen. Zudem begann es am entscheidenden Drehtag typisch norddeutsch zu nieseln, und die Feuchtigkeit verwandelte die Oberfläche des Iglu in eine arschglatte Rutschbahn, auf der die Schauspieler stundenlang nicht nur ihren Humor, sondern auch ihre Balancefähigkeit unter Beweis stellen mussten.

Doch damit nicht genug, denn wann wurde in einem Film schon jemals ein aufgeblasenes Iglu in die Luft gesprengt? Es gab keine Erfahrungswerte - und nur einen Versuch. Also lieber ein bisschen mehr Luft ins Iglu, damit sich dieses nicht mit einem winzigen „puff“ von den Dreharbeiten verabschiedet. Mit vier Kameras, einem Team für Special Effects und dem bangen Mitfiebern aller Beteiligten gelang dann genau das, was die Szene brauchte: Es knallte mächtig. Die akribische Vorbereitung der Dreharbeiten durch Regisseur André Erkau und Kameramann Dirk Morgenstern gestatteten sowohl die Produktionszeiten als auch das Budget einzuhalten. Es half sehr, dass sich beide gut kannten und klare Vorstellungen von den Abläufen und der visuellen Umsetzung hatten. In enger Absprache zwischen Regisseur, Kameramann und dem Stab wurden viele Landschaftsaufnahmen von einer Second Unit aus einem kleinen Helikopter gedreht. Es war Spätsommer und zum Glück spielte das Wetter meistens mit, wirklich arschkalt wurde es nur während der zwei Drehtage im Bremerhavener „Klimahaus“, in dem sich Berg und Moerer eine Schneeballschlacht liefern.

Dennoch war der logistische Aufwand der Dreharbeiten hoch. Es wirkten viele Komparsen mit, die durch lokale Medienaufrufe oder in „Kaltakquise“ durch Klingeln an Haustüren geworben wurden. Allein das Filmen der verschiedenen Hauseingänge in Nordrhein-Westfalen, die möglichst dicht nebeneinander liegen mussten, verlangten clevere und einfallsreiche Ideen. Hier konnte sich das Team wiederum voll auf den „Heimvorteil“ des Produktionsleiters Christian Vennefrohne verlassen. Der fand nicht nur das Altersheim, in dem sich Vater Berg zur Ruhe gesetzt hatte - und das eigentlich sein altes Schulinternat war -, noch dazu konnte er viele seiner Freunde und Bekannte als Komparsen gewinnen, die die Dreharbeiten mit großem Einsatz unterstützten. Wie wichtig dies tatsächlich für den Film war, kann sich nur jemand vorstellen, der schon einmal versucht hat, zwanzig Senioren zu synchronen Turnübungen zu animieren.

Und so war es das außergewöhnliche Zusammenspiel der Teams vor und hinter der Kamera und die enge Zusammenarbeit mit den Produzenten, die es André Erkau ermöglichten, seine Visionen mit Disziplin und einer sensiblen und kollegialen Regiearbeit umzusetzen. Visuell wie ein Road-Movie angelegt, führt ARSCHKALT auf eine tragisch-komische Reise in das Innere seiner Helden, die ihnen am Ende eine wunderbare Aussicht auf Liebe, Freundschaft und Vertrauen ermöglicht.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Arschkalt"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  
  • André Erkau dreht Komödie "Arschkalt" mit Herbert Knaup

    Der Regisseur von „Selbstgespräche“, André Erkau, inszeniert als nächstes die deutsche Komödie „Arschkalt“. In den Hauptrollen stehen Herbert Knaup („Das Leben der Anderen“, „Bon Appétit!“), Johannes Allmayer („Vincent will meer“) und Elke Winkens („Jud Süß“) vor der Kamera.Die Geschichte handelt von zwei Männer und einem Tiefkühltransporter. Der zynische Ex-Firmeninhaber Berg (Herbert Knaup) will nur seine Ruhe...

    Ehemalige BEM-Accounts  

Kommentare