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„War Dogs“ – die Kritik

Alexander Jodl |

War Dogs Poster

„Hangover“-Macher Todd Phillips schickt Miles Teller und Jonah Hill als naive Nachwuchs-Waffenhändler in das Geschäft mit dem Tod. Basierend auf einer wahren Geschichte und allein dadurch höchst kurios.

Diese Geschichte ist so bizarr – die muss filmisch eigentlich gar nicht überzeichnet werden: Zwei junge Typen, Mitte 20 und entsprechend sittlich-moralisch elastisch, steigen 2005 in den Waffenhandel ein. Möglich wird ihnen das durch eine neue Regelung, die auch kleinen Firmen ermöglichen soll, bei Ausschreibungen der US-Regierung mitzubieten. Rüstungsaufträge inklusive.

Eine Firma? Kein Problem. Briefkasten tut’s zur Not ja auch, finden Efraim und David. Und wer nur clever und moralisch flexibel genug ist, wird doch wohl ein paar Waffen besorgen und dann verticken können. Schließlich kursiert in den Krisenregionen und Bananenstaaten dieser Welt ja wohl genug freie Feuerkraft. Sowas muss man doch wirklich nicht auch noch selber produzieren.

Günstig einkaufen, der Army teuer verkaufen lautet die Devise. Zur Not steigt man eben auch selbst mal in den Laster, um die Bleispritzen auszuliefern. Speziell, wenn auf dem Gebiet ein entsprechendes Embargo liegt – oder sich niemand findet, der das Himmelfahrtskommando übernehmen will. Letztlich doch alles nur ein Spiel: spannend, witzig, einträglich, abgefahren – und noch dazu total cool.

Dazu eines, das überraschend gut läuft. So gut, dass in wenigen Monaten die erdrückenden Geldsorgen von früher ein für alle Mal Geschichte sind. Jetzt aber mal auf ganz dicke Hose: Boliden, Mädels, Drogen – ein Lifestyle, wie es einem selbsternannten „War Dog“ geziemt; einem Super-Checker und Krisengewinnler, dessen Kurve ganz steil nach oben zeigt. Als die beiden tatsächlich noch einen Rüstungsauftrag über 300 Millionen Dollar einsacken können, halten sich die unbedarften Waffenschieber endgültig für die Nachwuchsgötter des Waffenhandels.

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Doch schnell beginn sie zu ahnen: Bei solchen Beträgen, wird die Luft dünn. Denn erstens schneiden dir zwielichtige Typen – und an solchen herrscht in dem Umfeld kein Mangel – schon für ein Hundertstel die Haut in Streifen. Und zweitens muss man Waffen in solchen Mengen auch erst mal liefern können. Sonst fangen die falschen Leute nämlich an, immer lautere Fragen zu stellen. Bestimmte amerikanische Behörden zum Beispiel. Und das sind Menschen mit überraschend wenig Sinn für Humor…

Bevor Todd Phillips eine Komödie aus dem Stoff machte, gab es einen Artikel über die beiden Jungs im „Rolling Stone“-Magazin. „Arms & the Dudes“ also „Waffen & die Jungs“ lautete der Titel. Und was man hier an Absurditäten zu lesen bekam, schrie nach einer Verfilmung. Jetzt ist Todd Phillips zunächst ja mal bekannt als Macher der „Hangover“-Trilogie. Was uns der Komödien-Spezialist hier präsentiert ist daher keine gallige Satire, nach der so eine Vorlage eigentlich verlangt hätte, sondern eine zweistündige Melange aus solidem Storytelling, Hochglanz-Optik und ziemlich vielen witzigen Momenten – inklusive etlicher Referenzen an klassische Mobster-Movies wie Brian De PalmasScarface

Dass „War Dogs“ trotzdem gut funktioniert liegt vor allem an dem tollen Spiel von Miles Teller und Jonah Hill. Vor allem Letzterer beweist wieder einmal, dass in ihm so viel mehr steckt, als seine Paraderolle des witzigen Dickerchens. Auch Bradley Cooper als schmieriger Waffenschieber sorgt für etliche coole Momente. Im Großen und Ganzen wirkt die abstruse Story aber einfach für sich. Man muss sich lediglich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass nicht Hollywoods Autoren hinter der Idee stehen, sondern bittere Realität.

Dem immer absurderen Lauf der Geschichte zu folgen, hat dabei seine ganz eigene Faszination. Zwei launige Kaninchen tummeln sich im Krokodilgehege: Nie stellt sich wirklich die Frage, ob alles gut gehen wird – sondern bestenfalls, wann die bauernschlauen Jungs endgültig den Waffenkarren gegen die Wand fahren. Und immer wieder auch, ob sie es eigentlich überleben werden.

 Der Trailer zu „War Dogs“

 

 

 

 

 

 

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    Alexander Jodl  
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    Kino.de Redaktion  

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