Filmhandlung und Hintergrund

Thriller über einen Sicherheitsbeamten, der sich zu einem Geldraub drängen lässt und dabei auf eigene Faust vom Plan abweicht.

Ty Hackett ist beruflich als Sicherheitsbeamter mit Geldtransportern unterwegs. Eines Tages wird er von seinen Kollegen dazu gedrängt, ihnen beim Überfall eines Geldtransporters zu helfen und 42 Millionen Dollar zu stehlen. Während des Verbrechens kommt es jedoch zur Katastrophe: Einer der Beteiligten schießt einen Polizisten an und Ty besteht darauf, ihm zu helfen. Dabei gerät er mit den Ganoven sofort in einen Konflikt, der ein übles Nachspiel mit sich zieht. Ty sieht sich plötzlich in einer ausweglosen Situation.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Ein scheinbar perfekter Geldraub geht schrecklich schief und ein Abtrünniger muss sich vor seinen wild gewordenen Kollegen verstecken. Das Ganze spielt auf dem Gelände einer aufgelassenen Fabrik und mit Ausnahme zweier Verfolgungsjagden wird ein geparktes Fahrzeug zum Schauplatz des Kampfes auf Leben und Tod. Mit seinem düsteren Thriller verleiht Regisseur Nimrod Antal dem Genre des Actionfilms überraschenden neuen Glanz: Er erzeugt ein Ausmaß von Spannung und Nervenkitzel, wie man es in ähnlichen Szenarien schon lange nicht mehr antreffen konnte.

      Eine geraume Weile geht es aber zunächst nur darum, den Alltag des jungen Ty, den Columbus Short spielt, vorzustellen. Der Tag beginnt in der Dunkelheit mit dem Piepen des Weckers, und Ty bekommt den jüngeren Bruder nicht wach, bevor er das Haus verlässt. Sein Weg führt an rauchenden Industrieschloten entlang in der Morgendämmerung, er ist der einzige Mensch unterwegs. Auf einem verlassenen Platz steigt er in das Auto Cochranes. Matt Dillon mit Bart und Schnurrbart spielt den erfahrenen Mentor des Anfängers Ty. Im Umkleideraum der Sicherheitsfirma werden sie zu uniformierten Waffenträgern, die ständig nach dem Bösen Ausschau halten. Zwei Kollegen werden von Laurence Fishburne und Jean Reno gespielt, und die Anwesenheit des letzteren lässt Actionqualität à la „Ronin“ erwarten. Für Ty haben sich die Männer einen fingierten Überfall ausgedacht, nur so zum Spaß, der aber demonstriert, wie allgegenwärtig die Lebensgefahr für die Kuriere hoher Geldsummen ist.

      Cochrane macht Ty allmählich seinen Plan schmackhaft, sich zu sechst die 42 Millionen Dollar aufzuteilen, die am nächsten Tag abzuholen sind. Tys Vater habe trotz zweier Jobs nichts als Schulden hinterlassen, sein Einsatz sei nicht angemessen honoriert worden. Wie ernst Tys Lage tatsächlich ist, erfährt dieser am gleichen Abend beim Besuch einer Frau von Jugendamt. Der junge Bruder, für den Ty nun sorgt, geht nicht zur Schule, und soll in staatliche Obhut. Ty wiegelt ab, als die Frau fragt, ob der Verlust des Elternhauses droht, weil er glaubt, dass das nicht passieren darf.

      Unter diesen Voraussetzungen wird der dekorierte Kriegsveteran am nächsten Morgen schwach, und selbst die Dienstmarke, die ihm der alte Chef überreicht, weist ihm keinen Weg aus der Krise. Ähnlich wie in „96 Hours“ von Pierre Morel ist das Leben des Actionhelden trist, bedrückend, ein Labyrinth von Ängsten und Verlusten. Der in Amerika geborene Ungar Antal interessierte sich bereits in „Motel“ für die Rückzugsgebiete der Abgehängten, dort war es das Hinterland der Highways. Diesmal entfaltet er seine klaustrophische Atmosphäre in einer aufgelassenen Stahlfabrik, einem riesigen, menschenleeren Gelände voller rostender Metallplatten, Schutt und Staub, das den Männern als Versteck für die Millionen dienen soll.

      Dass sich hier Action und menschliche Dramen gegenseitig bis zum Äußersten hochschaukeln, ist vermutlich nicht nur dem speziellen Blick Antals zu verdanken, sondern auch dem Drehbuchautor James V. Simpson, der als Anfänger eine große Originalität mitbringt. Ty wollte den verletzten Obdachlosen ins Krankenhaus bringen und die anderen ihrem Schicksal überlassen, doch Cochrane erschoss den Mann. Nun sitzt Ty verbarrikadiert in dem gepanzerten Fahrzeug, eine kurze Weile konnte er einen Alarm auslösen, doch die Kollegen hämmern schon mit vereinten Kräften gegen die Türverriegelung, die sich millimeterweise bewegt.

      Das Hämmern wird nur unterbrochen, weil ein junger Streifenpolizist auftaucht. Auch er wird angeschossen, und Ty zieht den Mann wie im Krieg aus der Schusslinie ins Innere des Fahrzeugs. Während die Zeit verrinnt, steigt die Verzweiflung aller. Cochrane zerfurcht sich das Gesicht mit den Fingern. Jeder Zwischenfall macht sie noch entschlossener. Geredet wird wenig, Entscheidungen fallen manchmal stumm, und jeder kann sich verdächtig machen. Die drohende Vernichtung liegt über jeder Einstellung, lähmend und panisch zugleich.

      Fazit: Nimrod Antal erzeugt atemberaubende Spannung in diesem Actionthriller mit seltener emotionaler Dichte.
    2. Armored: Thriller über einen Sicherheitsbeamten, der sich zu einem Geldraub drängen lässt und dabei auf eigene Faust vom Plan abweicht.

      Ein todsicherer Coup läuft wieder einmal aus dem Ruder - diesmal schnörkellos-spannend inszeniert von „Kontroll“-Regisseur Nimród Antal.

      Das perfekte Verbrechen - keine Opfer, keine Gewalt, keine Spuren - der Traum eines jeden Ganoven. Und Michael Cochrane (Matt Dillon), Angestellter einer Werttransportfirma, glaubt zu wissen, wie ein solches durchzuführen ist. 42 Millionen Dollar Beute verspricht er seinen Komplizen. Schnell, sauber und sicher. Zur Mithilfe überredet werden muss nur Kollege Ty Hackett (etwas blass: Columbus Short), ein dekorierter Irak-Veteran. Da ihn Schulden drücken, er mit den Ratenzahlungen fürs Haus im Verzug ist und zudem die Vormundschaft für seinen Teenager-Bruder (Andre Kinney) zu verlieren droht, steigt er widerwillig mit ein.

      „Armored“ heißt die zweite US-Arbeit (nach „Motel“) von Regisseur Nimród Antal, dem mit seinem in Ungarn produzierten, unter anderem in Cannes prämierten Überraschungserfolg „Kontroll“ der internationale Durchbruch gelang. Einen Thriller nach bewährtem Muster legt er vor, ein einfacher, vermeintlich todsicherer Plan läuft nach dem stringenten Debütdrehbuch von James V. Simpson aus dem Ruder. Grund: Einer der Beteiligten verliert die Nerven, schießt bei dem Coup - entgegen der Abmachung - auf einen zufällig auftauchenden Polizisten (Milo Ventimiglia) und verletzt ihn schwer. Ty besteht darauf, diesem zu helfen - und so werden aus vermeintlichen Freunden im Handumdrehen erbitterte Feinde.

      John McTiernans „Stirb langsam“-Szenario wird hier variiert, freilich nicht ganz so spektakulär, trotz relativ bescheidenen Budgets jedoch ansehnlich. Statt eines Hochhauses dient ein stillgelegtes Fabrikgelände als Schlachtfeld, statt eines Stockwerkes gilt es für die Ein-Mann-Armee Ty einen Panzerwagen zu halten. Antal legt sein Augenmerk konsequent auf Action, konstruiert einen sauberen Spannungsbogen und verzichtet weitgehend auf unnötige dramaturgische Spielereien. Dem Genre entsprechend lassen sich die bösen Buben kategorisieren, rücksichtslos-verschlagen agiert Matt Dillon („L.A. Crash“), maulfaul-cool Jean Reno („Leon - Der Profi“), aufbrausend Muskelberg Laurence Fishburne („Matrix“), durchgeknallt Ex-Knacki Amaury Nolasco („Transformers“) und neurotisch Skeet Ulrich („Scream - Schrei!“). Letzterer hört auf den Rollennamen Dobbs, wie Humphrey Bogart einst in John Hustons Klassiker „Der Schatz der Sierra Madre“ - und da ließen Neid, Misstrauen und Gier auch schon den Traum vom großen Geld platzen. Der Regisseur kennt sich mit Hollywood und seinen Regeln aus - das lässt auf sein „Predator“-Reboot hoffen. geh.

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