Another Year

  1. Ø 0
   2010

Another Year: Altmeister Mike Leigh begleitet ein harmonisches Mittelschichtsehepaar, ihre Freunde und Verwandten durch die Jahreszeiten und macht mit dieser perfekten "comédie humaine" rundum glücklich.

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Filmhandlung und Hintergrund

Another Year: Altmeister Mike Leigh begleitet ein harmonisches Mittelschichtsehepaar, ihre Freunde und Verwandten durch die Jahreszeiten und macht mit dieser perfekten "comédie humaine" rundum glücklich.

Gerri und Tom sind seit Jahrzehnten glücklich verheiratet und immer noch sichtbar ineinander verliebt. Sie bilden die zentrale Anlaufstelle für ihre weniger glücklichen Freunde und Verwandte. Wie bereits bei „Happy-Go-Lucky„, sieht Mike Leigh dem ganz normalen Leben bei der Arbeit und im Alltag zu. Berührend und gleichzeitig humorvoll feiert „Another Year“ dabei das kleine Glück einer intakten Familie im Wechsel der Jahreszeiten.

Gerri und Tom sind seit Jahrzehnten glücklich verheiratet und immer noch sichtbar ineinander verliebt. Sie bilden die zentrale Anlaufstelle für ihre weniger glücklichen Freunde und Verwandten. Durch die Jahreszeiten hindurch sind Gerri und Tom immer für alle da, vor allem für die kreuzunglückliche Arbeitskollegin Gerri, die ihr Pech in Alkohol ertränkt. Schließlich stirbt auch noch die Frau von Toms entfremdeten Bruder Ronny. Aber Gerri und Tom bleiben eine Konstante, durch alle Krisen und Nöte hindurch.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Was passiert in dieser Geschichte? Dem Ehepaar im Zentrum geht es gut: Gerri und Tom haben ein gepflegtes Heim, Spaß im Garten und beim Kochen, vor allem haben sie einander. Das macht sie zum Hafen für gestrandete Existenzen in ihrem Bekanntenkreis, aber auch der berufstätige Sohn und seine neue Freundin kommen gerne auf Besuch. Man fühlt sich wohl in ihrem kleinen Reihenhäuschen und das Zuschauen wird nicht langweilig in diesem eigenartigen Film des britischen Regisseurs und Drehbuchautors Mike Leigh.

    Eigenartig ist es, ein glückliches älteres Ehepaar in seiner Zufriedenheit und den kleinen Dramen, die mehr um sie herum passieren, zum Thema eines ganzen Films zu machen. In seiner Realitätsnähe fast dokumentarisch, erzählt Leigh von den Gesprächen des Paars im Schrebergarten und beim Essen mit Gästen, im Wandel der vier Jahreszeiten. Zunächst hat der Sohn noch keine Freundin, später doch, dann stirbt Toms Schwägerin und der Bruder kommt zu Besuch. Tom und Gerri sind wie ein Fels in der Brandung, in sich ruhend und sympathisch, während Gerris Kollegin Mary an ihrer Einsamkeit fast zerbricht.

    Man kann einen solchen Film, der das Glück der bürgerlichen Genügsamkeit in Haus und Garten feiert, mögen oder ablehnen, sich auf der Suche nach seiner Botschaft verlaufen, es als wirklichkeitsnah oder als befremdlich empfinden, wie hier ein Ehepaar, dem das Altwerden gut gelingt, mit Menschen kontrastiert wird, die in diesem Lebensabschnitt vor dem Nichts stehen. Mary, gespielt von Lesley Manville, ist ein Nervenbündel, sie bezieht bei ihren Besuchen gerne alle in ihre Krisen ein und sucht geradezu verzweifelt einen Mann. Nur der dicke grauhaarige Ken, der sich für sie interessiert und der ebenfalls sehr an seiner Einsamkeit leidet, soll es nicht sein.

    Während sich diese menschlichen Dramen in ihrem Haus und Garten abspielen, bleiben Tom und Gerri gelassen, fallen nie aus der Rolle und sind sich gegenseitig ein sanftes Korrektiv. Tom, gespielt von Jim Broadbent, hat den englischen sarkastischen Humor, meistens aber beobachtet er mitfühlend. Einzig auf der Beerdigung seiner Schwägerin, im Haus seines Bruders Ronnie, wird Tom ungehalten und stellt sich dem aggressiven Neffen entgegen. Gerri, die von Ruth Sheen gespielt wird, bleibt auch privat stets besonnen wie eine Psychologin. Ihren Gästen ist sie ein Vorbild an gutem Benehmen und böte ihnen allen Grund, neidisch zu werden.

    Der Film bevorzugt ruhige, lange Szenen, in denen dann die Sehnsucht und die Not zum Beispiel von Mary, wenn sie mit Toms Bruder Ronnie ins Gespräch zu kommen versucht, schmerzlich und auch ein wenig komisch aufscheinen. Denn Ronnie ist kein Mann der vielen Worte, was nicht heißt, dass er sich nicht auf alles sein Reim macht. In der Eingangsszene besucht eine ebenso gesprächsunwillige Frau das Gesundheitszentrum, weil sie an Schlafstörungen leidet. Auch Gerri kann ihr nicht entlocken, was ihr Kummer macht, aber das Gesicht der Frau zeigt deutlich, dass es für sie keinen Ausweg daraus gibt. Zwischen dem glücklichen Ehepaar und der Trostlosigkeit ringsum liegen Welten.

    Fazit: Ruhiger, realitätsnaher Film über ein Ehepaar, das zufrieden alt wird und gleichaltrige Freunde, denen das nicht gelingt.
  • Altmeister Mike Leigh begleitet ein harmonisches Mittelschichts-Ehepaar, ihre Freunde und Verwandten durch die Jahreszeiten und macht mit dieser perfekten „comédie humaine“ rundum glücklich.

    Er war der haushohe Kritikerfavorit und ging bei der Palmenverleihung in Cannes unverständlicherweise leer aus. An der Kinokasse könnte Mike Leigh, der in leisen Tönen vom wahren Leben erzählt, die Preisträger dagegen souverän toppen mit einem Stoff, der Herz und Verstand gleichermaßen erobert. Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Familie und Freundschaft, Liebe und Trost, Freude und Leid, Hoffnung und Enttäuschung im Rhythmus der vier Jahreszeiten, Geburt und Tod.

    Um die Londoner Therapeutin Gerri und den Geologe Tom, seit Jahrzehnten glücklich verheiratet und fast im Rentenalter, scharen sich die unterschiedlichsten Leutchen. Allen voran Gerris Arbeitskollegin Mary, die ihren Frust über das defizitäre Liebesleben im Suff ertränkt und mit ihrer ständigen Plapperei allen gehörig auf den Nerv geht. Der Sohn des Paares, der über sein Single-Dasein klagt und dann doch die Richtige in Gestalt von Katie, einer Ergotherapeutin, findet, der übergewichtige Ken, Toms Freund seit Kindertagen, dessen Maxime „No thinking, but drinking“ sein T-Shirt ziert und Toms Bruder Carl, der im Winter seine Frau verliert und für einige Tage mit nach London kommt.

    Jim Broadbent und Ruth Sheen sind als „happy couple“ das emotionale Zentrum des Films, die beste Performance liefert Lesley Manville als Mary mit ihrer fiebrigen Energie und Herz zerreißenden Traurigkeit in endloser Einsamkeit. Es passiert wenig und doch viel bei dieser tour d’horizon durch einen unaufgeregten Alltag mit seinen Kümmernissen, Veränderungen und Herausforderungen, man trifft sich, plaudert, trinkt (nicht zu wenig) und speist, ackert im Garten – das Leben ist ein ruhiger Fluss, es sind die einfachen Dinge, die zählen.

    Leigh macht mit leichter Hand das Normale zum Außergewöhnlichen, lässt auch in desolaten Situationen ermutigenden Humor durchscheinen. Um Aufmerksamkeit für seine manchmal sehr gutmenschigen, manchmal verzweifelten und an der Wirklichkeit wund gescheuerten Helden zu wecken, braucht er keine technischen Mätzchen. Da reichen präzise Dialoge, stimmige Atmosphäre, seine schon legendäre Fähigkeit, einem brillanten Ensemble Höchstleistungen abzuverlangen und sein langjähriger DOP Dick Pope, ein Magier der Kamera, der immer genau den richtigen Moment einfängt und dem nicht eine einzige Regung in Mimik oder Gestik entgeht. Man möchte gerne noch „Another Year“ mit allen erleben und gucken, was aus ihnen wird. Packendes, weil ehrliches Kino. mk.

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