Anonyma - Eine Frau in Berlin (2008)

Anonyma - Eine Frau in Berlin Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Anonyma - Eine Frau in Berlin: Drama, das das Tabuthema Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs nach den Tagebuchaufzeichnungen aufgreift.

Als im April 1945 die Russen in Berlin einmarschieren, beginnt für die Zivilbevölkerung ein Martyrium. Massenhaft vergewaltigen die Eroberer Frauen jeden Alters. Auch in einem halb zerstörten Wohnhaus kommt es zu traumatischen Übergriffen, unter denen die frühere Journalistin und Fotografin Anonyma (Nina Hoss) zu leiden hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Schutz beim russischen Offizier Andrej (Jewgeni Sidikhin), was ambivalente Gefühle auslöst.

Bis heute ein Tabu: Die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Soldaten der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg. Basierend auf den weltweit Aufsehen erregenden Tagebuchaufzeichnungen einer anonym gebliebenen Autorin, inszeniert Max Färberböck ein erschütterndes Drama.

Beim Einmarsch der Roten Armee April 1945 in Berlin gehört Anonyma, eine weitgereitse Fotografin und Journalistin, zu den Frauen, die von Russen vergewaltigt wird. Um nicht Opfer vieler weiterer Männer zu werden, sucht sie sich einen Beschützer und findet ihn in dem melancholischen Major Andrej, einem belesenen und Klavier spielenden Feingeist.

Beim Einmarsch der Roten Armee April 1945 in Berlin gehört Anonyma – Fotografin und Journalistin, gebildetes Bürgertum, Auslandsaufenthalte in London, Paris, Moskau – zu den Frauen, die von Russen vergewaltigt werden. Um nicht weiteren Männern zum Opfer zu fallen, sucht sie sich einen Beschützer und findet ihn im melancholischen Major Andrej, einem belesenen und Klavier spielenden Feingeist. Aus Berechnung und Pragmatismus entsteht ein nicht zu ortendes Gefühl, das Zuneigung zulässt inmitten der unmenschlichen Katastrophe.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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    Über den Krieg gibt es viele Geschichten. Diese ist ein Tabu und wurde lange verschwiegen. Stellvertretend für viele Frauen steht die Geschichte der Anonyma. Genau die richtige Balance zwischen deutschen und russischen Schauspielern verleiht Anonyma die Authen-tizität, macht ohne jede Schuldzuweisung deutlich, dass im Krieg alle Menschen zu Opfern werden. Die brutalen Vergewaltigungen deutscher Frauen durch russische Soldaten, aber auch das unverzeihliche Unheil, das den russischen Familien zu-gefügt wurde, wird eindrücklich und ohne voyeuristischen Blick erzählt. Ein Film über tiefe seelische Wunden. Ein Stück Zeitgeschichte, das zutiefst berührt.

    Jurybegründung:

    Wie lebten die Frauen im Berlin der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs? Große Teile der Stadt waren schon von der russischen Armee eingenommen, und es kam zu massenhaften Vergewaltigungen durch die Soldateska. Zeugnis darüber, wie diese Frauen überlebten und mit diesem Trauma umgingen, lieferte die anonym gebliebene Autorin von Tagebuchaufzeichnungen, auf denen dieser Film basiert.

    Und es gelingt dem Autoren Max Färberböck, zumindest einen Eindruck davon zu vermitteln, unter welchen Umständen diese Opfer des Krieges leben mussten. In zum Teil langen Sequenzen wird beschrieben, wie die Heldin, die Mitbewohner ihres Mietshauses und die in der Straße cam-pierenden Sowjetsoldaten die vier Tage zwischen dem Eintreffen der roten Armee und der Kapitulation Deutschlands erleben. Durch diese ungewohnte Erzählweise wirkt die Zeit wie gedehnt: Die schrecklichen Zustände scheinen kein Ende nehmen zu können - es ist, als wären die Menschen in dieser chaotischen Zwischenwelt stecken geblieben.

    Die eindrucksvoll von Nina Hoss gespielte Heldin versteinert langsam emotional, und man spürt, wie schwer es ihr fällt, sich unter den russischen Offizieren einen Beschützer zu suchen. Doch der Film macht auch deutlich, dass dies ihre einzige Chance ist, weiteren Vergewaltigungen zu entgehen. Er wird zu einer komplexen Charakterstudie, wenn sie und der Major Andrej sich wider alle Vernunft ineinander verlieben.

    Max Färberböck zeigt, wie keine erwachsene Frau in dem Haus von den Vergewaltigungen ver-schont bleibt, und es gelingt ihm, diese Gewaltakte zwar brutal, aber ohne jeden voyeuristischen Ansatz zu zeigen. So behält jede Frau, und wird sie auch noch so übel zerschunden, ihre Würde. Färberböck zeigt, wie jede Frau anders mit diesen Verletzungen umgeht, wie die einen daran zugrunde gehen, andere sich aufgeben, und einige sich wehren. Aber die Russen werden nicht etwa dämonisiert - auch sie werden als Opfer des Krieges dargestellt, und weil sie alle von russischen Schauspielern dargestellt werden und russisch sprechen, wirken sie ebenso glaubwürdig und komplex wie die deutschen Charaktere.

    Es gibt auch absurde Momente in der Geschichte wie jene Szene, in der sich Irm Hermann in der Rolle einer feineren älteren Dame sich bei all der Zerstörung um sie herum am meisten um ihren Mahagoni-Tisch sorgt. Der Film macht auf beeindruckende Weise deutlich, dass in einem Krieg alle Menschen zu Opfern werden.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Max Färberböcks „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ ist ein wichtiger Film über ein schamvoll übergangenes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Der Einmarsch der Roten Armee in das Dritte Reich in seinen letzten Zügen bedeutete für zahllose Frauen, dass sie zur sexuellen Beute der Soldaten wurden. Das 1959 erstmals in deutscher Sprache erschienene Tagebuch der bis zu ihrem Tod anonym gebliebenen Frau ist eines der wenigen Zeitzeugnisse zu diesem kollektiv tabuisierten Thema.

    Nina Hoss spielt die Journalistin, die wie die anderen, vorwiegend weiblichen Stadtbewohner, die Eroberung der Straßen und Häuser durch die sowjetische Armee erlebt und erleidet. Nach einigen Vergewaltigungen durch zum Teil rachsüchtige, zum Teil vor allem kriegsmüde Soldaten, die sich im Siegestaumel betrinken, wagt sie den Gang zu einem militärischen Befehlshaber, um dessen Schutz sie ersucht. Der von allen als Major bezeichnete Andrej weist sie zunächst kühl ab, kommt sie aber bald besuchen im Haus der Witwe, in dem sie mit anderen Überlebenden wohnt.

    Die nächsten Wochen sind geprägt von schrecklichen Erfahrungen, aber auch vom Überlebenswillen der meisten Frauen. Im Haus der Witwe finden nach der Kapitulation sogar festliche Gelage der Russen statt, an denen die deutschen Bewohner nicht alle unfreiwillig teilnehmen. Die Tagebuchautorin fügt sich ohne Selbstmitleid in ihre Rolle und schläft mit Andrej, ohne dass er Gewalt anwendet. „Sind Sie Faschistin?“, fragt der Offizier, doch sie antwortet nicht. Andrej sucht immer öfter das Gespräch mit ihr, und zwischen den beiden ungleichen Menschen entsteht etwas wie Sympathie. Der Schutz, den Andrej der Deutschen bietet, bringt ihn bei anderen Soldaten in Verruf. Dann wird er versetzt, und der Mann der Tagebuchautorin, Gerd, kommt nach Hause. Sie gibt ihm ihre Aufzeichnungen zu lesen.

    Färberböck besetzte die Rollen der sowjetischen Soldaten mit russischen Schauspielern. Die Besatzer werden trotz der Vergewaltigungen nicht verteufelt, sondern als zumeist einfache Leute dargestellt, die nach den langen Kriegsjahren Vergeltung und Vergnügen willkürlich mischen. Färberböcks Drama verstört naturgemäß mit seiner quälenden Geschichte im rechtlosen Niemandsland, in dem manche Frauen, vielleicht ähnlich den Opfern von Entführungen, mit den Tätern eine Art Beziehung eingehen. „Wie oft?“ heißt die Standardfrage, mit der die anonyme Frau und ihre Leidensgenossinnen sich auf der Straße begrüßen.

    Trotz der ernsthaften Umsetzung gibt es einige kleine Irritationen im Film: Nina Hoss und der von Evgeny Sidikhin gespielte Andrej versinken ein wenig zu oft in schwermütig-sprachlosen Blicken, so dass der Film eine fast philosophische Färbung erhält. Dann sind da auch deutsche Männer im Haus der Witwe, die zu alt für die Front waren. Sie führen erstaunlich hellsichtige Gespräche über die europäische Einigung, die wie einige andere Nebenhandlungen etwas gewollt wirken. Auch die actionmäßige Inszenierung der Häuserstürmungen mit Musikuntermalung oder die Überlänge des Films sind keine reinen Pluspunkte.

    Fazit: Max Färberböck thematisiert die von sowjetischen Soldaten begangenen Vergewaltigungen in Berlin 1945 in einem aufwühlenden Drama.
  • Mit einer fulminant aufspielenden Nina Hoss als Berlinerin mit Überlebenswillen geht das Drama nach den Tagebuchaufzeichnungen einer anonymen Autorin eines der letzten großen Tabus des Zweiten Weltkriegs an, die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch russische Soldaten.

    Es gibt keine zuverlässigen Quellen, wie viele Frauen in den letzten Kriegswochen vergewaltigt wurden, Schätzungen bewegen sich zwischen einer und zwei Millionen. Die Opfer schwiegen aus Scham über die Schändung, verdrängten das erlebte Grauen und machten sich an den Wiederaufbau. Anpackende Trümmerfrauen passten besser ins Bild der deutschen Frau als die sexuelle Beute von Siegern, die in ihrer Not Überlebensstrategien entwickelten. Unter dem Titel “Eine Frau in Berlin” erschienen die Tagebuchaufzeichnungen der “Anonyma” von April bis Juni 1945 erstmals 1954 in New York, Ende der 1950er Jahre dann in Deutschland, erst die Neuauflage 2003 sorgte durch Ungeheuerlichkeit und literarische Qualität für Aufsehen. Max Färberböck (“Aimée und Jaguar”) nähert sich dem Sujet vorsichtig, manchmal zu vorsichtig.

    Beim Einmarsch der Roten Armee April 1945 in Berlin kauern im Keller eines halb zerstörten Wohnhauses die Bewohner, hauptsächlich Frauen, die meisten Männer sind an der Front. Eine von ihnen ist Anonyma, Fotografin und Journalistin, gebildetes Bürgertum, Auslandsaufenthalte in London, Paris, Moskau. Wie ihre Leidensgenossinnen wird sie von Russen vergewaltigt, entscheidet sich nach dem ersten Entsetzen, kein Opfer zu sein, sich einen Wolf zu suchen, der ihre Würde schützt, einen hohen Militär. Den Beschützer findet sie in dem melancholischen Major Andrej, einem belesenen und Klavier spielenden Feingeist. Aus Berechnung und Pragmatismus entsteht ein nicht zu ortendes Gefühl. “Liebe ist nicht mehr das, was es war” definiert Anonyma die kurzen Momente von Menschlichkeit und Zuneigung inmitten der unmenschlichen Katastrophe.

    Färberböcks sehr gut ausgestattetes Drama erzählt vom Urinstinkt sich zu wehren, vom ultimativen Überlebenswillen und der Untauglichkeit des Regelwerks bürgerlicher Moral, ein sezierender Blick auf starke Frauen und schwache Männer, die als Wrack aus dem Krieg zurückkehren. Dabei bildet das Haus einen Mikrokosmos, in dem trotz aller Angst auch Galgenhumor herrscht, wenn Sieger und Besiegte die Befreiung gemeinsam feiern oder auf die lapidare Frage “Wie oft?” Anonymas Freundin Juliane Köhler nur die Zahl der Vergewaltigungen nennt oder “Witwe” Irm Hermann mit Argusaugen versucht, ihren Mahagonitisch vor Kratzern zu bewahren. Kleinigkeiten geben Halt in einer haltlosen Zeit. Nina Hoss in ihrer Kälte und Schonungslosigkeit lässt die in die Seele gemeißelten Wunden ahnen und im Mut der Verzweiflung auch Verletzbarkeit durchschimmern. Die Distanz als “Chronistin”, die ihre Erfahrungen aufschreibt, funktioniert im Labyrinth des Schmerzes wie Therapie. Dem Film gelingt eine Gratwanderung, er zeigt Brutalität und Bestialität der Russen (ca. 2000 russische Komparsen waren am Set), zeichnet sie aber nicht nur als Mörder und Schänder, sondern in ihrer Erbärmlichkeit und Widersprüchlichkeit. Die mutige Verfilmung des historischen Dokuments macht dem langen Schweigen ein längst überfälliges Ende. mk.

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