Angèle und Tony

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   2010

Angèle und Tony: Bittersüße, gefühlvolle Liebesgeschichte zwischen einer jungen Drifterin und einem bodenständigen Fischer in der Normandie.

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Filmhandlung und Hintergrund

Angèle und Tony: Bittersüße, gefühlvolle Liebesgeschichte zwischen einer jungen Drifterin und einem bodenständigen Fischer in der Normandie.

Der ruhige Tony lebt mit seinem jüngeren, kämpferischen Bruder und der Mutter in einer Fischergemeinde an der Küste der Normandie. Mit Fischfang und -verkauf bestreiten die drei mehr schlecht als recht ihr Leben. Da platzt eine Fremde in den Alltagstrott. Der gutmütige Tony lässt die junge Angèle, die mit allen Mitteln einen Mann erobern will, um das Sorgerecht für ihren bei den Großeltern lebenden Sohn zurückzugewinnen, bei sich wohnen, geht auf ihre aggressiven Avancen aber nicht ein. Die beiden ungleichen Menschen nähern sich an, es entsteht mehr als nur Freundschaft.

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Kritikerrezensionen

  • Mit zwei trefflich besetzten Hauptdarstellern schildert Alix Delaporte die langsame Annäherung zweier konträrer Charaktere vor dem glaubwürdig gezeichneten Fischeralltag eines Küstenstädtchens in der Normandie. Die Ex-Dokumentarfilmerin setzt auf starke Bilder, realistische Details und Emotionen, um relativ schnell eine unterschwellige Spannung aufzubauen. Man merkt es ihrer kenntnisreichen Inszenierung an, wie sie mit wenigen Strichen das maritime Leben, das Fischausweiden und den Handel mit dem Meeresfang zeichnet, dass sie mit den regionalen Gegebenheiten sowie dem Menschenschlag vertraut ist. Delaporte benötigt keine ausufernden Dialoge, um ihr Personal zu charakterisieren, sondern lässt lieber die atmosphärischen Aufnahmen für sich sprechen.

    Zu Beginn konzentriert sie sich auf die Gegensätze zwischen dem Paar: hier die hagere, hübsche junge Frau, eine impulsive Diebin und Lügnerin, dort der schweigsame, korpulente Fischer, der ihr mit Misstrauen begegnet. Der Konflikt beziehungsweise die schrittweise Verständigung erwächst aus dem Unausgesprochenen, das zunächst zwischen den Protagonisten steht. Erst langsam enthüllt sich die Wahrheit über Angèles Vergangenheit – etwa, dass sie einen Jungen hat, der bei den Schwiegereltern lebt. Um ihn zurück holen zu können, versucht sie Tony zu einer Heirat zu überreden, was für den schweigsamen Einzelgänger außer Frage steht. Über ihre Vorgeschichte schweigt sich die promiskuitive junge Frau geflissentlich aus. Ihren so einfachen wie direkten Figuren passt sich Delaportes unsentimentaler Inszenierungsstil an.

    Mit der charismatischen Clotilde Hesme, hierzulande bekannt aus „Der fliegende Händler“ sowie einigen Filme an Louis Garrels Seite, und dem Theaterschauspieler Grégory Gadebois fand Alix Delaporte zwei überzeugende Akteure für ihr desillusioniertes Personal. Nach eigenen Angabe entdeckte sie Dubois an der Seite von Hesme auf der Bühne. Selbst die Fischer am Drehort hielten den zupackenden Darsteller für so überzeugend, dass ihn sie ihn als einen der ihren akzeptierten. Im Hintergrund schwingt stets deren desolate Situation mit an, ohne dass sich der sozialkritische Anstrich stark in den Mittelpunkt drängt. Daher mag das harmonische Ende etwas zu forciert wirken, doch man gönnt den Figuren durchaus einen Ausweg aus ihrer verfahrenen Lage.

    Fazit: Überzeugendes Debüt um die schwierige Annäherung eines ungleichen Paars ohne Kitsch und Pathos.
  • Zarte Liebesgeschichte vor rauer Landschaft zwischen zwei Menschen, die von der Macht ihrer Gefühle überrascht werden.

    Alix Delaporte erzählt in ihrem Regiedebüt keine simple Story von Boy meets Girl, sondern das schwierige Einander Finden und Zähmen zwischen einem erwachsenen Mann und einer erwachsenen Frau, einem wortkargen Fischer und einer unberechenbaren Ex-Gefängnis-Insassin im rauen Klima der Normandie. Welches Verbrechen sie begangen hat, erfährt der Zuschauer nicht, wahrscheinlich eine Beziehungstat. Wie ein Blitz schlägt sie in das Leben von Tony ein, der sie als Fischverkäuferin und Hilfskraft einstellt, beobachtet und umkreist, ihr aber nicht näher kommen will. Seit zwei Jahren hat Angèle ihren Sohn, um den sich die Schwiegereltern kümmern, nicht mehr gesehen, sie will ihn zurück und kämpft um ihn. Dazu braucht sie geordnete Verhältnisse, einen Ehepartner. Und das soll ausgerechnet der Mann sein, der nach dem Verschwinden seines Vaters auf dem Meer für Mutter und Bruder die Verantwortung übernehmen muss. Zwei vom Leben in der Seele Verwundete begegnen sich in großer Sprödigkeit, in Skepsis und Misstrauen.

    Der fragile Beziehungstango ist in einer intimen Atmosphäre inszeniert, in der kleinste Gesten große Bedeutung gewinnen. Obgleich Angèle zu Beginn es mit einem Fremden schnell an der Mauer treibt, um ein Geschenk für ihren Sohn zu bekommen und den völlig irritierten Fisherman mit Begriffen wie vögeln und ficken erschreckt, umweht sie eine fast verstörende Schamhaftigkeit, wenn es um die Artikulation wahrer Gefühlen geht. Erst ganz zum Schluss wird aus ihrem unsicheren Lächeln ein befreiendes Lachen, da läuft sie mit Tony und Sohn am Strand, in eine neue Zukunft. Hoffnung auf ein Happy End. Ohne den bitteren und oft anklagenden Proletarier-Touch der Dardenne-Brüder führt Delaporte in das Milieu so genannter kleiner Leute, in ihre Sprachlosigkeit und Nüchternheit, entfernt sich aber nach und nach vom sozialen Realismus, lässt einen Hauch von Romantik zu. Ohne überflüssige Kamera-Kniffe konzentriert sich der Film auf die von Clotilde Hesme und Grégory Gardebois in großer Stärke verkörperten Figuren und weckt tiefe Empathie. mk.

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